Diskussionsseite „Kapital“

(https://tomgard.blog/kapital/)
Auch zu nutzen für Einwände und Kommentare zu Texten, die unter anderen Reitern versammelt sind.

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These zur laufenden Phase imperialen Zusammenbruchs

Um die vielgestaltige und vielschichtige Angelegenheit auf einen handlichen Nenner zu bringen, der seiner Anfechtung – alternativ: Spezifizierung – Handhaben geben könnte (natürlich wird das nicht geschehen und ich allein kann es nicht leisten): Weiterlesen

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NATO-Angriff auf russische Truppen unter israelischer Flagge

Update:

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte voran gegangene Angaben des Pentagon, die Il-20 sei syrischem Abwehrfeuer zum Opfer gefallen. Die israelischen Flieger hätten die Aufklärungsmaschine als Deckung benutzt, worauf die automatische Zielsuche der syrischen S-200 sich auf die russische Maschine eingestellt habe.
Das Szenario ist nicht besonders plausibel aber praktisch unangreifbar, da es dem offiziellen Aufklärungsbericht eines ukrainischen „Manöverunfalles“ mit demselben (überalterten) Raketenmodell entspricht, mit dem 2001 eine russische Verkehrsmaschine über dem Schwarzen Meer abgeschossen wurde.
Selbst wenn die Version stimmt, habe ich an meinem Titel nichts zu ändern. Die initialen Meldungen der syrischen Seite sprechen nicht von einem „israelischen“ Angriff. Umgekehrt spricht Debka unter Vorbehalt vom „ersten koordinierten Angriff der IDF“ ohne die NATO zu benennen.
Update Ende

Die vom russischen Oberkommando vermisst gemeldete IL-20 war eine aktive SIGING-und Feuerleit-Einheit während eines laufenden israelischen und französischen Angriffs auf Latakia. Es gibt genau eine Möglichkeit, wie sie „verschwinden“ konnte, ohne daß der Bodenstation Art und Herkunft des Angriffes bekannt wurde, nämlich wenn sie unter Funkstörung mit AAM’s mittlerer Reichweite abgeschossen wurde, die eine kombinierte Radar- Infrarot-Zielführung nutzen. Folglich spielt es keine Rolle, ob die russische Luftwaffe lügt oder nicht, der Angriff wurde von den F-16 ausgeführt, die von der Bodenstation als „israelisch“ registriert wurden – ob es IAF-Einheiten waren, oder nicht. Seit Monaten gibt es „israelische“ Angriffe auf Syrien, die ziemlich offensichtlich von NATO-Einheiten geflogen  wurden, v.a. im Osten der Provinz Homs und um Deir Ezzor, ich berichtete darüber. Ich berichtete auch über den Konflikt zwischen IDF und ihrer politischen Führung, die – neben anderem – zugrunde liegt.

Bevor mir der Angriff bekannt wurde, plante ich eine Notiz unter dem Titel „Putins Zurückweichen in Idleb gibt der NATO Damaskus preis – oder etwa nicht?“ Die Provinz Idleb derart formell in türkische Hoheit zu übergeben, wie das insbesondere mit der Vorgabe geschehen ist, bis Ende des Jahres sollten die Trassen Hama – resp. Latakia-Aleppo „für Transit-Verkehr“ geöffnet werden, konnte tatsächlich nicht verfehlen, ein tiefer Axtschlag in die Spaltung zwischen Radikalen und „Gemäßigten“ in NATO UND den Organen der zionistischen Internationale wie der zionistischen Militäroligarchie zu werden. Ich bin zu krank, um das abermals ausführen zu wollen – alle Elemente und Voraussetzungen dieses Urteils sind mehr oder minder ausführlich in diese Blog zur Sprache gekommen, einschließlich – 2016 – eines Momentes, das aktuell besonderes Gewicht bekommen hat, die beabsichtigte abschließende Balkanisierung des Irak, ein Lieblingsprojekt der zionistischen Internationalen, d.h. bes. ihrer Parteigänger in den USA. Für die Betreuung zweier flächiger Angrffsszenarien, Restsyrien UND Restirak, steht den kombinierten Kräften der NATO und Israels schlicht zu wenig Personal zur Verfügung.

Deshalb erwarte ich – für den Moment jedenfalls – daß die französisch-israelische „Provokation“, die 14 russischen Soldaten das Leben kostete, offiziell ohne Folgen bleiben wird.

