Der Fall MH17 ist eine X-Akte (1)

Eine kurze Vorstellung handelnder Figuren

Bekanntlich stützt sich die Anklage, die das niederländischen JIT (Joint Investigation Team) kürzlich gegen drei russische Staatsbürger und einen ukrainischen „Helfershelfer“ erhoben hat und dazu die russische Staatsführung in eine angebliche „Befehlskette“ in den Täterkreis zog, überwiegend auf angebliches Belastungsmaterial, das

Bellingcat„, alias Elliot Higgins

unter dem Firmenzeichen des

Atlantic Council

geliefert und teilweise veröffentlicht hat.

Weniger bekannt dürfte sein, daß der Grundstock dieses Belastungsmaterials, Video- und Audiodateien, bereits ab dem vierten Tag nach dem Abschuss, dem 21.07.’14, von inoffizieller Stelle veröffentlicht worden ist. Es kam aus dem Büro von

Anton Geraschtschenko

der ab Ende März 2014 vom ukrainischen Innenministerium als privater Berater des amtsführenden Putschisten, Arsen Asakow, geführt wurde. Selbstredend war das Material unter Beteiligung des ukrainischen Geheimdienstes

SBU

erstellt worden, doch woher es in seiner Gesamtheit stammte, ist unbekannt und wird unbekannt bleiben, so lange niemand die Herkunft aus Geraschtschenko, oder einem seiner damaligen Mitarbeiter und Zulieferer, heraus foltert. Die innovative „Freelance“-Konstruktion der Putschisten-Regierung, die nicht regieren konnte, ohne sich zu wesentlichen Teilen auf die bürokratischen Befehlswege der Verwaltung zu stützen, die sie geköpft hatte, vermied die unvermeidliche Aktenspur, die vertrauliches Material in Regierungsstellen hinterläßt, weil alle Mitarbeiter gehalten und genötigt sind, sich und ihre Arbeit gegen vorgesetzte wie untergebene Stellen abzusichern.
Das ursprüngliche Belastungsmaterial, und daher auch Teile des möglicherweise dokumentierbaren Folgematerials des SBU, stammt folglich aus einem

geheimdienstlichen Nirgendwo.

Die Kommentatoren, die ich kenne, unterliegen alle der Versuchung, Asakow und dem SBU Herkunft des Materials und die Absicht zu unterstellen, künftige exekutive und juristische Rechenschaftslegung zu unterbinden. Das mag so sein, doch angesichts der bekannten und wohl dokumentierten Verwicklung westlicher Geheimdienste in den Putsch und die anschließend unter dem Label ATO, „Antiterroroperation“, begangenen Massaker an oppositioneller, passiv widerständiger, zum Teil nur „ethnisch“ zum Ziel erkorener russischsprachiger Bevölkerung, darf man es verwegen nennen, wenn jemand

NSA, CIA, MI6 etc.

nicht als Quelle des angeblich ukrainischen Materials in Betracht zieht, das die Russische Föderation belasten soll.
Diese Vorhaltung muß ich bedauerlicherweise auch  Kees van der Pijl machen, dem Autor des heute erschienenen Artikels MH17: Nach dem Abschusseinem Abschnitt aus seinem im vergangenen Jahr erschienenen Buch, den ich deshalb nicht weniger empfehle 1. Er schreibt dort:

Als der Staatsanwalt des Regimes in Kiew, (…) Jurij Boitschenko, am 8. August das Vetorecht [der Ukraine gegen Veröffentlichungen des mit der Flugunfalluntersuchung beauftragten Dutch Security Board (DSB)] bestätigte, schloss die ukrainische Presseagentur UNIAN, dass dies Russland und die Aufständischen faktisch von Schuld freisprach. Warum sonst sollte Kiew auf dem Konsensverfahren bestanden haben?

Die rhetorische Frage enthält eine ernstliche (Selbst-)Täuschung. Die Option einer offiziellen Vertuschung von Ermittlungsergebnissen, welche die ukrainische Regierung im DSB-Vertrag für sich gesichert hat, gilt für alle Partner. Sollte die ukrainische Seite mit besonderer Dringlichkeit auf dem DOOFPOTDEAL bestanden haben, wäre das nicht überraschend. Die Absicht ist offenkundig: Bestmöglich zu gewährleisten, daß im Falle und Rahmen einer Veränderung der politischen Lage oder der Kräfteverhältnisse zwischen den militärpolitisch interessierten Parteien die Ukraine nicht mit dem Abschuss der MH17 belastet werden könne. Die Putschregierung war das schwächste Glied unter den zur Vertuschung Verschworenen, schwächer, als beispielsweise Malaysia, deren Regierung sich lange zierte, deshalb für Monate von der Untersuchung ausgeschlossen wurde und bis heute keinen Zugang zu Daten bekommt, auf die sie als Heimatort der MH17 Anspruch hat, zum Beispiel die Originaldaten der Flugschreiber.
Deshalb ist auf dieser Grundlage weder auszuschließen, daß russisches oder aufständisches Militärpersonal den Abschuss verursacht hat – so vergleichsweise unwahrscheinlich das vor dem Hintergrund des Deals erscheint – noch die Variante, daß der Abschuss auf das Kerbholz einer dritten beteiligten Kraft geht, der

