Russisch-türkische Koalition gegen Rojava nimmt Gestalt an

Nach dem Beginn trilateraler russisch-türkisch-iranischer „Gesprächsrunden“ über die „Zukunft Syriens“ haben die türkische Armee und Vertreter der Barzani-Mafia den Krieg gegen Rojava deutlich eskaliert.

Der „Premierminister“ der KRG forderte „die PKK“ in einem Interview (Al Monitor) unter Androhung von Waffengewalt zur Räumung der irakischen Provinz Sindschar auf und lud damit die türkische Armee zu der Intervention ein, die sie schon vor Wochen angesagt hatte.

Gleichzeitig bombardierte türkische Artillerie vermehrt kurdische Ortschaften östlich Kobane und  verstärkte ihren Schußwaffen-Terror gegen kurdische Zivilisten im Grenzgebiet, es gab mehrere Tote und zahlreiche Verletzte.

Die US-Luftwaffe greift nach wie vor nicht zugunsten „Euphrates Shield“ ein. Stattdessen gab es einen Luftangriff der OIR zugunsten des Manbij Military Council, zum ersten Mal seit vielen Wochen, soweit ich weiß. Zuletzt am 10.12 meldete OIR einen Angriff auf ein „IS-Headquarter“ im Raum Manbij, gestern handelte es sich jedoch um taktische Luftunterstützung :

Near Manbij, one strike engaged an ISIL tactical unit and destroyed a fighting position

Unter den nötigen Vorbehalten ist der Angriff als Antwort auf den ersten Einsatz russischer Kampfbomber zugunsten der türkischen Invasionstruppen bei Al Bab aufzufassen. Neben Al Masdar meldete ihn auch die iranische Al Alam.

Unterdessen sah sich General Townsend, Kommandant der OIR, veranlaßt, öffentlich gegen die antischiitische Hetze im eigenen Lager aufzutreten.

“Before I got here, I read all kinds of things about the PMF, and I got here and I haven’t observed that behavior … We’re not having allegations of bad behavior or misconduct”

Er lobte ausdrücklich die „bemerkenswert gute Disziplin“ der PMU. Zur gleichen Zeit kamen der irakische Premier Abadi und sein schiitischer Gegenspieler Al Sadr zu einem Versöhnungsgespräch zusammen, während die Presse der Chaos-Reiter von Brookings bis WaPo im Salventakt gegen Bagdad und für die „Unabhängigkeit“ der Barzani-Mafia feuert.

Vertreter der PKK und der in Sindschar operierenden Peschmerga – Einheiten, die dort strichweise Seite an Seite mit PMU-Einheiten operieren, haben angekündigt, einer Vertreibung Widerstand zu leisten, eine neue Runde des Irakkrieges, begleitet von einem kurdischen Bürgerkrieg, ist also eingeleitet. Sollten Barzani und Erdogan auf Gewaltanwendung in Sindschar verzichten, erwarte ich allerdings, daß die Gegner der Unabhängigkeit militärisch auch dann still halten würden, wenn die KDP einseitig und ohne Referendum die Sezession ausrufen sollte  – ein Vorgehen, das nicht eben wahrscheinlich ist, mit dem man aber angesichts der auswärtigen Einmischungen zu rechnen hat. Andererseits könnte es angesichts des russischen und türkischen Vorgehens für beide iranischen Fraktionen – die „konservativen“ und „liberalen“ – zur Option werden, sich voll hinter die Gegner Barzanis in der PUK, Gorran, PKK und PYD zu stellen und das amerikanisch-kurdische Zweckbündnis in Rojava zu stärken.

PS.: Die Front bei Palmyra scheint still zu stehen, dort greift die US-Luftwaffe nach wie vor vereinzelt zugunsten der SAA und Hezbollah ein.
Die Terrorgruppen, die seit 2012 das Wadi Barada-Tal nordwestlich Damaskus besetzt halten, durch das über eine Pipeline und Pumpwerke zwei Drittel der Wasserversorgung der Hauptstadt verlaufen, haben das Wasser nach syrischen Angaben an einer Hauptpumpstation mit Diesel vergiftet. Die FAZ erklärte das umstandslos zur Lüge und verkaufte ihrem Publikum, „Assad“ habe den Damaszenern „absichtlich“ das Wasser abgestellt. Reuters leugnet zwar die Brunnenvergiftung unter Berufung auf seine Gewährsmänner unter den Terroristen, gesteht aber zu, daß den aktuellen Angriffen der SAA eine Wassersperrung voraus gegangen sein dürfte. So werden weitere syrische Kräfte gebunden und die Beunruhigung der Hauptstadt fortgesetzt, um die Option eines Enthauptungsangriffes im kommenden Jahr offen zu halten.

