Israels Übergang zur offenen Diktatur

Nachdem Premierminster Netanyahu sich das Kriegsministerium angeeignet hat und die israelische Presse mitteilte, er beabsichtige das Amt dauerhaft zu halten – für verständige Beobachter ‚eh offenkundig – verkündete er den restlichen Ministern und der Knesset:

I would like to say that now when we are witnessing one of the most difficult periods in terms of security, we cannot topple the government and hold an early election. That is irresponsible.

Hat Avigdor Lieberman „unverantwortlich“ gehandelt, indem er nach dem Urteil (und Wunsch) vieler nominell kompetenter Beobachter mit seinem Amtsverzicht eine Auflösung der Likud-Regierung nebst Neuwahlen präjudizierte?

Wohl kaum. Ich habe im Verlauf dieses Jahres viele Anzeichen eines unzureichend verdeckten Machtkampfes zwischen Militärführung und Regierung mitgeteilt, der bezüglich des Syrienkrieges auf eine Meuterei hinaus gelaufen ist. Den letzten Anstoß dazu hat vermutlich der syrisch-russische Abschuß einer F-16 kurz nach dem Start von der Ramat David Airbase im Februar gegeben. Danach hat Israel seine zuvor für unverhandelbar erklärten Hegemonieansprüche auf die syrischen Provinzen Quneitra, Daraa, bedingt auch Suweida, systematisch herunter gefahren. Zur Zeit ist davon nichs übrig, als eine israelische Prärogative über Veränderungen des Status Quo im Grenzgebiet, ausgeübt über eine diplomatische und militärpolizeiliche Aufsicht der russischen Interventionsstreitkräfte, die darüber hinsichtlich des Golan-Vorlandes zu einer Art Besatzungsarmee in Südsyrien mutiert sind.

Netanyahu hatte in den vergangenen Wochen ein neues biblisches Massaker im Gaza vorbereitet und angekündigt, wie er es in den vergangenen 10 Jahren immer hielt, wenn er den Eindruck hatte, das internationale Umfeld schmälere den zionistischen Hegemonieanspruch über den Nahen und Mittleren Osten. Das mag ihm umso nötiger erschienen sein, als die internationale Öffentlichkeit den israelischen Übergang zu einem Rassenstaat ebenso ignoriert hat, wie die systematische Schlachtung und Verstümmelung vorzugsweise jugendlicher Demonstranten an der Gaza-Mauer, die einmal mehr die Klarstellung eskalierte, daß die zionistische Mehrheit in Israel Arabern einen Status unterhalb von Haustieren und knapp oberhalb häuslichen Ungeziefers zuweist. Abseits spezieller intellektueller Kreise wurde das in der internationalen Öffentlichkeit ähnlich aufgenommen, wie kanibalistische Raids zwischen Zwergstämmen im Dschungel Papua-Neuguineas. Die „Villa“ Israel erleidet in mancher Hinsicht – bei weitem nicht generell, davor sind die nuklearen „Eier“ – ein ähnliches Schicksal, wie britische, französische und niederländische Siedlerforts im Südpazifik im ersten Drittel des letzen Jahrhunderts.
Es gibt eine Reihe nicht schlüssiger Hinweise darauf, daß die Absage des Massakers zugunsten einer ägyptisch und qatarisch vermittelten „Waffenruhe“ abermals von führenden Militärs erzwungen, nicht von den Sponsoren des Judenstaates erkauft wurde.

Dafür spricht neben dem jähen Richtungswechsel des Premiers – normalerweise ist er dafür zu schlau – vor allem der Auftritt des schon seit vielen Wochen in die politische Öffentlichkeit zurück gekehrten Ehud Barak und das ausführliche Interview, das er Russia Today gegeben hat.

Wie könnte ich erwarten, daß ihr es euch in voller Länge antut. Sophie Shevardnadze hat ihre Mimik bestens unter Kontrolle, ihr Abscheu ist nicht ungespielt, aber sie mußte sich nur dosiert gehen lassen. Barak, einer der leitenden Konstrukteure des Putsches gegen Rabin und das „America“ vor 9/11, neben dem, was er sonst noch auf dem Kerbholz hat,  ist ein „Un-Tier“ im Sinne von „No-Thing“, dessen Bonhomie irgendwo im Feld zwischen Adolf Eichmann, Henry Kissinger und Erich Mielke anzusiedeln ist.
Aber ich bin andererseits zu erschöpft und angeekelt, euch zu paraphrasieren, was er zu sagen hatte, ich nenne euch nur meine Schlüsse.

Barak nutzt die vorläufige Absage eines neuen Gaza-Massakers, um die israelische Regierung gegenüber KSA, Ägypten und Qatar in die Luvseite des Kashoggi-Windes zu steuern, der gegen Trumps Disengagement-Strategie im MENA entfacht worden ist. Seine Mobilisierungskampagne im „linken“ zionistischen Spektrum gegen Neuwahlen und für eine generelle Kursänderung der Regierung läuft darauf hinaus, die israelische Militärdespotie auf den alten Kurs der „Chaos-Fraktion“, die systematische Umsetzung des Yinon-Planes,  zurück zu führen, von dem Netanyahu aus einer Reihe von Gründen taktisch Abstand nehmen mußte. Diese Gründe waren der „Iran-Deal“, die Bestandsgarantie der USA und Frankreichs für den Libanon, die russische Intervention in Syrien, der Jemen-Krieg (mit dem sich das KSA in dieser speziellen Lage die „Vorhand“ im imperial gestifteten sunnitisch-schiitischen Regionalkrieg sicherte) und Trumps Abkehr von der Obama’schen „Gleichgewichts“-Strategie im mittelöstlichen „Teilen und Herrschen“ 1.

Den innenpolitischen Gegnern des Yinon – Planes bereitet Barak mit seinem Vorstoß die Hölle. Sie können alle Hoffnung fahren lassen, daß eine Entmachtung der de-facto Diktatur Netanyahus irgend etwas ändern könnte.


  1. Um wenigstens einen Punkt konkret anzusprechen: Trumps Botschaftsverlegung und seine systematische Delegitimierung der palestinensischen Kapo-Verwaltung wirkt, , ob beabsichtigt oder nicht, auf die zionistische Strategie wie ein klassischer De-Ashi-Barai. Die israelische Regierung wird in eine Lage gebracht, in de sie zunehmend weniger darauf setzen kann, das Gegeneinander der Zionisten und Palästinenserfreunde in den imperialen Metropolen werde ihr das Apartheids-Regime auf ewig finanzieren. Ein postmodernes Apartheidssystem, mit einer kompetenten Metöken-Bevölkerung hoher Performanz, ist mit der über Jahrzehnte depravierten Bevölkerung beider Seiten nicht mehr zu haben. Ein fordistsches und präfordistisches Apartheidssystem aber fährt von Jahr zu Jahr höhere Netto-Verluste ein. MP-Magazine in Mädchen- und Jungenleiber zu leeren (Eizenkot in einem seltenen Rant), hilft nichts dagegen. 
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Archiv: Zur 49. Münchner Sicherheitskonferenz (2013) nebst einigen Hintergründen

(Orig. bei NeoPresse, Feb.’13)

Am Freitag, dem Eröffnungstag der 49.  Münchner Sicherheitskonferenz,meldete die „Tagesschau“ unter dem für dieses Mal irreführenden Titel „US-Vizepräsident Biden droht dem Iran„, der „Stargast“ der Konferenz habe gesagt, „die USA würden einem [iranischen] Programm zum Atombombenbau nicht tatenlos zusehen„.

