Blognachricht und einige Updates

img_1150-2Ich komm ‚grad nicht hinterher … Ich lese jetzt u.a. Schlomo Sands „Erfindung des jüdischen Volkes„, nicht, weil ich an der „Wahrheit über …“ interessiert wäre (deshalb las ich es bisher nicht), sondern weil ich die Lücken in historiographischer „Dekonstruktion“ anhand Sands Text exemplifizieren will. Ich empfehle jedenfalls wärmstens die Einleitung des Buches (22 Seiten)
Auch andere Arbeiten werden für wenigstens eine Woche meine Aufmerksamkeit beanspruchen und die Bloggerei reduzieren.

Zur russisch-türkischen Koalition gegen Rojava gibt es jede Menge Gerüchte und Irreführungen.
For the record: Die Türkei hat offiziell Berichte über russische Luftunterstützung im Kampf um Al Bab dementiert. Gleichzeitig machte das Gerücht die Runde, Russland habe einen Teil der „Hardcore-Islamisten“ aus Aleppo zur „Bewährung“ ins Kampfgebiet nach Al Bab geleiten lassen. Ausschmückungen der Realität, wie gesagt.
Vielleicht ernsteren Hintergrund haben Gerüchte aus ENKS-Kreisen, die russische Regierung bemühe sich um eine gemeinsame Delegation aus PYD und ihren kurdischen Gegenspielern und Feinden zu den anvisierten Friedensgesprächen in Astana, was die ENKS promt abgelehnt habe. Das war überflüssig, denn die Türkei lehnte eine Teilnahme von PYD-Vertretern sowieso ab, und die PYD würde ENKS-Leute allenfalls taktisch dulden. Der KNC war 2012 / 2013 an dem türkisch-qatarischen Unternehmen beteiligt, die FSA, Muslimbrüder und von Qatar unterstützte Takfiris zu einer einheitlichen Armee zu formieren. (Siehe u.a. Farouq-Brigaden, Syrian Islamic Liberation Front, Moaz al Khatib). Die Türkei versuchte, mit dieser Armee die kurischen Sozialrevolutionäre östlich des Euphrat punktuell zu schlagen um Rojava zum Hauptstützpunkt zu machen und den vom KSA unterstützten Salafis und IS in Raqqa zuvor zu kommen. Auch in Aleppo, Assafira und weiteren Städten schlachteten diese Verbände hunderte kurdischer Zivilisten, um ihre alleinige Autorität als „Opposition“ auch gegen den Westen durchzusetzen. Das Weiße Haus unterband diese Taktik 2013, nachdem die Polarisierung unter den Kurden zu Lasten ENKS ausschlug. ENKS und PYD sind und bleiben Todfeinde.
Ich erwähne das Gerücht überhaupt nur deshalb, weil Riza Altun, einer der einflußreichsten Sprecher der PKK sich über Al Monitor zu Wort gemeldet hat die „Föderation Rojava“ als übereilt und nicht „inclusive“ genug zu kritisieren, u.a. deshalb, weil das kurdische Wort „Rojava“ im Föderationsnamen erscheint. Die Kritik ist albern. An dem Verband sind nun mal mehrheitlich Kurden beteiligt, die Vermeidung der kurdischen Sprache wäre eine Reverenz nicht an die arabischen Bevölkerungsteile, sondern an Damaskus, Teheran und Moskau. Und die Föderationsgründung war unvermeidlich, um einen gesetzlosen Zustand zu beenden, der angesichts des militärischen Übergewichts der Sozialrevolutionäre leicht als „Willkürherrschaft“ zu denunzieren war. Die kommunale Selbstverwaltung mußte um eine übergreifenende Körperschaft ergänzt werden, um u.a. die Ressourcenverteilung halbwegs einvernehmlich regeln zu können und die Frage der Landrechte einheitlich handhaben zu können – neben vielem anderen. (Ich empfehle das Interview trotzdem – die Begründung muß ich aus Zeitgründen schuldig bleiben)
Doch die Gerüchteküche will wissen, daß TEV-DEM die Kritik akzeptiert hat und Rojava im Föderationsnamen entfallen soll, und das passt insofern zu den o.a. Gerüchten um eine mindestens inoffizielle Teilhabe Rojavas an den trilateralen Gesprächen, als der Kreml keinen landesweiten Waffenstillstand zur Vorbedingung für die Gesprächsrunde in Astana deklarieren kann, der Rojava ausschlösse. Denn das würde die USA zur nicht beteiligten Garantiemacht der russisch geführten „Friedensbemühungen“ machen, was der Iran schwerlich akzeptieren kann.
Doch parallel tobert es aus Quellen von Reuters, die anonym türkischen Regierungsmitgliedern zugeschrieben sind, wie folgt:

„But we have come to an understanding. When Islamic State is wiped out, Russia may support Turkey in Syria finishing off the PKK.“

Zum Thema Israel lege ich euch noch zwei Artikel ans Herz.

Ein anscheinend offener Haaretz-Artikel von 2011 erinnert an Ronald Reagans Versuche, der zionistischen Geiselnahme des Mittleren Ostens Riegel vorzuschieben. Die geringfügigen Erfolge haben die Putschisten gegen Jitzhak Rabin, nämlich u.a. Scharon, Barak und Netanyahu, seit 1995 nahezu vollständig abgewickelt. Ausnahme: Die USA erlaubten der Hezbollah eine Aufrüstung gegen Israel, die 2006 eine Neubesetzung des Libanon verhinderte. Was war wohl der wesentliche Unterschied der Lage zwischen 1980 ff und 1995? Richtig. Die nukleare Schlagkraft Israels war in dieser Zeit um mehrere Tausend Prozent angeschwollen.

Zur innenpolitischen Lage in Israel empfehle ich einen Artikel zur jüdischen Oberstadt Nazareth Illit, den das Moshe Dayan Center übersetzen ließ und promotete.

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