CIA unterlief AKP-Regionalpolitik mit Hilfe des MIT seit 2003

epa01298722-syrian-president-bashar-assad-l-walks-with-the-lybian-fkfe62(Bild: Gaddafi bei der Ankunft in Damaskus zum Gipfel der Arabischen Liga 3/2008)

In einem eroberten Hauptquartier der „Sultan Murad Brigade“ nahe Aleppo fanden YPG/J Dokumente, die auf eine kontinuierliche Subversion des MIT im Bezirk Aleppo weisen. Verständlicherweise, aber beklagenswert irrig, gründet HawarNews folgende Behauptung auf die Funde:

The date of the document is quite eye-catching, as the (AKP) seized power in 2002, which means that Turkey’s scheme to occupy Syria by exploiting Turkmen existence in Syria had already existed.

Ich habe schon verschiedentlich geschrieben, daß „Killary“ Clinton eine Menge „arm-twisting“ (Obama) benötigte, um Erdogan 2011 zur Beteiligung am Syrienkrieg zu nötigen und die AKP der Eskalation des Krieges bis mindestens zur Jahreswende 2012 Widerstand leistete 1. Die Ermordung Gaddafis, die das Opfer auf der Konferenz der Arabischen Liga 2008 selbst vorher gesagt hat 2, wird dabei ihren Eindruck nicht verfehlt haben, aber die entscheidende Rolle dürfte die russische Reaktion auf Erdogans scheinbar gegenleistungslose Schenkung der seinerzeit geplanten South Stream – Trasse an ukrainischen Hoheitsgewässern vorbei gewesen sein: „Ein wunderbares Weihnachtsgeschenk“ (Ministerpräsident Putin).

Die türkisch-syrischen Beziehungen lavierten bis 2003 beständig am Rande militärischer Auseinandersetzungen. Dabei ging es de facto weniger um den türkischen Kurdenkrieg, der von beiden Seiten zu Erpressungsmanövern genutzt wurde, als um den beidseitig schwer erträglichen Umfang der Schmuggelökonomie und die türkische Monopolisierung der Wassernutzung des Euphrat.
Die Entscheidung der AKP 2003, eine Beteiligung an der „Koalition der Willigen“ gegen den Irak zu verweigern und der NATO die Nutzung ihrer Basis im Irakkrieg zu untersagen, wendete das Verhältnis. Der sichtbarste diplomatische Ausdruck war ein Besuch Erdogans in Damaskus 2004 zur Unterzeichnung eines (Frei-)Handelsabkommens. Das Abkommen spielte in den folgenden Jahren eine prominente Rolle bei der planmäßigen Aushölung staatswirtschaftlichet Subventionierung von Gütern des Massenbedarfes im Zuge der „neoliberalen“ Reformen der Regierung Assad. Die Bevölkerung im westlichen Teil Nordsyriens verarmte zusehens, die Landflucht zugunsten Aleppos und Latakias wure beschleunigt, während eine mehr oder minder kriminelle Klein- und Großbourgeoisie in Aleppo und den größeren Provinzstädten sich bereichern konnte.

Amerikanische Pläne zur Entstaatlichung Syriens, mindestens aber Regime-Change, die u.a. der ehemalige NATO-Oberkommandierende Wesley Clark schon 2001 bekannt gemacht hatte, wurden indes nie aufgegeben, obwohl die Regierung Bush zunächst auf eine Zusammenarbeit mit Syrien und insbesondere mit ihren aus gutem Grund verrufenen und gehaßten Militärgeheimdiensten im „War on Terra“ einschwenkte.

Es ist nötig, an dieser Stelle auch daran zu erinnern, daß eine separate Fraktion der Neocons, die Ziocons, die „syrisch-amerikanische Annäherung“, wie es damals hieß, zu einer Ablenkungsoperation gegen das Weiße Haus nutzte.
Präsident Bush jun. hatte aus der Tradition seines Vaters und der Reagan-Administration (siehe „Reagan-Plan“) die Feindschaft gegen die Eigenmächtigkeiten der atomar bewaffneten zionistischen Militäraristokratie übernommen und ließ sich von ihr auch nicht ablenken. So mißbrauchte er den Staatsstreich der Neocons an 9/11 mit einer „Road Map“, mit der er eine „Zweistaatenlösung“ des „Nahostkonflikts“ binnen weniger Jahre zu erzwingen suchte. Die Antwort erteilte ihm in Zusammenarbeit mit dem DoS Ariel Scharon mit einer Neubesetzung der Westbank unter zahlreichen Massakern, der Konspiration mit palästinensischen Emporkömmlingen zur Ermordung Arafats und der Überlassung des Gaza an die Jihadisten der Hamas, deren Erfolgsweg in den Jahren zuvor maßgeblich auf das Konto israelischer Dienste ging.
Doch die Bush-Family gab nicht auf. So setzte das DoS seine Autorität hinter eine amerikanische „Nötigung“ Tel Avivs, damals in der Person des „kleinkriminellen Schurken“ (Scharon) Olmert, zu direkten Friedensgesprächen mit Assad, die offiziell unter der Schirmherrschaft und Vermittlung des damaligen türkischen Präsidenten Gül abgewickelt wurden. Sie fanden mit dem biblischen Massaker der „Operation gegossenes Blei“ ein paar Wochen vor Obamas Amtsübernahme ein jähes Ende …
Daß die amerikanische Subversion Syriens während all diesen Jahren andauerte, wissen wir u.a. aus den relativ breit bekannt gewordenen Berichten von William Roebuck an das State Department von 2006 über Strategien und Chancen systematischer Untergrabung der syrischen Staatsautorität. Ihr Inhalt setzte voraus, daß CIA und andere Dienste ein breit gefächertes subversives Netz in Syrien geknüpft hatten, mit dessen Hilfe man hoffen konnte, die Subversion in einen Umsturz überzuleiten.