Ich kenne das Original der Aussage nicht, doch die Kolportage der Tagesschau enthält die Aussage, das Weiße Haus sei diplomatisch von dem (dringenden) Verdacht, der Iran verfolge ein Programm zum Atombombenbau, zugunsten der Verdächtigung zurück getreten, der Iran werde (demnächst) eines auflegen wollen.

Einen Tag später trug die Tagesschau dieser kleinen,  jedoch im Rahmen anderer Nachrichten und Ereignisse (z.B.: 12) nicht unbedeutenden Wendung, Rechnung:

Biden forderte den Iran erneut zu Verhandlungen über das umstrittene Atomprogramm Teherans auf. „Der Ball liegt im Feld der Regierung des Irans“, sagte er.

Deutlicher berichtete am selben Tag die „Süddeutsche Zeitung“. Nicht in einem Artikel über die Konferenz, sondern in einem anderen, der online direkt unter ihm plaziert wurde,  Ahmadinedschad enthüllt neues Kampfflugzeug:

Die USA haben dem Iran unterdessen direkte Verhandlungen über das umstrittene Atomprogramm Teherans angeboten. Wenn die iranische Führung es ernst meine, sei man zu einem solchen bilateralen Treffen bereit, sagte Vizepräsident Joe Biden am Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz.

Solche Verhandlungen hatte die amerikanische Seite unter dem Tenor, man verhandele nicht mit Terroristen und Despoten, bis zu den Wahlen 2012 strikt abgelehnt, was viele Kommentatoren gewiß nicht zu Unrecht mit israelischen Einwänden in Verbindung brachten.

Das erste Resultat der Münchner Sicherheitskonferenz war daher, daß Joe Biden die Entschlossenheit der US-Administration amtlich machte, sich in der  Iran-Politik über militärische Ultimaten der israelischen Regierung hinweg zu setzen. Genau dafür,  kann man schließen, hat Obama Biden entsandt, statt des neuen Außenministers Kerry, dessen Ruf in der zionistischen Welt in den letzten Monaten auf eine Weise demontiert worden ist, die in Zukunft jeden israelischen Politiker einläd, Außerungen Kerry’s zu mittelöstlichen Angelegenheiten als „Privatmeinung“ abzutun, die Obama nachträglich zu autorisieren hat.

Die Präsentation dieser Nachricht in einer Meldung über iranische Rüstungsanstrengungen stellt sie ins rechte Licht. Der sogenannte „Iran-Konflikt“ ist und bleibt ein Krieg.  Ich erlaube mir, ohne Referenzen daran zu erinnern:

  • Die Sanktionen der USA und ihrer Verbündeten gegen den Iran haben den Umfang kriegerischer Akte, weil sie ausdrücklich bezwecken, die iranische Staatssouveränität über ihre Abhängigkeit vom Weltmarkt zu brechen.
  • Daran sind auch die in Kauf genommenen und öffentlich begrüßten Auswirkungen der Sanktionspolitik auf Ernährungslage, Gesundheitsversorgung und Einkommen der iranischen Bevölkerung orientiert. Man hoffte – vergebens, wie sich heraus stellen sollte –  die iranische Republik würde an Armutsaufständen bzw. deren blutiger Niederschlagung zerbrechen.
  • Administrative und militärische Gehaltsempfänger in den USA, dem Vereinigten Königreich und zahlreichen alliierten Staaten bekannten sich mehrfach zum laufenden Sabotage-, Terror- und Attentatskrieg gegen den Iran, einschließlich der Unterstützung separatistischer Terrorgruppen, wie der islamistischen „Jundullah“.

Syrienkrieg – begrenzte Lizenz für Luftkrieg der IDF gegen Syrien

Während ich diesen Artikel (und einen zweiten Teil) entwarf, behauptete das „Times Magazine“ unter Berufung auf Insider, die US-Regierung habe einen fortgesetzten Luftkrieg Israels in Syrien nicht allein gebilligt, sondern praktisch in Auftrag gegeben.

Nun, wäre ich „Times Magazine“, hätte ich solche Insider erfunden, was das Traditionsblatt gewiss nicht nötig hat. Es ist eine risikolose Wette, darauf zu setzen, dass die israelische Staatsraison des Dauerkrieges gegen die arabische Welt – ein Beweis, dass es sie gibt,  steht weiter unten – nach den vielbeachteten personellen Veränderungen in der zivilen und militärischen amerikanischen Administration noch viele unbedingte Parteigänger hat.  Mit ihnen und ihren Sponsoren gut zu stehen, kann einer publizistischen Größe nicht schaden. Aber – stimmt die Behauptung?

Im Prinzip –  ja. Das zweite, rasch festgeklopfte  Ergebnis der Münchner Sicherheitskonferenz war eine wortlose Absegnung des israelischen Krieges gegen Syrien, unter der Voraussetzung, daß er militärisch in einem Rahmen verbleibt, der als „Präventivkrieg gegen die Hisbollah“ ausgeben werden kann. Die „Tagesschau“ meldete das unter folgendem Untertitel:

Israel bestätigt angeblichen Angriff nicht
… Der [noch amtierende israelische] Verteidigungsminister [Ehud Barak] sagte, dass Israel das Nachbarland genau beobachte, speziell das chemische Waffenarsenal Syriens und die mögliche Weitergabe hochmoderner Waffen an die libanesische Hisbollah-Bewegung. Einen Kommentar zu dem angeblichen israelischen Luftangriff in Syrien lehnte er allerdings kategorisch ab.

Man stelle sich vor, was in München und anderswo geschähe, hätte der Iran nach azerbaidschanischen Angaben Luftangriffe auf Ziele in der Nähe der Hauptstadt Baku fliegen lassen und weigerte sich unter Verweis auf  die azerbaidschanische Subversionstätigkeit auf iranischem Territorium – die spätestens im Rahmen eines letztjährigen Gefangenenaustausches zwischen Azerbaidschan und dem Iran amtlich wurde – den Angriff zu bestätigen oder zu dementieren. Zu Recht schlossen die Autoren eines Artikels der libanesischen Al Akhbar,wenngleich über einen anderen Weg,  der von der libanesischen Armee bestätigte Angriff, der von den Amtsträgern des Westens zwar militärisch als Tatsache genommen wird, diplomatisch und politisch hingegen für nichtexistent erklärt, stelle den Auftakt eines dauerhaften israelischen Kriegeintritts in Syrien dar:

Israel’s direkte Verwicklung in die syrische Arena muß unter den folgenden Voraussetzungen verstanden werden: Erstens haben Israel und andere internationale Akteure ihre Wetten auf einen bevorstehenden Fall der syrischen Regierung verloren. Zweitens scheint die syrische Regierung in den vergangenen Wochen auf dem militärischen Kampffeld allmählich die Oberhand zu gewinnen. Drittens ist die Internationale Gemeinschaft von der Option einer direkten militärischen Intervention zurück getreten.
In dieser Lage setzt Israel darauf, auf folgenden Feldern „punkten“ zu können. Erstens, planmäßige Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden, die in der Vergangenheit freizügig stattfinden konnten. Zweitens gegenüber Syrien ganz allgemein neue „Rote Linien“ hinsichtlich der Ausstattung mit strategischen Waffensystemen festzulegen. (…) (Die weiteren Punkte beziehen sich auf die Einsortierung der Angriffe in das Kriegsszenario allgemein, und sind in meinem Zusammenhang nicht relevant, TG)

Ehud Baraks Wortwahl – „mögliche Weitergabe hochmoderner Waffen“, nicht etwa „Massenvernichtungswaffen“ – bestätigt diese Analyse. Noch deutlicher drückte sich Dan Williams, der Reuters-Korrespondent in Tel Aviv, in einem Artikel vom Vortag des israelischen Angriffs aus:

(Reuters) – Israel werde von fortgeschrittener konventionellerWaffentechnologie aus syrischem Besitz in den Händen der Hisbollah genauso bedroht, als wenn der Guerrilla der syrischen Opposition und der Hezbollah chemische Waffen in die Hände fielen, sagten israelische Quellen am Donnerstag.  (Herv. v.m., TG)

Dies „genau so“ setzt (offensive) Abschreckungswaffen und Verteidigungswaffen gleich! Ehud Barak, Dan Williams und die anderen „israelischen Stellen“ werden kaum öffentlich behaupten wollen, die Hezbollah plane eine Invasion Israels mit konventioneller Waffentechnologie aus Syrien. Wiewohl – wer weiß schon, was auf diesem Felde noch alles „durchgehen“ kann.  Doch ganz so weit scheint die theologische Surrealität in der Imperiumspolitik aktuell noch nicht getrieben zu werden. Unterstellt man der Hisbollah jedoch keine Invasionsabsichten, sind  israelische Kriegshandlungen gegen eine Aufrüstung der im Libanonkrieg 2006 bewährten Verteidigungsmilizen  – sei sie real oder erfunden, ist ganz gleich – unwiderleglich ein Vorbereitungskrieg der IDF für einen Eroberungskrieg gegen den Libanon oder einen Vernichtungskrieg gegen die Hisbollah-Milizen, was in wesentlichen Teilen zunächst dasselbe wäre. Das ist  Fakt! Wiewohl dieser Fakt nicht präjudiziert, ob die zionistische Militäraristokratie die strategische Option des Libanonkrieges letztendlich wählen und schließlich zum Angriff auf den Libanon schreiten wird, oder nicht. Zunächst verschafft – bzw. erhält – sie sich die Option, indem sie die veränderte militärische Lage im Syrienkrieg und die Uneinigkeit der Fraktionen der Angreiferstaaten nutzt, eine Duldung dieses Vorbereitungskrieges zu erpressen, soweit er nicht ohnehin im Sinne verbündeter Staaten ist (vgl.:  Luftangriff nahe Damaskus: Israels Cruise Missile – Diplomatie) .

Dan Williams Folgeformulierung spricht die strategische Absicht aus:

Israel fürchtet, fortgeschrittene Waffentechnologie in der Hand der Hezbollah könne die Überlegenheit des jüdischen Staates (the Jewish state’s superiority) in einer künftigen Konfrontation mit dem Libanon angreifen.

Daß der Reuters – Artikel den kommenden Angriff kommentierte, und nicht allgemeinere Überlegungen unabhängig von ihm vorstellte, sagt dieser Satz:

Solche Besorgnisse lassen es möglich erscheinen, daß Israel … militärisch … gegen die russischen Raketenwaffen Syriens vorgehen wird.

Koppelte man den Satz von den anschließenden Ereignissen ab, enthielte er groben Quatsch. Gegen die syrischen Raketenwaffen zu intervenieren, wäre dasselbe, wie der totale Luftkrieg, den USA und NATO bislang verworfen haben. Die Angabe macht nur „Sinn“, wenn man sie als Vorankündigung der Psy-Op nimmt, unter der die zuständigen Stellen den wenige Stunden später erfolgten israelischen Angriff laufen zu lassen gedachten, nämlich der Mär von angeblich auf LKW verladenen und zur Lieferung an die Hezbollah vorgesehenen SA-17 Luftabwehrbatterie.

Zur Bekräftigung der strategischen Absichten des Angriffes ließ Dan Williams Generalmajor Amir Eshel, den Oberkommandierenden der israelischen Luftwaffe zu Wort kommen:

Die Luftwaffe stehe in einem „Feldzug zwischen Kriegen“ („a campaign between wars“), sagte [der General],  auf dem sie  oftmals verdeckte Einsätze in Zusammenarbeit mit israelischen Geheimdiensten durchführe.  „Dieser Feldzug findet rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr statt. Wir treten aktuellen Bedrohungen entgegen, um (!) die Voraussetzungen dafür zu verbessern, daß wir die (!) Kriege gewinnen, wenn sie (!) geschehen (!!).“ (… to create better conditions in which we will be able to win the wars, when they happen.“)

Noch deutlicher, als mit einer Wortwahl,  die altgewohnt paradoxe Rechtfertigungen für Kriegsvorbereitungen, si vis pacem, para bellum, man müsse den bösen Nachbarn am Überfall hindernostentativ vermeidet, mochte sich der General zum Tatbestand der Vorbereitung eines Angriffskrieges (noch) nicht bekennen …

Der Segen, den der israelischen Feldzug gegen Syrien in München erhielt, hat freilich Grenzen. Ehud Barak setzte sie mit seiner Weigerung, den israelischen Angriff zu bestätigen, gleich in eigener Regie. Von nun an steht die IDF der syrischen Luftabwehr und syrischen Gegenmaßnahmen allein gegenüber, eine Deckung durch vernichtende NATO-Drohungen gegen die syrische Armee und Bevölkerung beansprucht und erhält er nicht, und daran wird, schätze ich, auch nicht „gedreht“ werden .

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Statt Fortsetzungen heute nur Archivarbeit

Israel im Syrienkrieg

Kurzmitteilung | Veröffentlicht am von | Kommentar hinterlassen

Materialien von der und über die „Neue politische Klasse“(TG)

(Knüpft u.a. an diesen Kommentar und die Reaktion von Franziska an.)

We often hear people saying that our politicians lack imagination. In the epoch of global governance when politics is reduced to mere administration, there seems to be little space for the free development of imagination. Yet, if we consider the spectacularization of politics that appears on our screens every day, and most recently, the upsurge of heated talk about “fake news” versus real news, we cannot but perceive an excess of imagination. How can we explain the paradox of an eclipse of imagination that goes hand in hand with its hypertrophy? In order to come to terms with such a paradox we need to rethink the link between politics and our capacity to imagine.

Das ist der erste Absatz in Chiara Bottici’s Aufsatz mit dem hübschen Titel „Imaginal Politics in the Age of Trumpism“. Lassen wir die Sach‘ mit der „Vorstellungskraft“ für den Moment beiseite, haben wir zur Kenntnis zu nehmen, hier ist eine praxisorientierte Intelligenzia am Werk, die eine Vorstellung von „Global Governance“ für Realität nicht nur ausgibt, sondern zum Gesetz ihres Diskurses erhebt.
Die Differenz zwischen Vorstellung und Realität, zwischen Wille und Vorstellung, wird Chiara Bottici im Fortgang zur Wahrnehmungsstörung, die Inkommensurabilität zum Mangel an Vorstellungskraft erklären.
Zum Fortgang des Aufsatzes will ich an dieser Stelle nur eine Warnung loswerden: Laßt euch von einem Satz wie diesem nichts vormachen:

… we are invited to give up on truth and reality as the ultimate criteria for deciding what matters in politics and everyday life.

Seine Demagogie wird am Maßstab kenntlich, den Chiara für „Wahrheit und (!) Realität“ zwei Sätz weiter geltend macht:

In other words, we need to understand why people were ready to exchange “fake news” for “real news” in order to understand why the most professional politician one can imagine has lost the presidential elections to the most unprofessional one in generations, who now sits in the White House.

Und der Kollege Tommaso Durante wird einen Raum weiter Chiaras dreiste Lüge einfach fallen lassen: Visible Discourses and Invisible Ideologies? The Image as (!) Global Political Theory

Die zwei anderen Beispiele sind aus „Foreign Affairs.
Why Marxism Explains the World und
Why Tribalism Explains the World

Ich weiß noch nicht, ob ich je darauf eingehen werde, habe die Artikel aber abgespeichert, sodaß ich auf Kommentare antworten kann. Die jeweiligen Schlusswendungen will ich allerdings hervor heben:
„Marxism“:

 … it is to suggest that if today’s egalitarian politicians, including Bernie Sanders in the United States and Jeremy Corbyn in the United Kingdom, are to succeed in their projects of taming markets and revitalizing social democracy for the twenty-first century, it will not be with the politics of the past. As Marx recognized, under capitalism there is no going back.

