Diskussionsseite „Kapital“

(https://tomgard.blog/kapital/)
Auch zu nutzen für Einwände und Kommentare zu Texten, die unter anderen Reitern versammelt sind.

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These zur laufenden Phase imperialen Zusammenbruchs

Um die vielgestaltige und vielschichtige Angelegenheit auf einen handlichen Nenner zu bringen, der seiner Anfechtung – alternativ: Spezifizierung – Handhaben geben könnte (natürlich wird das nicht geschehen und ich allein kann es nicht leisten): Weiterlesen

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Amesbury – Ergänzung

Eine kurze Recherche ergibt eine ziemlich eindeutige Antwort auf die Frage, wer der politische Profiteur der neuen Affäre werden soll, Tom Tugendhat. Chairman of the Commons Foreign Affairs Committee und ein ausgesprochen rühriger „Remainer“. Spätestens seit letztem Jahr ist Tugendhat als Nachfolger Mays im Falle eines iwie bewerkstelligten Rücktritts vom Brexit im Gespräch. In den vergangenen 24 Std. resonnieren alle britischen Presseorgane vom Tom Tugendhat-Geläute, mit und ohne Zusammenhang mit „Novichok“. Zwei Beispiele: TOM TUGENDHAT Russia’s attacks in the UK are no mistake — it’s time to turn off the tapTheresa May must play LEADING ROLE in EU accession of Balkan nations post-Brexit, warn MPs, die klar genug anzeigen, wo’s lang gehen soll. Auch die deutsche SZ stellte den Herrn ihren Lesern in einem gestrigen Op-Ed-Artikel (Paywall) vor.
Die „Robuste Warnung“, von der ich im letzten Eintrag sprach, erging auch an europäische Adressen, wiewohl es den britischen Staatsterroristen nicht ganz einfach werden sollte, ihre Nummer auf dem Kontinent abzuziehen.

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Amesbury – ein vielsagender Terroranschlag aus Porton Down

„Novichok“ war am Samstagnachmittag, den 30. Juni, da zwei, nach anderen Meldungen drei Personen mit Verdacht auf eine Klasse A-Drogenvergiftung ins Krankenhaus Salisbury eingeliefert wurden, gewiß nicht im Spiel. Ob es den Opfern, wie im Falle Skripal, nachträglich verabreicht wurde – oder noch werden wird – ist unklar, aber zweifelhaft. Nachdem die Leitung der Klinik in das Cover-up des Skripal-Falles unter Duldung schwerster Körperverletzung der Opfer verwickelt ist, hält die über die Chemie- und Biowaffenfabrik herrschende Gruppe Staatsterroristen alle Fäden in der Hand, sie kann zusätzliche Verwicklungen durch Informationslecks aus den Reihen Drittbeteiligter vermeiden. Vor allem aber wäre so ein Schritt unnötig. Die Täterschaft aus dem Umkreis von Porton Down darf und soll jedem klar werden, der sich traut, über den Tellerrand politischen Alltags zu schauen.  Weiterlesen

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Klartext zum Jemenkrieg: Die Quittung für Unbotmäßigkeit ist Ausrottung

https://www.realclearpolitics.com/articles/2018/07/03/america_wins_if_houthi_rebels_lose_in_yemen_137412.html

Mindestens 10 Mio Menschen hat die Kriegsmaschinerie der imperialen Metropolen in den letzten 30 Jahren im Irak vernichtet – die einen getötet, die anderen verstümmelt, anderen alles genommen, was ein menschliches Dasein ausmacht. Wenn jemand behaupten wollte, es seien 20 Mio., würde ich nicht widersprechen.

Doch der Irak hat offiziell 40 Mio. Einwohner und ist aufgrund seiner Nachbarschaft zum Iran als ein Herrschaftsgebiet sakrosankt. Diese „Gnade“ gilt nicht für die Jemeniten. Sie werden bis auf das letzte Kind in die Erde gedüngt, solange sich noch irgend eine Hand zum Widerstand regt. Mehr ist dazu nicht zu wissen und zu sagen – Anfang und Ende meiner Mitteilungen zu diesem Krieg.

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Syrien: Ein – nicht ganz – neues israelisches Strategem

Yair Lapid: “Israel Will Not Tolerate an Iranian Presence in Syria. Period.”

Die Voraussetzungen in Stichworten.
Der Libanon ist, wie die diplomatischen Bewegungen im Anschluß an die jüngsten Wahlen zeigen, die Hezbollah gestärkt hatten, weiterhin gegen einen israelischen Angriff gedeckt. Der Versuch, im Windschatten eines NATO-Angriffes auf Damaskus unter dem Vorwand des False-Flag-Angriffes in Douma weitere Teile Syriens mit eigenen Truppen und Söldnern zu besetzen, war am vereinten russisch-amerikanischen Widerstand gescheitert.
Immerhin hat die zionistische Front erreicht, daß der „Nahost-Plan“ der Trump-Administration nebst einem gesonderten „Gaza-Plan“, angekündigt für Anfang Mai, offenbar dauerhaft in der Schublade landeten. Sicherheitsnadelhalber führte die IDF der übrigen Welt und besonders den israelischen Juden ein Massaker auf, das auf der ikonographischen Ebene keinen Vergleich mit irgend einer Bestialität der letzten 2000 Jahre zu scheuen braucht. Für mindestens eine, wenn nicht mehr Generationen ist damit gesetzt, entweder die Juden ins Meer, oder die Araber in die Wüste.

