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Die zirkulierende Bewegung der Begierde

Ich war reichlich perplex, als Google nur zwei Einträge zu dieser attributiven Bestimmung des Lustgewinns auswarf.

Der erste ist ein Kommentar zu Kalter Krieg der Geschlechter, von 2016:

„Krieg“?? Um welche BEUTE, bittscheen?

Vorab: Ich wurde letztmalig vor ca. 40 Jahren „sexuell belästigt“, wie das heute hieße. Ich war ein hübscher, schmalhüftiger langhaariger Twen mit sportlich gestähltem Po und wurde bei Jobs in Bäckereien, an Montagestraßen etc. mehrfach „Opfer“ vornehmlich jugoslawischer Frauen Ende Dreißig bis Mitte Vierzig. Zu meinem Vergnügen – nicht weil es mir geschmeichelt hätte, sondern weil es diese Frauen in meinen Augen verschönte. Nicht zuletzt deshalb, weil ihr Verhalten proletarische Solidarität einschloß. Dequalifizierte Malocherei macht notgeil – jedenfalls jemanden, der jede Menge Eier unterm / im Bauch hat.

Zur Sache.
Kaum eine Metapher dürfte derart daneben sein, daß sie nicht auszuweiden wäre. So auch hier.
In der Tat haben etliche Verlaufsformen dessen, was heute (früher selbstverständlich auch, wenngleich ein klein wenig anders) als Geschlechterkampf in Erscheinung tritt, Merkmale kriegerischer Auseinandersetzungen. Umso mehr, desto inquisitorischer die Mittel und Maßstäbe, mit denen der „Krieg“ geführt wird. Eben deshalb ist ein Artikel, der „Krieg“ im Titel führt, und an keiner Stelle auch nur die Frage aufwirft, worum denn eigentlich gekämpft wird, vollständig daneben – und das ist, Hegel sei’s gepfiffen, ja nicht „Nichts“, gelle?

Stephan Schleim gibt – falls ich nichts übersehen habe – an keiner Stelle den inquisitorischen Standort auf, den ihm die derzeit in der „Intelligentia“ – und nur dort, schätze ich – prominenten Erscheinungsformen des Geschlechterkampfes vorgeben, obwohl er diese Erscheinungsformen doch zu kritisieren vorgibt.

Tja, Leute, das ist schon der erste Punkt: So geht Kritik gerade nicht! Anders gesagt: So geht nur polizeiliche „Kritik“. Ich will ja gar nicht unterstellen, daß der Herr Schleim sich zum Großinquisitor des Geschlechterverhältnisses aufwerfen mag, aber das ist es, was er tut, indem er Schadensbilanzen aufstellt, vermeintliche oder wirkliche, sei für einen Moment dahin gestellt. Mit Aufklärung hat das nichts zu tun, es ist frontal gegenaufklärerisch.
Wenn da ein „Krieg“ sein soll und Schäden zu bilanzieren, der Autor jedoch scheinbar nicht einmal auf die Idee kommt, nach dem Nutz und Frommen des Krieges zu fragen, dann usurpiert er diesen Nutz und das Frommen nach ganz demselben Prinzip, wie es der Vatikan zur Inquisistionszeit versucht hat, um seine Position als Semi-Staat zu wahren.

Ja, ja, ich weiß, die konventionelle – ich sage unkritische – Weise, die Frage nach dem Frommen zu beantworten, lautet: (sexuelle (klein geschrieben)) (groß geschrieben) Selbstbestimmung. Ausgerechnet auf dem Feld der Sexualität. Ja, dann geht doch bitte wichsen, sage ich, abermals, dazu! Ernsthaft! Dabei solltet ihr immerhin die Möglichkeit erhalten, zu erfahren, ihr vereinigt beide Sets Geschlechtsteile in euch „selbst“, wenngleich selten an euch „‚dran“.

Um’s „‚dran“ geht’s also, darum, daß ihr etwas besitzt, was euch nicht gehört.

Ja, wie kann es denn, verdammt, dazu kommen?! solltet ihr euch fragen. Was ist der Grund für diesen Kapitalschaden, der, allgemein gesprochen, allen bilanzierten Schäden zugrunde liegt?

Natürlich kenne ich eure Antwort. „Gott hat uns so erschaffen“, als „Individuen“ nämlich.
So, hat er das?
Wichser!

Gut gut, also der Reihe nach. Soviel stimmt immerhin, das Artgenossenverhältnis zwischen Männlein und Weiblein, zwischen Männlein und Männlein und Weiblein und Weiblein, ist „iwie“ vorgegeben, ist Voraussetzung des Geschlechterverhältnisses.
Aber dies Artgenossenverhältnis ist nicht das Geschlechterverhältnis. Das sagt ihr selbst! Wär’s anders, ihr würdet euch dazu stellen, wie zur Kopulation von Hunden und Katzen. Ja, aber dann tut halt auch nicht so, als ob das Geschlechterverhältnis von Gott käme, nämlich einerseits Gott in Gestalt des Pan mit der Flöte und andererseits Gott in Gestalt eines Heiligen Geistes und Obersten Richters über die sündigen Flötentöne. Gebt doch nicht die Ur-Sache des Geschlechterverhältnisses als seinen Grund aus!

Ursache und Voraussetzung des Geschlechterverhältnisses ist die Aufteilung DES Geschlechts auf zwei Seelen.
Ihr wißt nicht, was „Seele“ ist? Tja, da habt ihr gleich den Grund genannt bekommen, das wissen Gottgläubige prinzipiell nicht.
Ein menschliches Tier ist Leib, ist Intellekt, Geist (=Welt), Wille, Gefühl (die Form, die ein Wille in der Unmittelbarkeit hat) und als tätige – TÄTIGE – Einheit all dessen ist es Seele. In der Seele ist kein Platz für Gott, für „Prinzipe“ oder, prosaisch gesagt, einen herrschaftlichen Willen.