Merkt mal auf, daß in dem ganzen Artikel von (Welt-)Geld nicht die Rede ist, oder richtiger gesagt, es ist davon die Rede wie von der imaginären Zahl in der Gaußschen Zahlenebene: Sie bestimmt Ausgangs- und Endpunkte aller Kalküle, zwingt sie in die Kreisform.
„Tribalism“:

Internationally, as in the United States, unity will come not by default but only through hard work, courageous leadership, and collective will. Cosmopolitan elites can do their part by acknowledging that they themselves are part of a highly exclusionary and judgmental tribe, often more tolerant of difference in principle than in practice, inadvertently contributing to rancor and division.

Ich hab die beiden Abschnitte zitiert, weil sie einen Eindruck geben, wie die Autoren mit Chiara Bottici in der gleichen Blase zusammen finden, reale oder vorgestellte Sprecher einer politische Elite – im Unterschied zu einer philosophischen, religiösen oder technokratischen – die sich systemisch über alle anderen zu stellen im Begriff oder berufen sei.

Eine andere Klammer ist meine Quelle für die obigen Verweise, der Artikel von Roland Benedikter, Co-Leiter des Centers for Advanced Studies von Eurac Research Bozen, Forschungsprofessor für Multidisziplinäre Politikanalyse am Willy-Brandt-Zentrum der Universität Wroclaw-Breslau und Vollmitglied des Club of Rome, zu den Midterm-Wahlen in Telepolis.
Es braucht zwei Blicke auf den Text, um heraus zu finden, was der Benedikter denn anderes will, denn der eigentümlich geringschätzigen Bewunderung ein neues Gesicht zu geben, die traditionelle europäische Eliten der US-Kultur entgegen zu bringen pflegen. Man hat es wohl in der Kombination eines Plädoyers für eine „Neue Mitte“ mit der altehrwürdigen „Kritik“  der „Negativity in political perception“ zu suchen. Die USA seien absehbar für eine Neue Politik – die Benedikter nicht ausdrücklich einfordert – verloren. Europa wird es aus dieser Sicht iwie bringen müssen. So simpel übernimmt Benedikter den Diskurs der Macht, den ich einleitend zitierte: Global Governance sei real im negativen perspektivischen Fluchtpunkt, im Niedergang nationaler Regime und Administrationen. Darin ist mittelbar eine eigentümliche und exklusive Aufgabe formuliert: Wohin Soldaten und Milizionäre marschieren und nicht marschieren, wo Bomben und Raketen einschlagen und nicht einschlagen, diese Entscheidung müsse den USA zukünftig aus der Hand genommen werden.
Vom praktischen Klassenstandpunkt aus formuliert heißt das natürlich in erster Instanz: Sie müsse zuvor allen anderen nationalen Playern aus der Hand genommen werden.

Gibt es eine bessere Vorausetzung, diese Aufgabe in Angriff zu nehmen, als die Zementierung und Stärkung der NATO-Hegemonie in Europa in Kombination mit einer „America first“ – Politik im Belagerungszustand, der den Herren des global entscheidenden Nuklearwaffenarsenals mit der stets präsenten Drohung eines neuen Amerikanischen Bürgerkriegs an der Kandarre hält? Dieselben Umstände, die Trump davor schützen, abgesetzt, erschossen oder gehenkt zu werden, binden ihn an eine transnationale Elite, deren Parteinahme nicht Trump, vielmehr seinen Feinden unentbehrlich ist.
Doch die weigert sich. Sie hat sich einstweilen auf’s Skripalen und Khashoggen verlegt.

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Archiv, Prolegomena zum Thema „Iran“: Bemerkungen zu Religion und Nationalismus

(TomGard, GKB November 2011)

4. Januar 2011 – UN ehrt Colonel Muammar Gaddafis Einsatz für Menschenrechte

Wie? Kann gar nicht sein?
Richtig. Es kam nicht mehr dazu.
Aber die 16. Sitzung des UNHRC beschloß am 4. Januar dieses Jahres, der libyschen arabischen Jamahiriya für den vorbildlichen Einsatz für bzw. Umsetzung von Menschenrechten auszuzeichnen. Im März sollte die Ehrung feierlich zugestellt werden. Zu den Unterzeichnern zählten Dänemark, Schweden, Italien, Niederlande, Spanien, Schweden, Norwegen, Australien und Deutschland.

Daß wir uns nicht mißverstehen …
Menschenrechte – in Unterschied zu Viehrechten, die älter sein dürften – erscheinen, soweit man weiß, zum ersten Mal in Persien auf der geschichtlichen Bühne, nämlich als königliches Dekret gegen soziale Zerrüttungen im Zuge der Ausbreitung der Sklaverei.  Ich habe die verantwortliche Dynastie vergessen.
Später erscheinen Menschenrechte in den einschlägigen römischen und mittelalterlichen Gesetzestexten, die der Mißhandlung von Sklaven und Leibeigenen Grenzen des guten Geschmacks setzten. Bei Strafe einer Geldbuße an Hof oder Bistum.

Aber egal, die Jamahiriya verdiente im christlichen Sinne die Ehrung wohl mehr, als jeder andere Staat dieser Erde, zieht man die Realisierung von „Recht auf Bildung“, „Frauenrechten“ und vor allem das Recht auf ausreichende und gesunde Ernährung, Wohnung, Mobilität und Gründung einer Familie in Betracht.

Und wenn man Kindern und Jugendlichen was über die Ermordung Colonel Gaddafis erzählen will, dann mag dieser kleine Treppenwitz der Geschichte taugen.

Kommentar GKB:

Das ist ja ein bisschen verdrechselt geschrieben, aber wo im christlichen Schriftgut ist davon die Rede, dass es selig macht, sich um Recht auf Bildung, Frauenrechte, Recht auf ausreichende und gesunde Ernährung und all son Heidenkram zu bemühen?

S o werde ich meinen Kindern bestimmt nicht erklären, was mit dem bösen Onkel Gaddafi passiert ist, der sich erst mit den mächtigen Staaten eingelassen hat, die Negerlein von ihnen abgehalten, u.a. dafür bei ihren Chefs zelten durfte und später von ihren Agenten über die Straße geschleift wurde – s o nämlich, dass ich die ganze demokratische „Recht auf …“-Sch. samt ihrer stinkenden Preise hochleben lasse.

