„Falsches Bewußtsein“

(Archiv, ein Forumskommentar von 2010 )

Deine Ausgangsfrage nach dem falschen Bewußtsein ist für jemanden, der diesen paradoxen Begriff kennt, i.e. die Analyse kennt, deren Resultat er ist, leicht zu beantworten.

1- Es handelt sich um einen Begriff , das heißt eine erklärte Sache , nicht um ein Phänomen, die Verwechslung ist das erste Mißverständnis, das in (dem kommentierten Blog) eine prominente Rolle gespielt hat. Es kann im paradoxen Attribut „falsch“ schon kenntlich werden: Wie soll ein Bewußtsein „falsch“ oder „richtig“ sein können? In Abgrenzung von theologischen und platonistischen Ideengebäuden, die ein oder mehrere Formen von Eingebungen voraus setzen – und „moderne“ Vorstellungen von genetischen Fixierungen zählen zu dieser Kategorie – ist Bewußtsein halt bewußtes Sein, i.e. gesellschaftliches Handeln eines Individuums, und nichts anderes hat die blöde Formel, das Sein „bestimme“ das Bewußtsein, seinerzeit sagen wollen. Es handelt sich also ausführlicher um die Wahrnehmungen, Vorstellungen, Urteile, Hypothesen und Theorien, unter denen (nicht zwingend: denen gemäß) Leutz handeln, weil menschliches Handeln durch den Kopf hindurch vonstatten geht.

2) Handlungen folgen individueller Zweckbestimmung, auch wenn es sich nicht notwendig um reflektierte Zwecke handelt. Sie können intuitiv gefaßt sein und individuellen Zwecksetzungen sind Zwecke voraus gesetzt, die in ihrem gesellschaftlichen Verkehr – den materiellen wie ideellen Kulturen – institutionalisiert sind, auf welche individuelle Zwecksetzung bezogen sind, obwohl sie nicht zwingend in solchem Bezug verbleiben müssen.
Am letzten Punkt hockt eine zweite Quelle der Mißverständnisse. Dem Begriff falsches Bewußtsein ist kein Ideal eines (richtigen, vollständigen, reflektierten oder auch nur iwie „tauglichen“) Bewußtseins unterlegt. Liegt ein solches Ideal zugrunde, direkt, oder auch indirekt, wie es im Thread z.b. mittels der Verknüpfung mit einem Ideal namens „Freiheit“ geschehen ist, liegt schon eine „Ideo -Logie“ vor, doch den Punkt verfolge ich hier nicht weiter.

3) Bezogen auf und gemessen an Zwecksetzungen, seien sie reflektiert oder nicht, kann ein „Bewußtsein“ Irrtümern unterliegen, d.h. seine Gegenstände verkennen, sodaß es gesetzte Ziele verfehlt. Irrtümer zu begehen und zu korrigieren ist just die Arbeit eines Bewußtseins, und dies ist abermals nicht an eine Form gebunden, also etwa daran, ob diese Arbeit im wissenschaftlichen Sinne reflektierend geschieht, oder mehr oder minder unreflektiert im Rahmen eines „trial and error“-Verfahrens.
Was aber, wenn Beobachtung und Analyse heraus brächte, daß die Individuen einer Gesellschaft ihre Gegenstände und Zwecke systematisch verfehlen, nicht infolge von Irrtümern, sondern aufgrund gesellschaftlicher Voraussetzungen ihrer Urteile, die in die Urteile aufzunehmen sie gezwungen werden?

4) Solche Voraussetzungen aufgefunden, namhaft gemacht, analysiert und auf den Begriff gebracht zu haben hat Marx für seine „Kritik der politischen Ökonomie“ reklamiert und der Begriff „falsches Bewußtsein“ ist eine der Zusammenfassungen seiner Resultate. Notwendiges Zubehör dieses Begriffs ist ein anderer: „Fetisch“, im marx’schen Sinne. Hier, in meiner Darstellung, will ich damit nur anzeigen, daß die Voraussetzungen, von denen die Rede ist, nicht die Form von Bewußtseinsinhalten haben (sollen); es handelt sich nicht um Ideologien, Glaubensbekenntnisse oder -inhalte, Dogmen o.ä., vielmehr behauptet Marx, solche Bewußtseinsinhalte seien abgeleitete Resultate dessen, was er unter „falschem Bewußtsein faßt. Die Voraussetzungen, von denen er redete, haben allesamt die Form von Dingen , bzw. Gegenständen des gesellschaftlichen Verkehrs. Diese Dinge sind u.a. Ware, Geld, Kapital, Lohnarbeit, Preis, Profit, Kredit, aber auch Staat, Recht, Militär, Polizei, Erziehung, Bildung, Elternschaft, Familie, kurz: Institute des gesellschaftlichen Verkehrs, auch wenn er selbst zur Analyse und Ableitung dieser sogenannten „Oberflächenformen“ der kapitalistischen Produktionsweise nicht gar so viel mehr hat beitragen können.

