US-Stützpunkt Rojava?

evin-jiya-300x169(Bild: YPJ-Offizier) Es gab in den letzten Tagen eine Reihe von Anzeichen dafür, daß Stimmen in Washington, die für eine langfristige Allianz mit der TEV-DEM plädieren, die nur gegen die Türkei zu haben ist, an Gewicht gewinnen, darunter ein Op-ed-Artikel des Vorsitzenden der TEV-Dem in „The National Interest“. Die neueste Initiative, die ich für erwähnenswert halte, kommt von Peter W. Galbraith, um so mehr, als sie keine Eintagsfliege ist. Galbraith trommelt, von den Medien bislang unbeachtet, seit Wochen für seine Sache und tat sich mit dem ehemaligen französischen Außenminister Bernard Kouchner zusammen. Beide sind Veteranen der imperialen divide et impera – Strategie, beide in der Funktion von „Good Cops“ und Aufräumern, nachdem die Chaos-Vögel ihr Werk im Irak, in Jugoslawien und Afghanistan getan hatten.

Galbraith besuchte Rojava zusammen mit Kouchner und legte dort als Erstes eine Initiative zur Überbrückung und Mäßigung der Konflikte zwischen ENKS (KNC, die Barzani-Erdogan-Kurden) und TEV-TEM auf, die binnen Tagen an der Unversöhnlichkeit der Ziele beider Seiten scheiterte. Die Asayish, die Polizeitruppe in Qamishli und Hasaka, ließen ENKS-Aktivisten frei, die sie unter der Anklage der Sabotage und Subversion in Haft gehalten hatten, von der Gegenseite als „politische Gefangene“ betrachtet werden. Der KNC nutzte die auswärtige Unterstützung augenblicklich für die Auflage tagelanger Protestaktionen gegen die Regionalverwaqltung der TEV-DEM, die zu Prügeleien zwischen den verfeindeten Seiten und neuen Festnahmen durch die Asayish führten.
Trotzdem hat Galbraith sich im o.zit. Artikel dafür ausgesprochen, die USA sollten Rojava gegen den Willen der führenden NATO-Generäle und der türkischen Regierung zur langfristigen politischen und militärischen Basis küren (Herv.v.m.).

“Finally, the United States must provide long-term guarantees to the Syrian Kurds, who now control a large territory, not all of which is Kurdish. For now, the Syrian Army is in no position to take on the Kurdish forces, but eventually, Mr. Assad will surely try to recreate the centralized Arab state he inherited from his father.(…) One option is to establish an American-protected Kurdish safe area in northeastern Syria similar to the one created in northern Iraq after the first gulf war. That expensive option is complicated by the inability of the United States to use Turkish air bases to enforce it. (…) The less costly alternative is to co-sponsor a Russian plan for an autonomous Kurdish area within a federal Syria”.

Einen solchen „russischen Plan“ gibt es selbstredend nicht. In letzter Instanz sind berechenbare, handhabbare Beziehungen mit der türkischen Regierung für Russland insbesondere mit Blick auf den Kaukasus und Zentralasien unverzichtbarer, als die türkische NATO-Mitgliedschaft für die USA. Galbraith‘ „russischer Plan“ ist die Paraphrase dafür, daß Damaskus wie Ankara zu einer militärischen Unterwerfung Rojavas aus eigener Kraft außerstande sind. Deshalb ist der „Russische Plan“ einfach eine russisch-amerikanisch gedeckte Übergangsregelung („Transition“) zur Beendigung der Kämpfe in Syrien nach Klärung der Lage in Aleppo und Raqqa.

Das heißt andersherum, für die kurdischen Sozialrevolutionäre soll es nur die Alternative geben, sich entweder amerikanischen Bedingungen für eine langfristige Allianz zu fügen, oder in einer sehr absehbaren Zukunft zum Ziel eines amerikanisch-türkischen Krieges gegen russische „Hegemonial“-Bestrebungen am Mittelmeer zu werden.

Natürlich ist das keine Wahl für die TEV-DEM. Sie wird und kann ohne substanzielle Einbußen auf die amerikanischen Bedingungen eingehen, denn das Interesse, das die USA daran haben können basiert auf der Stabilität Rojavas und der in ihr gründenden Prosperität, sind erst die Kriegslasten wesentlich gemindert. Das Imperium wird sich früher oder später ohnehin militärisch gegen Rojava wenden, wenn nicht innere Konflikte es davon abhalten oder ablenken. Bis dahin kann man gestalten, was zu gestalten ist.

 

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2 Antworten zu US-Stützpunkt Rojava?

  1. tgarner9 schreibt:

    Wertvollen Hintergrund liefert dieser Artikel aus Al Monitor. Er bestätigt zusätzlich aus erster Hand, die Söldner in Ost-Aleppo haben ihre Positionen im Norden des besetzten Gebietes zu Beginn der Offensive der SAA, welche die YPG’s zu eigenen Vorstößen nutzten, geräumt, so wie hier vermutet. Das mag freilich nicht für die vergangenen zwei Tage gelten.

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  2. tgarner9 schreibt:

    Als ich die Op Eds erwähnte, die TEV-Dem-Vertreter in amerikanischen Tageszeitungen plazieren durften, hatte ich diesen Link zu einem Aufruf von
    Aldar Khalil in der Huffpost verbummelt. Das Beispiel sticht heraus, weil sich m.W. bisher noch kein Vertreter der Sozialrevolutionäre Rojavas, nicht Salih Muslim, der seit Jahren um US-Unterstützung geworben hat, auch nicht Feldkommandeure der SDF oder YPG’s, sich derart propagandistisch für eine Proxie-Rolle im Dienste der Chaos-Reiter angewanzt hat.
    Es kann sein, daß Khalil in der Huff mehr von seiner persönlichen Haltung erkennen ließ, als er das in der Rolle eines Funktionärs an anderer Stelle getan hat, aber ein Interview, das er dem Washington’er Journalisten und „Kurdistan-Experten“ Mutlu Civiroglu im Oktober gab, spricht dagegen. Civiroglu ist ein großer Hetzer gegen Damaskus und Moskau vor dem Herrn, wenn auch dieser Herr eher (Centcom-Commander) Votel, als (Chairman Chief of Staff) Dunford heißt. Dort äußerte sich Khalil noch als ein syrischer Patriot, obgleich er zum „Verkauf“ Aleppos an Moskau und Damaskus sachlich dasselbe sagte, wie in der HuffPost.
    Solche „seismographischen Veränderungen“ sind zu beachten, wenn es darum geht, die Wirkung der Zusammenarbeit Washingtons mit den Feinden Rojavas in der KRG abzuschätzen.

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