NATO

Daß die NATO beteiligt war, hat Kees van der Pijl berücksichtigt und in seinem Artikel hinreichend dokumentiert, aber auf der Grundlage von Spekulationen, die man politisch und historiographisch haltbar finden mag oder auch nicht, führt er sie zumindest im vorliegenden Abschnitt seiner Darstellung als eine potentiell mäßigende Kraft vor.
Kriminalistisch ist das unhaltbar, ja absurd.
Denn falls der Kriminalist vorerst nicht die Hypothese in Betracht ziehen will, eine derjenigen Parteien, die den Abschuss für politische Zwecke instrumentalisiert haben – eine durchaus nicht  unvermeidliche Konsequenz! – hätten ihn auch ausgeführt und möglicherweise geplant, dann befaßt ihn der Doofpotdeal mit einer politischen, nicht militärischen Verschwörung. In der politischen Verschwörung wäre die ukrainische Regierung von 2014 gleichgeordneter Täter neben der NATO, der holländischen Regierung und allen anderen Parteien, die direkt und indirekt am DSB-Untersuchungsverfahren beteiligt waren, einschließlich aller Geheimdienste, die einen Claim auf ukrainischem Territorium pflegen. Sie ist, siehe oben, in solch einer Verschwörung allerdings das entbehrlichste Glied, schon ihrer zweifelhaften Legitimität halber, die, nicht unvorhersehbar, aktuell zur teilweisen Abwicklung ansteht.

Mit einem Satz, der an das obige Zitat anschließt, vergröbert Kees seinen Fehler:

Die Tatsache, dass schon am gleichen Tag, dem 7. August, forensische Beweise von der Absturzstelle vertraulich dem ukrainischen Militär mitgeteilt wurden, unterstreicht, wie besorgt die Machthaber in Kiew waren.

In seiner Quelle findet man folgendes:

Kiev secretly received data from MH17 crash investigators – Ukrainian hacktivists
[Das Dokument, angeblich unterzeichnet vom Kiever Luftwaffenchef] is a report which maintains that a fragment of a projectile found together with the debris of the crashed flight MH17 is in fact a damage agent of a 9M38 surface-to-air guided missile belonging to the mobile air defense complex Buk or Buk M1. (…) The document acknowledged that a specific rectangular shape of the fragment pointed out that it could belong to a 9N314 warhead of the 9M38 anti-aircraft missile.

Dem ist das Photo eines zur Unkenntlichkeit deformiertes Metallfragmentes beigegeben.
Was sollen Kees Adressaten mit dieser „Besorgnis“ anfangen? Er insinuiert abermals ein  indirektes Schuldbekenntnis. Und abermals ist es Unfug, nämlich

russische Desinformation.

Auch die zählt zu den handelnden Figuren.
Zur Erklärung belemmere ich den Leser widerstrebend mit ein paar technischen Details.

Unterstellt man die Echtheit des geleakten Dokumentes, lautet seine Information, der Absturzuntersuchung sei ein Metallfragment, das beweisen soll,  die Waffe, die MH17 vom Himmel holte, sei russischen, nicht ukrainischen Ursprungs, untergekommen oder unterschoben worden, und dieser zweideutige Vorgang sei der Luftwaffe unter der Hand mitgeteilt worden.
Kees hat in seinem Artikel hinreichend beschrieben, warum niemals entscheidbar sein wird, ob ein Indiz oder Beweisstück dieser Art untergeschoben wurde, oder nicht, aber darum geht es mir an dieser Stelle nicht, sondern darum, daß RT wie Kees die Information des Leaks völlig verfälschen.

Russia Today erklärt seinen Lesern zunächst korrekt, das Fragment sei nicht aussagekräftig. Das wäre es, siehe oben, auch dann nicht, wenn eine metallurgische Untersuchung eine aktuelle russische Herkunft belegt hätte. Tatsächlich schaffte das Schrottstück es weder materiell noch virtuell in die heiligen Schriften des DSB Abschlußberichtes (siehe hier).
Doch dann führt RT die Leser mit der im Leak angegebenen Typbezeichnung des Sprengkopfes in die Irre, 9N314, obgleich die Autoren vermeiden, das explizit zu tun. Dieser alte Typ, den die russischen Streitkräfte nicht mehr verwenden, enthält keine sog. „Butterfly“- oder „Bowtie“-Elemente in der Splitterladung, wie das Stück Schrott eines vorstellen sollte. Sie wurden erst in der jüngeren Variante, genannt 9N314M verwendet, über welche die Ukraine nicht verfügte, wie beide Seiten übereinstimmend erklären. Siehe dazu erneut John Helmer. So erweckte RT unter Berufung auf eine „ungenannte Quelle“ aus dem russischen Militär den Eindruck, das ukrainische Militär verfüge über Beweise oder Indizien dafür, das fragliche Projektil könne nur aus ukrainischen Beständen stammen, und daher von der ukrainischen Luftabwehr selbst, weil man dort strikt darauf bestanden hatte, die Aufständischen hätten nur unbrauchbar gemachte Buk-Systeme erbeutet.
Es gibt drastischere Beispiele für russische Desinformation, ich wählte diese nur, weil sie im Zusammenhang der Darstellung von Kees van der Pijl eine Rolle spielt.