5) Folglich weiß einer nichts vom „falschen Bewußtsein“, der die marx’sche Darstellung und Analyse der genannten Dinge und Formen nicht kennt und, mehr noch, nicht selbst, aus seinem Erleben, oder mithilfe weiterer Literatur zum Thema, diese Resultate auf die gegenwärtigen gesellschaftlichen Institute angewandt und daran geprüft hat. So anspruchsvoll ist das nun mal.

6) Damit ist implizit schon gesagt: Wird „falsches Bewußtsein“ zum  gesonderten  theoretischen Gegenstand genommen, ist es luxuriöser Gegenstand einer intellektuellen Elite, die der Trennung von Hand- und Kopfarbeit entstammt und unter einem kulturellen Titel, den sie „Bewußtsein“ heißt, über „falsches und richtiges Denken“ räsonniert.
Die Verhältnisse, die Marx und andere mit „falschem Bewußtsein“ adressieren, sind hingegen dinglich („materiell“). Jeder, der Verträge abschließt, der als Käufer und Verkäufer, Mieter, Lohnarbeiter, „Unternehmer“ oder auch Lehrer, Manager, what the heck, handelt, ist in ihnen befangen. Denn die „Unwahrheit“ des falschen Bewußtseins kommt simpel in den unaufhebbaren, und damit per se gewalttätigen Gegensätzen zum Vorschein, welche die Individuen zu betätigen und zu exekutieren gezwungen sind, wenn sie in der rechtlich gebotenen Form kooperieren . Simpler kann man nicht erkennen, daß da etwas „falsch“ ist.

Und der Grund, warum kaum jemand dies „Falsche“, das er einerseits unentwegt diagnostiziert und beklagt, wahr haben will, sondern es entweder als Verstoß gg irgendwelche höheren (moralischen) Wahrheiten behandelt, um es am End des Tages in einem ebenso misanthropischen wie feierlichen Menschen- bzw. Naturbild weg zu leugnen, der ist auch nicht so schwer zu sehen. Es ist die Parteinahme für staatliche Gewaltherrschaft, welche die ver-rückte Form einer Parteinahme für „sich“, für das bürgerliche Rechtssubjekt anzunehmen gezwungen wird, deren erzwungene Praxis in Theorie übersetzt wird. Diese Übersetzungen, Ideo-Logien, sind das Produkt falschen Bewußtseins, nicht es selbst. Es selbst ist schlicht das Dasein jeden Bürgers „als“ Privateigentümer und Rechts- (Staats-)subjekt, seine gewalttätige Verfasstheit in dieser Sorte Subjektivität.

Warum die nicht auf einfache Weise praktisch abzulegen ist, theoretisch , sprich im Bewußt-Sein, aber schon, habe ich immerhin angedeutet: Jede besondere Form und Gestaltung falschen Bewußtseins enthält den Kern aller anderen, das liegt in der Herkunft und dem Zusammenhang dieser Formen in der ökonomischen Verfassung des bürgerlichen Lebens begründet, an dem jeder Mann und jede Frau teilhat.