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NATO-Söldner erzwingen russische Angriffe im Raum Jisr al-Shugur

Debka und AMN – Letztere unter Berufung auf „militärische Quellen“ – erklärten die Idleb-Offensive unabhängig voneinander für abgesagt und bestätigten damit meine letzte Darstellung (Kommentar zum voran gegangenen Eintrag). Lt. AMN gab es eine Einigung zwischen Putin und Erdogan, lt. Debka ist die laufend verstärkte türkische Truppenpräsenz in der Provinz der Grund.

Reuters, Hürriyet und Al Monitor erzählen von massivem Zufluß an Gefechtsfeldwaffen für eine angeblich bis zu 30 Tausend Mann starke Armee, die nördlich Aleppos für einen Angriff auf die Stadt zusammen gezogen werde. Ich halte das für eine Ablenkung. Der Angriff wird von Jisr al-Shugur aus auf Latakia erfolgen und vor Stunden gab es lt. AMN ein Vorspiel in Gestalt eines Raketenwerferattacke vom Dorf Kabbani aus. Kabbani liegt in vorgeschobener Position am Rande des Orontes-Gebirgszuges und in der Nähe des Ortes, in dem lt. russ. Armeeführung eine False-Flag-Attacke vorbereitet wurde. Die russische Armee kann nicht vermeiden, mit massiver Feuerkraft gegen Artillerieangriffe aus diesem unübersichtlichen Gelände vorzugehen.

Die Ablenkung aus der westlichen Presse dürfte den taktischen Kern haben, den ich schon im letzten Eintrag vermutete. Falls NATO-Luftangriffe Aleppo zeitweise isolieren, werden die türkischen Truppen und Söldner nördlich der Stadt zu einer echten Bedrohung, die nur mit Flächenbombardements zu kontern ist.

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NATO-Invasion Syriens hat in der Nacht begonnen

Ergänzung (12.9.) im Kommentar

Erdogan hat sie gestern im WSJ in einer kaum verhüllten offiziellen Kriegserklärung gegen Damaskus angekündigt und gerechtfertigt. AMN beruft sich auf Söldnerquellen mit der Mitteilung, das seit längerer Zeit an der syrischen Grenze aufgestellte türkische Truppenkontingent habe heut nacht die Grenze mit unbekanntem Ziel überquert. Im Unterschied zu den vergangenen Invasionen der Türkei im Gouvernement Aleppo und der Provinz Afrin gilt der Einmarsch den syrischen Regierungstruppen.

Am Morgen haben lt. einer Mitteilung des Oberkommandos der in Syrien stationierten russischen Truppen die Filmarbeiten für einen gestellten Chlorgasangriff begonnen. Die Mitteilung gibt zu wissen, daß die russische Armee spätestens seit heut früh alle erreichbaren und lohnenden NATO-Ziele mindestens im östlichen Mittelmeer im Fadenkreuz hält. Die russische Heimatfront ist durch das gestern begonnene Manöver „Vostok 2018“ nahezu voll mobilisiert.

Anders, als das WSJ es in einer Psy-Op darzustellen beliebte, werden sich die NATO-Truppen hüten, russische Ziele anzugreifen. Die türkische Syrieninvasion ist dafür das sichere Kennzeichen. Sie operiert unter dem Schutz eines Angriffes, der m.E. der syrischen Zentralregion, den nördlichen Teilen der Provinzen Hama und Homs gelten wird, um die Verbindungen nach Deir Ezzor und Aleppo zeitweise zu unterbrechen. Einen massiven Angriff auf Armeeeinrichtungen in Damaskus, geleitet vom Militärgeheimdienst Israels, halte ich nicht für ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich. Die russischen Truppen werden still halten und ein Maximum an ideellen Erfolgen an der Front ihres „Kulturkampfes“ einzufahren suchen.

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Auch dies ist ein Kind des imperialistischen „Wir“

