Aleppo – Machtspiele auf allen Seiten

Letzten Freitag hatte Kerry Lavrov in Rom einen neuen Plan zur Evakuierung der Söldner nach Idleb übergeben. Heute abend oder morgen früh sollte es ein Treffen dazu in Genf geben. Doch am Vormittag teilte Lavrov mit, Washington habe den Vorschlag zugungsten eines neuen Waffenruheansinnens zurück gezogen, das den Verbleib von Militanten sanktionieren würde, die nicht evakuiert werden wollen.

Lavrovs Antwort: Wer nicht gehe, werde ausgelöscht, anders gehe es nicht. Wenig später folgte die Zurückweisung aus Damaskus, die von den Leitmedien als einzige Information über den Vorgang kolportiert wurde.
Das ganze Wochenende hindurch hatten NATO-Medien von Bloomberg bis FAZ Hetzartikel veröffentlicht, die den Vorstoß Kerry’s verschwiegen, stattdessen unter Berufung auf Experten und regierungsnahe Quellen behaupteten, der Kreml sei „offenbar entschlossen“, Aleppo bis zum Amtsantritt Trumps zu erobern. Putin wolle Trumps Wahlkampfüberlegungen und Obamas Gleichgültigkeit zu einer Demonstration der Stärke nutzen.
Da auch Lavrov erst am Montag über das amerikanische Papier berichtete, dürfen wir unterstellen, Kerry hatte mindestens bis zum erwarteten Veto gegen den UN-Resolutionsentwurf zu einer neuen Waffenruhe Vertraulichkeit erbeten.

Es hat also ein reines Propagandamanöver stattgefunden, doch wir haben fest zu halten, daß es Kerry’s Papier nicht bedurft hat. Folglich gibt es in Washington Kreise, zu denen Kerry gehören mag, oder nicht, die vor Trumps Amtsantritt auf eine unblutige Beendigung der Besatzung Ost-Aleppos drängen.

Gestern erschien bei Sputniknews ein Artikel, der selten deutlich zeigt, daß auch die russische Administration im Clinch mit „Radikalen“ in den eigenen Reihen ist. Im Umkreis der russischen Militärs wurde vor längerer Zeit eine „Internal Syrian opposition group“ formiert. Deren Vorsitzende trat mit den Worten vor die Kameras:

„We cannot come to [intra-Syrian] dialogue, without freeing Aleppo. Syrian state should and can reclaim this city“

Die Hmeymim-Gruppe sei einer Konferenz aller oppositionellen Gruppen in Damaskus aufgeschlossen, aber

We cannot welcome the participation [in national opposition gathering] of those who carry out armed struggle. But these does not apply to those who want to lay down their weapons“

Die Forderung „Entwaffnung vor Verhandlung“ ist nicht nur illusorisch, sie entspricht auch nicht dem Vorgehen der Armee in anderen Landesteilen, in denen Verhandlungen über Waffenstillstandsbedingungen zu lokalen Friedensschlüssen mit kommunalen und tribalen Autoritäten überleiteten.
Folglich dürfen wir schließen, daß die Fanatiker einer syrischen Restauration in Syrien mit Unterstützung aus iranischen und russischen Kreisen merklichen Rückenwind, wenn nicht gar die Oberhand gewonnen haben.

Einen, wie Trump, kann das nur freuen. Es nimmt ihm Arbeit und Entscheidungen ab. Die zu erwartenden zigtausende zusätzliche Opfer eines offenen Kriegsendes scheren wohl kaum jemand weniger, als ihn und seine Entourage.

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2 Antworten zu Aleppo – Machtspiele auf allen Seiten

  1. Klaus-Peter schreibt:

    Nunja es ist doch Teil einer Eskalation die MoA vor Wochen mit „the gloves are off“ beschrieb. Ein neuer Höhepunkt: der Beschuss des Feldlazaretts. Evtl. hatte da die gestrige Reaktions Konaschenkov auch überwiegend emotionale Ursachen – es war jedoch beachtlich wie klipp und klar er die „Sponsoren“ benannte.
    Und kann man´s der SAA und ihrer Freunde verübeln, wo sie doch gerade auf der Welle der Befreiung reiten?

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    • tgarner9 schreibt:

      Was meinst Du, Klaus-Peter, wer hat die Selbstgerechten entsandt; Gott oder Satan? Die Lage in Aleppo ist seit letzter Woche geklärt. Würde mich nicht wundern, wenn ein großer Teil der Söldner bereits jetzt evakuiert wäre, wie seinerzeit bei der ersten Erobererung Bab Amros in Homs. Ich habe mit Bedacht darauf verzichtet, das Kriegsliebchen, das der „Hmeinim-Gruppe“ ein Gesicht gibt, mit den Worten zu zitieren, Leute in Aleppo, die es mit Al Nusra bzw. deren Rebrand gehalten hätten, seien „keine Syrer im vollen Sinne des Wortes“. Was macht es für einen Unterschied, ob sie einem Jihadi -Weib den Hals umdreht oder sie den ihren schlitzt? Den, daß der eine wie der andere Fall nirgendwohin führt!

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