Genau das ist das Interface zu den aktuellen Funden. Die Konspiration des MIT mit amerikanischen Diensten, dem DoS und der türkischen Mafia in Washington überdauerte die „Zero Problems with Neighbors“-Politik Erdogans / Davutoglus, hier in einer an den Syrienkrieg angepassten Darstellung, die mit der Entfernung Davutoglus aus dem Amt und den militärischen Syrien-& Irak-Interventionen obsolet ist. Sie war allen Neocon-Fraktionen schon deshalb ein Dorn in Auge und Fleisch, weil sie die Pläne zur Zerschlagung des Iran hintertrieb, ohne daß Erdogan / Davutoglu dies an die Glocke hängten. Daß die iranische Theokratie unter dem Sanktionsregime stabil blieb, ist maßgeblich türkischer Hintertreibung zu danken, asiatische Unterstützer (China, Indien) allein hätten das schwerlich vermocht, zumal auch französische und deutsche Stützung des Iran gegen die amerikanischen Kriegspläne zu beträchtlichen Teilen über türkische Mittler lief.

Ich schreibe das auch deshalb, weil die Legende, Erdogan sei im Juni Ziel eines von amerikanischen Diensten und der NATO gedeckten Umsturzversuch geworden, mehr als ärgerlich ist. Die Entfernung Davutoglus aus dem Amt, der zuvor mit Mäßigungsappellen gegen den Kurdenkrieg und die Pläne zur Syrienintervention aufgetreten war, 5 Wochen vor dem angeblichen Putschversuch und tatsächlichen Staatsstreich Erdogans gegen Teile der Militärführung und der eigenen Administration, die jetzt unter dem Label des „Fetö-Terrorismus“ entmachtet worden sind, zeigt an, daß Erdogan auf die Linie einschwenkte, die der MIT nie verlassen hatte. Und wer wollte bezweifeln, daß diese Entscheidung des türkischen Gröfaz maßgeblich, wenn nicht gar einzig auf die Erwartung gegründet war, „Killary“ und ihre Hinterleute würden Weiße Haus übernehmen?

Natürlich ist hier insgesamt eine Doppelstrategie Erdogans zu erkennen. Der MIT, die Verbündung mit der „Killary-Seilschaft“ unter den NATO-Militärs, war eine „Dame“ im Ärmel Erdogans, die er mit dem Staatsstreich zu einem – vermeintlichen – „Full Flush“ ausspielte. Insofern ist die Einordnung der nämlichen Funde durch HawarNews auch korrekt. Nur verdeckt sie das maßgebliche dynamische Moment der Imperiumspolitik seit dem US-Staatsstreich an 9/11, die Spaltung der Eliten im gesamten Imperium in – idealisiert – Vertreter des transnationalen Kapitals und der US-Militärpolitik, deren Zwecke einander zuwiderlaufen, obwohl sie untrennbar verbunden bleiben, so lange die US-Militärpolitik das Gewaltgeschäft auf dem Weltmarkt in entscheidendem Umfang monopolisieren kann und soll.


  1. Das, wie alle folgenden faktischen Behauptungen, dokumentiere ich jetzt nicht, meine Zeit und Kräfte sind begrenzt. Im Laufe der Zeit werden die Nachweise in meinem Archiv erscheinen. 
  2. sinngemäß: „Sie haben Saddam aufgehängt! Wir hatten alle unsere Probleme mit ihm und kaum einer hier wird ihm eine Träne nachweinen, aber er war ein Staatsmann! Ein Regierungsvertreter aus der arabischen Liga im Kreis der Vereinten Nationen. Und ihr schweigt dazu! Also – wer wird der Nächste sein? Es kann jeder von uns sein! Syrien vielleicht?“ (Kamera schwenkt auf Assad, der köstlich amüsiert lacht) 
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Eine Antwort zu CIA unterlief AKP-Regionalpolitik mit Hilfe des MIT seit 2003

  1. tgarner9 schreibt:

    Lokale Berichte über eine ethnische Säuberungs- und Umsiedlungspolitik der Türkei im Bezirk al Shahba (westlich Al Bab) zu bezweifeln, wäre albern. Die Zahl (hundert turkmenische Familien) mag übertrieben sein – für den Moment – aber die Vertreibung der Kurden ist ein dokumentierter Fakt und die Ansiedlung „loyaler“ Bevölkerung an ihrer Stelle ist eine Maßnahme, die auf einem Schlachtfeld, wie dem syrischen, im Gefolge taktischer Logik in etlichen Fällen unvermeidlich ist. So hätten sich die YPG’S die seinerzeitige Eroberung Tel Abyads, die den direkten Verkehrsweg zwischen den türkischen Söldnern in Raqqa und ihren Unterstützern blockierte, halbwegs sparen können, wenn sie die Familien in den umgebenden Dörfern und Ansiedlungen, die eine IS-Gefolgschaft der Vertreibung vorgezogen hatten, auf ihrem teilweise usurpierten Land belassen hätte.
    Doch was im Falle Rojavas ein den politischen Zielen UND Handlungen der Sozialrevolutionäre zuwider laufender taktischer Exzess war, ist im Falle der Türkei eine strategische Entscheidung – und deshalb berichte ich darüber.

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