Nachrichten aus Syrien und der Türkei

Daß die SAA im Osten des Gouvernorats Homs weiter in der Defensive ist, hatte ich schon berichtet.
Centcom /JOIR reklamierte in den Strike Reports der vergangenen Tage täglich Angriffe im Raum Palmyra.

  • Dienstag:  three strikes destroyed an ISIL-held tank, a tactical vehicle, and an artillery piece.
  • Mittwoch:  five strikes destroyed four ISIL-held tanks, three hardened aircraft shelters, an excavator, and an air defense artillery system.
  • Heute ein strike which „destroyed two bunkers and an ISIL artillery system“.

Da ich in der russischen Presse kein Geschrei, keine Beschwerden und auch keine Dementis finde, konstatiere ich, daß die russische Luftwaffe, falls sie überhaupt bei Palmyra aktiv ist, in bester Eintracht und Koordination mit den Centcom-Fliegern die syrischen Verteidiger, „Tiger“-Forces und Einheiten der Hezbollah eingeschlossen, gegen die Killary-Söldner verteidigt, wenngleich mit begrenztem Einsatz und Erfolg. Stimmt die Meldung vom Mittwoch, konnten sich die Daeshianer auf dem Gelände des T4-Luftwaffenstützpunktes bislang behaupten („3 hardened aircraft-shelters“)

Dazu passt eine Video-Antwort, die Wladimir van Wilgenburg (AraNews) auf eine persönliche Anfrage beim JOIR  (Wilgenburg veröffentlichte die Antwort bislang nur in seinem privaten Facebook-Kanal) vom Spox Colonel Dorrian erhielt.
Die Frage lautete, ob OIR tatsächlich bei Tel Afar (Irak) den von den Chaos-Reitern verrufenen und geächteten PMU, mehrheitlich schiitischen Milizionären, die kürzlisch dem irakischen Oberkommando unterstellt worden sind, Unterstützung aus der Luft gewährt. Die Anfrage war ein etwas umständliches, dennoch unzweideutiges „Ja“. Die PMU leisteten einen wertvollen „Beitrag“, indem sie den Daeschianern den Weg nach Syrien verlegten, sagte Dorrian.
Möglicherweise hat ein am 19. in „Voice of America“ erschienener, elegischer Artikel über die „Hashd“ bei Tel Afar, eine in der westlichen Öffentlichkeit bis letzter Woche praktisch unisono abwertend bis hetzerisch benutzte Bezeichnung für die PMU, van Wilgenburg zu seiner Nachfrage bewogen. Statt der Hetze nun „der gute Onkel Hashd“, mit der Bildunterschrift:ca84d874-f38a-41c7-9752-be2a793bbe74_cx1_cy1_cw99_w610_r1_s_r1

Sheikh Mohammad Abu Omar, a local leader in the village of Bashmana, says that before Hashd Shaabi captured their village, they feared sectarian violence from the predominantly Shia forces, but those fears have since been allayed Bashmana, Iraq, Dec. 16, 2016. (H. Murdock/VOA)

Das, und vieles andere, womit ich meine und eure Zeit nicht verschwenden will, sind „seismische Verwerfungen“, deren Indexcharakter wohl bis ins Frühjahr hinein unklar bleiben wird. Meine Hypothese dazu: Am Werk sind echte amerikanische Patrioten, die nicht länger hinnehmen wollen, daß die „Bedeutung Amerikas im ME“ von den Chaos-Reitern notorisch auf das Niveau einer ultimat bewaffneten nicht-staatlichen Terrororganisation herunter gebracht wird. Die Episode des türkischen Mordanschlages auf den russischen Botschafter wird ihnen weiteren Rückenwind geben. Die Think Tanks überschlagen sich mit Veröffentlichungen, die ein „noch näheres Zusammenrücken zwischen Putin und Erdogan“ infolge des Anschlages beschwören. Man darf getrost annehmen, daß die russische Sprachregelung vom „provokatorischen Akt“ keine vertrauensselige Kinderei ist, unter der sich der Kreml den Machenschaften Erdogans ergibt. Doch kraft der vitalen Interessen der Russischen Föderation an einem minimalen Ordnungsrahmen für das fortdauernde syrische „Chaos“, erfüllte der Anschlag zunächst seinen Zweck, Kritikern der vorläufigen Teilung Syriens zwischen NATO und Russland Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Patrioten im JOIR haben natürlich registriert, daß der Anschlag mit vermehrten türkischen Angriffen auf Kobane und Tel Abyad einher ging und der von den Chaos-Reitern in Europa und den USA maximal gestopfte Mafia-Clan Barzanis mal wieder zum Krieg gegen Rojava und für eine türkische Intervention im Irak trommelte.

