Chaos-Reiter wollen „Neues Aleppo“ in Idleb

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petercliffordonline, Syria-Opposition-Tank-Convoy-On-its-Way-to-Latakia

Reuters gab gestern die Parole aus, zitierte dazu nominell korrekt, was Staffan de Mistura der Presse für ihre nächste Kampagne vorgeschlagen hatte:

„I don’t know what will happen in Idlib, but if there is no ceasefire or political accord then it will become the next Aleppo“

Und da Assad bekanntlich kein Vertragspartner ist …
Parallel titelte die SZ (pay site) umstandslos: Syrien: Der Krieg zieht weiter – von Aleppo nach Idlib.
FranceInfo folgte am Abend, brachte mit dem Pressesprecher des Internationalen Roten Kreuzes eine neue Berufungsinstanz ins Spiel, und der Boulevard, TAZ inclusive, folgte, Beispiel „Blick“ / Schweiz.

Tatsächlich konnte jeder Journalist und interessierte Beobachter der Tatsache der russisch – türkischen Evakuierungsverhandlungen entnehmen, daß Russland die Provinz Idleb zumindest vorübergehend als Bestandteil des „sicheren Hafens“ der Türkei für die internationale Söldnertruppe, die Erdogan auf 5000 qkm erstrecken will, akzeptiert hatte.
Heute folgte denn auch die Bestätigung aus dem Mund des Chefs persönlich, Putin.

The next stage would be to agree on a total ceasefire across the country. We are maintaining an active dialogue with the armed opposition, also with Turkey’s assistance. The day before yesterday, in my conversation with President Erdogan, we agreed that we would propose to the conflicting parties a continuation of the peace talks in a new venue. That is, we will propose to the Syrian government and the President of Turkey will propose to the armed opposition.
The capital of Kazakhstan, Astana, could be this new venue. If the conflict parties agree, we will ask for President Nazarbayev’s support of the process. If we succeed, a new negotiation ground would not compete with, say, the talks in Geneva but rather supplement the Geneva talks.

Die bedingte Legitimierung der Proxies unter türkischer Patronage und Führung durch „Ahrar al Sham“ war der Weg, den Putin schon im September mit dem mit Kerry ausgehandelten Waffenstillstand anvisiert hatte, den eine NATO-Clique im amerikanischen Offizierskorps mit britischer, dänischer und australischer Hilfe in Deir Ezzor zerbombt hat. (Und ich hatte schon im Sommer in TP darauf hingewiesen, das Gezerre werde und müsse auf dies Szenario zulaufen)
Jetzt geht der Kreml konsequent den amerikanischen Verwicklungen aus dem Wege und Reuters schäumt: Putin and Erdogan push for Syria talks without U.S. or U.N.

Wir dürfen also erwarten, daß die NATO alles nur erdenkliche tun wird, eine türkisch russische Patronage über ein „vorläufig“ zwischen ihnen geteiltes Syrien zu sabotieren: Geld, Waffen, False-Flag – Attacken und natürlich Angriffe des verbündeten IS vom Irak aus.
Putin hatte auf Anfrage erklärt, eine Rückeroberung Palmyras sei „unwichtig“, hätte „nur symbolischen Wert“. Derweil haben syrische Sondertruppen und eine eigens heran geführte Hezbollah – Abteilung alle Mühe, den Luftwaffenstützpunkt westlich Palmyra zu behaupten und anderen Abteilungen der SAA die Flanke bei der Abwehr des Söldner Angriffes auf Al Qaryatayn frei zu halten, der nach Angaben von SANA darauf zielt, zur M5 zwischen Damaskus und Homs durchzubrechen. Die Straßenverbindung zwischen Homs und der T4-Base westlich Palmyra hat die syrische Armeeführung auch für die eigenen Truppen sperren müssen – offenbar haben starke IS-Abteilungen die Basis umgangen und sind im Begriff, sie einzuschließen.

In dem Zusammenhang gab es vor zwei Stunden eine rätselhafte Twitter-Meldung des Oberkommandos „Inherent Resolve“. Man habe „in der Nähe Palmyra“ Luftangriffe ausgeführt und „14 Panzer und drei Geschütze“ der ISIS zerstört. Der Bericht zu den Einzelheiten wurde jedoch für die Öffentlichkeit gesperrt. In den kommenden Stunden sollte man auf Reaktionen aufmerken. Hat „Inherent Resolve“ tatsächlich die eigenen Leute angegriffen oder erneut die SAA?
Ich bleibe am Ball.

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3 Antworten zu Chaos-Reiter wollen „Neues Aleppo“ in Idleb

  1. Klaus-Peter schreibt:

    Da kursierte doch vor Tagen eine Infografik des IS über das Resultat ihres Überfalls auf Palmyra. Dort tauchte die Zahl von sage und schreibe 33 Panzern auf. Mit der US Aufforderung, die Russen sollten doch gefälligst den Krempel zerschießen, sonst werde man es selbst erledigen, deckt sich das doch?!

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    • tgarner9 schreibt:

      Nur hat nicht nur Syrien, auch das russ. Oberkommando bestritten, dem IS seien vor Ort Panzer oder anderes einsatzfähiges schweres Gerät in die Hände gefallen. Debka hatte von Beginn an behauptet, die Söldner seien mit Panzern gekommen – ich berichtete das in meinem ersten Eintrag dazu – und falls das eine Desinfo war, woher kamen jetzt so schnell die Besatzungen? Der IR-Meldung nach – „nahe Palmyra“ – war das Zeug nicht in einem Depot, sondern unterwegs. Es wäre selbstmörderisch, Panzer mit unausgebildetem und v.a. untrainiertem Personal zu besatzen.

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    • tgarner9 schreibt:

      PS.: Soeben hat Brett McGurk den Angriff auf angeblich vom IS in Palmyra erbeutetes Gerät bestätigt. Damit ist immerhin klar, daß die Geschichte „Chefsache“ ist.

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