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Amesbury – Ergänzung

Eine kurze Recherche ergibt eine ziemlich eindeutige Antwort auf die Frage, wer der politische Profiteur der neuen Affäre werden soll, Tom Tugendhat. Chairman of the Commons Foreign Affairs Committee und ein ausgesprochen rühriger „Remainer“. Spätestens seit letztem Jahr ist Tugendhat als Nachfolger Mays im Falle eines iwie bewerkstelligten Rücktritts vom Brexit im Gespräch. In den vergangenen 24 Std. resonnieren alle britischen Presseorgane vom Tom Tugendhat-Geläute, mit und ohne Zusammenhang mit „Novichok“. Zwei Beispiele: TOM TUGENDHAT Russia’s attacks in the UK are no mistake — it’s time to turn off the tapTheresa May must play LEADING ROLE in EU accession of Balkan nations post-Brexit, warn MPs, die klar genug anzeigen, wo’s lang gehen soll. Auch die deutsche SZ stellte den Herrn ihren Lesern in einem gestrigen Op-Ed-Artikel (Paywall) vor.
Die „Robuste Warnung“, von der ich im letzten Eintrag sprach, erging auch an europäische Adressen, wiewohl es den britischen Staatsterroristen nicht ganz einfach werden sollte, ihre Nummer auf dem Kontinent abzuziehen.

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Amesbury – ein vielsagender Terroranschlag aus Porton Down

„Novichok“ war am Samstagnachmittag, den 30. Juni, da zwei, nach anderen Meldungen drei Personen mit Verdacht auf eine Klasse A-Drogenvergiftung ins Krankenhaus Salisbury eingeliefert wurden, gewiß nicht im Spiel. Ob es den Opfern, wie im Falle Skripal, nachträglich verabreicht wurde – oder noch werden wird – ist unklar, aber zweifelhaft. Nachdem die Leitung der Klinik in das Cover-up des Skripal-Falles unter Duldung schwerster Körperverletzung der Opfer verwickelt ist, hält die über die Chemie- und Biowaffenfabrik herrschende Gruppe Staatsterroristen alle Fäden in der Hand, sie kann zusätzliche Verwicklungen durch Informationslecks aus den Reihen Drittbeteiligter vermeiden. Vor allem aber wäre so ein Schritt unnötig. Die Täterschaft aus dem Umkreis von Porton Down darf und soll jedem klar werden, der sich traut, über den Tellerrand politischen Alltags zu schauen.  Weiterlesen

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Klartext zum Jemenkrieg: Die Quittung für Unbotmäßigkeit ist Ausrottung

https://www.realclearpolitics.com/articles/2018/07/03/america_wins_if_houthi_rebels_lose_in_yemen_137412.html

Mindestens 10 Mio Menschen hat die Kriegsmaschinerie der imperialen Metropolen in den letzten 30 Jahren im Irak vernichtet – die einen getötet, die anderen verstümmelt, anderen alles genommen, was ein menschliches Dasein ausmacht. Wenn jemand behaupten wollte, es seien 20 Mio., würde ich nicht widersprechen.

Doch der Irak hat offiziell 40 Mio. Einwohner und ist aufgrund seiner Nachbarschaft zum Iran als ein Herrschaftsgebiet sakrosankt. Diese „Gnade“ gilt nicht für die Jemeniten. Sie werden bis auf das letzte Kind in die Erde gedüngt, solange sich noch irgend eine Hand zum Widerstand regt. Mehr ist dazu nicht zu wissen und zu sagen – Anfang und Ende meiner Mitteilungen zu diesem Krieg.

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Syrien: Ein – nicht ganz – neues israelisches Strategem

Yair Lapid: “Israel Will Not Tolerate an Iranian Presence in Syria. Period.”

Die Voraussetzungen in Stichworten.
Der Libanon ist, wie die diplomatischen Bewegungen im Anschluß an die jüngsten Wahlen zeigen, die Hezbollah gestärkt hatten, weiterhin gegen einen israelischen Angriff gedeckt. Der Versuch, im Windschatten eines NATO-Angriffes auf Damaskus unter dem Vorwand des False-Flag-Angriffes in Douma weitere Teile Syriens mit eigenen Truppen und Söldnern zu besetzen, war am vereinten russisch-amerikanischen Widerstand gescheitert.
Immerhin hat die zionistische Front erreicht, daß der „Nahost-Plan“ der Trump-Administration nebst einem gesonderten „Gaza-Plan“, angekündigt für Anfang Mai, offenbar dauerhaft in der Schublade landeten. Sicherheitsnadelhalber führte die IDF der übrigen Welt und besonders den israelischen Juden ein Massaker auf, das auf der ikonographischen Ebene keinen Vergleich mit irgend einer Bestialität der letzten 2000 Jahre zu scheuen braucht. Für mindestens eine, wenn nicht mehr Generationen ist damit gesetzt, entweder die Juden ins Meer, oder die Araber in die Wüste.