Einen Schritt zurück. Die o.a. Trennung zwischen „Besitz“ und „Behör“, altertümlich „Gattungsverhältnis“ genannt, unterscheidet sich nur in einem Punkt von der Trennung zwischen Leib und außerleiblichen Bestandteilen eines menschlichen Daseins, die in Summe das Eigen-tum dieses Daseins sind, Wärme, Luft, Wasser, Nahrung und die Quellen, aus denen diese vier Bestandteile kommen. Es ist die Trennung zwischen zwei Seelen, deren Dasein den „Beweis“ antritt, daß sie alles andere o.a. Eigentum teilen.
Oder nicht teilen? Sind wir da vielleicht auf eine, auf die Fährte zum „Problem“ des Geschlechterverhältnisses gestoßen? Was ist – Gedankenexperiment – wenn zwei Seelen ihr Geschlecht teilen können (vielleicht ist da gar ein sollen im Spiel…?), aber die anderen Bestandteile ihrer Seelen, ihres Daseins nicht?

Wenn menschliches Dasein nicht Produkt und Verlaufsform einer Naturkatastophe, ja, die Katastrophe an sich selbst ist, dann entstammt die Trennung von Besitz und Behör, die – jetzt schließe ich die Überlegung kurz – dazu führt, daß die Seelen (Individuen) ihr geschlechtliches Dasein notorisch als ein Zubehörverhältnis abwickeln, das vor und nach dem geschlechtlichen Akt beständig in Revision, beständig in Frage steht und also beständig auf kontrollierte Festigkeit – statt Fluß – berechnet wird, einem übergeordneten herrschaftlichen Willen, der einem abstrakten Eigentum, statt des Daseins der Individuen gilt, das aus der außermenschlichen Natur ein Eigentum erst aushebt.

Das Elend des Geschlechterverhältnisses entstammt dem Umstand, daß ein herrschaftliches Verhältnis ein Anknüpfungsmoment im geschlechtlichen Verhältnis der Seelen hat. Ich wiederhole mich. Die zirkulierende Bewegung der Begierde zerfällt immer, gegenüber JEDEM Gegenstand, auch Gegenständen der Bearbeitung, einem Stück Holz zum Beispiel, in die zwei Phasen Aneignung und Hingabe, und diese Phasen sind im Geschlechtsverkehr so wenig trivial, wie Seelen an sich trivial sind. Geschlechtsverkehr erfordert stets Überwältigung und Opferung – auf beiden Seiten, reziprok, komplementär. Das „Eindringen“ des Mannes in die Frau ist eine stets neue Zudringlichkeit, doch ist er da, ist er ergriffen und hat zu opfern. Die Neandertaler wußten es, diese Bewegung ist erster Kultgegenstand. Mit Ende des 19. Jhd., mit der gewaltsamen Unterwerfung aller Kultur unter die Urbanität, vergaßen es seine Nachfahren.

Ich rede Unsinn, ich weiß. Ab hier wäre mit der Kritik des Unkritischen erst zu beginnen. Umständehalber belasse ich es bei einem Paradox. Stephan Schleim lobt Simone de Beauvoir (und jetzt auch Judith Butler) über den Klee, aber sein Text ohrfeigt beide vom ersten bis zum letzten Wort, und zwar allein mittels der anfangs angemeckerten Auslassung der Frage nach dem „Worum“ des Krieges, nach dem Nutz und Frommen, dem Grund oder wenigsten Gründen des vorgefundenen Geschlechterverhältnisses. Mittels dieser Auslassung ist die gesellschaftliche Natur des Geschlechts implizit auf die biologische Natur der Individuen abgewickelt, ergänzt um eine moralische Natur, in welcher „Gesellschaft“ nurmehr als Kontrollinstanz präsent sein kann. Instanz der Selbst- und Fremdkontrolle und eines Ausgleichs beider. Das Geschäft des Pfaffen.


Wie konnte ich meinen genialen Text vergessen? Tja, alt werden ist …

Der zweite Eintrag (mitsamt Fehlern):

Zu A. Roedig, Penetration für alle! (2010)

Bezeichnenderweise hat niemand in diesem Thread auch nur den Versuch unternommen, die folgende Passage des Artikels, die ihn zuspitzte, auch nur zu analysieren, geschweige zu kritisieren:

„Vielleicht sollte man heute Schwarzers altes Verdikt einfach umdrehen und ein generelles Penetrationsgebot aussprechen – für beide Seiten. Das Motto hieße demnach: Männer, Sexuelle Praktiken sind performative Akte, sie stellen über Körpersensationen Lust- und Machtkonstellationen her. Es verändert einen Menschen, wenn er die Erfahrung von Penetration in seiner aktiven und passiven Form macht. Eine Gesellschaft, in der die sexuellen Rollen wirklich rotieren, wird anders aussehen.“

Ich entdeckte in den Kommentaren nicht einen Ansatz, der so eine Kritik erlaubte.

Der Begriff innerhalb des Absatzes, der ihm eine gewisse Konsistenz verleiht, ist buch-stäblich versteckt, er lautet:

Lustkonstellation

OhHauaHa, watt’n dat?

Ich brech das über’s Knie, weil ich’s derzeit wg. Entnervung eh nicht anders kann, und lege den Gedanken insbesondere Crumar ans Herz, der immerhin recht nahe dran war:

Im Unterschied zum Raub ist das Ziel des Kaufes nicht der Gebrauchswert in fremder, sondern der Titel in eigner Hand, der soll mittels seiner Veräußerung realisiert werden.

Mancher Mann hat sich hier über die Vorstellung, er solle „mit harten Gegenständen“ traktiert werden, empört, indigniert, Abscheu empfunden, doch keiner machte den naheliegenden Schritt, zu fragen, woher denn die penetrierende Frau, die allenfalls ihre Hand benutzen kann, ihre Lust daran beziehen und worin die bestehen soll, obwohl der der zitierte Absatz es doch ausspricht:
Performanz von etwas , das die Autorin „Hingabe“ nennt, obwohl es doch keinen Gegenstand der Hingabe gibt, weil die Frau nun einmal keinen Schwanz hat, an den sich Mann hingeben könnte!
Ergo: Die „Hingabe“ ist nichts weiter , als „Performanz“, es ist also dasselbe, was die besprochene „alte“ Frauenbewegung unter dem Titel Penetration zu skandalisieren versuchte – mit beträchtlichem Erfolg – weibliche Duldsamkeit gegenüber einer als „männlich“ konnotierten bis verschrienen Begierde.