Zugleich gab es seit Ende April eine Serie von Luftangriffen in Syrien, die der israelischen Luftwaffe zugeschrieben worden sind, ihr aber weder taktisch noch strategisch plausibel zuzuordnen sind. Eine Sonderrolle spielten dabei die jüngst aus den USA erworbenen F-35 nebst Munition, welche die IDF bislang offiziell nicht ausgewiesen hat. Man darf vermuten, daß sie aus den kürzlich aufgestockte NATO-Arsenalen stammt. Auch im Raum Al Tanf und Deir Ezzor gab es Angriffe, ziemlich offenkundig von der US-Luftwaffe oder der britischen Luftwaffe ausgeführt, die das Pentagon und OIR verleugnet haben.

Kurzum, ich unterstelle, die NATO führt teils mit der IDF oder IDF-Teilstreitkräften, teils ohne sie, den Auszehrungskrieg gegen Syrien und Russland weiter, der nicht länger ein „israelischer“ Krieg ist. Der Staat Israel führt unter den heute gegebenen Bedingungen entweder einen Entscheidungsschlag gegen Damaskus, um das entstehende Chaos und Vakuum im Süden Syriens und im Libanon zu nutzen, oder er hütet sich, die russisch – israelische Entente mit Angriffen zu belasten, die an der strategischen und taktischen Kriegslage nichts ändern können.
Letzteres ist seit der „Reality-TV-Show“ der Cruise-Missile Angriffe bis auf einschneidende Änderungen in den Kräfteverhältnissen der Beteiligten gegeben.

Das bestätigt indirekt Yair Lapid. Der Mann mag ein Kretin sein, so idiotisch ist er nicht, daß er ernsthaft annimmt, Moskau könne „den Iran“ stellvertretend für Israel aus Syrien heraus bomben, wie seine Worte unterstellen, umso weniger, als er zugleich mit Rücksicht auf Syrien den direkten russischen Alliierten Türkei mit „Iran“ gleichsetzt.

Aber umgekehrt kann Israel einen Hebel gegen Russland, gegen die Präsenz und strategische Interessen Russlands an und in Syrien, in der Türkei ansetzen, falls es dafür ausreichend Parteigänger in der NATO findet.

Bis dahin bleibt Israel, soweit ich sehe, nur ein gangbarer Kriegspfad in Syrien. Es kann mittels Beunruhigung Russlands in Syrien durch die eigene Luftwaffe, vor allem aber durch NATO-Truppen und -Söldner, die entweder auf eigene Rechnung handeln oder sich auf abtrünnige US-Generäle stützen, auf eine Begrenzung der Daraa-Offensive wirken, sodaß noch in diesem Jahr, spätestens im nächsten Jahr, gegen die im Raum Daraa neu formierten syrischen Truppen eine neue Offensive gestartet, und dann, unter neuen Bedingungen, der aktuelle Widerstand der IDF gegen Bodenoperationen im Süden Syriens gebrochen werden kann. Die Lockspeise, die Yair Lapid ins Gespräch bringt: So lange Damaskus unter amerikanisch geduldetem russischen Schutz bleibe,  das Weiße Haus also keine eigenen konkreten Regime-Change-Pläne verfolge, die russische Armee und Staatsführung aber eine Hoffnung auf dauerhafte Beendigung der Kämpfe ohne Vernichtung Tel Avivs und Brüssels fahren lassen müsse, stehe Israel ein Opportunitätsfenster offen, eine Einverleibung weiterer Teile des Golan auf internationaler Ebene durchsetzen zu können.

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Ding Plus Nicht-Ding in der Rezeption des „Kapital“ – ein Beispiel (4)

Idealismus und Realismus der Freiheit

„Freiheit“, das darf und muß ich euch jetzt als gewußt unterstellen, um nicht das Thema zu wechseln, ist der Begriff, welcher die Idee der Einheit und zugleich die Einheit der Idee in den differierenden Vorstellungen und Anschauungen von Ralph Peters und Wolfgang Schmidt kennzeichnet. Ein Schicksal dessen, was beide jeweils Freiheit nennen und darunter verstehen wollen, nimmt der eine für siegverheißend, der andere zum Menetekel eines Unterganges.

Solche Gliederung wird man jetzt gnädigenfalls „überabstrakt“, abfälligerweis „verquast, verschwurbelt“ nennen. Doch die Dinge, ja, Dinge im originalen Sinne, verhalten sich nun mal so. Zum Beispiel ist Ralph Peters so ein Ding.

Sein Text „Constant Conflict“ ist ein Glücksfall, weil er gewöhnlich und außergewöhnlich zugleich ist.
Das Gewöhnliche:
Millionen solcher Texte wurden und werden in den USA und Europa abgelassen. Ein Offizier – militärisch oder zivil – tritt vor Rekruten, welcher Branche, welchen Ranges immer, um sie „einzunorden“. Mit anderen Worten: Ihnen die Flausen zausen. Dazu redet er in ausgewähltem Umfang Tacheles, Klartext zu Illusionen, welche seine Adressaten hegen, und solche Illusionen sind immer allgemeiner und professioneller Herkunft, sie gehören dem Umkreis der Vorstellungen an, welche in mehr oder minder ausgeprägter Form obligatorische Voraussetzung der Karriereentscheidungen waren, welche die Rekruten vor das Pult des Offiziers brachten.
Das Ungewöhnliche des Textes liegt in der Kombination der Enstehungszeit 1997, am Vorabend eines Wendepunktes der Imperiumsgeschichte, und der Person des Sprechers.