Derlei Treppenwitze und alle persischen Dynastien ignoriert nicht einmal
gkb – mit Grüßen

TomGard:

Hallo gkb,
ein wenig Grundlagen:

Vereinfacht gesagt stellten die Christen eine in der Wolle jüdisch eingefärbte Nachhut der Heerscharen römischer Statthalter dar, welche den traditionellen gesellschaftlichen Ordnungen eine imperiale Reichsordnung überstülpten, die sich (!) sogleich daran machte, gewissermaßen Wurzeln in ihr zu schlagen: Mit der römischen Geld- und Handelsökonomie.
Unter der Saugwirkung dieser Wurzeln wurde – da das alte Judentum guten Boden dafür bot – aus dem „konkreten“ (jüdischen) Menschen der „abstrakte“ (christliche) Mensch, ein Glied in einem Gemeinwesen, das zunehmend eines des Geldes wurde.
Dieser abstrakte Mensch braucht im selben Maße „Rechte“, wie er weder über privates Eigentum, noch über tauglichen Anteil an einem gesellschaftlichen Eigentum verfügt, dem er an- und zugehört. Je weniger er Glied einer sozialen Körperschaft ist, die etwas anderes darstellt, als einen „Knotenpunkt“ in den periodischen Metamorphosen der Wertformen, desto mehr wird er bloß „Insasse“ eines Territoriums, dessen Herrschaftspersonal im fettesten dieser Knotenpunkte hockt und die Netze spinnt, dem Staatswesen. Einem Staatswesen, das in derselben Bewegung zur „Nation“ wird, zur Gesamtheit der vom Staatswesen ausgehenden Netze. Formell auf die gleiche Weise, wie der Christ sich zum Bewohner eines irdischen Teils des Himmelreiches erklärt. Der Jude hingegen erklärte sich zum Gefolgsmann seines Gottes auf EIGENEM Territorium.
Religion ist = Nationalismus und das Christentum ist diejenige Form, in welcher die Untertanen dem Herrschaftspersonal den Begriff und das Gesetz seines eigenen Handelns aufzuherrschen suchen. Daher sein Erfolg, auch in der islamischen Variante.

Gaddafis „Regime“ war zu beträchtlichen Teilen ein christlich inspirierter Despotismus gegen die patriarchalische, islamische Stände- und Stammesgesellschaften. Die Benevolenz dieses Despotismus eignete seinem Mittel – Petrodollars!

Ich denke schon, diese Verhältnisse bieten gerade Kindern – die aus obigem leicht erklärlichen Gründen mehrheitlich irgend eine christlich religiös gefärbte geistig-intellektuelle Entwicklungsphase durchlaufen – bestes Lehrmaterial. Für die meisten Erwachsenen kommt es zu spät, schon deshalb, weil die zu einer tauglichen Patriarchatskritik am allerwenigsten noch imstande sind. Freilich ist die Vermittlung ein wenig trickig.

Hallo Tom Gard.

Auch noch mal ausführlicher: Den historischen ideologischen Übergang vom pragmatischen jüdischen zum abstrakten christlichen Glaubensprofil gebe ich dir zu.

Wo du mit diesen – idealiter gefassten – Profilen ins Mogeln (bzw. Eiern) kommst: „Religion = Nationalismus“ geht nicht auf und wird weiter unten geständig. Nämlich, wenn du „mehrheitlich irgend eine christlich religiös gefärbte geistig-intellektuelle Entwicklungsphase“ nennst, wo das Konkurrenzindividuum auf seiner ständigen Sinnsuche (um seine Interessen geht es ja in der Nation/Schule/Arbeit nicht) auch immer wieder auf allerlei Religiöses oder Esoterisches verfällt.

Was du im von mir Zitierten ansprichst, gibts bei Jugendlichen und Ausgewachsenen (wenn auch in unterschiedlichen Ausprägungen), hat aber beides nur mittelbar mit dem von dir auf den – richtigen – Begriff gebrachten Christentum zu tun. Diese indirekte Verbindung drückst du einfach durch ein Gleichheitszeichen aus und bist damit – bestenfalls – sehr ungenau, deinem gewünschten Ergebnis zuliebe.

Kurz: Es taugt nicht, um Richtiges zu Gaddafis Herrschaft und seinem Ende irgendwem zu erklären; am schlechten Ende setzt es eher noch blödsinnige/n Moral und Aberglauben ins Recht.
Ite missa est

Hallo gkb,

folgenden Deiner Sätze:
das Konkurrenzindividuum (verfällt) auf seiner ständigen Sinnsuche …auch immer wieder auf allerlei Religiöses oder Esoterisches“ und
„…am schlechten Ende setzt es eher noch blödsinnige/n Moral und Aberglauben ins Recht.“

entnehme ich ein Mißverständnis.
Sinnproduktion und Moral halte ich weder für „Blödsinn“ noch für vorsätzliche Dummheiten; mit Letzterem würd ich salopp „Aberglauben“ charakterisieren, der zwar in Verbindung mit ersteren auftritt, dort aber für die Hilfskonstruktionen, gewissermaßen die „Epizyklen“ zuständig ist.
Nein, das sind die mächtigsten Produktivkräfte berechnender Unterwerfung gerade deshalb, weil sie Grenzen der Berechnung und Berechenbarkeit sozial codieren und für sie werben.

In dieser Eigenschaft sind Sinnproduktion und Moral allerdings gewaltig unterbestimmt.
Religiöses Bewußt-Sein trachtet leicht kenntlich danach, dieser Unterbestimmung abzuhelfen, und zwar mit einer Art himmlischer / spiritueller Parallelwelt, in der jedes Moment mit allen anderen hübsch säuberlich verknüpft zu sein beansprucht.

Daran ist schon allgemein zu erkennen, Religion ist ein spezifischeres Phänomen, und wenn Du die Skizze meines Begriffs vom Christentum „richtig“ nennst, hast Du diese Unterscheidung eigentlich mit“gekauft“.
Zumal ich sie mit dem Bild von den Netzen und Knotenpunkten der Metamorphosen der Wertformen im gesellschaftlichen Verkehr und der Territorialität der ihm übergeordneten Herrschaft genauer zu zeichnen versucht hab.
Denn dann ist das Spezifikum, das Judentum und Christentum im allgemeinen Religionsbegriff zusammen faßt: Monotheismus . Mit ihm beginnt Religio i.e.S., der „Rückbezug“ von allem und jedem auf EINE Quelle, DER Macht in abstraktester Gestalt, welcher die weltliche Macht der Väter und Patrone ebenso unterworfen sein soll, wie der Gläubige selbst. Diese EINHEIT stand im Zentrum meines Satzes, das Christentum (sei) diejenige Form des NATIONALISMUS, in welcher die Untertanen dem Herrschaftspersonal den Begriff und das Gesetz seines eigenen Handelns aufzuherrschen suchen. Diese Form gibt es NUR in Gestalt einer Religion, die das Ideal herrschaftlicher Souveränität in den Himmel hebt und dort final alle Gegensätze und Kollisionen vernichtet, an denen sich weltliche Herrschaft, die ihnen ja ihr Dasein verdankt, abarbeitet.

Was sonst noch unter Religion firmiert, ist (Volks)Mythologie, und die zähle ich ohne Abstriche zur Wissen-Schaft. Mehr noch, Mythologie bildet bis auf den Tag das Kompendium allen menschliches Wissens, so lang man Wissen nicht mit „know how“ übersetzt, weil es sich um eine reinrassig gesellschaftliche Kategorie handelt.
Was ich weiß oder Du weißt wird „Wissen“ erst, wenn es Bestandteil der geistigen Formenwelt geworden ist, unter deren Gestaltungen bestimmende und maßgebliche gesellschaftliche Handlungen abgewickelt werden.
Wird es das nicht, geht es unter, wird allenfalls irgendwann aus vermodernden Bibliotheken gefördert, in denen es so begriffslos wie ehrfürchtig von …. Mönchen monotheistischer Religionen aufbewahrt wird.

Addendum:
Wenn nicht das religiöse Bedürfnis junger Christen cum grano salis heute dasselbe , wie vor zweitausend Jahren wäre, gäbe es keine (mehr). Nur gegenwärtige Notwendigkeiten entreißen die Trümmer und die Toten ihrer Zeit und machen sie zu „Ghulen“ der Gegenwart.
Und ein weiterer Punkt ist in meinem Kommentar zu vermissen:
Das Christentum fällt nicht mit dem Namen des Allmächtigen. Er wird heute gewöhnlich durch „I“, Ich ersetzt, in der verbreitetsten Volksreligion, der niemand, wirklich niemand entkommt, der Psychologie. Aber deren „Substanz“ ist lupenrein christlich.