Indem Kees mit seiner „Unterstreichung„, „wie besorgt die Machthaber in Kiew waren„, die russischen Desinformation teilt, läßt er die sekundäre Information des Leaks – ich wiederhole, falls es echt war – unter den Tisch fallen. Die ukrainische Luftwaffe hatte doch nach eigenem Bekunden Gewißheit, daß weder ihre Luftabwehr noch ein betrunkener oder unfähiger aufständischer Gunner MH17 vom Himmel geholt hatte. Das juristisch unsaubere Leck aus dem Kreis echter oder selbsternannter Forensiker hatte für sie also keinen Belang, schon gar nicht auf der Chefetage.  Für sie konnte es nur Belang haben, wenn sie wußte, daß auch keine russische Buk, ja, überhaupt keine Flugabwehrrakete MH17 vom Himmel geholt hatte, sondern ein Luftangriff. Dann versicherte das Leck der ukrainischen Führungsetage, daß die Forensiker bzw. deren militärische Zuarbeiter die notwendigen Manipulationen vorzunehmen begonnen hatten, einen zweckmäßigen, mörderischen Luftangriff auf die Passagiermaschine und ihre 300 Insassen zu vertuschen.

Und an dieser (möglichen) Vertuschung beteiligt sich, behaupte ich, seither eine schier undurchdringliche Phalanx aus

Koalitionäre(n) aller Lager zur Vertuschung einer mörderischen NATO-Operation.

Dazu mehr in nachfolgenden Einträgen.
Doch ich will euch gleich vorwarnen, daß ich mich nur ganz am Rande mit Indizien für diesen staatsterroristischen Akt befassen werde. Ich beabsichtige vielmehr zu zeigen, daß und auf welche Weise eine Dekonstruktion der Psy-Op, die mit und um den Abschuss von MH17 aufgeführt wurde, eine abschließende Klärung, wer unter welchen Umständen und mit welcher Absicht einen beliebigen Feuerknopf drückte, der aus den Passagieren 21 Tonnen Fleischsalat machte, erübrigt. Und zwar nicht mit Blick auf die politischen und militärischen Tatsachen, die unter Berufung auf das Menschenopfer geschaffen worden sind, sondern auf die Geistesverfassung, die Voraussetzung solch einer Psy-Op ist und spezifisch verändert aus ihr hervor geht.

Eines der stärksten Indizien für den Luftangriff und dafür, daß die Affäre vom Ansatz her nicht mehr und nicht weniger, als eine Psy-Op mit Leichen, ein Äquivalent sakraler / ritueller Menschenopfer vergangener Herrschaftsformationen gewesen ist, will ich vorab nennen.
Das DSB hat die Möglichkeit eines Luftangriffes nicht untersucht. Es hat ihn unter Berufung auf eine eigentümliche Priesterschaft, ungenannte militärische Quellen aus dem Kreis der NATO, verworfen.
Den russischen Einspruch, der forderte, der Abschlussbericht möge mitteilen, er schließe nicht mit  Sicherheit aus, daß MH17 einem Luftangriff zum Opfer gefallen sein könnte, verwarf das DSB ebenfalls 2.

 

 


  1. Viel lieber verweise ich allerdings auf Kees online verfügbares Buch, The making of an Atlantic ruling class. Die Einleitung
  2. Manche Leser werden einwenden, die RF habe seither mit der Herausgabe von Originaldaten aus ihren Primärradar-Logs aus Rostov am Don die Variante eines Luftangriffes selbst ausgeschlossen. Ich beabsichtige nebenher zu begründen, warum ich das nicht für stichhaltig halte. 
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Sam’s Transition

So – ich erinnere euch – spielte Samantha Fish „I Put a Spell on You“ im Jahr 2014:

Eine Version aus 2016, zu einem Zeitpunkt, da schon entschieden war, sie werde einen anderen Weg nehmen:

Sollte ich je noch ernsthaft posten, wird es direkt oder indirekt um das Thema gehen, wie „Sprechen“, abseits von etwa vier bis sieben mathematisch – also ebenfalls sprachlich – zu beschreibender Operationen, Daseinsweise allen „Denkens“ aka kultureller Formierung des menschlichen Tieres ist. Und – ich habe es in früheren Einträgen schon angedeutet – in solcher Darstellung von „Sprache“ ist deren Elementarform Gebärde, nicht „Zeichen“ oder „Symbol“.

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Again: Masters of Earworms

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Für Jana

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+

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Teamplay

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Vorerst letzter Eintrag auf diesem Blog

Irgendwann in diesem Jahr ist mir die Fiktion abhanden gekommen, meine schreibend zelebrierte Selbstbehauptung als einer Seele – im Unterschied zu Psyche – trage noch andere Momente in sich und in eine Öffentlichkeit, als die, Symptomatik eines Verfalls einer Phase Herrschaftlicher Ordnung zugunsten einer Neuen zu sein, die sich iwie wie ein Phönix aus der Asche zu erheben habe, auch wenn, vielmehr gerade weil, eine Vielzahl von Individuen und Verbänden mit antagonistischen Geisteshaltungen daran arbeiten, ihr aus den Aschehaufen ein „Nest“ zu bauen.

Mit der Selbstbezeichnung „Hermit Tribalist“ hatte ich zu Protokoll gegeben, daß diese Fiktion kaum noch auf Irrtümern und Illusionen, vielmehr auf Trotz und Sturheit beruht hat. Das endet jetzt.