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Krötennotiz an mich selbst

Ein Kernthema des Universalienstreites zwischen Vorsokratikern und Nachplatonikern beherrscht noch immer die Physik im Grenzbereich einer Kosmologie. Zu sehen an der extremen Position der Stringtheoretiker: Sie setzen „Raum und Zeit“ (nicht „Raumzeit“, oder gar „Ereignisraum“ (B. Russell) in die „Substanz“ ein und verlangen, daß „Masse“ ein universelles Akzidenz sei.

https://www.mpg.de/328977/forschungsSchwerpunkt

Dies „Verlangen“ ist der ganze Witz an dieser Tradition: Nicht Er-Kenntnis ist ihr Zweck, vielmehr Bestimmungsmacht über dieselbe. Der Streit ähnelt den Offenbarungs-Schismen in den Theologien, hat jedoch eine fundamental andere Voraussetzung: In Gestalt der ökonomischen Stände, welche im Zuge der Trennung von Hand- und Kopfarbeit entstehen, ist der Streit immer schon militärisch vorentschieden, wenn er anhebt.

Aber wie sag ich sowas meinem Kinde?!

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Französischer Polizeistaat hält Einzug in deutsche Lande

https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/chemnitz/corona-demonstration-freiberg-chemnitz-bautzen-polizei-100.html

Passend dazu: https://www.tagesschau.de/kommentar/sachsen-corona-demos-101.html

Der „Witz“: Die Unken, die da demonstrieren, betteln um nix als „Minderheitenrechte“. Vom funktionellen Standpunkt der Staatsgewalt gäbe es keine rationelle Dichotomy Dialog / Härte – es sei denn, sie stellt sich um ihrer selbst willen faschistisch auf.

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Musik: „In 100 Jahren könnte die Maschine so gut sein wie ein Mensch“

(https://www.heise.de/tp/features/KI-In-100-Jahren-koennte-die-Maschine-so-gut-sein-wie-ein-Mensch-6287551.html)

Unterdessen fand mindestens ein Individuum eurer Gattung die Stimme wieder, die ihr sie verlieren gemacht hattet:

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Splendid Isolation

Der Eintrag aus Anlaß der Donnerstagspredigt des „Schweinepriesters“ ist der letzte, den Google listet. Twitter hat mir huldvoll mitgeteilt, „man“ habe auf eine Beschwerde hin diesen Eintrag „untersucht“ und befunden, „keine weiteren Maßnahmen“ zu ergreifen.

Ich hab einen Entwurf zu „Achill und die Schildkröte“ in der Mache – adressiert an junge Leute. Den kann ich natürlich stecken lassen.

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Herrschaft, Benevolenz, Inquisition

Kürzlich habe ich Muammar Gaddafi „meinen Freund“ genannt. Naja, er hatte keine Gelegenheit, das zu erwidern.

Ich sollte einfügen: Der Eintrag handelt nicht von Gaddafi, ich beziehe mich nur zur einleitenden Umschreibung meiner Begriffswahl auf ihn.

Die Gründe für meine Freundschaftserklärung sind vielfältig, hängen nicht mal alle sonderlich direkt zusammen, aber ein starkes Bündel davon hat damit zu tun, daß halbwegs verständige Beobachter Muammar einen „benevolenten Despoten“ genannt haben. Das war er, gewiß, aber es war nur eine Hälfte des Phänomens, das der seinerzeitige Leiter der „Crisis Group“, der nach der Pfählung des Mannes hinwarf, allegorisch charakterisierte, indem er Gaddafi die Personifizierung der antikolonialen Revolution in Libyen nannte – nahezu das Einzige, was von dieser Revolution übrig geblieben sei, die bis auf Restbestände, über die er die Hand gehalten hatte, um ihn herum abgerissen worden war.
Auch das stimmt ziemlich genau, behaupte ich, und beziehe mein Wissen nicht nur aus meinen Kenntnissen über Land und Staatswesen vor 2011, die sehr unzureichend sind, sondern vor allem daraus, daß ich diese Kenntnisse gegen Gaddafis Reden und v.a. seine Veröffentlichungen gehalten habe, namentlich „Escape To Hell“.