Doch was ist denn das für eine „Begierde“? Bzw.: Was soll sie sein? Denn der Absatz fordert sie ja nun auf Seiten der Frauen ein, nur ohne sie noch so zu benennen. Männliche Duldsamkeit  soll nicht  begehrlich sein, wie sie auf Seiten der Frauen damals wie heute üblichenfalles war und ist – denn die Frauen sind nicht mehrheitlich frigide Zicken, die Männer allein zu deren Lust und Freud über sich lassen – sondern pur moralisch. Und dieser moralische Übergang steckt in dem Ungetüm, das ich oben erst zur Hälfte zitierte:

Lust- und Machtkonstellationen

Eine banal offenherzige Apologie der Sexualität bzw. ihres Einsatzes als Mittel , und zwar als Mittel der Konkurrenz, und obendrein präzise und genau in der Form eines Zahlungsmittels im geschlechtlichen Verkehr!

„Gleiche Münze“ fordert Andrea Roedig, und da die physiologisch nicht zu haben ist, verlangt sie sie moralisch.

Mich ekelt eure zweckmäßige Beschränktheit nur noch an, deshalb schließe ich einfach mit:

Kehrt doch zurück zum Raub!
Anders kriegt ihr die zirkulierende Bewegung der Begierde eh euer Lebtag nicht auf die Reihe!
Baut doch die Sado/Maso-Buden zu Kirchen und Kapellen aus, schafft Liturgien und Rituale, opfert Männer und Frauen, Knaben und Mädchen auf den Altären.
Vielleicht nimmt das wenigstens der Kinderfickerei und den anderen Formen ziviler bis fast schon halbmilitärischer Brutalisierung des gesellschaftlichen VErkehrs einen Teil der Energie.


Nun ja. Mein Begriff (der zirkulierenden Bewegung) der Begierde ist mindestens 300.000 Jahre alt. Das Phänomen der Hybridisierung zwischen erectus-Nachkommen, die sich genetisch weit voneinander entfernt hatten, beweist es – zumindest nahezu.
Und dabei geht es um praktisch alles, was „Mensch“ vor und nach dem Geschlechtsverkehr treibt. Menschliche Aneignung eines Bedürfnisses – üblicherweise „Gegenstand des Bedürfnisses“ genannt – bedarf der zirkulierenden Bewegung, sprich der Her- und Drangabe an die „Götter“, sonst endet der Prozess und Mensch bleibt ein Hund.
Die Bewegung umfaßt buchstäblich alles, namentlich das Sprechen. Sobald unsere äffischen Vorfahren die Kreativität entwickelten, nicht nur Signale, sondern Mit-Teilungen zu entsenden und zu empfangen, begann der Prozess.

Dies ist nur ein Aufreißer-Eintrag. Das sozusagen „echte“ Thema gedenke ich mit umfangreichen Exzerpten aus Georg Litsches „Theoretischer Anthropologie“ anzugehen. Könnt ja mal reinlesen.

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Materialien zur Wertformdebatte

Anmerkung

Ein Textfragment, das ich nur noch in Papierform besaß. Es gehörte zu einem überambitionierten Projekt, in dem ich im selben Atemzuge Mängeln der marx’schen Kritik der pol.Ök. des Kapitalismus und Fehlern in deren Rezeption abzuhelfen trachtete. Das „Kapital“-Seminar, für das ich es begonnen hatte, und das die praktische Nagelprobe für den Versuch werden sollte, legte es ad acta. Es gibt mehr davon und ich bin mir noch nicht schlüssig, ob und inwieweit ich die Sachen noch einmal aufnehmen will. Daher erstmal nur die digitale Doku.

Trennung von Besitz und Eigentum

Im Kapitalismus ist „Besitz“ das Gesamtprodukt der Warenproduzenten, worauf das private Eigentum der Individuen jeweils Titel in der Preisform zieht. Vom Wert der Waren hieß es bis einschließlich des Abschnittes zum Austausch (bis Seite 108), er werde in deren Händewechsel realisiert. Die Schranke dieser Bestimmung ist zu beachten: Sie gilt ausschließlich für die Phase des Wertdaseins der Waren, die sie in der Preisform haben. Anschließend wird der Gebrauchswert der Waren realisiert. Erst die Realisation des Gebrauchswertes vollendet den (re)produktiven „Lebens“prozess der Waren, die, bitteschön, bestimmt sind, Einheit von GW und TW zu sein.

(Anmerkung 2021: Hier war programmatisch das Gesamtresultat der marx’schen Darstellung unterstellt: „Kapitalismus“ ist die Reproduktion eines spezifischen Produktions- und Herrschaftsverhältnisses. Luxusgüter und Vernichtungswaffen sind also eingeschlossen …)

Werden Gebrauchswerte nicht oder nur teilweise realisiert, weil sie nicht taugen oder irgendwo „unterwegs“ verderben, geschieht reichlich Monströses. Ein Untergang der Gebrauchswerte hinterläßt Lücken im reproduktiven Prozess und Gewebe, die den im Händewechsel realisierten Werten zu einem gespenstigen Weiterleben verhelfen.

Diese Überlegung, die Marx erst im Abschnitt zur Warenzirkulation (S.121ff) vorstellt, soll hier nur für Eines stehen:
Der polarische Gegensatz der Wertformen führt im Händewechsel der Waren, folglich vermittels der Daseinsweise der Privateigentümer, zur Emanzipation des Wertes vom Warenkörper. Das geschieht nicht erst vermittels der historischen Gestalt der Geldformen, wohin Marx sie im „Kapital“ zweckmäßig gestellt hat, die Geldform ist vielmehr Resultat dieser im Austauschprozess bereits vorliegenden Bewegung.

Marx folgt in den „Grundrissen“ vielfach derselben Überlegung, zum Beispiel S. 151-157.