GKB:

Mein Einwand bleibt (und ich sehe ihn durch Teile deiner Entgegnung ins Recht gesetzt): „Religion ist ein spezifischeres Phänomen“ schreibst du. Das wollte ich gesagt haben gegen dein „Religion = Nationalismus“. “

Moral und Sinnproduktion endet nicht immer bei Religion (habe ich auch nicht geschrieben). „Produktivkräfte berechnender Unterwerfung“ mag nicht falsch gemeint sein, ist mir aber zu stilverliebt für eine Erklärung. Die Suche nach „Sinn“ steht anyway feindlich zum Erkennen und Wahrnehmen eigener Interessen, will ich nochmal unterstreichen. Schön dokumentiert wirds durch allerlei Milliarden Facebook-Einträge und ein knappes halbes Dutzend „Facebook-Revolutionen“.
Machs gut, c

TomGard:

gkb: „Die Suche nach „Sinn“ steht anyway feindlich zum Erkennen und Wahrnehmen eigener Interessen, will ich nochmal unterstreichen.

Schade, das wäre eine Debatte – grad auch am gegebenen Gegenstand – wert gewesen.
Was sind z.b. „eigene Interessen“? Inwieweit sollen sie nicht dasselbe sein, wie das „Eigeninteresse“, dessen Verfolgung Staat und Kapital gebieten? Wieso muß sowas überhaupt geboten werden?! Und welche Rolle spielt eben darin die Sinnproduktion?
Den Gegenstand dieser Debatte nannten die Redakteure des „Gegenstandpunkt“, die von gkb offenbar geschätzt werden, einst „moralischen Materialismus“.

Das Thema Religion könnte kaum weniger ergibig sein.
k.A., warum gkb es vorzieht, meine Kurzform „Religion = Nationalismus“ als eine einidentische Beziehung festhalten zu wollen, obwohl ich Nationalismus kenntlich zum Oberbegriff deklarierte, sodaß die Umkehrung falsch ist 1. „Patriotismus“ hat wohl unbestritten ebenfalls „Nationalismus“ zum Obergegriff, doch wird man Patriotismus nicht mit Religion gleichsetzen können. Umgekehrt weiß aber jedes Kind, daß patriotische Staatsgündungs- und Sezessionskriege, wie auch diejenigen, mit denen in Europa ausgangs des Mittelalters die Nationenbildung überhaupt erst von Neuem anhob, überwiegend die Gestalt von Religionskriegen annehmen, bis auf den heutigen Tag. In den Auseinandersetzugen um den Islam und mit islamischen Patrioten ist das Thema essentiell.

GKB:

@TomGard
Ich habe zu Unrecht deine Gleichsetzung „Religion = Nationalismus“ kritisiert. In dem von dir beschriebenen (und von mir missverstandenen) Sinn, dass es dort, wo es um Religion geht, immer auch um Nation geht stimmt sie.

Bei den eigenen Interessen war ich zumindest unpräzise und will die Frage beantworten, worin sie sich denn von den in der bürgerlichen Welt gebotenen Eigeninteressen unterscheiden. Das ist jetzt nicht als großer Widerspruch zu deinen bisherigen Ausführungen gedacht.

Ich meinte nicht die Interessen, die ein Mensch im Auge haben muss, um in der Konkurrenzgesellschaft über die Runden zu kommen wie z.B. Gerechtigkeit oder seine eigene Durchsetzungsfähigkeit gegen andere etc. Mir ging es um die nackten Grundbedürfnisse des Menschen wie essen, wohnen, kleiden, gepflegt werden.

Kapitalismus ist, dass alle diese Bedürfnisse/Interessen vom Standpunkt des Geldes aus betrachtet werden – sie sind das Mittel/der Stachel, um Menschen für fremden Geldreichtum erpresserisch auszunutzen bzw. an ihren Geldreichtum heranzukommen. Da fällt das Interesse, das meinetwegen ein BMW-Arbeiter als BMW-Arbeiter hat, wenn er sich für sein Unternehmen z.B. staatliche Unterstützung beim Exportieren in die USA erhofft und sein objektives Interesse, als Mensch bestmöglich an bestmögliche Lebensmittel zu kommen, radikal auseinander.

Wie wir alle wissen, haben die meisten BMW-Arbeiter davon nicht den richtigen Begriff und lassen sich auf ihre objektiven Interessen wie gutes Essen, gute Luft, schöne Umgebung im Namen ihres vom Standpunkt als BMW-Arbeiter gegebenen Interesses an guten Konkurrenzbedingungen hetzen „wie die Kampfhunde“ (wie Gremliza in einem lichten Moment mal geschrieben hat).

Die den erfolgreichen Kapitalismus kennzeichnende Konkurrenz bis in jede noch so private Pore des Lebens sagt den darunter unterworfenen Menschen ständig, dass es nur in einer sehr zynischen Weise um sie und ihre objektiven Interessen geht, nämlich insofern, als sie daran ausgenutzt werden können. Der konstruktive Übergang, den – leider – die meisten Menschen mit Blick auf das geistige „Zurechtkommen“ in solcher Welt machen, ist, den einzelnen Instanzen der Welt einen positiven Sinn zuzuweisen, bzw. danach zu suchen, wo sie ihn nicht entdecken können.

Sie stellen also – salopp gesagt – nicht die Frage „Warum ist es so, wie es ist?“ sondern „Warum ist es gut so, wie es ist?“. Da fangen Religion, Psychologie und der ganze Kram an, die ja alle folgerichtig ihren Lämmlein immer den ähnlich lautenden Rat erteilen, um gut zurechtzukommen dürfe er „sich selber nicht so viele Probleme“ aufmachen.

Die Art, wie „Interessen“ buchstabiert werden, sind eine extrem „praxisorientierte“ Frage. Wenn sich – und das meiste weist darauf hin – die Lohnabhängigen mit der Euro-Krise vom Standpunkt „Ich bin deutscher Steuerzahler und mein Konzern auch“ aus befassen, gehören sie halt kritisiert. Weil aus diesem „Eigeninteresse“ kommt, egal wie „kämpferisch“ er vorgetragen wird, immer nur das Gegenteil des Interesses deutscher Lohnabhängiger als „Menschen“ heraus und eine weitere Zuspitzung ihres Schadens.


  1. TG 2018: Begrifflich stimmt das, historisch nicht, wie sich leicht vergegenwärtigen kann, wer die Realabstraktion „Nation“ begriffen hat. Die Realabstraktion hebt die Nation in der Religion auf. Mein Verweis auf die „Psyche“, das „Ich“ der Psychologie in der Eigenschaft des monotheistischen Gottes reflektierte das. 
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Wieder ein Gruß vom Meister der Ohrwürmer

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Wozu die US-Embargo-Politik?

Regime-Change im Iran ist es nicht, was dann? Ich werde noch keine Antwort vorschlagen, erst ein paar Umgebungsvariablen ansprechen. Weiterlesen

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USA wollen Regime-Change im Iran. Wirklich? Kann denn das sein?