Peters ist, ihr könnt das an Foxnews-Interviews studieren, in denen er als „Experte“ auftritt, ein mickriges Männchen mit einer Fistelstimme, die sich schnell mal überschlägt, wenn er in Wut versetzt wird, was auch einem bestallten Stichwortgeber leicht zustoßen kann, wenn er Peters mit einem unscheinbaren Einfall auf Terrain außerhalb des Konzeptes lockt. Zugleich ist Peters zweifellos ein helles und geschwindes Kerlchen.
Waas?!“ höre ich meinen verstorbenen Freund Niko brüllen „Der Typ ist doch völlig durchgeknallt, palle, nur noch Matsch inne Birne!“  „Na und?“ antworte ich, „Willst Du Wolfgang Schmidt diese Bezeichnung etwa vorenthalten?
Schmidt’s Text ist, das können die bisherigen Zitate hinreichend zeigen, um Größenordnungen einfältiger, als der von Peters, was freilich kein zureichendes Kriterium für Urteile über seinen Gehalt. Doch über die Tat-Sache kann sich nur jemand täuschen, der, mehr oder minder verbissen Diskurstraditionen der europäischen Linken verhaftet, eine Anzahl eigener Begriffe und Vorstellungen über die abstrakten Gegenstände, mit denen Schmidt hantiert, in den Text inseriert.

Genug. Peters Ehrgeiz, Selbstdarstellungsbedürfnisse und Eitelkeit brachten ihn dazu, den Offiziersanwärtern den Kopf in einem unmäßigen Umfang zu waschen. Vielmehr nahm Peters Maß an seinen Illusionen über den bevorstehenden Aufstieg einer neu und anders, als hergebracht, zu formierenden militärischen Elite, die über die USA und den Rest der Welt zu herrschen bestimmt sei.  Deshalb wollte er in den Baracken und Kathedralen der patriotischen Ideale seiner Adressaten keinen Nagel ungezogen, keinen Schlußstein unangetastet lassen.

Selbstredend ist solcher „Realismus“ geprägt von den Idealismen auf die und zu denen er passen soll und eben dies Verhältnis ist die unauflösliche Identität von Idealismus und Realismus auf allen Ebenen, auf denen diese Einstellungen und Haltungen auftreten. Gegebenenfalls beginnt das mit dem Realismus und Idealismus einer Einstellung, die ein Mann – oder eine Frau – zu ihrem sexuellen Leib als dem Repräsentanten eines angestrebten Gender entwickelt. Welche Stellung dies Gender in der Wirklichkeit hat, die in den abstrakten Versionen von Freiheit und deren Schicksal enthalten sein sollen – sollen! – davon kann ich erst viel später genauer reden. Daß es dazu gehört, ist unmittelbar gegeben. Wer so umfassend, wie Schmidt und Peters von einem Reich diesseits aller Schranken handelt, welche in ihren Reden ausschließlich negativ vorkommen, der redet von Sex, der mag sexy sein.

Ihr findet das abermals abseitig, mindestens übertrieben und jedenfalls eine thematisch unstatthafte Psychologisierung?
Mitnichten. Menschen sind Dinge, wollt ihr euch daran erinnern? In eigenartiger, doch grundsätzlich selben Weise, wie alle anderen sexuellen Tierarten, sind sie in Körperschaften auftretende, handelnde, wirkende Dinge. Vor diesem zugleich abstrakten und ungemein konkreten Hintergrund 1 ist Peters Text so einfältig, wie der von Schmidt. Lest ihn komplett und prüft, inwieweit Peters ebensogut ein kurzes Lied hätte schmettern können:

„Es zittern die morschen Knochen
Der Welt vor dem [da da] Krieg
Wir haben den Schrecken gebrochen
Für uns war´s ein großer Sieg

Wir werden weiter marschieren
Wenn alles in Scherben fällt
und heute gehört uns [da da]
Und morgen die ganze Welt“

Und mögen die Spießer auch schelten
so lasst sie nur toben und schrein
und stemmen sich gegen uns Welten
wir werden doch Sieger sein

Und liegt vom Kampfe in Trümmern
die ganze Welt zu Hauf
das soll uns den Teufel kümmern
wir bauen sie wieder auf“

Hm? Diese Identität ist umso gespenstiger, als sie sich auch auf die Variation erstreckt, die ab 1936 in der Hitlerjugend verbreitet wurde. Darin war „gehört uns Deutschland“ durch „hört uns …“ ersetzt und zwei Strophen angefügt:

Sie wollen das Lied nicht begreifen,
Sie denken an Knechtschaft und Krieg
Derweil unsre Äcker reifen,
Du Fahne der Freiheit, flieg!

Wir werden weiter marschieren,
Wenn alles in Scherben fällt;
Die Freiheit stand auf in Deutschland
Und morgen gehört ihr die Welt.

Kennt Ralph Peters das Baumann-Lied? Lustigerweis‘ unterschlägt die deutsche Wikipedia, daß der Lieutenant Colonel, Jg.52, 10 Jahre in Deutschland im Dienste des Militärgeheimdienstes arbeitete, bevor er offiziell zum Foreign area officer avancierte. Die englische Wikipedia wiederum strich die Abteilung, in der Peters in D. wirkte: Propaganda und Gegenpropaganda.
Und damit sind wir endgültig beim nächsten Thema angelangt, einem Extrempunkt der „hermeneutischen Welt“ – was ich darunter verstehe, gedenke ich Stück für Stück aufzufalten – welcher dem sexuellen Leib gegenüber liegt. Idealismus und Realismus der Weltmacht, wird es heißen.