„TomGard“ wird es weiter geben, mit anderer Schwerpunktsetzung und Zielen, in einem Format, an dem ich arbeite. Dies Blog wird im Februar für Freunde und Unterstützer privatisiert.

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Grüß Dich, Franziska

Du schriebst in diesem Strang:

Wieso ist nicht einfach die internationale Handelsordnung, so sehr sie Gegenstand von Konflikten ist, die gewaltmässig abgesicherte Grundlage der Betätigung dre Geschäftspraktiken dieser Wirtschaftssubjekte (deren hin und her (sogar im www) zirkulierendes Eigentum, bei jedem Grenzübertritt, von einer in die Ordnung eingebundenen Staatsgewalt geschützt und rechtlich abgesichert ist)? Was umgekehrt die Theorie von der Notwendigkeit entbindet, die politischen Akteure als irgendwie mit Rücksicht auf diese Klasse handelnd zu begreifen. Stattdessen möchte ich MEINE Version vorschlagen, die da lautet: Diese Leute haben einen Staatsapparat für sich gekapert, die Tatsache, dass sie es konnten und können, bedarf eigener Erklärungen; das Faktum ist durch ein Ausschluss-verfahren nachzuweisen: Neocon-Politik dient keinem andern Ziel als den Neocons. Es sind elitäre oder, mit meinem Neologismus, Elitenfaschisten (klassischer Faschismus ist die Verbindung eines elitären („oligarchischen“) mit einem „rechtspopulistischen“ (Massen-bezogenen) Projekts, beide Momente traten auch früher schon, heute aber beinah ausschliesslich getrennt auf. Das Elitenfaschistische Projekt einer weltweiten Oligarchen-Herrschaft (ob das US Oligarchen sind, die zum Club gehören dürfen, dürfte nicht das primäre Auswahlkriterium sein; Gesinnung ist ebenso wichtig!), von Rechtslibertären (s.o.) NWO genannt, hat KEINERLEI irgend erkennbaren kapitalistischen Gehalt, es ist vor-bürgerlich und zielt auf Wiederherstellung feudaler Verhältnisse (in den Worten der Politischen Marxisten Brenner+Wood: Extraktion von Mehrwert mit ausserökonomischen Mitteln. Wie im Ancien Régime, und noch älteren.)

Sag selbst, gibt Dir nicht die Huawei – Affäre einen Sack voll Antworten? (z.B. Huawei Hemorrhages Allies in Europe on Growing Security Concerns, 5G: a revolution not without risks?)

Können wir uns ganz grob darauf einigen, die Verhaftung der Gründertochter eines der mächtigsten Konzerne Chinas ist ein in die heutige Zeit transponiertes „Franz-Ferdinand-Ereignis„? Sie kann nicht verfehlen, als unhintergehbare Kriegserklärung aufgenommen zu werden, im klaren Unterschied zu irgendwelchen Südchina-See-Affären, in denen die US-Pazifikflotte letztlich machtlos ist, weshalb die Anrainer unter unterwürfigen Lippenbekenntnissen zur Gefolgschaft gegenüber Washington dessen militär- und handelspolitische Vorgaben unentwegt unterlaufen. Und in deutlicher Reaktion darauf, daß der Versuch, China über die Korea-Frage mit nuklearen Drohungen zu konfrontieren, am unzweideutigen Südkoreanischen Widerstand scheiterte.

Wir dürfen unterstellen, Monsieur Trudeau hat nicht aus eigener Machtvollkommenheit gehandelt, richtig? Auf wen stützte er sich?

Vordergründig fällt die Antwort leicht. Er handelte im Einklang mit US-Feinden von Trump, die einen Schlußstrich unter dessen unilaterale, am außenpolitischen Establishment vorbei vollzogene Taktiererei im US-Selbstbehauptungskrieg gegen den Aufstieg Chinas setzen wollen. Doch schaut man auf das gewählte Mittel, ist die Antwort nicht mehr ganz so klar, oder?
Nach mindestens 10 Jahren vergeblicher Anstrengungen, von Xingyiang aus einen Zerlegungsangriff auf die „Volksrepublik“ anzusetzen, kann doch niemand ernstlich darauf setzen, daß für das „westliche“ Kapital eine Abkopplungspolitik von chinesisch beherrschten und genährten Abteilungen des Weltmarktes kein Rohrkrepierer ist, der die Geschützmannschaft tötet. Der perspektivische Horizont solch einer Politik ist ein innenpolitisch vergleichsweise geringfügiger Übergang Chinas zur Staatssklaverei, dessen westliches Äquivalent noch nichts als 8 – stellige Bevölkerungsverluste und politökonomischen Totalzusammenbruch verheißt. Es wird noch ein Weilchen brauchen, bis man im Okzident so weit ist, solch einen Übergang zu nehmen, die Machtlosigkeit der Feinde Trumps ist dafür der beste Ausweis, weil die amerikanischen Stände vergleichsweise am Besten aufgestellt sind, zur Militärherrschaft überzugehen.

