Iran handelte 2013 mit Türkei syrischen Friedensschluß aus

Update: Der ICG – Bericht ist jetzt öffentlich. Hoch interessant die Darstellung des Verhälltnisses, das die derzeitige iranische Regierung zum „Kurdenproblem“ einnimmt. In seinen Empfehlungen an die US-Regierung stellt der Bericht die Türkei und Iran als Regionalmächte gleich.

Lest dazu diesen Eintrag (von gestern), der durch die Mitteilungen seinerzeitiger Regierungsmitglieder, darunter dem türkischen Präsidenten Gül, bestätigt und präzisiert wird. Der Guardian läßt allerdings das Wesentliche aus.

maxresdefault(Bild: Wirkung einer max. 1000lb schweren israelischen Gleitbombe vom Typ „Rafael ‚Spice'“ nahe Damaskus, 5. Mai 2013)

Es heißt im Bericht der International Crisis Group, auf den der Guardian sich beruft – das Original ist (noch?) nicht öffentlich verfügbar – am Ende habe die Türkei die Verhandlungen scheitern lassen, weil man in Ankara überzeugt war, Assad werde binnen Monaten „fallen“. Der Guardian blendet den Grund und Anlaß solcher Überzeugung, die informierten Lesern für die Zeit vor den durchschlagenden Territorialgewinnen von ISIS und Al Nusra 2014 absurd erscheinen muß, aus der Darstellung aus, nämlich die Al Ghouta False-Flag und den darauf erwarteten vernichtenden amerikanisch-israelischen Luftangriff auf Damaskus. Der ICG – Bericht liefert einen gerichtsfesten Indizienbeweis für die Beteiligung der türkischen Regierung an dem Sarin-Einsatz der saudisch geführten Al Thawid – Brigade in Damaskus, der angeblich 1300 Todesopfer gefordert hat, darunter viele Kinder, von denen etliche in Snuff-Pornos für die westliche Öffentlichkeit zu Tode gespritzt worden sind. Die umbenannte Brigade ist heute Teil des saudisch protektionierten „HNC“ der von den USA zertifizierten „syrischen Opposition“.

Die Al Ghouta-FalseFlag fand am 21. August 2013 statt. Iranischer Präsident war bis zum 3. August Mahmud Ahmadinedschad. Der Guardian läßt seine Beteiligung und Schirmherrschaft in den Verhandlungen offensiv beiseite!

Es gibt weitere Bestandteile der Mitteilungen der ICG – mindestens implizit, wie explizit, bleibt abzuwarten – die der Guardian offensiv ausläßt und in folgenden Fragen enthalten sind:

  1. Welche Autorität über die syrische Regierung, aka das syrische Militär, welche Hebel konnte die iranische Regierung für solche Verhandlungen ins Feld führen?
  2. Welches Motiv hatte der Iran zu den Verhandlungen mit der Türkei über einen syrischen Frieden?

Zur ersten Frage ist zu bedenken, daß iranische Truppen 2013 im Syrienkrieg nur eine marginale Rolle gespielt haben und auch die Truppen der Hezbollah eine begrenzte Funktion bei der der Sicherung der libanesischen Grenze und an ein oder zwei Abschnitten der Damaszener Südfront hatten. Die iranische Regierung konnte weder die Hezbollah zurück pfeifen, die in erster Linie den Libanon gegen saudische Subversion schützte, noch hätte sie Damaskus glaubhaft mit der Einstellung der Militärhilfe drohen können, das wäre aus ihrer Sicht toxisch für die „Stabilität der Region“, nämlich die Kräfteverhältnisse im Irak und den Golfmonarchien gewesen. Folglich hat bei diesen Verhandlungen die türkische Seite darauf gesetzt, daß Initiative und Bereitschaft zu dem verhandelten Friedensschluß unter UN-Auspizien in erster Linie in Damaskus lagen, nämlich bei der poltitischen Führung und Assad persönlich, weniger bei der syrischen Militärführung – im Unterschied zu den ausblutenden Rängen – die sich darauf verlassen konnte, daß weder der Iran noch Russland sie fallen lassen würde.

Damit ist im Zusammenhang der Darstellung, auf die ich oben schon verwiesen habe, eine allgemeine Antwort auf die zweite Frage gegeben: Assad, Ahmadinejad und Davutoglu setzten auf die US-Fraktion, die Obama im Weißen Haus anführte, ohne ihre militärpolitische und -strategische Linie gegen DoS, Teile des Pentagon und – wie ebenfalls kürzlich berichtet –  deren Verbündete in Saudi Arabien, Qatar und anderswo, darunter auch beim türkischen MIT, durchsetzen zu können.

Strategisch gesehen ist das die wichtigsten Antwort. Aber im ME kommt stets ein taktisches Moment von ganz eigenen „Rechten“ ins Spiel, und das heißt Israel, oder, richtiger, die ständische Herrschaft einer zionistischen Militäraristokratie über Israel.
Weil es dazu eine aktuelle Meldung gibt, verschiebe ich diesen Teil der Antwort auf Frage 2 auf einen späteren Zeitpunkt.

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