Mit den Geldfunktionen bekommt diese Emanzipation später zu untersuchende Verlaufsformen. In der Anatomie des Tausches war sie logisch ersichtlich. Im Verhältnis der Eigentümer erscheint sie in juristischer Gestalt (Keimform der wechselseitigen Anerkennung „als“ Privateigentümer). Sachlich – und das soll immer zugleich heißen: dinglich – existiert diese Emanzipation im Dasein der Privateigenümer selbst, in ihren produktiven und konsumtiven Bedürfnissen, was deren Gegenständlichkeit einschließt, das sind die entsprechenden Vermögen ihres jeweiligen Eigentums am gesellschaftlichen Besitz.

Was folgt daraus für das Verhältnis von Besitz und Eigentum?

Eigentum, schreibt Marx in den „Grundrissen“

meint … ursprünglich nichts als Verhalten des Menschen zu seinen natürlichen Produktionsbedingungen … als natürlichen Voraussetzungen seiner selbst, die sozusagen nur seinen verlängerten Leib bilden. Er verhält sich eigentlich nicht zu seinen Produktionsbedingungen, sondern ist doppelt da, sowohl subjektiv als er selbst, wie objektiv in diesen … anorganischen Bedingungen seiner Existenz. (Gr. S. 391)

Mit unseren bisherigen Kenntnissen können wir die Mängel dieser Formulierung eliminieren. Das Gesagte gilt, wenn es denn gilt, nicht für „den“, sondern „die“ Menschen – Marx wird es eine Seite später selbst sagen. Es gibt keinen verständigen Grund, Daseinsbedingungen auf „Anorganisches“ zu begrenzen und entsprechend lassen wir das blöde Attribut „natürlich“ fallen. Denn gemäß Marx eigenen Ausgangspunkten sind die Resultate vergangener reproduktiver Tätigkeit in die genannten „Voraussetzungen“ und „Bedingungen“ aufzunehmen. All diese Bestandteile bilden zusammen das Dasein und den Lebensprozess der Gemeinwesen, als deren Glieder menschliche Individuen leben.

„Jeder Einzelne verhält sich nur als Glied (eines) Gemeinwesens als Eigentümer und Besitzer“ (376)

In einer auf historische Verhältnisse gemünzten Formulierung:

Das Eigentum meint also Gehören zu einem Stamm (Gemeinwesen) (in ihm sugjektive-objektive Existenz haben … (392)

Es gibt keinen Grund, diese töricht einfache Wahrheit auf vorsinthflutliche Lebensverhältnisse zu münzen. Es ist die allgemeinste – Achtung: nicht „abstrakt“! – Bestimmung von „Eigentum“ in der Daseinsweise von homo erectus, was heißt, sie bleibt in allen darauf aufbauenden Formen und Gestaltungen gesellschaftlichen Eigentums erhalten.

Auf derselben allgemeinen Ebene können wir folglich bestimmen: Besitz ist – und kann nie etwas anderes sein – das tätige Anteil-Nehmen von Individuen an ihrem Gemeinwesen, dessen Gesamtheit ihr Eigentum ausmacht; also die Realisierung dieses Eigentums.

Diese Überlegung taugt hier einstweilen nur dazu, klar zu stellen, daß die spezifische Form der Trennung von Besitz und Eigentum, die wir in den Wertformen und deren Bewegung im Austauschprozess vorliegen haben, die Verwandlung von Eigentum in einen monetären Titel auf Besitztum an der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, auf ganz und gar abstrakte Weise vernichtend gegen den Besitz ausfällt. Es ist eine Aufhebung praktischer, tätiger Anteilnahme der Individuen am Gemeinwesen in die ideelle Form eines Titels auf privates Eigentum. Dieser Idealität, das wissen wir alle, ist ein gleichsam „entelechischer“ Auftrag zur Vermehrung einbeschrieben, was auf der anderen Seite des Pols regelmäßig dazu führt, Besitztümer in Nichts aufzulösen. Auch mit der Grundgestalt dieser „Entelechie“ braucht niemand jenseits des 3. Lebensjahres bekannt gemacht zu werden: Es ist die rohe, physische, militärische Gewalt, welche dem Verhältnis der Privateigentümer zugrunde liegt, die in der Bewegung der Waren fortlebt, in ihr eigene Gestalten und Gestaltungen entfaltet und rasch auch die Herrscher beherrscht. Deshalb erscheint dies Verhältnis im Austausch anders:

Aus dem Akt des Austauschs … ist das Individuum in sich reflektiert als ausschließliches und herrschendes (bestimmendes) Subjekt desselben … Setzen seiner als Mittel oder als dienend, nur als Mittel, um sich als Selbstzweck, als das Herrschende und Übergreifende zu setzen. (Gr. 156)

Beachte: Die Rede ist vom „Austausch“ von Warenproduzenten, nicht so historisierend allgemein, wie das anhand des isolierten Zitats erscheinen könnte. Die „philosophisch“ erscheinenden Schranken dieser vorbereitenden Überlegungen von Marx – fast könnte man meinen, er habe gerade Schopenhauer gelesen ;) – sind kein Fehler und auch kein Mangel, sie eignen tat-sächlich der Sache selbst, wenn wir das Bisherige zugrunde legen: Jener „Selbstzweck“, das „Herrschende und Übergreifende“ der Individualität ist ein im Warenverkehr erscheinender Reflex des Daseins des Eigentums eines Individuums nicht als Seines, nicht als Besitz, sondern als Bestandteil des Herrschaftsverhältnisses der Individuen, welches in der Warenform allgemein, und spezifisch in den Wertformen, im polarischen Gegensatz von relativer Wertform und Äquivalentform, exekutiert wird.
Die Freiheit des (Privat-)Eigentums erscheint im Dasein der Eigentümer als die Unterwerfung aller unter die Behauptung ihres Besitzes gegeneinander. Die Autonomie der Eigentümer ist identisch mit ihrer Heteronomie gegen die „Freiheit des Eigentums“.

Dies Verhältnis ist, behaupte ich, die Grundgestalt des Phänomens, das Marx zu verschiedenen Gelegenheiten bewogen hat, die Kategorie „Wert“ zu einer Art „automatischem Subjekt“ zu erklären, womit Generationen von Exegeten eine Menge Schindluder getrieben haben.