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6 Antworten zu Russisch-türkische Koalition gegen Rojava nimmt Gestalt an

  1. Klaus-Peter schreibt:

    In Bezug auf die russische Luftunterstützung möchte ich Zweifel anmelden. Al Alam beruft sich übrigens auch nur auf AMN, wobei ich den Verdacht habe, dass es sich um psychologisches Störfeuer irgendwelcher iranischer Hardliner-Freunde handelt.
    -meine 2c

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    • tgarner9 schreibt:

      Das kann gut sein, Klaus-Peter, ist aber auch ein Pit Holbers – es bleibt sich gleich. Ist die Türkei auf russische Luftunterstützung angewiesen? Nee. Sie wäre ein demonstrativer und provokatorischer Akt. Die Einwände, die aus und in Russland noch vor Wochen gegen Euphrates Shield erhoben wurden, sind entfallen, das Einvernehmen also eh klar. Das „Störfeuer“ brächte symbolisch zum Ausdruck, was faktisch auf der Hand liegt, nämlich daß der Iran zusammen mit der syrischen Regierung ausgebootet wurde, die in Moskau / Astana Gegenstand, nicht Beteiligter ist. Der Iran kann sich in den Verhandlungen nur zur Stärkungs-Muffe auf der russisch-türkischen Achse herab lassen, nichts sonst, weil iranische Truppen in Syrien nur die SAA entsetzen, mehr nicht. Wollten sie „mehr“, müßten sie mit einer vollgültigen Invasionsarmee anrücken und auch die eigene Luftwaffe einsetzen. Es änderte nichts, wenn die Gerüchte stimmten, daß die syrische Luftwaffe ohnehin schon mehrheitlich „iranisch“ ist – auf das Hoheitsabzeichen auf den Kisten kommt es an. Das ist Gegenstand der Verhandlungen. Es ist jetzt schon entschieden, daß die syrische Luftwaffe auf gar keinen Fall der türkischen NATO- Invasion erneut Grenzen androhen oder gar setzen darf, auch und gerade, wenn, wie zum anfangs Russland zugeschriebenen Angriff auf türkische Truppen bei Al Bab vor einigen Wochen gemunkelt wird, gar nicht Syrien, sondern der Iran aus eigener Initiative ‚rum“drohnt“. . Solche Grenzen zu setzen kommt jetzt auf der Basis der türkischen Partnerschaft allein dem Kreml zu – soweit er es will und vermag.

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    • tgarner9 schreibt:

      PS.: Ich will etwas anfügen, um dem Gerede um „Verrat“, „Unberechenbarkeit“, „einknicken“ und so zu begegnen.

      Es bleibt Spekulation, aber der scheinbare russische Kurswechsel kommt kaum zufällig mit der Wahl Trumps. Es ist auch kein Kurswechsel, sondern ein Flügelwechsel der Aktivität auf dem Schachbrett. Killary hängt wg. beidseitiger Verwicklung in 9/11 im zionistischen Spinnennetz. Aber auch wenn man das als „Verschwörungstheorie“ abtut, gab es hinlänglich Anzeichen, daß eine Killary-Mannschaft den Irankrieg abermals bis an die Schwelle des atomaren Angriffes geführt hätte. Trump schuldet den Zionisten weniger, als Obama. Nachdem er dem Kreml Angebote in Bezug auf Ukraine und Syrien in Aussicht gestellt hatte, gleichzeitig aber einen Rücktritt von Iran-Deal versprochen hat, der in erster Linie die EU schädigte – Russland hat im Fall der Abwicklung des Deal im Iran nichts zu verlieren, im Gegenteil – war ein russischer „Sidestep“ logisch zwingend. Falls die Trump-Mannschaft dann doch ähnlich rabiat zu Werke geht, wie das von Killary zu erwarten war, kann Russland erneut umgruppieren – der Iran hat keine Partnerwahl.
      Und ich habe ja berichtet, daß OIR – die Patrioten darin, wie ich vermute – schon Vorkehrungen gegen eine Verschärfung des Irankrieges an der irakischen Front treffen..

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    • Klaus-Peter schreibt:

      An der Sache ist nun wohl doch mehr dran, als ich annahm. Daher zwei Links für das „for the record“.
      Nebenher noch folgendes Zitat:
      “Whenever we need air support, we ask the joint command center for coalition support,” a Turkish military source recently told the Hürriyet Daily News. “They in turn ask İncirlik, but every time the reply is that it is either ‘not a priority’ or ‘there are bad weather conditions.’ It is a big disappointment for us.”

      http://www.reuters.com/article/us-mideast-crisis-syria-turkey-idUSKBN14M05W

      http://www.hurriyetdailynews.com/why-is-nato-member-turkey-acting-with-russia-in-syria.aspx?pageID=449&nID=107967&NewsCatID=409

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      • tgarner9 schreibt:

        Grüß Dich, Klaus-Peter,
        Unter anderem dieser Geschichte halber habe ich heute eine neue Archivseite mit TP-Kommentaren zur Türkei vor und nach dem Staatsstreich angelegt. Es heißt jetzt an allen Kommentatorenfronten, die USA seien an den trilateralen Gesprächen „nicht beteiligt“, „abwesend“ etc. Quatsch. Sie sind vertreten durch die Türkei, via NATO-Generäle, weil andererseits ein Teil der amerikanischen Luftwaffe und das OIR diesen Generälen nicht gehorcht. Ich habe soeben, im neuen Eintrag, spekuliert, ob die jüngste türkische Feuerpause gegen Rojava etwas mit dem Anschlag in Istanbul zu tun hat. Naheliegender ist freilich die Annahme, das türkische Oberkommando habe entschieden, die Kraftprobe zwischen den Faktionen im Pentagon nicht länger zuzuspitzen, weil sie die Folgen für die Trump-Administration nicht abzuschätzen vermögen. Außerdem ist die jüngste Entscheidung der CIA einzupreisen, zusammen mit der Türkei und Russland in Idelb gegen Al Nusra zugunsten Ahrar al Sham zu bomben. Es sollte mich arg wundern, wenn diese Entscheidung ohne „Okay“ der Generäle Flynn und Mattis gefallen wäre, die sich vielleicht andererseits (vorübergehend?) Ruhe an der Rojava-Front erbeten haben.

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