Teil 1, Teil 2, Teil 3.
(Titel und Gliederung der Teile, obgleich einer Systematik folgend, sind im Gefolge von Konzeptänderungen nicht mehr recht tauglich. „Work in progress“ wird andauern)


  1. „Das Konkrete ist konkret, weil Einheit des Mannigfaltigen“ (Hegel / Marx) 
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Ding Plus Nicht-Ding in der Rezeption des „Kapital“ – ein Beispiel (3)

Wolfgang macht Deutsches Kino

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Addenda zu den Themen „DingPlusNichtDing“, Fetisch, („einfache“) Warenproduktion

Unter einem neuen Reiter habe ich einige alte Texte versammelt. Der erste – Ware und Geld, Historisches. Aristoteles – enthält eine zureichende Widerlegung des größten Teils des Gefasels von Wolfgang Schmidt. Die beiden letzten Texte der Seite enthalten Argumente und Hinweise, daß und warum Schmidt zum Thema Fetisch einiges „richtig“ hat, obwohl er das Thema insgesamt verfehlt. Das ist der Widerspruch, an dem ich mich noch plage und deshalb – abgesehen von Verhinderungen anderer Art – nicht fortgesetzt habe. Es wäre nur allzu einfach, die indiskutable Vorlage vernichtend zu zerreißen – damit wäre rein gar nichts gewonnen. Es käme darauf an, den Text als Erscheinungsform dessen begreiflich zu machen, was er verfehlt, und das geht nicht aus ihm selbst heraus. Umgekehrt wäre es ein Fehler, den Text einem äußerlichen Maß zu unterwerfen, was insgesamt die Aufgabe stellt, aus all dem Widersprüchlichen und Unvereinbaren der Textaussagen hinreichend präzise das gesellschaftliche Band heraus zu stellen, das sie verknüpft, aber darin entweder fehlt, oder nicht in der ihm eigentümlichen Gestalt vorkommt.
Das ist übrigens überhaupt die Aufgabenstellung einer Kritik der Religion – ein elend undankbares Geschäft.

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Ding plus Nicht-Ding in der Rezeption des „Kapital“ – ein Beispiel (2)

 

Das „Höhere“ als ein „Tieferes“

Grundbaustein des Elends des Sprechens

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Ding plus Nicht-Ding in der Rezeption des „Kapital“ – ein Beispiel

Ich wurde mit der Konzeption der begonnenen Serie „There is no such thing as ‚reality'“ unzufrieden. Die zwei veröffentlichten Teile werde ich zurück ziehen, sobald ich einen neuen Entwurf klar habe. Bis dahin gibt es Vorarbeiten. Zu aktuellem Geschehen werde ich erst wieder schreiben, wenn mir eine Wendung auffällt, die mir neu erscheint.
In Arbeit habe ich noch einen Aufsatz zum Iran, aber der steht hintan, wird frühestens in einigen Wochen fertig.


Der Mythos des einfachen Warentausches„, Wolfgang Schmidt

Der Text steht kommentarlos zum Download im Netz, Autor und Diskurs, in dem er schreibt, sind mir unbekannt.
Im Rahmen einer Materialsammlung zur Arbeit, die ich mit „There is no such thing as ‚reality'“ begonnen habe, will ich zeigen, wie der Aufsatz sein Thema, das meines berührt, verfehlt. Nehmt bitte das „wie“ ernst. Aus Erfahrung erwarte ich, viele Leser werden das „wie“ als ein „warum“ lesen oder ein „warum“ im Hinterkopf behalten. Wenn sich dann später ein fälschliches „Aha …“ einstellt, wird mein Fortgang entweder unverständlich oder verfälscht. Schmidts irren hat etliche Gründe und Quellen, einige werde ich außerhalb der Textkritik lassen.

In meinen Augen ist Wolfgang Schmidts Text eine Schülerarbeit in einem spezifischen Sinne. Verwendete ich eine eingebürgerte Bezeichnung, spräche ich von einem epigonalen Text. „Epigonal“ unterstellt gewöhnlich, der Autor sei zu faul, zu dumm, oder aber ideologisch zu verbohrt oder verführt, eine originelle Arbeit zu leisten und vorzustellen. Letztere Variante gibt schon einen Hinweis auf den Ursprung des Phänomens. Es handelt sich um einen Nebeneffekt des Geisteslebens unter der Herrschaft patriarchaler Kriegsherren und Privateigentümer, das in der Gründung, herrschaftlichen Förderung und Bekämpfung von Schulen prominent in Erscheinung tritt. Die im Abendland bekannteste historische, d.h. bis auf den Tag wirksamste unter ihnen, ist die aristotelische Schule. Ihr fortdauernder Einfluß, zusammen mit dem einer weiteren Schule, die als eine solche weniger geläufig ist, der kantischen, ist Schmidts Text deutlich anzumerken.

Wolfgang Schmidt gegen die politische Sinnstiftung der klassischen Ökonomie

Kampf um Deutungsmacht und Friedenspflicht

Der Gründungsmythos der Politischen Ökonomie geht vom einfachen Warentausch als historischem Ursprung des Ökonomischen aus. Voneinander unabhängige und jeder Art sozialer Gemeinschaft entkleidete Warenbesitzer tauschen individuell produzierte Waren aus, um ihre Bedürfnisse befriedigen zu können.

Im zweiten Satz, will ich nebenbei notieren, referiert der Autor, vermutlich ohne es zu wissen, das Resultat eines aristotelischen Raisonnements über die Natur des Geldes. Die Verwendung eines weithin verbreiteten oder gar allgemein gültigen Tauschmittels entspringe wohl einem praktischen Bedürfnis der Beteiligten, da ein anderer, logisch zu ermittelnder Grund nicht erkennbar sei, heißt es sinngemäß bei Aristoteles. Mit diesem Argument läßt er die Untersuchung des Geldes, die er begonnen hatte, weil ihm dessen eigentümlicher Einfluß auf das hellenistische Leben aufgestoßen war, fallen.

