Türkei – Russland, from the archive

Besonders mit Blick auf einen in einem Kommentar schon erwähnten Artikel für die LSE will ich einen Wortwechsel dokumentieren, an dem ich Ende Nov. letzten Jahres anläßlich des türkischen Abschusses eines russischen Jagdbombers beteiligt war.

Es gibt keinen „Konflikt zwischen Russland und der Türkei“

(TomGard) Ihn herbei zu reden, ist schon die ganze Psy-Op. Allein mit Rücksicht auf ökonomische und innenpolitische Interessen mußten Erdavoglu glas klar stellen, daß es sich um eine Operation handelte, die mit dem Willen und im Auftrag führender NATO – Generäle ausgeführt wurde. Das ist auf vielfältige Weise geschehen, die  Fakten wiederhole ich jetzt nicht.

Damit ist das Ziel der Operation klar gestellt. Die NATO-Führung droht dem Weißen Haus mit einer Zerreißprobe für die Allianz anhand
neuer türkischer Angriffe auf Russland, sollte es Anstalten machen,
gestützt auf die russische Luftwaffe und europäische Alliierte
türkische Annexions- und Protektoratspläne für Rojava und Aleppo zu
vereiteln.

Vergleicht mal Ashton Carters Reden am 20. August mit seiner NATO-Pressekonferenz vom 8. Okt.
Im August stellte er sich klar und unmißverständlich gegen die
aktuelle türkische Position im Syrienkrieg.
Im Oktober ist davon zugunsten der Deklaration Russlands zum Erzfeind
nichts mehr übrig.

In der Pk vom 20. werden auch die Namen derer genannt, die Ashton
„auf Linie“ brachten und das tun konnten, weil sie schlicht die
Kommandogewalt über die operativen Kräfte haben:
Die Generäle Dunford, Milley and Breedlove.
Sie – zusammen mit Verbündeten im Pentagon, State Department und in
europäischen Randländern wie Polen und Spanien – haben über den
mittelöstlichen und ukrainischen Hebel aus Westeuropa faktisch IHR
Militärprotektorat gemacht. Man sieht daran, warum die französische,
belgische, deutsche Führung keine Wahl mehr zu haben glaubte, und mit
der Schlachtung von 140 Zivilisten in Paris Feuer mit Gegenfeuer zu
beantworten.versuchte.

Es ist immer noch derselbe Krieg, der mit 9/11 eröffnet wurde!

Antwort:

„Türkische Annexions- und Protektoratspläne für Rojava und Aleppo“
verträgt sich schlecht mit „Es gibt keinen Konflikt zwischen Russland
und der Türkei“.
Es gibt sogar sehr große Konflikte, nicht nur in Bezug auf die
türkische Unterstützung/Finanzierung der Islamisten in Syrien.
Die Führung der Krimtataren-Organisation Medschlis agiert offenbar
mit türkischer Rückendeckung. Deren Lebensmittelblockade der Krim,
die auf Kosten der ukrainischen Landwirtschaft geht, wurde begleitet
von einer gleichzeitigen Erhöhung des türkischen Lebensmittelexports
auf die Krim. Vermutlich gab’s Prozente für die „Menschenrechtler“.
Der letzte Medschlis-Kongress fand in der Türkei statt.

In den 90-er/2000-er Jahren wäre der Aufstand der tschetschenischen
Extremisten ohne die türkische, logistische Hilfe wesentlich
mickriger ausgefallen.

Der Konflikt reicht bis hinunter zu grundsätzlichen Fragen, denn die
Türkei versteht sich als Schutzmacht aller Turkvölker, die im
Vielvölkerstaat Russland wiederum ca. 15% der autochtonen Bevölkerung
stellen.

P.S.
Zur Haltung der Obama-Administration kursiert im russischen Internet
derzeit folgendes Gerücht: Der G-20-Gipfel war nicht so harmonisch,
wie man aufgrund der Bilder meinen könnte. Vielmehr hat Obama von
Putin ultimativ gefordert, den Zustand vom Februar 2014
wiederherzustellen, also die ohnehin reduzierte Unterstützung der
Volksrepubliken aufzugeben und die Krim zurückzugeben.
Das kommt von zwei verschiedenen, einigermaßen glaubwürdigen Quellen
(u.a. hat der frühere Duma-Abgeordnete Viktor Alksnis auf Facebook
davon gesprochen).