Die Absicht läßt sich schlechterdings nicht mehr bestreiten, aber sobald einer ernsthaft fragt: Wozu eigentlich? Was für ein „Regime“ wollen sie denn da haben? bekommt die Sach‘ schnell ein janz anneres Ooje. Weiterlesen

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Was war der „Iran-Deal?“ Ein Fragment

Vor Monaten hatte ich eine Kritik dieses Gegenstandpunkt-Artikels begonnen und abgebrochen, teils krankheitshalber, teils um mir mehr Klarheit über einige Teile zu verschaffen. Den Teil, der sich mit dem diplomatischen Gehalt des  Joint Comprehensive Plan of Action befaßt, ziehe ich jetzt zur weiteren Verwendung heraus. Weiterlesen

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Rebellion against the machine – by a machine

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Khashoggi bleibt Schlüsselthema – Türkische Staatsanwaltschaft deklariert K’s Verschwinden zur „lihop“ False Flag Operation

„lihop“ = let it happen on purpose

General-Staatsanwalt Irfan Fidan:

„In accordance with plans made in advance, the victim, Jamal Khashoggi, was choked to death immediately after entering the Consulate General of Saudi Arabia.“ His body was then dismembered and destroyed „again, in line with advance plans“, it added. (BBC)

Unter der Finsternis, die Seelen und Verstand deckt, muß ich wohl anmerken, die Todesursache „Ersticken“ bzw. „Strangulieren“ ist ausschließlich durch Obduktion festzustellen. Nach kriminalistischen Maßstäben enthüllt die türkische Staatsanwaltschaft mit ihren Behauptungen daher Kenntnis einer Vorkenntnis des angeblichen saudischen Mordanschlags, sei es türkischer oder dritter Stellen, denn nachträgliche Erkenntnisse über saudische Pläne sind mit dem Tatgeschehen erst abzugleichen, wenn es dokumentiert ist. Andernfalls können entweder angebliches Tatgeschehen oder angebliche Pläne post festum aufeinander abgestimmt worden sein.

Natürlich könnt ihr jetzt einwenden, kriminalistisch / juristisch strenge Maßstäbe an die offizielle Stellungnahme anzulegen, sei offenkundig sachfremd. Doch damit folgtet ihr einer Methode, welche die Affäre von vorn bis hinten durchzieht und bestimmt:
Die Art und Weise, wie sie in der internationalen Öffentlichkeit aufgebracht und voran getrieben wurde und wird, gilt allerorten als Quelle von Indizien des Geschehens. Aus einer Rauchfahne wird ein Feuer, ein Geschehen rückwärts konstruiert, statt vorwärts rekonstruiert.

Da ich, wenn überhaupt, nurmehr Funktionen eines verrückten Weisen erfülle, füge ich einen Besuch bei Agatha Christie ein. Ihr Roman The Moving Finger erkundete, inspiriert vom Kriegsgeschehen an der britischen Heimatfront, wie ich vermute, auf volkstümliche Weise diesen pogromischen Geist der Inquisition. Der Titel spielt auf einen hübschen Text der persischen Aufklärung des 10. Jhd. an:

The Moving Finger writes; and, having writ,
Moves on: nor all thy Piety nor Wit
Shall lure it back to cancel half a Line,
Nor all thy Tears wash out a Word of it.

Der historische Bezug dieser Zeilen, das biblische Mene mene tekel u-parsin, gehört in den Zusammenhang hinein gestellt. Volkstümlich korrekt übertragen mit „(Deine Münze ist) Gewogen und für zu leicht befunden“, beruft das Menetekel die Unhintergehbarkeit, weil naturgesetzlich erscheinende politökonomische Ge-walt gegenüber kulturellem Walten, den monotheistischen Übergang vom Scheitern menschlicher Kalküle an dem Treiben höherer Mächte (Plural) zum Schicksal, das ihnen der Einzige Gott bereite – tat-sächlich das Geld und sein Gesetz.

Ich habe einen prominenten Zeugen für das Menetekel Khashoggi, keinen geringeren, als Jeremy Hunt:

UK Foreign Secretary Jeremy Hunt also said it was an appalling act, adding that it had „possibly“ given the US and the UK a chance to put new pressure on Saudi Arabia over other issues.

Possibly! Der Mann stellt sich zu seinen eigenen Entscheidungen und Verfügungen – erpressen oder nicht erpressen, und wenn ja, womit und wozu – als vorbestimmten Akten.

Womit ich bei Fragen angelangt wäre, welche die Mehrheit meiner Leser bewegen und interessieren: was „geht eigentlich ab“, aktuell in Syrien und Jemen, deren Antworten jetzt bei weitem nicht ausschließlich, aber zu erklecklichen Teilen, in Antworten auf die Frage bestehen, was genau sind eigentlich die Druckmittel, welche die Akteure mit der Kadhoggi – False-Flag in der Hand zu halten glauben und behaupten? Mit einer Affäre, die vor wenigen Jahren noch ein belangloser, abstruser „fait divers“ gewesen wäre?

Dazu später – irgendwann.

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Richtig und falsch morden

Seit etwa drei Jahren ist eine Kampagne unterwegs, die Falsches Morden zum organischen Bestandteil des Verhaltensspektrums eines Standes von Häschern und Bütteln formiert. Richtiges Morden definiert keinen Stand mehr, unterscheidet ihn nicht von Outlaws.

Was ist das banale Resultat?
Simpel: Rückentwicklung des Häscherstandes zum Kriegerstand – noch hinter den Soldatenstand zurück, welcher den Kriegerstand vom Herrscherstand distanziert.

Das Kennzeichen: Der Krieger fällt ausschließlich von der Hand des Feindes.
Für einen Kriegerstand gibt es keinen inneren Feind, gleich gar nicht in den eigenen Reihen, sondern nur Ziele und Nicht-Ziele. Deren Unterscheidung obliegt nicht seinen Mitgliedern, sondern einem Kriegeradel.
Formell besteht der Kriegeradel in den USA aus Befehlshabern der Armee, des FBI und der Geheimdienste. Vertreten wird er (noch) wie in den Zeiten des „Wilden Westens“ durch von Bezirksrichtern bestellte Geschworene, deren Urteil bei Bedarf der föderalen Militärherrschaft durch ein Bundesgericht korrigiert wird.

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Ist Skripalen und Khashoggen das neue Teeren und Federn?

In der Lex Salica kann man nachlesen, wie die römische Kacke aus den Latrinen geschöpft wurde, in denen sie nördlich der Alpen ab dem 5. Jhd. zu versinken begonnen hatte.
Zu den erhellensten Details gehört dieses:
Wenn ein Mann (!) auf dem Wege einen Gevierteilten fand, der von den fränkischen Herren zum Sterben liegen gelassen worden war – denn niemand, außer diesen Herren oder ihren Bevollmächtigten durfte über Pferde verfügen – und dabei erwischt wurde, dem Opfer Beistand zu leisten, hatte er ein immenses Vermögen an Denaren und Sesterzen abzuliefern, woher er es immer nahm. Gelang ihm das nicht, hatte er sich einer verkrüppelnden, nicht selten tödlichen Prügelfolter zu stellen. Tat er das nicht, war er vogelfrei  und hatte zu gewärtigen, auf dieselbe Weise vom Leben zum Tode befördert zu werden, wie das erste Opfer.
Das skizziert auf extreme Weise, mit welcher Methode damals aus einer mehr oder minder herrenlos gewordenen ehemals halbrömischen Bevölkerung ein völkischer Stand ausgehoben wurde, dessen zunächst wichtigstes Kennzeichen war, einem Kriegeradel einen patriarchalen Adel zur Seite zu stellen, der über Geld bzw. geldwerte Tauschmittel verfügte. Diese Methode stellt – nebenbei gesagt, denn im folgenden geht es mir um das ständische, weniger das völkische Element – das rohe Prinzip einer Vervolkung tribaler Kommunen vor, es ist immer und überall das Gleiche.

Die Öffentlichkeit der Khashoggi-Affäre deucht mich gespenstisch. Gibt es denn niemanden, wirklich niemanden neben mir, dem …
Doch. Einen – mindestens – gibt es, jemanden, der zugleich astronomisch mehr mobilisiert, als meine 150 täglichen Zugriffe.
Aber wie! Wie Pepe Escobar das tut, ist – neben dem, was er da sonst noch zu sagen hat – wahrlich die Lektüre wert:
Summit in Istanbul as ramifications of the Khashoggi debacle roll on.