Doch in der Hauptsache setzt der Satz eine polemische Tradition „marxistischen“ Schrifttums fort. Mit vermeintlichen Gewißheiten in den Köpfen einer Gefolgschaft im Rücken zielt er auf die scholastische „Weiche“ der Kontrahenten, sich solchen Gewißheiten, hier in etwa die leninistischen 1 Konzepte des „Sozialen“ und „Gesellschaftlichen“, aus politisch-ideologischen Gründen zu verweigern.

In der Tat weist die akademische Ökonomie dem „Individuum“ die Rolle einer Basisabstraktion zu. Wenn Ökonomen implizit und explizit Konzepte des „Sozialen“ in ihre Theorien einbauen, d.h. soziologische Begriffe benutzen, betten sie diese Basisabstraktion „gesellschaftswissenschaftlich“ ein, kleiden folglich Warenbesitzer und Individuen in ein Konzept „sozialer Gemeinschaft“, statt sie dessen zu „entkleiden„. Soziologen argumentieren reziprok. Diese institutionelle Methodik der sogenannten Geisteswissenschaften gibt einen Hinweis darauf, daß in ihren Konzepten von Individualität und Gesellschaft ein Gegensatz hockt, den sie mit einer fakultativen Trennung und Zusammenführung ihrer Lehren lediglich überbrücken. Den Basisabstraktionen „Individuum“ und „Gesellschaft“ wird ein modales Verhältnis, eine wechselseitige Bedingtheit, methodisch unterlegt. Das Verfahren unterstellt konfligierende Kräfte auf den jeweils „bedingten“ Seiten, oder, um die weniger mechanistisch belastete Begrifflichkeit Hegels zu verwenden, gegensätzliche Momente in den gesellschaftswissenschaftlich geltend gemachten Abstraktionen.
Der Hinweis ist mir an dieser Stelle stark genug, zu sagen, Wolfgang Schmidts Polemik trifft einen fehlerhaften Kern der institutionellen Ökonomie, obwohl sie verbatim deren Verfahren verfehlt. Wieso geschieht das?

Wir werden dasselbe Muster im Text wiederholt finden, deshalb erlaube ich mir, die Antwort vorweg zu nehmen, die ihr am Text prüfen könnt.
Schmidts Polemik gegen die Kategorie „Individuum“, wie sie in der akademischen Ökonomie und Sozialwissenschaft verwendet wird, fingiert eine Kritik, die er tatsächlich meidet. Seine „Kritik“ wird darauf hinaus laufen, Zusätze zu den angegriffenen Vorstellungen und Argumenten mit dem Ziel einzuverlangen, sie mit seinen Kontrahenten zu seinen Bedingungen zu teilen.

Das ist eine in der aristotelischen Schule begründete Methode, einen Streit mit Kritikern und konkurrierenden Schulen vermittels eines Eingemeindungsverfahrens zu führen. Die einverlangten Zusätze sollen dem Kritiker einen Platz in den heiligen Hallen eintragen, mindestens in der Rolle eines hoffnungsvollen Schülers. Bestenfalls soll sie den Schüler an die Spitze der ehrenwerten Gesellschaft der Forschenden und Wissenden befördern.

Solcher Opportunismus verweist auf einen Kampf, um nicht von Krieg zu sprechen. Spätestens seit Aristoteles, der Lehrer und „Großwesir“ Alexanders des Großen, eine Elite von Schülern um sich sammelte, wurde im abendländischen Geistesleben ein Institut tradiert, das die Kriege der Heerführer um einen Kampf um elitäre Deutungsmacht ergänzt 2. Ich verweise auf die offenkundige Analogie der in dieser Tradition stehenden akademischen Debattenkultur mit derjenigen, die zur Zeit der griechischen Polis auch in repräsentativen politischen Organen gepflegt wurde. Debatten in und um solche Körperschaften haben einen unhintergehbaren perspektivischen Fluchtpunkt in Gestalt der Handlungsfähigkeit des Organs und folglich seiner politischen, d.h. in letzter Instanz militärischen Machtvollkommenheit. Sie ist das eigentliche Thema aller Debatten dieser Art. Wird es verfehlt, enden sie mit Krieg, sofern die Beteiligten das zugleich wollen und vermögen. Akademische Debatten gelten, wenngleich gewöhnlich wesentlich vermittelter, als ihre politischen Verwandten, einer Friedenspflicht der direkt und mittelbar Beteiligten.

Anhand des nachfolgenden Textes könnt ihr prüfen, ob und inwieweit der Schüler Wolfgang Schmidt sich der anspruchsvollen Aufgabe stellt, der eigentümlichen akademischen Friedenspflicht mit einem Beitrag zu genügen, der sich Argumenten aus der geächteten marxistischen Schrifttradition bedient, welche Konzessionen er dem akademischen Diskurs macht und welchen Erfolg er damit beanspruchen zu können meint.

Wie „mit Marx“ ein akzeptables politisches „Wir“ in Anspruch nehmen?

Die ökonomische Wissenschaft nimmt die Welt der Waren als Summe der Austauschbeziehungen vernunftbegabter Individuen wahr. Der einfache Warenaustausch “ursprünglicher Gemeinwesen”, die entwickelte kapitalistische Warengesellschaft oder der finanzgetriebene, post-industrielle Kapitalismus funktionieren nach den zeitlosen und rationalen Regeln von Angebot und Nachfrage. Die Aufgabe der ökonomischen Wissenschaft reduziert sich auf die mathematische Analyse der vom Markt definierten Austauschrelationen. Sie geht dabei davon aus, dass der Austausch von Waren zur ontologischen Grundausstattung vernunftbegabter Subjekte gehört – rationales Handeln bedeutet die Optimierung des individuellen Nutzens, eine Operation, die dem Menschen “als solchem” eigen sei.

