Erdogan bekannte sich zum Krieg gegen Damaskus

Nicht der Terrorbekämpfung und -vorbeugung auf einem Gebiet, das nach Maßstäben der Staatenordnung „herren-“ und daher „gesetzlos“ ist, galt und gilt die türkische Invasion und Besatzung Syriens, sondern der Beseitigung der Administration in Damaskus, verkündete Erdogan heute, ein Ziel, das die NATO teilt, sich jedoch nicht mit ihren Statuten verträgt. Faktisch ist das nichts Neues, klar, aber …

Erdogan beendet mit diesem Bekenntnis im Auftrag der NATO alle mehr oder minder ernsthaften Bemühungen um eine „politische Lösung“ des Syrienkrieges mit militärischen Mitteln. Solange Erdogan der Türkei vorsteht und türkische Truppen in Syrien agieren, kann es im Sinne der „Staatenordung“ jetzt nurmehr drei militärische Siege geben, die den Krieg beenden:

  1. Vernichtung Damaskus oder Kapitulation der syrischen Regierung.
  2. Vernichtung Ankaras oder Flucht der türkischen Armee.
  3. Annexion der türkisch besetzten Gebiete nebst Waffenruheabkommen nach dem Vorbild des israelisch-syrischen Kriegszustandes

Das scheint Amberin Zaman vollständig zu verpassen, denn ihr Artikel in Al Monitor läßt deutlich erkennen, sie hat „die Faxen dicke“ von Erdogan, beschönigt die Sache also kaum absichtlich.

Vordergründig können wir erst einmal fest halten: Es wird die türkische Garnison Al Bab geben, die ich heut morgen am Horizont erscheinen sah. Der Kreml wird entweder morgen die türkische Regierung offiziell auffordern, ihre Truppen aus Syrien abzuziehen, oder sie wird die von Ankara offiziell beanspruchten „5000 qkm Sicherheitszone“ in Syrien stillschweigend als annektiertes türkisches Territorium akzeptieren.

Will der Kreml keine Konfrontation mit der NATO, wird er vermutlich das Ende aller diplomatischen Bemühungen um eine unblutige Bereinigung der Lage in Aleppo akzeptieren müssen. Unter Berufung auf die türkische Besatzung und die Kriegserklärung Erdogans kann Damaskus seine Partizipation an der US-Kriegsdiplomatie beenden und wird dies mit Blick auf die Armeeführung wohl tun müssen, auch wenn ein Teil des Damaszener Krisenstabes das nicht will.

Alle politischen Kräfte im Imperium, die es bislang aus Überzeugung mit Obamas „Linie“ hielten, nicht offiziell in Syrien zu intervenieren, werden genötigt, sich gegen die Türkei und ihre NATO-Mitgliedschaft zu stellen, wollen sie nach dem 20. Januar daran festhalten.
Trump wiederum könnte, selbst wenn er wollte, was schwerlich der Fall ist, nicht zum Amtsantritt „tektonische“ Veränderungen im Verhältnis zur Türkei herbei führen, das benötigt mindestens ein halbes Jahr, vermutlich länger.

Daher erwarte ich, daß Erdogan nach alter Gewohnheit vom Wortlaut seiner Aussagen wieder zurück treten wird. Einmal mehr wird er mit dieser bäuerlich patriarchischen Tour, seine Gegenüber erst zu ohrfeigen, bevor er ihnen einen Handel anbietet, durchkommen.
Zum Preis von weiteren 100 Tausenden Toten, Verstümmelten und vernichteten Existenzen.

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2 Antworten zu Erdogan bekannte sich zum Krieg gegen Damaskus

  1. tgarner9 schreibt:

    Des Pudels Kern:
    Eine überparteiliche Initiative der US Chaos-Reiter, angeführt von Madeleine Albright.

    „The United States should be prepared to employ air power, stand-off weapons, covert measures and enhanced support for opposition forces to break the current siege of Aleppo and frustrate Assad’s attempts to consolidate control over western Syria’s population centers,“ the report said.
    (…)
    The report argues U.S.-backed opposition forces should also be allowed to strike Assad government targets.

    So werden dort die türkischen Proxies angesprochen!

    Asked whether a greater U.S. military effort might yield a bloodier proxy war rather than a political solution, Hadley told Reuters: „It may not work. But one of the things we know is that what’s now going on isn’t working.“

    Das Papier wurde angeblich vor den US-Wahlen entworfen. Ein Hinweis mehr, daß Erdogan das ausführende Organ der hinter den Autoren stehenden Macht ist – der NATO-Generäle.

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  2. tgarner9 schreibt:

    RT spielt die Sache erst einmal in einem kurzen Kommentar zur Besänftigung der Putinchen herunter, TASS schweigt.

    However, many observers have said that Ankara aims to suppress Kurdish forces in Syria and prevent them from connecting three de facto autonomous Kurdish areas into one enclave south of the Turkish border (…) Ankara was forced to halt air support for its ground incursion into Syria on October 22, after Damascus vowed to shoot down Turkish Air Force planes in Syrian skies, accusing Turkey of violating its national sovereignty.

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