Ich erlaube mir, große Teile zu exzerpieren und nur wenige, platte Propagandalügen zu kommentieren. Pepes Spiel mit der Gerüchteküche, eine „Kunst“, die er bis etwa 2014 dosiert verwendet, seither zu einem Hauptbestandteil seines Schreibens gemacht hat, lasse ich weitgehend beiseite, obwohl es nicht uninteressant ist.

„The Russia-Turkey-Germany-France summit in Istanbul today (October 27) is an extraordinary affair. The Kremlin has been deploying a wily strategy, downplaying the summit as just “comparing notes”, and not a breakthrough. Yet Istanbul is a de facto breakthrough in itself – on superimposed layers. It signals the top two EU powers acquiescing that Russia is in control of Syria’s future. (…)
Istanbul, of course, won’t “solve” the tragedy in Syria. President Putin is carefully maneuvering around President Erdogan’s neo-Ottoman ambitions while the EU pair is not exactly in a strong negotiating position.
Putin has already appeased Saudi Arabia, and that’s no mean feat. No more funding and weaponizing of any forms of Salafi-jihadism in Syria. The Arab League – with no Saudi objections – is even embarking on normalizing relations with Damascus.

Selbstredend hat „Putin“ zum saudischen Kurswechsel beigetragen, simpel mit physischer Vernichtung großer Teile der Söldnerhorden und – mehr noch – ihres Kriegsmaterials, aber der entscheidende Anstoß kam aus dem Weißen Haus.

(…) Geopolitically, Moscow and Beijing – as well as Tehran – have kept a thunderous, strategic silence on the Pulp Fiction saga at the Saudi consulate in Istanbul, which is pregnant with ramifications. In parallel, unlike US businessmen, Russian and Chinese executives duly attended Davos in the Desert.
And then, just out of the blue, the grisly Khashoggi story that kept the global news cycle hostage for three weeks simply vanished from the front pages, displaced by the US pipe bomb “suspicious package” mail campaign.

Bone Saw conundrum
After Erdogan masterfully played Death by a Thousand Leaks – and on top of it determined full Saudi responsibility for the killing and dismemberment of Jamal Khashoggi – by now it’s clear that a deal has virtually been struck with the House of Saud. The Chinese torture of leak after leak, deployed by Turkish media, magically vanished. (…)
Erdogan is, geopolitically, sitting at the top of the world, at least his world. The gruesome audio-video soundtrack of the killing of Khashoggi – crucially examined by CIA head Gina Haspel in her whirlwind return flight – offers unbounded leverage.
No deal could possibly be clinched without direct Trump administration involvement. King Salman simply cannot afford to let his son Mohammed bin Salman (MBS, or Mohammed Bone Saw, as cynics prefer), fall. Neither can Trump, as MBS is the cornerstone of his Middle East strategy.
Prince Turki bin Faisal, a former close pal of Osama bin Laden, former head of Saudi intel and former sponsor of Jamal Khashoggi, maintains that whatever happens the House of Saud will rally behind MBS.

Dem letzten Absatz vertraue ich. Zu Pepes Kunsthandwerkswerkstatt gehören nicht wenig exzellente und aussagefähige Quellen, die ihm keinen Schund andrehen, wenngleich das natürlich nicht heißt, daß stimmt, was sie sagen. Pepe schränkt wie folgt ein:

That may not be the case, according to a Western business source very close to the House of Saud, who told Asia Times, “the CIA never wanted MBS but Mohammed bin Nayef. He is still under house arrest and that was King Salman’s fatal mistake. Mohammed bin Nayef is wise and against terrorism.  He should be the next King and that may not be far away. MBS made a fatal mistake in arresting the sons of King Abdullah such as Mutaib. He has lost the National Guard, the clergy, the royal family and the military through the Yemen misadventure.
In all plausible scenarios the House of Saud is rotting from the inside. (…)

Quatsch. Gefolgschaftsfehden, einschließlich Mord und Totschlag, begleiten die Herrschaft des saudischen Königshauses, seit Abd al-Aziz ibn Saud 1902 mit Hilfe wahabitischer Krieger, aus Kuweit kommend, Riad erobert hat, und sie sind bleibender Bestandteil seiner Daseinsweise, seit seine imperiale Stützung, zunächst durch das Empire, es den Wechselfällen der Weltmarktentfaltung in kolonialen und antikolonialen Kriegen preis gab. Pepe weiß das bestens, wie schon der nächste Absatz zeigt:

Still, a US Deep State preference for Nayef over MBS presupposes nothing drastic should happen to the petrodollar. The question is how to tame the array of Saudi billionaire princes – some of them former, royally extorted “guests” at the Ritz-Carlton jail – who will double down on getting rid of MBS by any means necessary. (…)
Some have claimed that the CIA knew MBS intel goons were planning to kidnap Khashoggi, but never warned the Washington Post writer.
Which brings us to Erdogan’s chief aide Yigit Bulut’s explosive claim that “Khashoggi’s murder was staged to put Saudi Arabia and the king in a very difficult position and to surrender Saudi Arabia completely to the United States.”

Der folgende Teil zählt zu den neuen Instrumenten Pepe Escobars seit 2014, zumindest verstehe ich ihn so. Es ist Satire in der alten Tradition des „Simplizissimus“ und der frühbürgerlichen britischen Dramatik und Romankunst des 16./17. Jhd.:

And that leads us to the potentially larger than life geopolitical game-changer. What did King Salman really discuss with President Putin when he went to Moscow almost a year ago? What if Russia – not to mention China – are the wily old king’s “alliance” backup plan, as he figured the alliance with the US might finally be dwindling? What if Russia, China and Saudi Arabia soon start bypassing the petrodollar?

A case can be made that the House of Saud, slowly but surely, might have been steered – by the King, not MBS – towards a Russia-China strategic partnership, which means Eurasia integration. Significantly, King Salman called Putin, and not Trump, when Pulp Fiction in Istanbul started to calm down.

Darauf gründet er Sätze, die ihn, so verpackt, sicher vor dem Schicksal bewahren, geteert und gefedert zu werden:

The roulette is still turning. MBS might as well be confirmed as The Bone Saw Killer. The House of Saud may once again save itself via its ability to buy its way out of anything. Alternatively, the whole Pulp Fiction may have been a convoluted psy-ops designed to frame MBS, pre-empt any possibility of closer Russia-China-Saudi cooperation, and place the House of Saud under unmistakable US control.
Istanbul has certainly not unveiled all its secrets.

Man vergleiche das mit M.K. Bhadrakumars von Woche zu Woche buchstäblich blöder werdenden Schreibe: Istanbul Summit on Syria Was a Success but Caveats Remain. Hofberichterstattung zugunsten eines imaginierten russischen „Führerhauptquartier“.

Was ist da los? Werde ich echt paranoid? Oder gibt es seit etwa Mai, ansetzend an der Skripal-Affäre, irgend ein Äquivalent eines Rundbriefes an einschlägige publizistische Outlets, oder gar an einzelne Autoren mit mehr als, sage, 800 Zugriffen täglich, der sie warnt, sich keinem Skripalen und Khashoggen auszusetzen, das ihnen mindestens Verdauungsbeschwerden in einem verkürzten Leben eintragen könnte?

OMFG. Heide, Stulle, Kit, in was für einem Sumpf habt ihr Göttinnen mich ausgesetzt?

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Wie man die berüchtigte Toccata und Fuge in D moll spielen sollte

Wie Sammy sie spielen würde, wenn sie das könnte. Damit sie nicht stehe, wie ein Pimmel, sondern swinge.
Ein Zufallsfund:

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