Der letzte Satz nennt einen Kern der o.a. ökonomischen Basisabstraktion, das eigennützige Individuum, dem bei Bedarf ein mehr oder minder berechnend altruistisches Individuum integriert wird. Schmidt wird das Konstrukt später homo economicus nennen. Ihm gilt das erste Argument des Aufsatzes, ein Einwand – und der ist grundfalsch:

Vorausgesetzt ist, dass die Produktion nicht für die eigene Konsumtion stattfindet. Sie vollzieht sich vielmehr als Warenproduktion, das heißt Produktion für andere.

Es scheint, als vermeine Schmidt sich mit der Aussage auf Marx berufen zu können. Das ist ein Irrtum 3.
Statt finden für (etwas)“ nennt einen Zweck. Produktionszweck eines Warenproduzenten – auch der Warenproduktion insgesamt – ist ihr Erlös.  Das war und blieb zwischen Marx, den klassischen Ökonomen und Sozialwissenschaftlern unstrittig. Es ist vielmehr eine Grundlage für theologische, philosophische, sozialpsychologische und politologische Bedürfnisse, dem Produktionszweck andere Ziele und Zwecke über zu ordnen.

Der Erlös der Warenproduzenten – das sind in diesem Zusammenhang nicht Arbeiter, sondern  Wareneigentümer – dient ausschließlich ihrem Verzehr. Just die Form eines Erlöses aus Veräußerung von Waren, sei er in Geld bemessen oder eingetauschtem Produkt, erlaubt einem Produzenten nach Maßgabe des Marktumfanges eine Überführung seines Produktes in Bedarfsgegenstände, die qualitativ unabhängig von seinem persönlichen oder korporativen Herstellungsvermögen ist. Der Verzehr kann konsumtiv, aufzehrend, oder produktiv, umwandelnd sein. Diese mindestens bedingte, in historischen Gesellschaften auch beschränkte, doch abstrakt allgemein unwidersprechliche Emanzipation der Produzenten von lokalen Produktionsvoraussetzungen und -bedingungen hat seit Aristoteles a.a.O. einer Feier der Warenproduktion als einer Form gesellschaftlicher Reproduktion gedient, die einem „universellen menschlichen Geist“ angemessenen erscheine. Auch Marx hat sich dieser Feier nicht entzogen, nur ihrer philosophisch – theologischen Usurpation. Die Warenproduktion entwickle erst diesen „universellen Geist“, den die Herrschenden zunächst materiell wie ideell für sich beanspruchten – für sich persönlich wie für ihre Klasse – bevor sie ihn den Unterworfenen zunächst bloß ideell und schließlich mehr oder minder widerwillig und zu scharfen Bedingungen auch materiell zugeständen, schrieb er sinngemäß.
Wolfgang Schmidt, das wird seine Fortsetzung beweisen, kennt meinen Einwand gegen seinen Einwand, doch er paßt ihm nicht (ins Konzept) und das gibt er wie folgt kund:

Unter allen anderen ist jeder für sich der Einzige, Gemeinschaft oder Gesellschaft sind abwesend.

Mit dem Individuum als einem „Einzigen“ 4 unter anderen Einzigen – zustimmend in den Indikativ Präsens gesetzt – dreht Schmidt seinen o.zit. falschen Einwand gegen ein sozialwissenschaftliches Ideologem in eine gegenteilige Aussage, doch nun wieder in der  schon bekannten Gestalt abfälliger Kolportage.
Wenngleich kein kluges Verfahren, ist es ebensowenig dumm. Was ist der Trick, was erschleicht Schmidt sich und einem wohlmeinenden oder hinreichend unbedarften Publikum?
Einen Gegenstandswechsel. Es zeigt sich, daß Schmidt im ganzen Absatz keinen anderen Gegenstand im Auge hatte, als denjenigen, den er in obiger Formulierung vorstellt: Das Verhältnis, das ein Warenproduzent zu sich selbst, „als“ einem „gesellschaftlichen Individuum“ einnehme. Ein spiritueller, de facto religiöser Gegenstand, denn dies Verhältnis ist Teil eines gesellschaftlich mehr oder weniger durchgesetzten, mehr oder weniger gültigen Menschenbildes:

Das Interesse, das der Einzelne an der Ware im Besitz des anderen hat, ist ein gänzlich monologisches Interesse, während sein Gegenüber nur an der Veräußerung interessiert ist. Warenbesitzer verhalten sich im Austausch zueinander, als sei jeder ein Robinson auf seiner privaten Eigentumsinsel …

Schmidt macht der ökonomischen Schulweisheit ihr Menschenbild streitig:

Die Frage nach der gesellschaftlichen Synthese einander fremder Subjekte, die soziale Basis der Vergleichbarkeit sinnlich verschiedener Objekte, erübrigt sich – es gibt keine Gesellschaft, sondern nur ein Wir als Summe aller Einzelnen.

Ginge es mir um Wolfgang Schmidt, oder, allgemeiner, um ein Exempel besser nicht mit Dummheit zu verwechselnder geistiger Umnachtung, die dem Streben nach Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Elite entspringt, wäre ich an dieser Stelle mit dem Text fertig.