Nun wird natürlich fast jedermann an Moral bzw. Moralität denken, wenn das Wort „benevolent“ fällt. Falsch. Dafür gibt es das Attribut „wohlmeinend“, heute vielfach abfällig „gutmenschlich“ geheißen. „Benevolent“ hat im republikanisch / demokratischen Bürgertum die Attribute „gnädig“ und „gütig“ für einen HERRN ersetzt. Es wäre in einem theoretischen Sinne nicht falsch, wenn man im Zusammenhang mit „benevolent“ an Ethik und Ethos dächte, aber in der Praxis wäre es voll daneben, einfach deshalb, weil seit ca. 2000 Jahren (ich denke hier exemplarisch an Marc Aurel) kein HERR mehr einen zutreffenden Begriff von Ethos hat und deshalb auch nur wenige aus dem Stand der „geistigen“, intellektuellen Speichellecker einen hatten (ob heut überhaupt noch jemand, sei dahin gestellt; Giordano Bruno ist ebenso hingerichtet worden, wie Jeanne d’Arc, Spinoza blieb verschont, weil sogleich vergessen, Goethe hatte westöstlich idolatrischen Krüppelbegriff davon und die Marxisten, falls sie sich je einen Begriff machten, kehrten ihn wohlmeinend unter den Tisch …)
Aber ich verzettele mich …

Okay. Benevolent, gleich „gnädig“ und „gütig“, heißt nicht, daß solch ein Herr niemals foltern, schlachten und mordbrennen ließe – im Gegenteil, „gnädig“ deutet das an. Vergewaltigen läßt er allerdings nicht, denn seine Gewalt soll stets tatsächlich, nicht vorgeblich, einem „höheren Zweck“ dienen.
Natürlich liegt der „höhere Zweck“ stets im Auge des Betrachters, und das begründet die gewollte, zweckmäßig(!) Ambiguität des Attributes „benevolent“. Das Bürgertum radikalisiert den theologischen Herrschaftsbegriff , indem er dessen monotheistische Wurzel säkularisiert. Anstelle des „wahren“ Gottes soll „Natur“ und, letztlich, „Kosmos“ HERRSCHAFT begründen, nämlich gemäß dem mechanischen Kausalitätsbegriff des Christentums.
Davor stand in der ständischen Oberherrschaft des Katholizismus über eine feudale Welt hermetisch ein Begriff der Offenbarung und der göttlichen Gnade.

Die Inquisition war die katholische Antwort auf den Umstand, daß die antagonistischen Widersprüche der inmitten des Feudaleigentums exponentiell wachsenden „Gesellschaft des Geldes“ das zugleich Arbiträre und Totalitäre katholisch geprägter, letztlich also auf die angenommene christliche Subjektivität eines Herrschers gegründete, HERRSCHAFTEN nicht mehr trug und zuließ.
Das hätte ich natürlich näher zu begründen und zu erklären, aber ich habe weder Lust noch Nerv noch Zeit dazu. Deshalb nur der Hinweis: Auch die Greuel der Inquisition gründeten in der Benevolenz von Herrschaft. Den Grund dafür habe ich kürzlich in Sinn und Form. Zum intellektuellen Verfallsprozess ehemaliger Marxisten inklusive meines Verstummens. im Abschnitt „Herrschaft und Unterwerfung“ angerissen: Insofern und Insoweit Herrschaft Bestandteil der gesellschaftlichen Arbeitsteilung im technischen, produktiven Sinne ist, nimmt ihr „niederes“ Ziel, der Erhalt dieser Arbeitsteilung und damit der zugrunde liegenden Produktionsweise, notwendig die Gestalt eines „höheren Zweckes“ an.

Deshalb ist das, was wir historisch als „Inquisition“ und „inquisitorisch“ kennen, ein Phänomen, das in jeder HERRSCHAFT um sich greifen muß, deren Personal sich von ihrem eigenen Produkt substanziell angegriffen sieht.
Und zu diesem Personal gehören halt auch die eingangs erwähnten Speichellecker. Tatsächlich waren, von ideosynkratischen Individuen abgesehen, alle Angehörigen einer geistlichen, geistigen, intellektuellen, wissenschaftlichen Elite konstitutionelle Speichellecker; das liegt einfach in ihren Arbeitsbedingungen, in erster Instanz ihren Gegenständen, nämlich in dem Maße, wie ein Großkopferter sich funktionell auf dieselben zu beziehen hat, um seinen Stand zu halten.

Und weil ich jetzt erstmal meinen Blutdruck auf dem Hometrainer wieder ‚runterbringen muß, schließe ich diesen Eintrag mit einer Liste derjenigen TP – Artikel, die ihn in den vergangenen Tagen veranlasst haben – es gab Machwerke anderer Quelle, aber die lass ich jetzt beiseite.