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The Black Spot

Sicher, ich habe wenig mit Long John Silver gemein. Andererseits ist gewissermaßen anyone verwandt oder verschwägert mit LJS, dem Schurken, der „gar kein“ Schurke sein soll, vielmehr „im Inneren“ ein decent chap, tatsächlich more decent, als mancher honorige Bürger und / oder Wappenträger, weil er im Grunde seines Herzens nichts anderes und mehr wolle, als ein anständiger Bürger, nämlich einen anständigen Lohn für das brave, arbeitsame, doch nicht über die Maßen mühselige Dasein, das er mit seinem Frauchen zu fristen gedenke.

Letzteres sind einfach die Basisparameter eines in Staat und Kapital verfassten, also entsprechend formierten, Daseins, die für alle, oder doch fast alle gelten, nicht weniger, vielmehr gerade dann, wenn er oder sie seine persönlichen Maßstäbe solchen Mustern zu entziehen trachtet. Irgendwann holt es alle ein, auch den Long John Silver, dem der Black Spot unwidersprechlich bedeutete, sein Outlier – Dasein habe ein Ende zu finden – so oder so.

Der Black Spot den ich erhalten habe, ist ein ärztlicher Befund, der von meiner Todesart kündet, falls bis dahin – irgendwann in zwei bis zehn Jahren – nicht noch anderes hinzu oder dazwischen kommt.
Überrascht hat mich das nicht. Aber Statistik und ihr fleischlicher Stoff unterscheiden sich halt etwas deutlicher, als ein Ü-Ei und sein Inhalt, gelle.

Es gibt einen Haufen Angelegenheiten, die mich ab sofort nichts mehr angehen. Ich kann, wie so oft, mit mir rechten – und ihr mit mir – inwieweit sie mich bis letzter Woche überhaupt, oder noch, was an gegangen sind, aber das unterlasse ich tunlichst. Ich werde stattdessen entscheiden. Die erste Entscheidung ist, mich ab sofort über die Trümmer meiner Arbeiten seit 15 Jahren her zu machen, soweit ich mich über etwas her mache. Zwischenergebnisse werden auf diesem Blog erscheinen.

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Corona, „die Letzte“ – vorerst

Etwas, das wie eine „Impfpanik“ aussieht und zu beträchtlichen Teilen sicherlich eine ist, beherrscht die Schlagzeilen. Israelische Stellen nehmen auch jetzt, wie seit fast einem Jahr, die Vorhut:

Only 31 out of 163,000 Israelis vaccinated by Maccabi Healthcare Services caught coronavirus in their first 10 days of full-strength protection, its top vaccine statistics analyst, Anat Ekka Zohar, told The Times of Israel on Thursday.

…schrieb die ToI und gründet auf diese „Daten“ die frohe Botschaft (literally), Vaccine found 92% effective in Israel, in first controlled result outside trials.

Der Gesundheitsminister war’s anscheinend nicht zufrieden und sattelte auf:

The Health Ministry says 317 Israelis out of 715,000 who were fully vaccinated have contracted COVID-19 over a week after receiving the second shot.
The number represents 0.04% of those vaccinated.
The ministry also says 16 of them have been hospitalized.

Der letzte Satz könnte immerhin eine bedingt gute Nachricht sein, denn aktuell wird in Israel nur auf ärztliche Verschreibung getestet und in der Vergangenheit wurden schwerere Fälle im Durchschnitt 10 Tage nach positiven Tests hospitalisiert, aber wer will bei solcher „Nachrichtenlage“ veröffentlichte Zahlen ernst nehmen?

Noch sprechender ist der Umstand, daß untergeordnete Stellen in Israel entschieden haben, auch Schwangere und Jugendliche zu impfen – offenbar mit stummer Zustimmung, oder gar auf Anweisung der Versicherungen, gegen die ausdrückliche Empfehlung des Herstellers. Das geht aus verstreuten Meldungen und Bildern hervor. Der Gesundheitsminister jedoch hielt sich zu dieser Praxis bis heut mittag zu Lasten seines Beauftragten Dr. Boaz Lev bedeckt:

In apparent world first, Health Ministry backs vaccination of at-risk children
Decision still requires final approval, comes amid rising morbidity among Israelis under 16 years old

The Health Ministry on Tuesday issued a directive in favor of vaccinating children under the age of 16 who are at high risk of developing serious symptoms if they contract COVID-19.
The decision still must receive final approval from Dr. Boaz Lev, the health official tasked with delineating priority groups for the coronavirus vaccine. It comes against the backdrop of rising morbidity rates among children in Israel.

Am frühen Nachmittag in der JP:

The Health Ministry said that 40% of new coronavirus cases are in youth under the age of 18 (…)
The pediatric societies said that there are cases where vaccination could be recommended. These include for children who live in a house where someone suffers from severe immunosuppression. In addition, they recommended vaccination for children who have any of the following diseases: morbid obesity, neurodevelopmental disorders including seizures and congenital syndromes, diabetes, lung disease including asthma, certain immune disorders, cancer, heart disease or pulmonary hypertension, renal failure, or sickle cell anemia. The societies said that any parent who believes their child should get the jab should see their physician and receive a recommendation and referral. The final decision about vaccination should be approved by Dr. Boaz Lev, chairman of the Health Ministry’s Coronavirus Vaccination Committee.

Das sieht so aus, als ob die „pediatric societies„, deren Spezialisten mit CoV-2 und Impfstofforschung garantiert nichts am Hut haben, vorgeschickt werden, eine Praxis zu legalisieren und zu verantworten, für die das Ministerium juristische Verantwortung von sich zu weisen gedenkt. Dem Dr. Lev wird der Boden bereitet, den Schwarzen Peter am End an die Eltern abzugeben.
Ich nenne diese Praxis moderne Menschenopfer, über deren Beweggründe ich nicht spekulieren will.