Folglich, behaupte ich, kann es im Hintergrund der Initiative und Entscheidung Trudeaus keinen militärpolitischen Akteur geben. Sie muß auf einer abstrakt-allgemeinen Vereinbarung der bestimmenden Player der transnationalen Kapitale, insbesondere der Abteilung Finanzkapitale ruhen, die allein imstande sind, den ausgeklinkten Handels- und Währungskrieg zu begrenzen und zu moderieren. Sie haben damit die Theater, Opernhäuser, inquisitorischen Gerichts- und Schädelstätten geschaffen, auf denen die militärpolitischen Akteure handeln können und dürfen – nämlich auf eine Weise, in der die geschaffene Front Okzident vs. Orient ein vorgegebenes (Spiel-)Thema eines in beträchtlichem Umfang mit Symbolpolitiken geführten Ständekrieges innerhalb des Okzident und innerhalb des Orient werden kann und muß.

Noch eine allgemeine Bemerkung hinzu.
Das unverzichtbare Mittel bürgerlicher (Militär-)politik ist eine auf Gefolgschaften ruhende Konkurrenz der herrschenden Stände, wie ich hier skizziert habe.
Ein prominentes Kennzeichen der Leute, die ich vor der Wahl Trumps Chaos-Fraktion, „Chaosvögel“ und „Killary-Fraktion“ genannt habe – übrigens angelehnt an Selbstauskünfte der Betroffenen und Beteiligten, z.B. Ralph Peters, Condi Rice – besteht darin, daß es sich um einen Verband von und mit verschiedenen und wechselnden Gefolgschaften handelt. Es ist eine „Bewegung“ in einem heute anachronistisch anmutenden Format, die ich historisch zuletzt aus den Beschreibungen Robert Musils über die Vorgeschichte des Faschismus im preußisch-habsburgischen Traditionskomplex kenne, ein Ding, das sich Für Sich wesentlich ästhetisch bestimmt – „ästhetisch“ abermals im vergessnen, nämlich erkenntnistheoretisch-theologischen Sinn 1 – während diese Ästhetik selbstredend nur Erscheinungs- und Durchsetzungsform einen Anderen, eines anders gearteten An Sich ist.
Das macht die Angelegenheit für Außenstehende schwer faßlich – für mich nicht weniger als Dich oder andere – und es ist für die an dieser Bewegung an prominenter Stelle Beteiligten voraussetzungemäß erst recht unfaßlich. Sie werden in erster Linie mit und anhand ihrer traditionellen Ziele, Zwecke und Bewegründe von dieser Bewegung erfaßt, sie wirkt durch sie hindurch, gerade weil sie keine Ahnung haben, was und wie ihnen geschieht – obwohl ihnen jede Menge Beschreibungen, Metaphern, Empfindungen und psychische Zustände (ja, das ist ein Feld wo der Irrwitz „Psyche“ real wird!) verfügbar, und Material ihres Handelns wird.


  1. Die Kantische Philosophie ist theoretisch die methodisch gemachte Aufklärung, nämlich, daß nichts Wahres, sondern nur die Erscheinung gewußt werden könne. Sie führt das Wissen in das Bewußtsein und Selbstbewußtsein hinein, aber hält es auf diesem Standpunkte als subjektives und endliches Erkennen fest. Und wenn sie schon den Begriff und die unendliche Idee berührt, seine formellen Bestimmungen ausspricht und zur konkreten Forderung derselben kommt, so verwirft sie dieselbe wieder als das Wahre, macht sie zu einem bloß Subjektiven, weil sie einmal das endliche Erkennen als den fixen, letzten Standpunkt angenommen hat. Diese Philosophie hat der Verstandesmetaphysik, als einem objektiven Dogmatismus, ein Ende gemacht, in der Tat aber dieselbe nur in einen subjektiven Dogmatismus, d. i. in ein Bewußtsein, in welchem dieselben endlichen Verstandesbestimmungen bestehen, übersetzt …
    Oder[358] dieser transzendentale Idealismus läßt den Widerspruch bestehen, nur daß das Ansich nicht so widersprechend sei, sondern dieser Widerspruch allein in unser Gemüt falle. So bleibt denn dieselbe Antinomie in unserem Gemüte; wie sonst Gott das war, das alle Widersprüche in sich aufzunehmen hatte, so jetzt das Selbstbewußtsein. Daß aber nicht die Dinge sich widersprechen, sondern es, das ficht die Kantische Philosophie weiter nicht an; es tut nichts. Die Erfahrung lehrt, daß es sich nicht auflöst; wir wissen, daß Ich ist. Man kann also um seine Widersprüche unbekümmert sein, denn sie löst es nicht auf, es kann sie ertragen. – So ist aber der Widerspruch nicht aufgelöst; er besteht vor wie nach. Das ist zuviel Zärtlichkeit für die Dinge; es wäre schade, wenn sie sich widersprächen. Daß aber der Geist (das Höchste) der Widerspruch ist, das soll kein Schade sein. Der transzendentale Idealismus löst also den Widerspruch gar nicht auf. Die Erscheinungswelt hat ein Ansich, dem kommt er nicht zu. Dieses ist ein Anderes als der Geist. Das Widersprechende zerstört sich; so ist der Geist Zerrüttung, Verrücktheit in sich selbst.“ (Hegel, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie. B. Kant)
    Diese Zerrüttung, Verrücktheit, in Gestalt eines Bemühens, ihrem subjektiven AnSich einen versöhnlichen, gegenständlichen AnSchein zu geben, welchem der Verrückte teilhaftig werden und unter dem Signum, der Standarte des AnScheins sein individuelles Dasein einem Sollen verschreiben kann und muß, nenne ich bürgerliche Ästhetik. 
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Notiz zu Pompeos Brandrede gegen die Institute des US-Imperialismus

Gemeint ist die schon kürzlich zitierte (thread) Brüsseler Rede „Restoring the Role of the Nation-State in the Liberal International Order“, die u,a. gegen die EU gerichtet war. Ist die EU ein „Institut des US-Imperialismus“, schreibe ich nicht notorisch vom Krieg der USA gegen die EU, erwidert von Deutschland und Frankreich seit Bush jr den „War on Terra“ verkündet hat? Weiterlesen

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Nachgehalten: Operation Northern Shield

Ich kann aus persönlichen Gründen noch nicht den größeren Zusammenhang vorstellen, wie im letzten Eintrag zum Thema versprochen.