Das „Wir als Summe aller Einzelnen“ soll erstens Schmitds falschen Einwand – Warenproduktion „nicht für die eigene Konsumtion“ – „synthetisch“ rechtfertigen (er weiß folglich um dessen Falschheit) und zweitens ist es eine polemische Wortschöpfung, die dem angegriffenen Menschenbild Unzulänglichkeit bescheinigen soll. Das stellt abschließend klar, Schmidt beabsichtigt keine Kritik der angegriffenen Standpunkte.

Ein Menschenbild ist per se nicht kritikabel, es ist dazu da, angenommen oder verworfen zu werden. Deshalb erobern und verteidigen Gotteskrieger aller Zeiten ein gesellschaftliches Monopol darauf mit Feuer und Schwert. Dazu ersinnen sie Insignien, Symbole, Rituale und Stigmata, welche eine Annahme ihres Menschenbildes sicht- und greifbar macht und verpflichtend immerhin im Maße, wie Oppositionelle und Verweigerer sich erfrechen, den Priestern den eroberten symbolischen Raum nicht kampflos zu überlassen.

Tat-sächlich gibt es ein „Wir als Summe aller Einzelnen“, es ist keine semitheologische ad hoc- Erfindung Wolfgang Schmidts. Es gibt dieses „Wir“ in Gestalt jeder beliebigen Körperschaft, für die gilt, daß ihre Mitglieder einem unstrittigen Beschluß folgen oder einem einheitlichen Kommando gehorchen. Unter jeder Art von Herrschaft ist das ein ubiquitäres spirituelles und administratives Ideal, was spätestens an der Erfindung einer „Emergenz“ kenntlich wird, die sich einstellen könne, wenn es „wirklich“ Realität gewinne – dann werde solch „Wir“ zu einem „Ganzen“, das mehr sei, als die Summe seiner Teile.
Wolfgang Schmidts einleitende Distinktion von ökonomischer Schulweisheit zielt jedenfalls auf ein „mehr“ an „Wir“. Weil er das einleitend an nichts Geringerem klarstellt, als einem Menschenbild, das er in der Schulweisheit identifiziert haben will, gedenkt er einen kongenialen Angriff auf ein Ganzes zu führen, das er – ob zu Recht oder Unrecht, sei dahin gestellt – als einen spirituellen Zusammenhang wahr nimmt.

Wie ihr auch, habe ich keinen verständigen Grund, mich mit sowas weiter abzugeben. Ich verstehe mich unter Zwang dazu, weil ich die Wahrnehmung teile, die Resakralisierung und, was im Kern dasselbe ist, Militarisierung bürgerlicher Vorstellungswelten, die vor knapp zwei Generationen eingesetzt hat, ist auf nahezu allen Ebenen gesellschaftlichen Verkehrs unaufhaltsam und erst recht unumkehrbar geworden. Falls es Ebenen gibt, für die das nicht gilt, kenne ich sie nicht.
Daß ich mich mit Schmidts Text weiter befassen werde, ist ein Akt der Verteidigung. Ich will wenigstens wissenwie dergleichen heute „arbeitet“, damit sich der Umkreis meiner Einsiedelei nicht widerstandslos weiter um mich zusammen zieht.

Fortsetzung bald.


  1. Hinter das Attribut „leninistisch“ mögt ihr gern ein Fragezeichen setzen, ich bestehe nicht auf dieser Einordnung, die im folgenden unerheblich ist. 
  2. Das erklärt ziemlich zwanglos das in der literarischen Tradition vielfach verrätselte Phänomen, daß der Vatikan und einzelne, um klerikalen Einfluß kämpfende mönchische Orden, aristotelische und andere heidnische Schriften eifersüchtig hüteten, eifrig kopierten und übersetzten, deren Lehren sie außerhalb eines Kreises von Geweihten blutig bekämpften. Der christliche Klerus teilte die militärische Macht im zerfallenen Imperium Romanum mit den Kriegsherren, die sich seiner politischen Ordnungshoheit beugten. Deshalb bestand er auf einem spirituellen Monopol, das auf die priesterliche Tradition des Christentums allein nicht zu gründen war. Der Klerus beanspruchte und behielt lange Zeit ein Monopol auf die Überlieferung eines Teils des technischen und naturkundlichen Wissensbestandes der ägyptischen, hellenistischen und romanischen Antike. 
  3. Befördert hat Engels solchen Irrtum mit einem Einschub in das erste Kapitel der zweiten Auflage des „Kapital“. Das zu besprechen ist hier nicht der Platz. 
  4. Eine Anspielung auf die Kulturkritik Max Stirners. Marx sprach irgendwo vom „Vereinzelten Einzelnen“, das ist eine hintersinnige Kritik der (Kultur-)Kritik, doch das zu erklären, führt mir hier ebenfalls zu weit. 
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Ich gratuliere euch zu meinem 63. Geburtstag

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Washington kündigt Angriffe auf chinesisch beanspruchtes Territorium in der Südchinasee an

Pentagon pledges to continue ops in South China Sea, ignoring Beijing’s warning

Memo to China: US has ‘experience taking down small islands,’ Pentagon bigwig says

Pentagon will ‘compete vigorously’ with Beijing in South China Sea – Mattis

Amerikanische Kriegserklärungen gegen Peking reißen seit 1991 nicht ab und auch für einen militärischen Übergriff gibt es einen Präzedenzfall, die Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad 1999. Doch jetzt, denke ich, könnte es sich erstmals um „the real thing“ handeln. Auch hier bleibe ich eine Begründung einstweilen schuldig, nenne nur einen Kern davon: Kriegsminister Mattis ist nach meinem Befund seit der TV-Reality-Show des Feuerüberfalls auf Syrien der handelnde Präsident der USA, assistiert von einem Vizepräsidenten Pompeo – ein Pentagon / CIA – Condominium.