Seit drei Tagen läuft eine zweigleisige Kampagne zum hoheitlichen Umgang mit den CoV-2 Mutanten. Nach wochenlangem Abwiegeln wird ihre Gefahr einerseits in’s Unermeßliche geschrieben, andererseits gegen alle Fakten und professionelle medizinische und wissenschaftliche Urteilskriterien – über die ich ausführlich geschrieben habe – behauptet, BioNtech sei gegen die bislang verbreiteten Mutanten „wirksam“, weil in vitro „nur“ um 40-50% eingeschränkt. Eine „Virologin“ verstieg sich für die „Tagesschau“ gar zu der Aussage, ‚viel hilft viel‘; gegen die Mutanten seien halt „mehr Antikörper“ erforderlich.
Derweil schrieb der notorische Peter Grassmann für TP einen Bericht, den man unter den o.a. Umständen als ein Plädoyer für Masseninternierungen lesen muß, selbst wenn das nicht beabsichtigt gewesen sein sollte.

Unter solchen Umständen ist mit irgend welchen verläßlichen Auskünften und Daten nicht mehr zu rechnen, deshalb endet meine Berichterstattung hier.

Ich will aber festgehalten haben, daß die „Impfpanik“ keine ist, sondern ein zumindest im Wesentlichen strategisch geplanter Vorgang.

Zum Auftakt zitiere ich mich selbst, aus einen Eintrag vom 28.April, in dem viel Obsoletes zu den Putschvorbereitungen gegen Trump steht, weshalb ich die entscheidenden Passagen heraus ziehe:


Covid-19 sollte „SARS induzierte Endotheliitis“ heißen, regt eine Reihe von Ärzten und Forschern an

Nach zahlreichen Leichenöffnungen darf die klinische Diagnose „(systemische) Endotheliitis“ für Covid-19 als gesichert gelten. Fraglich bleibt lediglich, ob die systemische Erscheinungsform, die in der Pathologie auffällig wird, die Spätwirkung eines Verlaufes ist, in dem das Immunsystem den Kampf gegen den Erreger verliert, oder die eigentümliche Wirkung des Pathogens auf den menschlichen Körper, die in neuartigen Pneumonien, die man bei der Mehrzahl der schweren Verläufe findet, lediglich eine prominente Erscheinungsform hat.

Einen Hinweis auf Letzteres veröffentlichten Ye Qing, Jian Wenyang und Li Raoyao bei Science and Technology Daily am 22. 4.: COVID-19 Patients with Gastrointestinal Symptoms Are More Likely to Develop into Severe CasesSie werteten die Krankengeschichten von 232 hospitalisisierten Patienten aus und fanden neben dem titelgebenden Zusammentreffen eine weitaus größere Häufung gastrointestinaler Symptome, einschließlich blutiger Stühle, als bislang berichtet. Damit sollte auch einem Übertragungsweg über Fäkalien und deren Ausdünstungen, der für SARS-CoV1 bekannt und gut untersucht ist, mehr Aufmerksamkeit zukommen. Der Hauptpunkt ist jedoch, daß die Magen/Darm-Symptomatik den schweren Pneumonien oft voraus geht, sodaß die Lungeninfektion sekundär erscheint.

Einen weiteren Hinweis veröffentlichte gestern Judith Graham auf „Medscape„, Seniors With COVID-19 Show Unusual Symptoms, Doctors Say. Vielfach sind bei Patienten höheren Alters neurologische Symptome lange Zeit vor Beginn klassischer Verläufe aufgefallen. Einige erlitten Herzinfarkte / Herzversagen, bevor sich die üblichen Symptome einstellten. Dies dürfte mit dem Auftreten zahlreicher kleiner und kleinster Blutgerinsel zusammenhängen, die bei einer Endotheliitis aufzutreten pflegen.

Darüber gibt es einen ausführlichen Artikel von Brenda Goodman, Blood Clots Are Another Dangerous COVID-19 Mystery, die über Befunde und Erfahrungen New Yorker und Bostoner Ärzte und Pathologen berichtet.

Images captured with an electron microscope found traces of the coronavirus in endothelial cells in the heart, kidney, small bowel, and lung — pretty much all over the body. Researchers collected the tissues during autopsies of three patients who died of COVID-19.

Die zitierten Forscher bleiben bislang bei der Hypothese, daß die Infektion der Lunge der Eintrittsweg ins Endothel sei:

Mandeep Mehra … says the findings suggest that the virus can directly infect the endothelium. He says that while COVID-19 can certainly cause breathing problems, he doesn’t think it’s just a lung disease.
“This is actually a disease of the endothelium,” he says.
Mehra says the infection starts in the lungs because breathing is the easiest way for the virus to enter the body. Once it infects the lung cells and begins to destroy them, it travels into the bloodstream. There, it infects endothelial cells, causing endotheliitis.
Mehra thinks this endotheliitis comes from not only the direct infection of the blood vessel cells, but also from the haywire cytokine storm that the body launches to fight it off. “We’ve shown evidence of both.”

Doch Goodmans‘ ärztlicher Hauptzeuge sieht die Befunde anders: “The virus is acting as if its primary target is the endothelium” 

Damit schließt er sich Züricher Ärzten und Forschern an, die bereits am 20.4. eine Studie mit dem Titel Endothelial cell infection and endotheliitis in COVID-19 veröffentlicht haben. Aus einer Besprechung bei „mimikama.at„:

Ein interdisziplinäres Team des Universitätsspitals Zürich zeigte nun, dass SARS-CoV-2 direkt Entzündungen in den Gefässen auslöst und so zu Organversagen bis zum Tod führen kann. … Ärztinnen und Ärzte stellten fest, dass zunehmend Patientinnen und Patienten auch Herzkreislaufprobleme oder Multiorganversagen zeigten. Ob und welchen Zusammenhang es dabei mit der Lungenentzündung gab, war aber nicht klar. Die Forscherinnen und Forscher schlossen [aus pathologischen Befunden], dass das Virus nicht wie bisher vermutet über die Lunge, sondern über die im Endothel vorkommenden ACE2-Rezeptoren die körpereigene Verteidigung direkt angreift, sich darüber verteilt und zu einer generalisierten Entzündung im Endothel führt, die dessen Schutzfunktion zum Erliegen bringt … Es entstehen schwere Mikrozirkulationsstörungen, die das Herz schädigen, Lungenembolien und Gefässverschlüsse im Hirn und im Darmtrakt auslösen [können]. 