Immerhin kann ich für die aus dem letzten Titel gestrichene Behauptung, die israelische Operation sei Auftakt und Bestandteil einer neuen Kriegsphase, die ich vorläufig „Altwelt-Krieg“ taufte, ein m.E. starkes Indiz beibringen:

ONS folgt einer in Zusammenarbeit mit dem US-State Department seit längerer Zeit vorbereiteten Strategie

Das israelische „Sicherheitskabinett“ habe ONS bereits am 7. Nov. beschlossen, verriet der scheidende Generalstabschef Eizenkot in einer Pressekonferenz v. 4. Dezember. Die Aufdeckung und Zerstörung einer ungenannten Zahl grenzüberschreitender Tunnel werde „mehrere Wochen“ dauern. Nachfragen, warum eine eigens zu diesem Zweck mobilisierte Armee eine derart lange Zeit benötigen solle, eine Aufgabe zu erfüllen, die in einem klassischen „Verteidigungsfall“ möglichst binnen 24 Stunden erledigt werden müsse, ließ der General mit folgendem Statement nicht aufkommen. ONS sei der „Verteidigungsfall“ 1:

This morning we started an action to thwart Hezbollah’s invasion into our territory, to improve our security reality in the north … to strike and to continue to strike the Iranian entrenchment [on Israels northern border],”

Vielleicht ermutigt durch die Ignoranz der internationalen Öffentlichkeit, legte die Jüdische Presse bereits am Folgetag nach. ONS sei zeitlich offen – in späteren Meldungen ist von „Monaten“ die Rede – und werde „möglicherweise“ auf libanesisches Territorium ausgedehnt. Das haben Netanyahu und sein Spielmann Yisrael Katz seither offiziell bekräftigt. Die Jüdische Presse kolportiert dazu einerseits „Insider“, die behaupten, in der IDF gehe man davon aus, Hezbollah werde bei grenzüberschreitenden Aktionen still halten, andererseits gibt sie das vom  israelischen General Roei Leivi gestreute Gerücht weiter, Mossad und IDF hätten ihre Bemühungen verstärkt, den Anführer Hezbollahs, Nasrallah, zu stellen und zu exekutieren.

Die Konzeption der ONS und die Wahl des Zeitpunktes für ihren Beginn haben zweifellos eine innenpolitische Komponente. Tzipi Livni, Außenministerin im Kriegskabinett Olmerts während des Libanonfeldzuges 2006, und nach dessen zweifelhaftem Erfolg, ab 2007, an der Seite des Kriegsministers Ehud Barak – vgl. Israels Übergang zur offenen Diktatur – führte in der vergangenen Woche eine „Opposition“ an, die ONS anhand ihrer Ungereimtheiten lächerlich zu machen suchte und Netanayhu anklagte, den Krieg gegen Iran und Hezbollah zum Spielmaterial in „Manövern“ zu nehmen, die „allein“ seinen Machterhalt zum Ziel hätten.
Doch solche Klagen können nur akzentuieren, daß die Planungsphase für ONS, damit auch ein Teil der operationellen Vorbereitungen, vor dem Beschluß des „Sicherheitskabinetts“ am 7. Nov. etliche Wochen, wenn nicht Monate in Anspruch genommen haben, weil sie unter beliebigen Umständen das Szenario eines totalen Krieges im Libanon eingeschlossen haben müssen.

Unter dieser Voraussetzung ist die Meldung der ToI zu Netanyahus Blitzbesuch zu einem Treffen mit Mike Pompeo in Brüssel zu begutachten:

Prime Minister Benjamin Netanyahu left for Brussels Monday for a meeting with US Secretary of State Mike Pompeo that he said would focus on joint efforts to curb Iranian aggression in the region.
“I will discuss with Mike Pompeo a series of developments in our region as well as the measures we are taking together to curb the aggression of Iran and its proxies in the north,” Netanyahu said in a video statement (TG: beachte, dies schließt das syrische Territorium ein).
Officials in the Prime Minister’s Office told the pro-Netanyahu Israel Hayom daily that the sit-down was “urgent.”
The prime minister will be joined by Mossad chief Yossi Cohen, National Security Adviser Meir Ben Shabbat and military secretary Col. Avi Blot. (…)
The sit-down also comes a week after UN Ambassador Danny Danon told reporters that Trump administration officials had alerted Israel that it has finished structuring its peace plan and that it intends to present it early next year. Danon said that Washington had discussed with Jerusalem the timing for unveiling the proposal.