Unter dem Titel The secret gang of the Reis haben Kundschafter aus Rojava unter Nennung von Rängen und Namen auf die Formierung einer jihadistischen Geheimarmee in der Türkei hingewiesen, die mit Söldnern aus Zentralasien, besonders Tadschikistan aufgefüllt wird, und von der sie annehmen, daß sie für besonders häßliche „Jobs“ in kurdischen Siedlungsgebieten von Anatolien bis Sindschar eingesetzt werden soll. Über Aufträge und Mannstärke, sowie vielleicht schon absolvierte Einsätze gaben sie nichts bekannt.

PS.: Wenige Minuten nach Veröffentlichung dieses Eintrages hat AraNews die Video-Botschaft Colonel Dorrians doch noch veröffentlicht. Van Wilgenburg hielt vorher Rücksprache mit Colonel Joseph Scrocca, the coalition’s Director of Public Affairs und drückte sich zweideutiger aus, als ich. Paraphrasiert etwa: ‚ Die PMU profitieren aus einem guten Grund von unseren Luftschlägen bei Tel Afar …‘

PPS.: Ich hatte vor Tagen schon aus diversen Ansagen geschlossen, daß Idleb in nächster Zeit nicht angegriffen wird, es sei denn, die russische Luftwaffe griffe im Falle von Flügel- und Turfkämpfen zugunsten der „Opposition“ (etwa Ahrar al Sham) gegen die „Terroristen“ (Al Nusra und  ihre Verbündeten in der Jaish al Fatah) ein.
Das bestätigte jetzt erneut der stellvertretende russische Außenminister Sergei Ryabkov.
Während der Evakuierungsoperationen in Aleppo sei es „den russischen und syrischen Kräften gelungen, die Opposition von den Terrorgruppen zu trennen“, sagte er, und gab damit bekannt, daß die nach Idleb Evakuierten im Unterschied zu den in die Türkei bzw. via Al Bab Exilierten für die Dauer laufender und anvisierter Waffenstillstandsverhandlungen kein Ungemach drohe.

Reuters und de Mistura lügen dazu gedruckt. Damit dürfte der „UN-Sonderbotschafter“ und die restliche Genfer Meschpoke endgültig aus dem Spiel sein – was ihnen sehr recht sein wird.

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2 Antworten zu Nachrichten aus Syrien und der Türkei

  1. Klaus-Peter schreibt:

    Welche Rolle und welchen Einfluß haben eigentlich die GCC-Brüder? Ruhe geben wollen die ja wohl eher nicht.
    „Sami alFaraj, a security adviser to the Gulf Cooperation Council of six Gulf Arab states, told Reuters that the Gulf countries „need to regroup, have a strategic pause and look at how we pursue our objectives in the time ahead.“

    „The Syrian case has not been closed,“ he said. They would push for a transitional administration in Syria – something neither Assad nor Tehran accepts.“
    http://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-syria-backers-idUSKBN1491ZR

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  2. tgarner9 schreibt:

    Hallo Klaus-Peter,
    danke für das Zitat.
    Sami alFaraj gibt da ziemlich unverstellt bekannt, daß die Golfstaaten (KSA incl.) aufgrund des „Trump-Effekts“ keine Strategie haben. Für das KSA gilt das verschärft, weil es zu den ersten Adressen außenpolitischer Umwertungen zählt. Die Kommentatoren ergehen sich derzeit in Extremen. Das Königreich wird binnen Monaten zusammenbrechen, sagen die einen, goldene Zeiten versprechen die anderen.

    Aber die ganze Szenerie gleicht einem Hologramm. Nur eine offenbar nachhaltige Wirkung des Trump-Effekts steht fest, soweit ich sehen kann, nämlich der komplette Flügelschwenk Frankreichs und Deutschlands was das europäische NATO-Gouvernorat anbelangt. An dieser Front sind die Regierungen offenbar geschlossen ins Killary-Lager gewechselt.

    Europa spielt im ME schon eine erhebliche Rolle, aber kurzfristig ist es bedeutungslos. Was ist denn der gemeinsame Nenner in den russisch-türkisch-iranischen Verhandlungen? „Frieden“? Offenbar nicht. Gegen Fortsetzungen des Krieges, wie Sami sie allgemein ankündigt, ist diese seltsame „Achse“ machtlos. Was leistet sie also? Denk(t) halt wie Schachspieler!

    Sie verengt drastisch die Handlungsoptionen des Elefanten im Raum – Israels. Die Optionen, der IDF im Trump-Limbus Vorentscheidungen für das Golan-Vorland oder Damaskus zu treffen, sind durch die seltsame Achse sehr verengt. Die Zionisten müßten schon mit einer SEHR gewaltigen False-Flag aufwarten, wenn sie in den kommenden Tagen handeln wollten.

    Und solange unklar bleibt, wie Israel sich in den kommenden Monaten aufstellt, gibt es keine MENA – Strategie der Golfstaaten, gäbe es auch dann nicht, wenn das KSA völlig stabil und der Jemenkrieg nicht existent wäre.

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