Zugleich gab es seit Ende April eine Serie von Luftangriffen in Syrien, die der israelischen Luftwaffe zugeschrieben worden sind, ihr aber weder taktisch noch strategisch plausibel zuzuordnen sind. Eine Sonderrolle spielten dabei die jüngst aus den USA erworbenen F-35 nebst Munition, welche die IDF bislang offiziell nicht ausgewiesen hat. Man darf vermuten, daß sie aus den kürzlich aufgestockte NATO-Arsenalen stammt. Auch im Raum Al Tanf und Deir Ezzor gab es Angriffe, ziemlich offenkundig von der US-Luftwaffe oder der britischen Luftwaffe ausgeführt, die das Pentagon und OIR verleugnet haben.

Kurzum, ich unterstelle, die NATO führt teils mit der IDF oder IDF-Teilstreitkräften, teils ohne sie, den Auszehrungskrieg gegen Syrien und Russland weiter, der nicht länger ein „israelischer“ Krieg ist. Der Staat Israel führt unter den heute gegebenen Bedingungen entweder einen Entscheidungsschlag gegen Damaskus, um das entstehende Chaos und Vakuum im Süden Syriens und im Libanon zu nutzen, oder er hütet sich, die russisch – israelische Entente mit Angriffen zu belasten, die an der strategischen und taktischen Kriegslage nichts ändern können.
Letzteres ist seit der „Reality-TV-Show“ der Cruise-Missile Angriffe bis auf einschneidende Änderungen in den Kräfteverhältnissen der Beteiligten gegeben.

Das bestätigt indirekt Yair Lapid. Der Mann mag ein Kretin sein, so idiotisch ist er nicht, daß er ernsthaft annimmt, Moskau könne „den Iran“ stellvertretend für Israel aus Syrien heraus bomben, wie seine Worte unterstellen, umso weniger, als er zugleich mit Rücksicht auf Syrien den direkten russischen Alliierten Türkei mit „Iran“ gleichsetzt.

Aber umgekehrt kann Israel einen Hebel gegen Russland, gegen die Präsenz und strategische Interessen Russlands an und in Syrien, in der Türkei ansetzen, falls es dafür ausreichend Parteigänger in der NATO findet.

Bis dahin bleibt Israel, soweit ich sehe, nur ein gangbarer Kriegspfad in Syrien. Es kann mittels Beunruhigung Russlands in Syrien durch die eigene Luftwaffe, vor allem aber durch NATO-Truppen und -Söldner, die entweder auf eigene Rechnung handeln oder sich auf abtrünnige US-Generäle stützen, auf eine Begrenzung der Daraa-Offensive wirken, sodaß noch in diesem Jahr, spätestens im nächsten Jahr, gegen die im Raum Daraa neu formierten syrischen Truppen eine neue Offensive gestartet, und dann, unter neuen Bedingungen, der aktuelle Widerstand der IDF gegen Bodenoperationen im Süden Syriens gebrochen werden kann. Die Lockspeise, die Yair Lapid ins Gespräch bringt: So lange Damaskus unter amerikanisch geduldetem russischen Schutz bleibe,  das Weiße Haus also keine eigenen konkreten Regime-Change-Pläne verfolge, die russische Armee und Staatsführung aber eine Hoffnung auf dauerhafte Beendigung der Kämpfe ohne Vernichtung Tel Avivs und Brüssels fahren lassen müsse, stehe Israel ein Opportunitätsfenster offen, eine Einverleibung weiterer Teile des Golan auf internationaler Ebene durchsetzen zu können.

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Ding Plus Nicht-Ding in der Rezeption des „Kapital“ – ein Beispiel (4)

Idealismus und Realismus der Freiheit

„Freiheit“, das darf und muß ich euch jetzt als gewußt unterstellen, um nicht das Thema zu wechseln, ist der Begriff, welcher die Idee der Einheit und zugleich die Einheit der Idee in den differierenden Vorstellungen und Anschauungen von Ralph Peters und Wolfgang Schmidt kennzeichnet. Ein Schicksal dessen, was beide jeweils Freiheit nennen und darunter verstehen wollen, nimmt der eine für siegverheißend, der andere zum Menetekel eines Unterganges.

Solche Gliederung wird man jetzt gnädigenfalls „überabstrakt“, abfälligerweis „verquast, verschwurbelt“ nennen. Doch die Dinge, ja, Dinge im originalen Sinne, verhalten sich nun mal so. Zum Beispiel ist Ralph Peters so ein Ding.