Nachdem ONS lange geplant war, hatten Yossi Cohen, Meir Ben Shabbat und Avi Blot bei diesem Treffen – wenn sie denn tatsächlich dabei waren – keine andere Funktion zu erfüllen, als in der Presse genannt zu werden, zusammen mit dem einen und anderen Hinweis, wer da auf der internationalen und transnationalen Bühne gegen wen Krieg zu führen beabsichtige. Pompeos Brandrede beim German Marshall Fund, gegen UN, IWF, WTO und – vor allem – die EU, zugunsten einer unilateral amerikanisch geführten NATO, wird durch Netanyahu / Baraks neuen Libanonfeldzug ergänzt, weil die Verantwortlichen in den angegriffenen Nationen und Instituten mit solch einer Ergänzung zu rechnen haben. Es kam The Tower zu, es den Betreffenden unter Verweis auf Veröffentlichungen des State Department (1, 2) eigens unter die Nase zu reiben. Die ICG bekräftigte lakonisch, im Libanon werde es nun wohl zur Sache gehen, allerdings mit dem verlogenen, an wohl bestimmte europäische Adressen adressierten Zungenschlag, es handele sich um eine „amerikanische“ Initiative …

Die libanesische Presse steht derweil allein mit Angaben und Beschwerden, die israelische Seite habe die Frage der Tunnel während der turnusmäßigen Kontakte mit der libanesischen Regierung via UNIFIL nie angesprochen, geschweige sich um eine friedliche Bereinigung bemüht. Daß UNIFIL unterdessen tätig geworden ist, verschweigen die israelischen Medien, falls sie es nicht gar verleugnen (Debka), und infolgedessen auch die imperiale Presse.

Die JPost begann am 6. Dezember mit einer akuten Kriegsmobilisierung der israelischen Öffentlichkeit. Die Verteidigungskapazitäten der Hezbollah seien geringer, als währen der propagandistischen Vorbereitung des Feldzuges dargestellt, „nur ein paar Dutzend“ Präzisionsraketen seien ihr verblieben, und „die Russen“ stünden auf Seiten Israels (gelogen), würden Waffentransfers aus Syrien ab sofort unterbinden (absurd).

 

 

 


  1. Bereits am 3./4. Dez. ließ der israelische Armeesprecher keinen Raum mehr zu zweifeln, daß ONS der Beginn eines Libanonfeldzuges werden soll:
    (Lt. Col. Jonathan Conricus said) a task force established in 2014 has been searching for potential Hezbollah tunnels for more than two years. He did not explain why the operation to uncover the tunnels started now.
    Ynet ergänzte: In 2015, the pan-Arab newspaper Asharq al-Awsat reported that tunnels are not a new tool in Hezbollah’s arsenal … According to the newspaper, the tunnels along the border were already dug as early as 1982, and Hezbollah began using them in the early 1990s.
     
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Ukraine: Russisches FM signalisiert Duldung eines Vernichtungskrieges gegen die Volksrepubliken

Vorspiel

Keiner von euch Weißen Affen hat die Rede der EU-Außen Federica Mogherini, 23. Okt., On the situation in the Sea of Azov, angeklickt, die ich verlinkt hatte. Wie sollte ich euch alle Arbeit abnehmen, die nötig ist, zu begreifen, was ich schreibe – egal, ob ihr zustimmt, oder nicht?

Eine direkte Fortsetzung und Ergänzung dieser Rede wären Sanktionen gegen Organisatoren / Teilnehmer der kürzlichen Regionalwahlen in den ukrainischen „Volksrepubliken“ , welche die EU nach aktuellen Meldungen der russischen Auslandspresse zu verhängen gedenke. Sie kämen nicht überraschend, wie eine Meldung zeigt, die am 20. Nov. beim EU Observer und in der ukrainischen Staatspresse erschien. Zu notieren: Falls die Meldungen stimmen, wäre britischer Druck, ausgeübt über die polnischen und baltischen Alliierten der britischen Transatlantiker, ein nicht zu unterschätzender Faktor in dem Vorgang, der die Vereinbarungen von Minsk (II) abschließend ad acta legte.
Denn die sahen solche Regionalwahlen als Voraussetzung einer Wiedereingliederung der „Volksrepubliken“ vor. Deren Administratoren sind nicht dafür verantwortlich zu machen, daß die ukrainischen Regierungsparteien eine Partizipation stets abgelehnt und die Wahlen illegalisiert haben.

Hauptspiel

Nehmt gefälligst meinen Titel ernst! Das Prädikat heißt „signalisieren“, nicht „dulden“. Inwieweit eine Duldung folgte, bleibt offen und soll offen bleiben, was u.a. bis zur Stunde dadurch indiziert ist, daß der Kreml die unten zitierten Äußerungen des Außenministeriums nicht kommentiert hat.

„Unfortunately, over the past few days, information about the Ukrainian Armed Forces‘ active preparations for possible military actions in Donbass has been emerging more often … Martial law serves to camouflage the Poroshenko regime’s intention of staging a new provocation in Donbass“, Zakharova told in a briefing, adding that Moscow does not rule out that Kiev might start new provocations in the region with the use of toxic substances. (1, 2)

Der Kreml-Sprecher hatte sich vor einer Woche wesentlich vorsichtiger ausgedrückt: Ukraine’s martial law poses risks of conflict escalation in Donbass.
Jetzt nenne ich eine

Voraussetzung

meiner Argumentation.
Für eine Wägung der

politischen

Aussage Sacharowas sind ihre Angaben in erster Instanz

ungeachtet ihres Realitätsgehaltes

wahr_ zu_ nehmen.

