Empfehlungen aus dem Washington Institute zum Krieg gegen Rojava

Zitate und Bemerkungen zu einer soeben erschienenen Essaysammlung

(1) DAVID POLLOCK: MAKING ROJAVA MORE LIKE THE KRG

… mit denselben Methoden, deutet P. an, nennt sie freilich nicht: Low Intensity Bombenkrieg, wiederholte Exkursionen mit Panzertruppen, Anstiftung zum Bürgerkrieg mit systematischem Terror gegen Zivilisten.

The trick will be to increase the distance between the Syrian Kurds and the Kurdistan Workers Party (PKK) inside Turkey

Nützlich:

But for four years, after a deal brokered by Iraqi Kurdistan’s President Masoud Barzani in July 2012, the PYD fulfilled a promise not to fight against Turkey, and not to help the PKK do so either. The deal stuck precisely because it reflected the PYD’s new self-interest in protecting its own turf inside Syria, rather than carrying the Kurdish struggle across the border (…) Along with this transformation into a separate Syrian Kurdish rather than pan-Kurdish organization, the PYD developed its own political and military chain of command, distinct from its PKK roots (…) In fact, as Salih Muslim and Making Rojava More like the KRG ≥  5 others have described to the author in convincing detail, local PYD chiefs and councils inside Syria function separately not only from any outside fiat but even from each other.

Pollock bestätigt einen wesentlichen Punkt in unserer Analyse zum türkischen Staatsstreich mit Hilfe der NATO:

At lower levels, U.S. officials scrambled to deconflict Turks and Kurds on this new Syrian territorial front. They managed to arrange local unofficial ceasefires but were unable to broker a broader understanding, as isolated clashes continued.

Da die amerikanisch-kurdische Zusammenarbeit taktischer Natur war und ist, wie Pollock mehrfach betont, gab es für die NATO keinen Grund für einen türkischen „Regime Change“, so lange sie die taktischen Ziele teilte. Ihr Anteil am türkischen Staatsstreich  richtete sich folglich gegen diese Ziele und/oder möglichen Folgen und Implikationen.

Diese Gegnerschaft im NATO-Kreis erklärt Pollock autoritativ für obsolet:

(It) is the considered, public judgment of the most senior responsible American intelligence officers, political leaders, diplomats, and military commanders now involved in this battle …  that Kurdish forces, both the Peshmerga in Iraq and the YPG in Syria, are crucial allies for the U.S. and NATO in the ongoing battle against Islamic State terrorists.

Dazu verweist Pollock auf das zahlenmäßige Gewicht der Sozialrevolutionäre:

Estimates are that the YPG provides 25,000 or so in Syria, in addition to its central role with the 5,000 allied Arab tribal militias as part of the SDF.

Summe der Empfehlungen: Die USA sollen den Krieg der eigenen und türkischer Proxies gegen Rojava nutzen, die Sozialrevolutionäre mit dem Versprechen, ihnen eine viable Rolle in einer syrischen Nachkriegsordnung zu verschaffen, auf unabsehbare Zeit in einen Mündelstatus zu terrorisieren und dort zu halten.

(2) SONER CAGAPTAY

fügt dem nichts hinzu, er plädiert nur offener für einen Genozid:

The PYD’s Kobane and Cizre cantons have expanded significantly of late into non-Kurdish areas, giving the group control over not 100 but 150 percent of its desired territory across Syria. Now, the PYD wants to gain 200 percent. Washington should relay to the PYD leadership that if the group confronts Turkey in this regard, it could end up with 50 percent.
(…)
Turkey is unlikely to enter into peace talks with the PKK until Erdogan has forced the group into some sort of military defeat … The United States might thus consider delivering aggressive military assistance to Turkey to help bring forth sufficient Turkish advances against the PKK

(3) ANDREW J. TABLER

Das ist in einem Satz erledigt: Anerkennung des Status Quo östlich des Euphrat, Gebietsteilung westlich davon, wozu die USA arabische Stämme, die es mit der PYD halten wollen, gegen türkische Übergriffe zu schützen hätten.
Das entspricht in etwa der aktuellen CENTCOM-Politik einschließlich ihrer russischen Stütze.

(4) FABRICE BALANCHE

verweist als Einziger auf die sozialrevolutionäre Dimension des Konflikts, welche die USA in der einen oder anderen Weise in ihrem Interesse zu nutzen hätte. Der Erfolg Rojavas beruht materiell auf der kooperativen Bewirtschaftung kommunaler Allmenden, Staatsländereien und verfallenen Grundeigentums und der darauf gegrüneten Kleinindustrie. Ohne es direkt auszusprechen empfielt Balanche die Stärkung von Grundeigentumsansprüchen arabischer Clans und Familien mit dem Ziel, Rojava, je nach Wunsch, entweder zu zerrütten, oder unter strategische Patronage zu nehmen.

(5) BILAL WAHAB

steuert einen stark historisierenden Exkurs zur Geschichte des Verhältnisses kurdischer Fraktionen innerhalb und zwischen Irak und Syrien bei.

Den Beitrag von

(6) PATRICK CLAWSON

erwähne ich nur zu dokumentarischen Zwecken, weil er exemplarisch dümmlich illusionäre Vorstellungen der Neocons bebildert (Clawson ist ein militanter Advokat der – notwendigerweise nuklearen – Vernichtung der Iranischen Republik)

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Eine Antwort zu Empfehlungen aus dem Washington Institute zum Krieg gegen Rojava

  1. tgarner9 schreibt:

    Wie eine Antwort auf die gemäßigten WI – Empfehlungen wirkt die Verhaftung einer Gallionsfigur des 2015 beendeten Friedensprozesses mit der PKK, dem Bürgermeister von Mardin, Ahmed Turk

    Gefällt mir

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