Ein Zusammenspiel von initialer Endotheliitis und überschießender Immunantwort könnte die Ursache schwerer Covid-Erkrankungen von Kindern sein, die in letzter Zeit vermehrt aufgefallen sind. Sie veranlaßten die britische NHS gestern, vor der beabsichtigten Wiederaufnahme des Schulunterrichtes, zu einer eiligen Warnung, : UK health service warns of deadly coronavirus-linked illness affecting children. 

Summe: Covid-19 bleibt eine noch weitgehend unbekannte Erkrankung, deren Begleiterscheinungen und Folgen, auch für jüngere und scheinbar symptomlose Patienten, schwerwiegender sein könnten, als bislang bekannt. Besonders dem gastrointestinalen Infektionsweg, sowie den Auswirkungen unterschiedlichen Infektionsdruckes, gebührt erheblich mehr Aufmerksamkeit, als sie bis jetzt erhalten haben.


(Anmerkung: Der gastrointestinale Weg erhält jüngst in der chinesischen Forschung und Praxis besondere Aufmerksamkeit, weil auffiel, daß die „britische“ Mutante nicht selten den klassischen Nasen-Rachen-Tests entgeht. Deshalb geht man dort dazu über, auch Analabstriche zu verwenden)

Erste Veröffentlichungen über neurologische Effekte und selbst Risiken von ADE gab es zu jener Zeit auch schon.
Doch Anfang Mai entschied die EU-Kommission, die Ressourcen in der Hauptsache auf die Impfstoffentwicklung zu konzentrieren. Ich hab die Direktive irgendwo unsortiert in meiner Ablage und mache mir nicht die Mühe, sie heraus zu suchen.

Hernach wurde der Verbreitungsweg über Schulen und Kitas kampagnenförmig verleugnet, die Urlaubsorte mit mehr oder minder symbolischen Einschränkungen geöffnet, der öffentliche Berufsverkehr blieb die Infektionsarterie der Nation, die jeder kannte, der sich ihr auszusetzen gezwungen wurde.
All das mag in vielen, sehr vielen Einzelfällen „Versagen“ gewesen sein, aber dies Versagen ist systemisch, was ich oft genug begründet habe, und an hoher Stelle wußte man das. Das sind durchaus nicht alles Idioten. Der Gesamtverlauf ist eine Strategie, die aus der Feder eines Covidioten hätte stammen können, aber kalkuliert war, wenngleich, wie in diesen Kreisen üblich, pi mal Daumen.
Das wurde oft genug mitgeteilt. Vorrang für die Wirtschaft. „Auf keinen Fall ein neuer ‚Lockdown'“. Es ist nicht von Belang, ob eine heute jaulende, tobernde Merkel sich das seinerzeit selbst verleugnet hat, oder jetzt nur eine semioffizielle Heuchelei obenauf setzt, um dem Umstand zu begegnen, daß die Länderchefs dagegen rebellieren, daß es jetzt nicht einfach so weiter gehen soll.

Gleich den Länderchefs hatte eine große Anzahl der zuständigen medizinischen Institute, bis hinein in die Hausärzteschaft, die eugenische Strategie bemerkt und sich mehr oder minder klammheimlich hinter sie gestellt: Gegen die Infizierten und Erkrankten mauern, so lange es geht.
Die Quittung für die Davongekommenen erfolgte in den letzten zwei Monaten. Jetzt ist es herzlich wurscht, inwieweit das Ausmaß des Sterbens und der Verkrüppelung ein kalkuliertes „Risiko“ gewesen ist, der Schaden wird, im Zweifelsfall gleich einer verlorenen Schlacht in einem Angriffskrieg, mit Macht zur Chance und zur Chance der Macht umgewidmet. In dem Klo habe ich nichts mehr zu putzen.

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Imperiale Tektonik – Kriegsdiplomatie zwischen EU und UK

Das wird nur eine Notiz zu einem Thema, das ich nicht erst seit dem formellen „Brexit“, der kein Brexit war, vernachlässigt habe. Ich hätte zum Beispiel schon vor Jahren auf politökonomischer Ebene das „David-Goliath“ – Verhältnis zwischen UK und EU zu erklären gehabt, um zu zeigen, daß es für die EU durchaus nicht in dem Ausmaß um reine Status- und Prinzipienfragen geht, wie man angesichts des Kräfteverhältnisses der jeweiligen Ökonomien in Bezug auf den Weltmarkt denken könnte. Zureichend leisten kann ich das ‚eh nicht, allenfalls Hinweise geben, und obendrein gibt es das banale Hindernis, daß ich keinen Zugang zu FT und Bloomberg habe.

Von einem chronistischen Standpunkt ist das andererseits palle, denn unweigerlich wird sich zeigen, daß die Musike auf militärpolitischer und militärischer Ebene gespielt werden wird. Vgl. dazu dies Interview.
Der „fait divers“, daß das UK der EU diplomatischen Status verweigert hat (die Ankündigung vor einer Woche) und die EU darauf heute ein Treffen mit dem britischen Botschafter absagte ist eine von beiden Seiten ostentativ vorgetragene Erscheinungsform davon.

Nachtrag: Eine wesentliche Rolle in dem Vorgang dürfte die dünn verschleierte Ankündigung der britischen Regierung haben, Impfstofflieferungen von AstraZeneca in die EU zu konfiszieren: https://www.reuters.com/article/us-health-coronavirus-britain-vaccines-idUSKBN29X0WV

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Imperiale Tektoniken (1)

Die Masse an kleinen Beben, mehr oder minder untergründigen Brüchen und Bewegungen, die mein geschultes Seismometer trotz einer im Vergleich zu vergangenen Jahren deutlich verminderten Zahl an „Beobachtungsposten“ registriert, schwillt auf eine Rollenlänge an, die mich jetzt schon vierzehn 24-Std-Arbeitstage beschäftigen müßte, wollte ich sie abarbeiten.