Sein Text „Constant Conflict“ ist ein Glücksfall, weil er gewöhnlich und außergewöhnlich zugleich ist.
Das Gewöhnliche:
Millionen solcher Texte wurden und werden in den USA und Europa abgelassen. Ein Offizier – militärisch oder zivil – tritt vor Rekruten, welcher Branche, welchen Ranges immer, um sie „einzunorden“. Mit anderen Worten: Ihnen die Flausen zausen. Dazu redet er in ausgewähltem Umfang Tacheles, Klartext zu Illusionen, welche seine Adressaten hegen, und solche Illusionen sind immer allgemeiner und professioneller Herkunft, sie gehören dem Umkreis der Vorstellungen an, welche in mehr oder minder ausgeprägter Form obligatorische Voraussetzung der Karriereentscheidungen waren, welche die Rekruten vor das Pult des Offiziers brachten.
Das Ungewöhnliche des Textes liegt in der Kombination der Enstehungszeit 1997, am Vorabend eines Wendepunktes der Imperiumsgeschichte, und der Person des Sprechers.

Peters ist, ihr könnt das an Foxnews-Interviews studieren, in denen er als „Experte“ auftritt, ein mickriges Männchen mit einer Fistelstimme, die sich schnell mal überschlägt, wenn er in Wut versetzt wird, was auch einem bestallten Stichwortgeber leicht zustoßen kann, wenn er Peters mit einem unscheinbaren Einfall auf Terrain außerhalb des Konzeptes lockt. Zugleich ist Peters zweifellos ein helles und geschwindes Kerlchen.
Waas?!“ höre ich meinen verstorbenen Freund Niko brüllen „Der Typ ist doch völlig durchgeknallt, palle, nur noch Matsch inne Birne!“  „Na und?“ antworte ich, „Willst Du Wolfgang Schmidt diese Bezeichnung etwa vorenthalten?
Schmidt’s Text ist, das können die bisherigen Zitate hinreichend zeigen, um Größenordnungen einfältiger, als der von Peters, was freilich kein zureichendes Kriterium für Urteile über seinen Gehalt. Doch über die Tat-Sache kann sich nur jemand täuschen, der, mehr oder minder verbissen Diskurstraditionen der europäischen Linken verhaftet, eine Anzahl eigener Begriffe und Vorstellungen über die abstrakten Gegenstände, mit denen Schmidt hantiert, in den Text inseriert.

Genug. Peters Ehrgeiz, Selbstdarstellungsbedürfnisse und Eitelkeit brachten ihn dazu, den Offiziersanwärtern den Kopf in einem unmäßigen Umfang zu waschen. Vielmehr nahm Peters Maß an seinen Illusionen über den bevorstehenden Aufstieg einer neu und anders, als hergebracht, zu formierenden militärischen Elite, die über die USA und den Rest der Welt zu herrschen bestimmt sei.  Deshalb wollte er in den Baracken und Kathedralen der patriotischen Ideale seiner Adressaten keinen Nagel ungezogen, keinen Schlußstein unangetastet lassen.

Selbstredend ist solcher „Realismus“ geprägt von den Idealismen auf die und zu denen er passen soll und eben dies Verhältnis ist die unauflösliche Identität von Idealismus und Realismus auf allen Ebenen, auf denen diese Einstellungen und Haltungen auftreten. Gegebenenfalls beginnt das mit dem Realismus und Idealismus einer Einstellung, die ein Mann – oder eine Frau – zu ihrem sexuellen Leib als dem Repräsentanten eines angestrebten Gender entwickelt. Welche Stellung dies Gender in der Wirklichkeit hat, die in den abstrakten Versionen von Freiheit und deren Schicksal enthalten sein sollen – sollen! – davon kann ich erst viel später genauer reden. Daß es dazu gehört, ist unmittelbar gegeben. Wer so umfassend, wie Schmidt und Peters von einem Reich diesseits aller Schranken handelt, welche in ihren Reden ausschließlich negativ vorkommen, der redet von Sex, der mag sexy sein.