Und siehe da, das US-Finanzministerium hat seitdem tatsächlich seine
Sanktionen ausgeweitet.

Replik:

> „Türkische Annexions- und Protektoratspläne für Rojava und Aleppo“

 verträgt sich schlecht mit „Es gibt keinen Konflikt zwischen Russland
und der Türkei“.

Wieso? Weil Russland nun doch Advokat und Rächer der Bedrückten und
Enterbten ist?
Es ist sicher eine zulässige Spekulation, daß Assad sich mit seiner
Kurdenpolitik nicht gegen die Luftwaffe hätte durchsetzen können, für
die Kurdenschlachten Entspannungsübungen waren, wenn es nicht
russischen Druck gegeben hätte.
Doch der war alles andere, als selbstlos. Je heißer der Kurdenkrieg,
desto sicherer kann Russland sein, daß es keine Pipeline vom Golf ans
Mittelmeer schafft.

 Es gibt sogar sehr große Konflikte, nicht nur in Bezug auf die
türkische Unterstützung/Finanzierung der Islamisten in Syrien –

Auch die war nicht konfliktreich. Der russische Geheimdienst half
beim Export kaukasischer Radikaler nach Syrien – ihnen stand die
russische Grenze mit Paß und Kußhand offen.

 Die Führung der Krimtataren-Organisation Medschlis agiert offenbar
mit türkischer Rückendeckung.

Ja, den Schauplatz hatte ich nachgeschoben. Das ist ein Vortex der
türkischen Unterstützung für kaukasische Islamisten, aber das ist
kein „Konflikt“, sondern Handelsware bei Interessengegensätzen, die
es zwischen Russland und der Türkei ebenso gibt, wie zwischen
IRGENDzwei kapitalistischen Staatswesen.

 In den 90-er/2000-er Jahren wäre der Aufstand der tschetschenischen
Extremisten ohne die türkische, logistische Hilfe wesentlich
mickriger ausgefallen.

Das kann man auch überbewerten. Ich kenne einige Quellen, die
behaupten, der Hauptstrom lief über Afghanistan, Turkmenistan,
Azerbaidschan und Georgien. Ich kenne auch Vorkommnisse, die zeigen,
Russland hat die türkische Exilszene gut unterwandert und
„Kandidaten“ nehmen daher grundsätzlich den Weg über Afghanistan,
damit sich ihre Spur verliert.
>

 Der Konflikt reicht bis hinunter zu grundsätzlichen Fragen, denn die
Türkei versteht sich als Schutzmacht aller Turkvölker, die im
Vielvölkerstaat Russland wiederum ca. 15% der autochtonen Bevölkerung
stellen.

Es wäre mir neu, daß dies in der russischen Turkbevölkerung auf
nennenswerte Gegenliebe trifft.

Zur Haltung der Obama-Administration kursiert im russischen Internet
derzeit folgendes Gerücht: Der G-20-Gipfel war nicht so harmonisch,
wie man aufgrund der Bilder meinen könnte. Vielmehr hat Obama von
Putin ultimativ gefordert, den Zustand vom Februar 2014
wiederherzustellen

Die in Sotschi zelebrierte russische Wiederannäherungsstrategie an
die westliche Finanzoligarchie hat viele Feinde.

 Und siehe da, das US-Finanzministerium hat seitdem tatsächlich seine
Sanktionen ausgeweitet.

Das US-Schatzamt untersteht nicht dem Weißen Haus. Obama hat nur
bedingte Kontrolle über das Druckmittel des Ukraine Freedom Support
Act, gegen „große“ Maßnahmen kann er im Namen „übergeordneter
Interessen“ Einspruch erheben, bei „kleinen“ sind ihm die Hände
gebunden.

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