Polarisierung in der Pandemie: „Neue Regierung sollte Gesprächsfaden wiederherstellen“

Sars-CoV-2: Den Anfängen auf der Spur

War Nietzsche links?

Stürzt uns die Türkei in die Finanz- und Wirtschaftskrise 2.0?

Sahra Wagenknecht und die Corona-Politik

Was ist der Bitcoin wert? Die Wertschätzung einer Geldfiktion in der realen Finanzwelt
(Der ganze Dreiteiler ist gemeint)

„Sind das alle, die Du gelesen hast?“ höre ich fragen.
Ja.

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CoV-2 Mutanten

Im Eintrag „The NAZIS are back“ hatte ich ein paar Zitate und Bemerkungen zur Variante B.1.1.529. Jetzt klaue ich mir einen Kommentar des TP-Users „In der Sache“, der das Gesagte erheblich ausbaut und verfeinert.

Ein guter Teil der Spike-Mutationen macht den Eindruck, daß die typischen und effektiven Mutationen von anderen Variants-of-Concern hier zusammengerührt wurden. Alleine wegen Art und Zahl der Austausche in der RBD habe ich schon geschluckt.
Hier mal ein etwas anders gestricktes Szenario, wie es zu einer solchen vielfach mutierten Variante kommen kann, die zwar unabhängig entstanden ist, aber doch viele Merkmale anderer Mutanten in Spike reproduziert.
Ausgangspunkt ist die klinische Beobachtung, daß nach Genesung von mittelschweren hospitalisierten Fällen ein gewisser Stand von mutierten Antikörpern erreicht ist, die zum Entlassungszeitpunkt rund 6 Wochen nach Infektion nicht alle wichtigen Virusvarianten neutralisieren. Überraschend wurde festgestellt, daß die gleichen Personen 6 Monate nach Erkrankung eine andere Antikörperzusammensetzung hatten, die so aussah, als ob die Immunantwort nicht lehrbuchmäßig abgeschaltet wurde, sondern weitere 4 1/2 Monate gelaufen ist, und dann Antikörpermutanten aufwies, die jetzt praktisch alle wichtigen Virusvarianten neutralisieren konnten (Autoren u.a. Labor Nussenzweig). Man könnte schon zu einem Bild kommen, daß der evolutionäre Wettlauf zwischen Immunsystem + hypermutierenden Antikörpern einerseits und dem mutierenden Virus andererseits ein Dauerwettbewerb ist, bei dem routinemäßig der Virus sein Variantenrepertoire durchspielt, um dem darauf reagierenden Immunsystem wegzulaufen. So ein Modell macht weitgehende Veränderungen des Virus in jedem einzelnen Individuum zum Regelfall: die „bösen“ Varianten, die als „Fluchtmutationen“ im Sinne der Impfkritiker des Teufels sind, sind keine seltenen Ereignisse (und deshalb weiß ich schon wie gegen dieses Modell hier gespuckt werden wird), sondern entstehen recht normal und können recht normal bei guter Immunabwehr eliminiert werden. Selten ist dann höchstens ihre zufällige Weitergabe, die dann zu einer sich lokal und darüber hinaus etablierenden Verbreitung führt, bzw. die Weitergabe ist nicht mehr so selten wenn die Erkrankung in einem immunkompromittierten Patienten passiert (in der Literatur gibt es so einen über fast 4 Monate verfolgten Fall, mit atemberaubendem Hin und Her der Virusmutation versus Antikörper-Reaktion darauf) und dann ein Übertragungs-Herausspringen aus dieser Person wahrscheinlicher ist. Man darf jetzt auch sehr vorurteilsfrei 1 + 1 + 1 oder Südafrika + HIV + Immunkompromittiert zusammenzählen.
Bei einem solchen Modell kann dann auch ein Virus wie B.1.1.529 entstehen und in die allgemeine Population entkommen: eine individuell neu entstandene Kombination von einer Vielzahl Mutationen, die sich schon in anderen Virus-Varianten für die Verbesserung der Infektiosität bewährt haben, plus etliches an individueller Mutationslast, das letztlich neutrales „Rauschen“ des Mutationsprozesses anzeigt und nicht immer unbedingt eine positiv selektionierte Veränderung ist.

