Erschaffen Russland, Türkei ein „Karabach“ in Aleppo?

dscn2700

armenisch-karabachsche Grenzkontrolle. (c) Jonny Blair

Pünktlich zu Beginn der trilateralen russisch, türkisch, iranischen Gespräche über das Schicksal Syriens meldet die türkische Armee, sie habe die Kontrolle über die Hauptverkehrslinien zwischen Al Bab und Aleppo übernommen. Erstmals gibt es eine russisch-türkische Grenze innerhalb Syriens

Ungefähr dieselbe Situation liegt an der Karabach’schen Grenze zu Azerbaidschan vor. Die Türkei ist vertraglich ein strategischer Partner Azerbeidschans im suspendierten Krieg gegen Armenien mit dem Ziel der militärischen Einverleibung Karabachs, der einzige Partner in der Region und weltweit, denn auch die USA haben sich nicht entschieden hinter die Ambitionen der azerischen Revisionisten gestellt. Eine weitere Parallele: Der Kreml unterhält harmonische Geschäftsbeziehungen mit Azebaidschan, obwohl er Armenien gegen azerisch – türkische Eroberungspläne militärisch und diplomatisch deckt. In Summe liegt ein kalter russisch-türkischer Krieg um Armenien vor. Mit der Schaffung einer russisch-türkischen Grenz- und Kontaktlinie nahe der Aleppiner Stadtgrenze sind auf der Grundlage des kalten Krieges zwischen US/NATO und Russland territoriale Voraussetzungen dafür geschaffen,  die kurdischen Revolutionäre in Afrin und Sheba, die Selbstverteidigungskräfte dort und in Manbij / Bab selbst, kalt zu stellen und ihr Siedlungsgebiet zur Verhandlungsmasse zwischen den beiden Patronen zu machen.

Am Wenigsten haben dabei syrische Loyalisten mitzureden, sie sind nach der Eroberung Ost-Aleppos praktisch entmachtet. Zusammen mit den alliierten Bodentruppen aus Teheran, Bagdad und Beirut haben sie ihre Schuldigkeit getan und können nun „gehen“ im Sinne einer vollständigen Übergabe des Kommandos an die russische Schutzmacht.

In Moskau kann man mit einer „Armenisierung“ des Syrienkrieges, bei der den Kurden eine den Karabachianern analoge Rolle zukäme, prächtig leben. Es wäre am syrischen Grenzabschnitt ein analoger Riegel gegen sichere und kostengünstige Kohlenwasserstoffexporte nach Europa geschaffen, wie an der armenisch-türkischen Grenze, jeder Verkehr steht unter dem Vorbehalt des schwebenen Armenienkrieges und jederzeit entflammbarer Scharmützel an der Grenze Karabachs. Die Lage dort gibt Moskau zudem einen beträchtlichen Hebel in allen Verhandlungen der Organisationen der kaspischen Anrainer.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Erschaffen Russland, Türkei ein „Karabach“ in Aleppo?

  1. tgarner9 schreibt:

    Eine deutliche Bekräftigung erhält meine Darstellung durch die Mitteilungen des hauptamtlichen Übersetzers Hisham Arafat in „Kurdistan24“, die russische Koordinationstelle an der Khmeimim air base habe erneut Vertreter aller Kurdenorganisationen zu „Verhandlungen mit dem Regime“ zu sich zitiert. Das ist eine Neuauflage von Gesprächen, die im September abgebrochen wurden, weil Damaskus nicht verhandelte, sondern Ultimaten stellte. Die ENKS (KNC) soll die „Einladung“ ausgeschlagen haben, alle anderen hätten sie angenommen und dabei betont, sie wollten mit den Russen reden, nicht direkt mit Vertretern Damaskus. Der „Gipshaxn“ in Arafat’s Darstellung: Er behauptet – oder den Kurdenvertretern wurde gesagt – die Gespräche sollten mit Blick auf kommende internationale Verhandlungen in Genf geführt werden. Die hat Lavrov jedoch gestern ausdrücklich für „tot“ erklärt, weil die Saudis und ihre NATO-Soufleure nicht verhandeln wollen. Folglich geht es um russische Diktate an alle syrischen Seiten im Vorfeld der Kungeleien mit der türkischen und iranischen Regierung.

    Gefällt mir

  2. tgarner9 schreibt:

    Ein Leser hat diesen Eintrag gefunden, den ich schon vergessen hatte und mit diesem Kommentar mal aus der Versenkung befreie, weil ich da Grundlinien der aktuellen Lage ziemlich genial kondensiert habe.

    Beachtet, die Grundlage der Regionalmachtstrategie Russlands ist und bleibt das, was ich in jüngeren Einträgen betont habe: Die feste und auf alle absehbare Zeit bleibende NATO-Partnerschaft der Türkei, ihre Hebel bei der Beunruhigung des Kaukasus und ihre Schlüsselrolle im hybriden Imperiumskrieg gegen die Iranische Republik, deren Zerfall für die gesamte Südflanke russischer Regionalmacht katastrophale, auf die Föderation übergreifende Folgen haben müßte.

    Insbesondere Letzteres ist der Hintergrund dafür, daß man in Russland nichts dagegen haben kann, wenn es in und um Syrien, und namentlich um das von den Zionisten favorisierte „Projekt Kurdistan“ imperiale Richtungs- und Turfkämpfe gibt. Kurdische und syrische Leben zählen da gar nichts, was nicht alle, die in der RF was zu sagen haben, so sehen dürften.

    Die Blockade von Kohlenwasserstoffexporten vom Golf ist da nur ein nützlicher, und die Aufwände wieder einbringender Nebeneffekt..

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.