Dazu preise ich diplomatische Taktik durchaus ein, und wenigstens das will ich kurz erklären.
Nehmt euch dazu eine Karte der chinesischen Küsten vor.
Das ostchinesische Meer und damit der Verkehr von und nach Hangshou und Shanghai ist von nominellen und informellen US-Basen umstellt. Die Inselkette zwischen Taiwan und Japan wird von der US-Basis Okinawa beherrscht und gibt den dauerhaft dort und in japanischen Häfen stationierten / aprovisionierten US-Pazifik-Flotte gute Voraussetzung für eine Seeblockade, die zu brechen China bis vor kurzem außerstande war, und die sie aktuell und bis auf längere Zeit, wenn überhaupt, nur unter Einsatz seegestützter Nuklearwaffen brechen könnte.

In dieser Konstellation ist das Territorium Nordkoreas ein potentielles chinesisches Faustpfand gegen die US-Marine, weil und so lange Russland über eine potente nukleare Gegendrohung gegen die USA verfügt. Verkehr nordkoreanischer Häfen kann über einen internationalen Seeweg verlaufen, der zugleich russisches Territorialgewässer ist. Daher die Zwiespältigkeit der chinesischen Stellung zur nuklearen nordkoreanischen Bewaffnung – sie wertet das von China ökonomisch völlig abhängige Nordkorea strategisch sowohl auf, wie ab.

In der Südchinasee ist die Lage deutlich anders. Die lokalen Anrainer der chinesischen Schiffahrtswege bedienen sich amerikanischer Militärmacht und Herrschaftsansprüche auf den pazifischen Raum im Unterschied zu Taiwan und Tokio lediglich taktisch.  Die Staatlichkeit Indonesien, das den geringeren Anteil an der Anrainerschaft hat, könnte eine Blockade Chinas überdauern, die Eigenstaatlichkeit Vietnams, Malaysias und, schätze ich, auch der Philippinen, könnte es nicht. Malaysia ist zusätzlich schwer abhängig vom Verhältnis zu Indien, das im Falle einer mittelbaren oder direkten Blockade der Straße von Malacca ebenfalls vom Zerfall bedroht wäre. Deshalb ist eine militärische Herrschaft über die Südchinasee essentiell für Peking. Sie erlaubt, Aufwand und Preis einer Seeblockade gegen China exponentiell in die Höhe zu treiben, weil unter ihrer Voraussetzung Vietnam und Malaysia in eine Blockade eingeschlossen würden, die westlich der Straße von Malacca versiegelt werden müßte, und dann wäre in eine militärische Konfrontation Chinas auch Indien eingeschlossen sowie, mittelbar, abermals Russland.

Deshalb ist gesichert, daß die jüngste Offensive Mattis taktisch und damit diplomatisch auf die „Koreakrise“ zielt, denn es ist sehr sicher, daß die USA weder morgen noch übermorgen einen Nuklearkrieg mit China entfesseln wollen. Doch just die geopolitischen Umstände, auf denen diese Taktik und Diplomatie ruht, engen den diplomatischen Spielraum, den die chinesische Regierung sich setzen wird, außerordentlich ein.

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Macron konfrontiert die Ziocons

Erwartungsgemäß traf der kuwaitische Entschließungsantrag im UN-Sicherheitsrat, der „internationalen Schutz“ der palästinensischen Zivilbevölkerung vor dem staatszionistischen Terrorregime forderte, auf das amerikanische Veto. Nicht zu erwarten war, daß Frankreich mit Russland und China gegen die USA gestimmt hat.

Das war, vermute ich, keine Premiere, dennoch stellt es einen Erdrutsch der „Weltordnung“ dar.
Mit Gründen, die ich vielfach dargestellt habe, behandeln die USA Israel als amerikanisches Territorium, obwohl sie keine Hoheit über es haben. (Ein Dokument dieses Verhältnisses werde ich in einem Kommentar spiegeln) Frankreich griff deshalb mit seiner Stimme für den Antrag die imperiale Militärdoktrin der USA auf einer prinzipiellen Ebene an. Zum selben Enschluß rang sich die schwedische Regierung durch.

Weitere Wucht erhielt dieser Bruch durch die Enthaltung der Briten, der Polen sich anschloß.

Weil die französische Konfrontation der USA einen solch prinzipiellen Charakter hat, wäre es allerdings ein Fehler,  die britische Enthaltung als eine höfliche Form zu interpretieren, mit Frankreich zu stimmen. Es ist umgekehrt, das französische „Ja“ konfrontiert die britische Regierung genau so prinzipiell, wie die imperiale Führungsmacht auf der nationalen Ebene. Die Antisemitismus-Kampagne, welche die britische Regierung im Verlaufe der Skripal-Affäre gegen gegen jegliche Opposition gegen sie losgetreten hat, illustriert das.

In Frankreich selbst war der Zionismus bislang nicht weniger Staatsraison, als in Deutschland und historisch alles in allem weniger umstritten, als im UK. Die Behauptung bedürfte einer Begründung, die ich schuldig bleibe, ich komme mit all meinen Baustellen sowieso kaum zu etwas rechtem, deshalb verweise ich nur kryptisch auf einen Kristallisationspunkt, die „Charlie Hebdo“ – false flag, die einen Teil ihrer Vorgeschichte in der Exekution des französisch-zionistischen Geheimdienstassets Merah hatte.
Deshalb halte ich das französische „Ja“ innenpolitisch für nicht weniger bezeichnend, als außenpolitisch.

Weiteres dazu muß ich auf spätere Einbettungen vertagen.

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