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Impfpolitik: RKI folgt einem militärmedizinischen Maßstab

Der Artikel Bundestagsgutachten: Hohe Hürden für Corona-Impfpflicht ist belanglos; wann in der laufenden Kriegsphase (seit 2011) hätten sich Regierung und Parlament um solche Gutachten oder Urteile des Verfassungsgerichtes geschert?
Aber eine „Redaktionelle Nachbemerkung“ hat es in sich:

Redaktioneller Hinweis: In einer früheren Version des Textes wurden Impfdurchbrüche als Infektionen trotz Impfung beschrieben. Das Robert-Koch-Institut definiert Impfdurchbrüche als „eine PCR-bestätigte Sars-CoV-2 Infektion mit Symptomatik“. Die Textstelle wurde entsprechend überarbeitet.

Diese Definition eliminiert den epidemiologischen Belang aus der Beurteilung des Impferfolges. Übrig bleibt ein Kriterium, das in der Militärmedizin gilt: Führt eine Behandlung zur Fronttauglichkeit des Patienten, oder nicht?

Ich will jetzt keine Spekulationen niederschreiben, wie und mit welchen Motiven das zustande gekommen sein mag. Ende der Durchsage.

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Mein erster Impuls war bislang …

… den Text zu hassen. Zumal, weil mir scheinen wollte, er sei „nicht in der Zeit“. Vielleicht liege ich komplett falsch? Ist er genau in der Zeit?

Whatever, es ist ein Meisterstück – von beiden, Nicole, wie Kenny, das mir von Monat zu Monat häufiger und tongetreuer durchs Hirn geht.

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„The NAZIS are back“

Dieser gefälschte NYT-Titel zirkulierte einige Tage in den sozialen Medien. Die Fälschung ist kreuzdoof: Ausgerechnet die „linken“ US-Faschisten zu Kronzeugen gegen die scheinbare oder tatsächliche Wiederkehr nationalsozialistischer Haltungen in den deutschsprachigen Eliten zu berufen, ist eine Idee, die sowohl von historischen wie ideologiekritischen Kenntnissen freigemacht wurde. Doch ein gewisses „menschliches“ Verständnis kann ich den Autoren nicht versagen.

„Linke“ und „rechte“ „Nazis“ oder Nazis

Ich erhebe mal Prof. Dr. Günter Kampf zum Kronzeugen.

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‚Tagesschau‘ beruft und rechtfertigt Pogrome gegen Ungeimpfte

Kennt jemand Peter Dabrock? Nein? Recht so. Seit er den sogenannten Ethikrat letztes Jahr verlassen hat, ist er ohne Belang, ein hetzender, salbadernder, sabbernder Theologie-Professor unter anderen, dem niemand zuhören muß.

Die ‚Tagesschau‘ änderte das soeben in ihrem ‚Corona-Ticker‘, einer für eine Masse Leute unverzichtbaren Informationsquelle. Dort durften sie nach Kenntnisnahme eines Plädoyers Dabrocks für Impfpflicht folgendes lesen:

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Vergabe des Außenministeriums an Baerbock ist nominelle Entscheidung für einen deutschen Russlandfeldzug an der Seite der NATO

Nämlich dann, wenn man Baerbocks Verlautbarungen der letzten zwei Jahre zur Urteilsgrundlage nimmt.

Natürlich muß man das in erster Instanz als Unterwerfungsgeste gegenüber der NATO, bzw. den angelsächsischen Natogenerälen werten, die den Druck auf die politische Klasse Deutschlands mit Kriegshandlungen in der Ukraine, am Golf, in Syrien und im Irak in den letzten Wochen systematisch erhöht haben. (Auf Twitter habe ich Ausschnitte davon dokumentiert) Natürlich wird der Kanzler aus purem Eigennutz versuchen, zu taktieren, bis die französische Regierung sich nach den kommenden Wahlen imstande sieht, sich in dieser Sache zu positionieren. Die einschlägigen NATO-Generäle werden in dieser Zeit versuchen, Vorentscheidungen zu erzwingen.

