Aleppo – update

Seit gestern gibt es eine Woge einander widersprechender Meldungen und Aussagen zur Lage in der Stadt. 

Darin zeichnen sich zwei Konstanten ab. Erstens, SOHR, Reuters etc. vermeldeten zunächst, die SAA habe die gesamten Altstadt erobert, bevor Reuters einen einschränkenden Zusatz veröffentlichte, während russische, libanesische und syrische Medien wesentlich vorsichtiger formulierten und von fortdauernden Kämpfen in Stadtbezirken sprachen, die bereits gestern mittag für erobert ausgegeben wurden. Zweitens ist trotz der Widersprüche offenkundig, die SAA hat dicht bebautes und angeblich schwer befestigtes Gelände vergleichsweise mühelos überrennen können. Es gab folglich keinen organisierte Widerstand, unter welchem, je nach Stärke der Verteidiger, die Eroberung solchen Geländes mindestens Tage, wenn nicht Wochen dauert.

Für das Fehlen solchen Widerstandes gibt es eine Reihe möglicher Gründe. Einer von ihnen ist die Spaltung der Verteidiger, die offiziell wurde, als Sprecher des HNC (High Negotiation Commitee) Abzugs- bzw. Übergabeverhandlungen zwischen russischen Militärs und „Rebellen“vertretern in der Türkei bestätigen, während andere Gruppen, die sich offenbar türkischen Führungsansprüchen widersetzen, via Pentagon ausrichten ließen, sie wollten ausharren und kämpfen.
Ein sekundärer Grund mag sein, daß die Verteidiger sich in beträchtlichem Umfang auf russische Bemühungen verlassen haben, eine blutige Eroberung zu vermeiden.

Seit gestern ist immerhin gesichert, daß John Kerry, und die Leute, in deren Auftrag er handelt, die Aleppiner Proxies fallen gelassen hat. Er hatte es schon auf dem Saban Forum angedeutet. Anläßlich der Tagung der NATO-Außenminister wies er  generell jede Verantwortung der USA für die syrische Rückeroberung Aleppos zurück. Die Proxies hätten das zwischen den USA und Russland im Oktober ’15 ausgehandelte Waffenstillstandsabkommen in eigener Verantwortung zurück gewiesen und gebrochen, behauptete er, die seitherigen Verluste seien die Quittung.

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3 Antworten zu Aleppo – update

  1. BC schreibt:

    K. hat sich also mit einer Pilatus-Rede verabschiedet. Der letzte Satz bzgl des „rebuilding“ soll wohl bedeuten, dass mission letztlich doch accomplished.
    Was seine Proxies angeht, so hätten die spätestens nach dem Scheitern der ersten siege einen Plan B verfolgen müssen. Ein geordneter Rückzug hätte ihnen gewisse Sympathien unter den Zivilisten erhalten und möglicherweise eine brauchbare Verteidigung von Idlib ermöglicht.
    Jetzt fällt ihnen nur noch ein, die Shia-Enklaven zu bombardieren.
    Wie der Herr so’s Gscherrr.
    Aber ehrlich gesagt, viel mehr interessiert mich, was in Putins Brief an Rouhani stand.
    (Sorry für den abgeklärten Ton, aber diese aus dem Spiel scheidenden Parteien sind wirklich allesamt douchebags, nicht wahr, folks?)

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