US-Interventionists „gambler who can’t leave the table“

Das ist eine luzide Beschreibung – im Unterschied zu Darstellung – des Wirkens der „Chaos-Reiter“ in der US-Administration (und ihrer Verbündeten in EU und GCC) von Joe Lauria in einem Artikel, der insgesamt einen tauglichen Rückblick auf die Geschichte der amerikanischen Syrienintervention seit ca. Mitte 2012 gibt. Lauria fährt fort

their failures – and the lack of any personal accountability for their catastrophes – seem to have only emboldened them to keep gambling

Eine Antwort auf die Frage, was die Spieler am Tisch hält, klärte die Rolle und Motive der mittuenden Häuptlinge Europas und des mittleren Ostens in weitem Umfang auf. Darum werden wir uns in den kommenden Monaten bemühen.

Für den Moment nur ein paar Bemerkungen zu den konsekutiven und expliziten Ausblicken des Artikels.
Der Kampf in der US-Administration, der zeitweise ausschaut, wie das archetypische Ringen von Ordnungsstiftern vs. Chaosmächten und den Globus zum Schlachtfeld dieses vornehmlich inneramerianischen Krieges gestaltet, wird mit der Übernahme des Oval Office durch Clinton nicht entschieden. Sein Grund ist dem Wesen des Imperiums einbeschlossen. Aktuell zeichnet sich ab, daß einer der ersten Streitpunkte die Türkei und die Rolle der Kurden in der MENA-Strategie des Weißen Hauses betreffen wird. Das Pentagon – auch General Dunford – wird sich hüten, einen veritablen Krieg gegen Russland aufzulegen, aber in Syrien kann es auf reziproke russische Vorkehrungen setzen. Gut möglich, daß EUCOM die russische Luftwaffe nötigen wird, über Syrien einen oder zwei „Koalitionsflieger“ abzuschießen, um die „Mackinder-Linie“ zwischen EU und EEU zu befestigen, von der sich Erdogans AKP mit dem russischen Nordsyrien-Deal ein Stück weit auszunehmen gedenkt. Die militärisch sinnfreie, publizistisch aufwendige Entsendung der „Admiral Kuznetzow“ ins Mittelmeer deutet in die Richtung der stummen Vorbereitung eines begrenzten „Show-Downs“. Den Angriff auf Damaskus erwarte ich aus Anbar, ausgeführt von zig Tausenden Söldnern, die mit wirksamen Abwehrwaffen gegen russische Hubschrauber und Bodenkampfflugzeuge ausgestattet werden.

Womit wir zum Ausgangspunkt zurück kehren. Daß zumindest Saudi Arabien keine Option zur Beendigung des Feldzuges gegen Damaskus haben soll, machte die Sprechpuppe der Daeshianer, Bagdadi, mit der Ankündigung klar, ISIS werde sich nun gegen das KSA wenden. Die Söldner, die von den Chaos-Reitern seit Monaten unter den Augen der Koalitionsflieger aus Falludja, Ramadi, Mosul ausfiltriert werden, brauchen eine Führung und ein Ziel. Andernfalls besteht die Gefahr, daß sie von widerstreitenden Imperiumskriegern für lokale und regionale Zwecke gegeneinander mobilisiert werden, so wie das in Nordafrika (Sudan, Libyen, Mali) strichweise schon geschehen ist.

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6 Antworten zu US-Interventionists „gambler who can’t leave the table“

  1. BC schreibt:

    In 4 Tagen kann sich einiges ändern.
    Wie sagte der Franzose gestern? „Jetzt ist alles möglich.“
    (Nassim Taleb würde ihm vielleicht antworten, er hätte nicht die
    geringste Ahnung, was alles möglich ist, aber das fiele dem Taleb leicht
    als Sproß einer Christenfamilie, die 1300 Jahre unter Muslimischer
    Herrschaft lebte.)

    Es scheint, die Karten (für den Zugang zum Kasino) werden neu verteilt.
    Ein Teil der Spieler sieht sich offenbar schon auf dem Weg ins Abseits.
    Hier nur eine kleine Auswahl von Kommentaren (der New Yorker steht
    natürlich nur für die feinsinnigen Beobachter von NYC,
    Madame Applebaum hingegen, mit dem Raduslaw Sikorski liiert,
    ist da schon eher eine Betroffene):

    http://www.newyorker.com/news/news-desk/an-american-tragedy-donald-trump
    https://www.washingtonpost.com/opinions/global-opinions/under-president-trump-america-may-no-longer-lead-the-free-world/2016/11/09/921bbbbe-a67b-11e6-ba59-a7d93165c6d4_story.html
    https://espresso.economist.com/a87c11b9100c608b7f8e98cfa316ff7b
    https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/nov/09/donald-trump-white-house-hillary-clinton-liberals

    Aber bis Januar kann ja noch einiges passieren.

    BC

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  2. tgarner9 schreibt:

    Herzlichen Dank, BC

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  3. tgarner9 schreibt:

    Hi,
    Nach kurzem Überfliegen: Eine „Vorratsresolution“ der Ziocons. Sen. Engel führt diese Blase semioffiziell an. Das ging so weit, daß Chairman Chief of Staff Dempsey sich 2013 vor und nach einem Israel-Besuch zur Begründung seines Widestandes gegen einen Luftkrieg gegen Syrien, anläßlich der Al Ghouta-False – Flag, in einem persönlichen, allerdings rasch öffentlich gemachten E-Mail-Verkehr mit Engel rechtfertigte.
    Der Luftkrieg fand nicht statt …
    Danke und Gruß.

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