Und dann folgt: Indem Sacharowa etwas von „starken Offensivkräften“ und obendrein von der Gefahr einer False-Flag-Attacke redet, ohne eine Warnung vor möglichen russischen Gegenmaßnahmen gegen einen Vernichtungskrieg im Donbass auszusprechen, wie es – beispielsweise – Putin zu Beginn des Krieges tat (kürzlich erst verlinkt, hat auch kein Schwanz gelesen), weist sie eine Verantwortlichkeit Russlands  für den avisierten Kriegsschauplatz ab.
Das gilt umso mehr, als seit März dieses Jahres bei „chemischer False Flag“ unbedingt ein Skripalen, sprich Hexenkralle aka „Novichokim Raum steht.

Erst dann ist hinzu zu fügen, daß sich die politische und militärische Führung der Russischen Föderation selbstverständlich vorbehält, von Fall zu Fall zu entscheiden, ob sie sich involvieren ließe, oder nicht, was – zur Erinnerung – einen Beschluß des Föderationsrates nötig machen würde.

Ich hatte die aktuelle Entwicklung im Mai vorweg genommen: Gestern hat ein neuer Russland-Feldzug in der Ukraine begonnen. Es ist hier nicht wichtig, daß meine damaligen Informationen zur Kabinettsumstellung sich überwiegend als Enten erwiesen und ich obendrein das Krim-Szenario, das, wie ich heute weiß, auf EU-Ebene schon damals eine Hauptrolle gespielt hat, mißachtete.

Das Kriegsresultat, das in Minsk 2015 eingefroren worden ist, bestand in einer faktischen Angliederung der „Volksrepubliken“ an das russische Territorium seitens der NATO. gegen den Willen der russischen Regierung. Für das vorläufige Akzept der russischen Regierung gab es ausschließlich völkisch-ideologische Motive. Die russische Föderationsregierung war nicht willens, oder sah sich mit innenpolitischen Rücksichten nicht in der Lage – zwei Seiten derselben Sache – sich den Status als einer „Schutzmacht der Russen“ billig abkaufen zu lassen, für den das Imperium ihr in den ersten zwei Dekaden nach dem Zerfall der SU zum Beispiel in Moldavien und Georgien ein gewisses Maß an vorbehaltlicher und streitbarer internationaler Anerkennung zubilligte, denn ohnediese völkische Komponente ist keine russische Föderationsregierung zu haben und folglich auch kein Abtransport russischer Reichtümer in den „Westen“.
Drei Jahre später ist die schmale materielle Basis dieser Rücksichten in beträchtlichem Umfang entfallen. In den „Volksrepubliken“ hat unter dem Kleinkriegs-Regime zwangsweise eine Bevölkerungstrennung stattgefunden. Ihre Kriegsherren, und deren Gefolgschaft, sind aus russischer Sicht nunmehr weniger „Russen“, und mehr ukrainische Freischärler, denn zuvor. Eine unklare, jedenfalls aber weit über eine Million starke Zahl der Einwohner hat die Region verlassen, die übergroße Mehrheit Richtung Russland. Ihre Einbürgerung, soweit noch nicht geschehen, ist nun kaum mehr, als eine Formalie und die Aufnahme einer neuen Flüchtlingswelle wird absehbar auf der Haben-Seite der neuen russischen Regierung verbucht werden.

Für Letzteres gab Sacharowa jetzt einen starken Hinweis:

„We will not impose any restrictive measures against Ukrainian citizens that are in Russia or plan to visit it“, Zakharova added.

Klartext: Wenn die „russischen“ Ukrainer kämpfen wollen, werden wir sie nicht hindern, wollen sie fliehen, werden sie willkommen sein.

Das ist nichts Geringeres, als eine Einladung an die amerikanisch-britisch-polnisch-ukrainische Kriegsfraktion, sich im Donbass „weltpolitisch“ „in den Fuß zu schießen“ – mit der Zerfleischung einer beliebigen Anzahl ukrainischer Insassen.

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„Operation Northern Shield“

Update:
Den Titel habe ich geändert, weil ich die Vokabel „Altwelt-Krieg“ nicht zeitnah rechtfertigen kann. Das wird in einem Eintrag mit dem Untertitel „Macht und Ohnmacht der zionistischen Militäraristokratie“ geschehen, den ich fertig stellen werde, sobald meine Gesundheit es erlaubt. Tipp vorab: Hat u.a. was mit Pompeos Rede beim Marshall Fund zu tun. Ein Zwischenziel des mit ONS begonnenen Libanon-Krieges ist die Beseitigung der UNIFIL-Truppe und der UN-Infrastruktur, auf der sie ruht.
Die nichtssagend abstrakten letzten Absätze des Eintrages habe ich gestrichen. Weiterlesen

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Russische Schießdiplomatie gegen imperiale Freischärler (2)

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Gebärden (4)

Sicherlich nur für kurze Zeit ist auf Vimeo „Who Know’s“ zu hören.
Das erlaubt einen Vergleich mit Sima B’s kleiner Instrumental-Studie dazu:

und deren Unterschiede zu Randy Hansen’s über weite Strecken „Ton für Ton“ identischer Version:

 

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