Eine dieser Vorentscheidungen ist so gut wie gefallen: Ein Gaskrieg gegen Russland, eröffnet mit der endgültigen Absage an NS2. Damit wird die Bundesregierung auf diesem speziellen Schauplatz viele, vielleicht auch alle, Optionen aus der Hand geben, auf Eskalationen Dritter oder anhand von Gegenmaßnahmen der russischen Regierung Einfluß zu nehmen. Hundert Tausende ruinierte Existenzen und viele hundert Tote könnten die Folge sein.
Dazu will ich anmerken, daß das Weiße Haus nach meinen Beobachtungen derzeit an solchen Eskalationen nicht interessiert ist – aber es hat auch nicht ernsthaft was dagegen, weil und solang es die US-Armee aus ihnen heraus halten kann und die europäischen Ökonomien geschädigt werden.

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Was der Schweinepriester Arno Kleinebeckel richtig hat … ohne es zu wissen, versteht sich.

https://www.heise.de/tp/features/Covid-19-und-das-Ende-der-Ratio-6270643.html

Die Redeweise von der „instrumentellen Vernunft“ entstammt dem kulturkritischen Strang der „Frankfurter Schule“ und ist so wenig der Befassung wert, wie Arnos Donnerstagspredigt. Aber.

Aber es ist halt auch „was ‚dran“, wie an allen Redeweisen von gesellschaftlicher Reichweite. Diesen rationellen Kern hat vor Urzeiten die Münchner Fraktion der „Roten Zellen“ /spätere MG gegen die „Frankfurter“ Fraktion ausgearbeitet und daraufhin den auf diese Weise gewonnenen Begriff von „Instrumenteller Vernunft“ pronto fallen lassen, zugunsten eines Begriffes „bürgerlicher Dummheit“, in dem es natürlich nicht um „Intelligenz“ geht, sondern um Befindlichkeit, Berechnung, Meinung, Einstellung, Welt– resp. Menschenbild. Das soll hier im Einzelnen nicht mein Thema sein, einen Harten Kern davon habe ich in Privateigentum, Individuum, Moral skizziert.
Vielmehr will ich nur einen schmalen Zusammenhang mit diesem Eintrag und der gestrigen Antwort an „Grünspan“ aufnehmen. Da schrieb ich:

Bin so frech zu fordern, jemand der etwas dazu sagen will, soll die Wiki – Definition entweder verteidigen oder angreifen, ich wiederhole sie nochmal:

Der Determinismus (von lateinisch determinare ‚festlegen‘, ‚Grenzen setzen‘, ‚begrenzen‘) ist die Auffassung, dass alle – insbesondere auch zukünftige – Ereignisse durch Vorbedingungen eindeutig festgelegt sind

…und zwar mit der Vorgabe, das Ereignis sei:

[Grünspan] fängt einen Dorsch

… weil mit Rücksicht auf das im Eintrag zu Definitionen, Klassifikationen, Kladistik Gesagte bzw. Verlinkte. Vielleicht mit ein paar Nachsätzen dazu, ob es einen Unterschied macht, wenn der Dorsch stattdessen von einem Hai gefressen wird.

Der Zusammenhang ist, ich wiederhole, ganz schmal. Der rationelle Kern eines Begriffes namens „Instrumentelle Vernunft“ liegt ziemlich präzise in dem quasi-religiösen Wahnwitz, der den Inhalt der Aussage

[Grünspan] fängt einen Dorsch

methodisch dem Inhalt der Aussage:

[Grünspan] fängt keinen Dorsch

gleich setzt. Das ist eine der Dummheiten der zitierten Definition.

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Wiederholung unter dem Signum des Themas „Ästhetik“ (Narrative)

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Aus der Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt. Formierung des Kriegsregimes in Deutschland

Ein intensives Trommelfeuer aus dem aktuellen „Corona liveblog“ der Tageschau:

  • Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen auch in Niedersachsen fordert Kultusminister Grant Hendrik Tonne mehr Tempo bei der Zulassung eines Impfstoffes für Kinder. Er appelliere an die Europäische Arzneimittelagentur und die Ständige Impfkommission möglichst bald zu Entscheidungen zu kommen. „Das wäre wichtig, um einen weiteren Schutzschild für die Kinder bereitzuhaben.“
  • Bundestagspräsidentin Bärbel Bas hat ein entschiedenes Vorgehen gegen Antisemitismus bei Corona-Demonstrationen gefordert (…) Es bedrückt mich, wenn Rassismus und Antisemitismus vermischt werden mit Impfen und Corona.“ Der Staat müsse wachsam und wehrhaft sein. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Leute durch die Straßen ziehen mit rassistischen und antisemitischen Parolen“ Die anschwellenden Corona-Proteste machten ihr große Sorgen, sagte sie weiter. Es sei eine wichtige Aufgabe der Politik, der Spaltung in der Gesellschaft zu begegnen, indem Entscheidungen erklärt würden und immer wieder um Verständnis für das Notwendige geworben werde. Bas betonte: „Ich kann nicht akzeptieren, wenn Entscheidungen, die im Parlament nach intensiver Debatte mit Mehrheit fallen, als obrigkeitsstaatlich bekämpft werden.“
  • Angesichts einer zunehmenden Überlastung von Intensivstationen durch eine steigende Zahl von Corona-Patienten fordert die Medizinethikerin Annette Duffner eine politische Klärung der Frage, ob geimpfte Patienten ungeimpften vorgezogen werden sollen, wenn die Kliniken zu einer Triage übergehen müssen. „Unter dem Strich glaube ich, dass sich die Beachtung des Impfstatus in einer überfüllten Intensivstation durchaus argumentieren ließe“
    Der Bochumer Medizinethiker Jochen Vollmann vertrat dagegen die Ansicht, dass der Impfstatus „kein Entscheidungskriterium bei der Zuteilung begrenzter Ressourcen im Gesundheitswesen“ sein dürfe. Bei gleicher Dringlichkeit sei aus medizinethischer Sicht entscheidend, welchem Patienten in der akuten Notsituation eine intensivmedizinische Behandlung am meisten helfen würde, sagte er der Zeitung. „Ein ethisches Dilemma wird eine solche Situation immer bleiben“, erläuterte der Leiter des Instituts für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum.
  • Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner hat klargestellt, dass er nicht die Wirksamkeit von Kontaktbeschränkungen für die Eindämmung der Corona-Pandemie bestreitet. Zuvor waren Äußerungen von ihm in den tagesthemen teils anders verstanden worden und im Internet auf Empörung gestoßen. Am Samstag schrieb Lindner auf Twitter: „Wenn ich in den ‚Tagesthemen‘ missverständlich war, bedauere ich das. Denn ich werbe für konsequente und wirksame Maßnahmen! An Kontaktbeschränkungen zweifele ich nicht, sondern nur zum Beispiel an der Verhältnismäßigkeit von Ausgangssperren für Geimpfte.“ In der Sendung war er von Moderator Ingo Zamperoni gefragt worden, warum mit dem Auslaufen des Rechtsstatus der epidemischen Notlage nationaler Tragweite auf Eindämmungsmöglichkeiten wie Ausgangs- oder Kontaktbeschränkungen verzichtet werde. „Weil diese Maßnahmen nach wissenschaftlichen Untersuchungen keine Wirksamkeit haben und weil auch deutsche Gerichte solche Ausgangsbeschränkungen ja bereits verworfen haben“, hatte Lindner geantwortet.

Die einzige Ausnahme sei nicht unterschlagen:

  • Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki spricht sich gegen erhöhten Druck auf Ungeimpfte aus. Das bringe nichts, sagt er dem „Spiegel“. In einem Rechtsstaat müsse alles verhältnismäßig bleiben. „Wenn auch von Geimpften ein Infektionsrisiko ausgeht, dürfen Sie Ungeimpfte nicht schlechter stellen. Es geht infektionsrechtlich um Gefahrenabwehr, nicht um Erziehung zum angeblich besseren Menschen.“ Er degradiere Ungeimpfte nicht zu Menschen zweiter Klasse und erkläre, sie seien schuld an der Pandemie.

Nachtrag:
Innen-, Außen-, Innen-, das Trumm, das ich damit adressiere, haben zahlreiche Intellektuelle aller Couleur, zusätzlich nachrangige Schwanzlutscher aus der Publizistenzunft, mit „Kultur“ betitelt. Obgleich – natürlich! – nicht völlig falsch, ist der Titel daneben. Keine Ahnung, ob Handke in jungen Jahren einem ähnlichen Gedanken folgte. Für mich ist die abstrakt-allgemeine Botschaft, die ich absondere, schlicht die, daß alle drei Welten gleichermaßen, wenngleich auf verschiedene Weise, handfest sind.

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