Umso wichtiger ist mir folgendes Beispiel, eine Zerlegung Navalnys – nach „Plastinierung“ der Hexenkrallen-Affäre, die ich am 26. Dez. besprochen habe – gemäß hübsch durchexerzierter Handwerksregeln des Öffentlichkeitsmanagements, ausgeliefert in einem Podcast des hessischen Rundfunks von heute, unter dem programmatischen Titel: Navalny – erst unterschätzt, dann überbewertet?

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Impfrisiken, update

Zu den voran gegangenen Berichten geht’s hier.

„Öffentlichkeitsmanagement“ verunmöglicht Risikenabschätzung

Über den in großer Öffentlichkeit inszenierten Präzedenzfall einer Kriminalisierung von Leakern und Whistleblowern, die Internierung von Rebekah Jones, hatte ich schon berichtet.

Der Administration von Kalifornien kam es vor zwei Tagen zu, die „Rationale“ der Publikationssperre über „sensible“ medizinische und gesundheitspolitische Daten in die neue amerikanische Staatsraison einzugliedern:

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The revolution has been televised

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Machtergreifung technomilitärischer Stände – Vorrevolutionäres aus meinem Archiv

Technoféodalisme“ ist der neue Heilige Gral des liebenswerten Pepe Escobar. Ähnlich mir, hat er 2011/12 anhand des Libyen- und Syrienkrieges registriert, daß der IV. Weltkrieg, der Global War on Terror (GWOT), sein im Begriff Imperialer Souveränität und Hegemonialität angelegtes, epochales Vernichtungspotential zu entfalten und zu beschleunigen begann.

Darauf hat Pepe, im Bemühen, als ein Chronist dem Arsch der Geschichte hinterher schnüffelnd und hechelnd (auf dieses Schicksal legt sich ein Kriegsberichterstatter nunmal professionell fest, ob er das will oder nicht), in dem Bemühen, „auf der Höhe der Zeit“ zu bleiben, was nur gehen kann, indem einer den Kurs zu antizipieren, in die Atemwolke des Monsters voran zu eilen sucht, auf den Aufstieg der chinesischen Despotie zur Weltmacht als ein dem imperialen Selbstzerlegungskurs entgegenwirkendes Moment gesetzt. Einen großen Teil seiner publizistischen Aktivität konzentrierte er danach auf das politische und ökonomische Geschehen um die R&B – Initiative herum.

In der imperialen Terminologie benannt: Eurasien war Ausgangs-, Durchgangs- und Endpunkt dieser historisierenden Sicht, und damit befand sich Pepe in der Tat in der engen Nachbarschaft der Strategen, welche die Imperiumspolitik ein halbes Jahrhundert lang dominiert und sich in irgend einer Weise alle auf Henry Kissinger bezogen und / oder berufen haben. Das galt auch für die Neocons bis 2008 und den Verbund aus Neocons / Libdems, welche die Außenpolitik bis 2016 gegen die Absichten und den Willen Obamas und der Wall Street dominiert, den „pacific pivot“ sabotiert haben.

Europa fiel aus dieser Perspektive als ein „Machtfaktor“ aus. Aus der Sicht der „Eurasien-Fraktion“ war Paris gleichsam der „Endbahnhof“ eines Schienennetzes, das von Shanghai über Moskau führen werde, irgend wann unweigerlich einen Abzweig nach Teheran bekäme. Aus Sicht der Gegenseite war Europa der feste Brückenkopf, der Ausbau und Eroberung des westasiatischen und südindischen „Rimland“ für die atlantische, die angelsächsische Herrschaft über Lüfte und Meere derart unhintergehbar machen sollte, daß Osteuropa und Zentralasien final zerlegen und zum kolonialen Raum werden müsse, dann – und erst dann – könne und werde man sich um China kümmern, das bis dahin die feste Ressource imperialer Kreditmacht und Ausbeutung bleiben müsse.

Spätestens 2016 wurde Leuten, die über all den militärischen und paramilitärischen Kalkülen das Denken nicht verlernt haben, deutlich, daß alles iwie ganz anders war und erst recht werden würde. Natürlich auch Pepe.

Industrie 4.0 geriet deshalb in Pepes Blickfeld, natürlich vornehmlich in politischer und gesellschaftspolitischer Perspektive.
Ich habe Durand’s Technoféodalisme nicht gelesen. Ich nahm nur ein paar Ausschnitte zur Kenntnis, die mir zeigten, es handelt sich um ein bemerkenswertes Jugendwerk, das zu lesen vermutlich für jeden ein Gewinn ist, der in den intellektuellen Diskurs zum Thema eintreten und sich darin bewegen will, weil er aus irgend einem Grund meint, das tun zu sollen.
Ich klinke mich da aus.
Stattdessen spiegele ich unredigiert einen depublizierten Blogeintrag vom November 2011 zu einem Basisvorgang der politischen Ökonomie des Imperialismus, auch mit dem Hintergedanken, mich darauf beziehen zu können.

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Covid – Studien, update

Die bisherigen Einträge sind hier gelistet.
Weiter geht es mit:

1. Dichte Publikationssperre über Krankheitsverläufe geimpfter Personen

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In the mood

Was es triggerte: https://www.heise.de/forum/p-38189604/

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Kurzes Update zur Außenwelt der Innenwelt der föderalen Machtergreifung in den USA

Nützlicher wäre, etwas zur Innenwelt zu schreiben, aber ich weiß nicht, inwieweit ich heute dazu komme und es ist auch kein Fehler, erst einmal abzuwarten, wie weit die Sache eskaliert wird.

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Covid – Impfrisiken: Bislang keine Entwarnung, soweit ich sehen kann

Mein Plan sah vor, die Einträge zur Verdeckung von Impfrisiken und Krankheitsfolgen für Überlebende mit einem Eintrag zu den Risiken Infektionsverstärkende Antikörper zu ergänzen. Es kam einiges dazwischen. Nun hat die Veröffentlichung von Teilresultaten der israelischen Impfkampagne das Vorhaben zumindest vorerst erledigt.

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