Update zum türkischen Vormarsch auf Al Bab

Als ich den Eintrag vom 22. schrieb, hatte ich versäumt, Al Manar zu konsultieren. Unter Berufung auf die libanesische Assafir, die in der Vergangenheit bewiesen hat, über Kontakte beim türkischen Geheimdienst zu verfügen, ist dort behauptet, der türkische Vormarsch auf Al Bab sei der Bruch eines Deals mit Russland, der vor Beginn der türkischen Intervention ausgehandelt wurde.

Daß es einen russisch-türkischen Deal gab, beweisen die Ereignisse. Hätte die russische Luftwaffe der Türkei die Operation „Euphrates Shield“ untersagt, hätte das zwar die Position des Weißen Hauses geschwächt, doch schwerlich über die Schranke hinweg, die es vor eine militärische Konfrontation zwischen NATO und Russland gelegt hat.
Stimmt die Behauptung aus Assafir, so hätte Russland der syrischen Regierung den Raum Al Bab als Verhandlungsmasse gegenüber den kurdischen Revolutionären und ihren arabischen Parteigängern vorbehalten. Das entspricht den Aussagen und Einschätzungen eines Lageberichtes, den Ahmed Dicle heute auf ANF veröffentlicht hat.

Unter diesen Voraussetzungen scheint der Zusammenfall des „Vorfalls“ vom 23.11., der als syrischer Luftangriff auf türkische Truppen verhandelt wird, mit dem Jahrestag des türkischen Abschusses einer russischen SU-34, der Punkt zu sein, der aus ihm eine  „Botschaft aus dem Kreml“ macht, was immer tatsächlich geschehen ist. Das gälte auch dann, wenn es sich um eine Falschmeldung aus amerikanischer Psy-Op-Küche handelte, wie die Blitzmeldung durch Reuters es nahelegt 1.

Inzwischen versucht die türkische Seite, die Sache als „syrisches Störmanöver“ gegen russisch-türkische Vereinbarungen auszugeben. Zieht man in Rechnung, daß Ahmed Dicle tatsachenwidrig und entgegen den Verlautbarungen aus dem MMC und dem Hauptquartier der SDF behauptet, revolutionäre Verbände aus Afrin und Manbij würden weiterhin versuchen, auf Al Bab vorzurücken, kann man unter Vorbehalt konstatieren, daß der türkische Versuch, mit dem Vormarsch auf Al Bab und begleitenden Angriffen auf die kurdischen Selbstverteidigung deren Rückhalt im Pentagon zu zerrütten, abermals gescheitert ist. Das MMC hat vier erfolgreiche Angriffe auf türkische Panzer gemeldet, eine robuste türkische Antwort blieb bis zur Stunde aus.

Allerdings sollte man die türkischen Listen nicht unterschätzen. Gut möglich, daß diese Abfolge im türkischen Plan lag, den Kreml zu nötigen, die türkische Eroberung Al Babs zu dulden, um die amerikanischen Verbündeten der SDF nicht mehr als nötig unter Druck zu bringen. In Al Bab ist der türkische Keil zwischen Afrin und Kobane dauerhaft zu verankern, der mit dem Exodus tausender Kurden aus dem Bezirk schon jetzt wirksam eingeschlagen ist.


  1. update: Auch ein langatmiger Kommentar von AP, der zeigen soll, eine türkische Eroberung Al Babs liege nicht im amerikanischen Interesse, und sei es nur, um den Türken in Syrien nicht zu viel „leverage“ einzuräumen, deutet das in der Schlußwendung an. 
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Eine Antwort zu Update zum türkischen Vormarsch auf Al Bab

  1. BC schreibt:

    Auf Twitter kursieren derzeit Meldungen, dass SAA&SDF den Ort Azraq ca. 5 km westlich von Al Bab von der FSA erobert haben (siehe z. B. Karte auf http://syriancivilwarmap.com/, zur Lage um Al Bab auch
    (https://elijahjm.wordpress.com/2016/11/27/on-the-same-day-one-year-apart-russia-gets-its-revenge-and-stops-turkey-at-the-gates-of-al-bab/).

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