Ihr findet das abermals abseitig, mindestens übertrieben und jedenfalls eine thematisch unstatthafte Psychologisierung?
Mitnichten. Menschen sind Dinge, wollt ihr euch daran erinnern? In eigenartiger, doch grundsätzlich selben Weise, wie alle anderen sexuellen Tierarten, sind sie in Körperschaften auftretende, handelnde, wirkende Dinge. Vor diesem zugleich abstrakten und ungemein konkreten Hintergrund 1 ist Peters Text so einfältig, wie der von Schmidt. Lest ihn komplett und prüft, inwieweit Peters ebensogut ein kurzes Lied hätte schmettern können:

„Es zittern die morschen Knochen
Der Welt vor dem [da da] Krieg
Wir haben den Schrecken gebrochen
Für uns war´s ein großer Sieg

Wir werden weiter marschieren
Wenn alles in Scherben fällt
und heute gehört uns [da da]
Und morgen die ganze Welt“

Und mögen die Spießer auch schelten
so lasst sie nur toben und schrein
und stemmen sich gegen uns Welten
wir werden doch Sieger sein

Und liegt vom Kampfe in Trümmern
die ganze Welt zu Hauf
das soll uns den Teufel kümmern
wir bauen sie wieder auf“

Hm? Diese Identität ist umso gespenstiger, als sie sich auch auf die Variation erstreckt, die ab 1936 in der Hitlerjugend verbreitet wurde. Darin war „gehört uns Deutschland“ durch „hört uns …“ ersetzt und zwei Strophen angefügt:

Sie wollen das Lied nicht begreifen,
Sie denken an Knechtschaft und Krieg
Derweil unsre Äcker reifen,
Du Fahne der Freiheit, flieg!

Wir werden weiter marschieren,
Wenn alles in Scherben fällt;
Die Freiheit stand auf in Deutschland
Und morgen gehört ihr die Welt.

Kennt Ralph Peters das Baumann-Lied? Lustigerweis‘ unterschlägt die deutsche Wikipedia, daß der Lieutenant Colonel, Jg.52, 10 Jahre in Deutschland im Dienste des Militärgeheimdienstes arbeitete, bevor er offiziell zum Foreign area officer avancierte. Die englische Wikipedia wiederum strich die Abteilung, in der Peters in D. wirkte: Propaganda und Gegenpropaganda.
Und damit sind wir endgültig beim nächsten Thema angelangt, einem Extrempunkt der „hermeneutischen Welt“ – was ich darunter verstehe, gedenke ich Stück für Stück aufzufalten – welcher dem sexuellen Leib gegenüber liegt. Idealismus und Realismus der Weltmacht, wird es heißen.

Teil 1, Teil 2, Teil 3.
(Titel und Gliederung der Teile, obgleich einer Systematik folgend, sind im Gefolge von Konzeptänderungen nicht mehr recht tauglich. „Work in progress“ wird andauern)


  1. „Das Konkrete ist konkret, weil Einheit des Mannigfaltigen“ (Hegel / Marx) 
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Ding Plus Nicht-Ding in der Rezeption des „Kapital“ – ein Beispiel (3)

Wolfgang macht Deutsches Kino

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Addenda zu den Themen „DingPlusNichtDing“, Fetisch, („einfache“) Warenproduktion

Unter einem neuen Reiter habe ich einige alte Texte versammelt. Der erste – Ware und Geld, Historisches. Aristoteles – enthält eine zureichende Widerlegung des größten Teils des Gefasels von Wolfgang Schmidt. Die beiden letzten Texte der Seite enthalten Argumente und Hinweise, daß und warum Schmidt zum Thema Fetisch einiges „richtig“ hat, obwohl er das Thema insgesamt verfehlt. Das ist der Widerspruch, an dem ich mich noch plage und deshalb – abgesehen von Verhinderungen anderer Art – nicht fortgesetzt habe. Es wäre nur allzu einfach, die indiskutable Vorlage vernichtend zu zerreißen – damit wäre rein gar nichts gewonnen. Es käme darauf an, den Text als Erscheinungsform dessen begreiflich zu machen, was er verfehlt, und das geht nicht aus ihm selbst heraus. Umgekehrt wäre es ein Fehler, den Text einem äußerlichen Maß zu unterwerfen, was insgesamt die Aufgabe stellt, aus all dem Widersprüchlichen und Unvereinbaren der Textaussagen hinreichend präzise das gesellschaftliche Band heraus zu stellen, das sie verknüpft, aber darin entweder fehlt, oder nicht in der ihm eigentümlichen Gestalt vorkommt.
Das ist übrigens überhaupt die Aufgabenstellung einer Kritik der Religion – ein elend undankbares Geschäft.

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Ding plus Nicht-Ding in der Rezeption des „Kapital“ – ein Beispiel (2)

 

Das „Höhere“ als ein „Tieferes“

Grundbaustein des Elends des Sprechens

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