Boeing siegt im militärpolitischen Handelskrieg gegen Airbus

emirates_airbus_a380-861_a6-eer_muc_2015_04Mit großem Bahnhof wurde Ende Januar in Paris das Siegel des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani unter eine $27 Mrd. schwere Bestellung der Staatsfluglinie Iran Air bei Airbus gesetzt. Davon blieben zugunsten des amerikanischen Konkurrenten nurmehr $10 Mrd.Exakt die eingekürzten 17 Mrd. bekam Boeing zugesprochen, eine hoch symbolische Geste im Boeing-Vertrag,  denn die Einkaufsplanungen der Iran Air für die kommenden Jahre visieren die Beschaffung von 400 Maschinen an, die Verträge mit Boeing und Airbus decken davon einstweilen 200, zuzüglich etwa 40 Turbopropmaschinen, die ein europäischer Hersteller liefern soll – falls nicht auch dieser Deal noch zugunsten  etwa Bombardiers gechipt wird.

Das ist noch lange nicht alles. Schon zum Januar-Deal merkte Aerotelegraph an, Airbus habe Iran Air erhebliche Rabatte gewährt. Jetzt wurde der Vertrag auf 40% des Umsatzes verkürzt, aber nur 16% der Bestellungen storniert. Darunter sind 12 A380, Airbus „Flaggschiff“ (im Bild eine Maschine des direkten Iran Air-Konkurrenten Emirates) mit einem Listenpreis um $450 Mio, Summe ca. 5.5 Mrd. Nehmen wir an, die 6 zusätzlich stornierten Maschinen sind vom ca.$350 Mio. teuren Typ A350-1000, einem anderen Großraumflugzeug, ergibt sich eine nominelle Kürzung um $7,6 Mrd. Airbus wurde folglich zu weiteren Abschlägen von rd. $9 Mrd. zu einer Lieferung von 100 Maschinen gezwungen. Boeing soll für 17 Mrd. nur 80 Maschinen liefern, erzielt also pro Einheit rd. den doppelten Umsatz. Auf die nur $110 Mio teure 737 „max“ entfallen 50 der 80 Bestellungen bei Boeing, macht ca. 5.5 Mrd, rund $11 Mrd Dollar will der Iran also für 30 Machinen der Typen 777-300ER und der 406-sitzigen, noch in der Entwicklung befindlichen 777-9 zahlen. Das entspricht dem aktuellen Stückpreis der B777-300ER von $340 Mio. Man darf getrost folgern, daß die militärpolitischen Eingriffe in die Verhandlungen Airbus dazu zwingen, mit hohem Verlust zu liefern, um im Geschäft zu bleiben, während Boeing sich vom Iran Entwicklungskosten bezahlen läßt, die militärischen „dual use“ – Charakter haben. Eben dies war das Druckmittel der Einsprüche gegen beide Verträge aus dem amerikanischen Kongress.
Ein Sieg für „The Donald“ und seinen Kriegsminister, James Mattis, der sich öffentlich gegen das antiiranische Kriegsgeschrei von Flynn und Pompeo gewandt hatte.

Schlüsse auf die künftige MENA-Politik des Donald sind daraus m.E. dennoch nicht zu ziehen, denn auf diesem Feld wird nach den jüngsten Entwicklungen im Syrien- und Irakkrieg ein anderer Player mit Macht in die Vorhand streben: Tel Aviv.
Doch dazu schreibe ich noch nichts. Als ich es 2012 auf meinem voran gegangenen Blog tat, folgte ein kühler Bann vom Internet. Heise war die einzige halbwegs nenneswerte deutsche Plattform, die meinen Blog UND meine IP-Adresse nicht auf einer Blacklist führte. Ein paar Leser mehr will ich noch gewinnen, bevor ich mich exilieren lasse.

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Eine Antwort zu Boeing siegt im militärpolitischen Handelskrieg gegen Airbus

  1. tgarner9 schreibt:

    Soeben illustriert ein Bericht von Thomas Pany meinen letzten Absatz. In Seinem Abschnitt „Wechsel zum ‚Schurken‘ Iran“ ist Tel Aviv unter den Ereignishorizont gerückt. Dort gibt beispielsweise der israelische Kriegsminister Liebermann seine für „privat“ deklarierte, gleichwohl von AFP breit getretende „Meinung“ zum Besten, nicht nur „der Schlächter“ müsse aus Syrien „ausgetrieben“ werden, auch die Iraner und Libanesen von der Hezbollah, auf gut deutsch gesagt die schiitische Bevölkerung.
    Und Pany weiß das, er zitierte einen Al Manar-Artikel, der neben dem Bericht über Liebermanns „private Äußerung“ stand, die nur ein Beispiel von Dutzenden solcher Vorstöße in der israelischen Presse ist, und das nicht erst seit gestern. Ich wies in TP schon im Sommer auf diese „Tendenz“ hin, die v.a. die regionale Berichterstattung über den Irakkrieg und die anvisierte kurdische Sezession beherrscht, die soeben auf die deutlichst denkbare Weise von der EU promoted wird, mit einem mehrtägigen gemeinsamen Besuch der Benelux-Außenminister in Erbil.

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