Syrien, 3.1.’17

Während die russische Luftwaffe offenbar zunehmend Einsätze fliegt, der türkischen Armee und ihren Söldnern – den russischen Zielen von gestern – Al Bab „klar“ zu bomben, gehen die blutigen ethnischen Säuberungen gegen die Bevölkerung des Bezirks Manbij weiter.

Exklusiv für Aranews – das ich bei der Gelegenheit erneut als eine Quelle heraus heben möchte – erklärte Abu Yousef al-Muhajir, offizieller Sprecher von Ahrar al Sham, man werde und brauche sich an die zwischen Russland und der Türkei vereinbarte Waffenpause nur so lange halten, bis von berufener Stelle ein neuer Auftrag zum Kampf gegen Damaskus ergehe.
Glaubt man der FAZ, zählt auch die Sultan Murad-Brigade, die, wie wir aus den ersten Tagen der Jarabulus-Operation wissen, direkt von türkischen Offizieren kommandiert wird, zu den angeblich zehn Söldnerbanden, die eine Teilnahme an den „Friedensgesprächen“ vor und in Astana abgesagt haben, solange sich Damaskus der Belagerung und Aushungerung durch Wasserentzug widersetzt.

Die Türkei dürfte damit die trilateralen Gespräche abschließend torpediert und das saudische HNC wieder ins Spiel gebracht haben, wie der Vorstoß Ankaras, KSA und Qatar mögen sich an den Gesprächen in Astana beteiligen, schon andeutete. Ich schätze, man setzt in Ankara auf den in den letzten Monaten offenkundig gewordenen kasachischen, turkmenischen, azerbaidschanischen, armenischen Druck auf Moskau, das Verhältnis zur Türkei nicht länger, jedenfalls nicht mehr, „als nötig“, mit dem Engagement in Syrien zu belasten.
Ich persönlich wollte nicht darauf wetten, daß der Kreml sich das gefallen läßt, zumal er mit Unruhe unter den eigenen Militärs zu rechnen hat – aber für diese Einschätzung kann ich keine zählbare Kompetenz beanspruchen. Jedenfalls wird man in Moskau erst einmal abwarten, was Tel Aviv für die Trump-Administration auskocht – das wird ein gewichtigerer Faktor in der Fortsetzung des Syrienkrieges und MENA-Krieges insgesamt.

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5 Antworten zu Syrien, 3.1.’17

  1. Klaus-Peter schreibt:

    Muss der Kreml verpeilt sein, wenn sein UN-Botschafter Katar u. SA „willkommen“ heißt und sein Außenminister sie in einer „spätereren Rolle“ sieht.
    Und die Erdogans erst – einen Waffenstillstand anleiern und ihn dann selbst torpedieren.
    Was für ein irrer Haufen.

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    • tgarner9 schreibt:

      Findest Du? Ich nicht. Putin hat die trilateralen Gespräche doch selbst scheinbar in die Tonne getreten, indem er verkündete, ohne die USA „gehe“ es nicht und es ist doch unterdes trivial, daß eine der Fronten in Washington zwischen Washington und /Riad / Tel Aviv verläuft, wobei zwischen Riad und Tel Aviv Bruchlinien existieren und Qatar sich sozusagen im Dreieck hält.
      Hast Du mal in den „Türkischen Islamofaschismus“ hinein geguckt? Macht diese Staatsideologie in Verbindung mit den äußeren Umständen das türkische Vorgehen nicht so berechenbar, wie es unter den gegebenen Unwägbarkeiten geht? Zwischen Moskau, Ankara, Teheran muß es in Astana in erster Linie so um den Syrienkrieg gehen, wie es dabei um den Irankrieg geht. Auf diese Weise gedenkt man dort die andere Seite der Washingtoner Feldherrnhügel zu „besatzen“. Die türkisch-russische Entente hat die Klärung der Lage in der Innenstadt Aleppos ermöglicht und dies türkische Zugeständnis an Moskau und Teheran hat die Türkei gegenüber Riad, Tel Aviv, Doha und bedingt auch Teheran in die Vorhand gebracht. Was wollte, konnte man vor der Klärung im Weißen Haus und eventuell im Pentagon in Ankara und Moskau anderes oder mehr erreichen wollen? Aleppo ist geographisch und ökonomisch die Schlüsselposition im Krieg um die Levante, aber politisch hockt die nun mal in Damaskus und Aleppo ist nach wie vor ungesichert.

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      • Klaus-Peter schreibt:

        Ach, ich war nur etwas spitzfindig. Auch nach dem Lesen deines verlinkten Eintrags bleibt mein Zustand, nicht einordnen zu können, was ich weiß und glauben kann.
        Ich will mich – eigentlich – auf einer Informations- und Erkenntnisebene bewegen, die zwischen deinen tiefgründigen Beiträgen und plumpen sputniknews(de)-Meldungen bewegt. Es fällt mir schwer, auch weil ich eine Balance wahren will, die mich nicht zu sehr mit all dem Scheiß belastet.

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  2. tgarner9 schreibt:

    The U.S.-led coalition carried out flights in support of Turkish forces at the request of Turkey near the Islamic State-controlled town of Al-Bab last week, Pentagon spokesman Peter Cook said on Tuesday.
    Cook said the aircraft did not carry out air strikes, rather it was meant as a „visible show of force.“
    (Reuters)

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  3. tgarner9 schreibt:

    Denise Natali, von deren – selbstverständlich bedingter – intellektueller Redlichkeit ich viel halte, hat sich als eine der wenigen Stimmen zu Wort gemeldet, die dem Getrommle für eine Sezession der KRG von türkischer Seite und Federn der Chaos-Reiter entgegen treten:
    http://www.al-monitor.com/pulse/originals/2017/01/kurdistan-civil-war-iraq-krg-sulaimaniya-pkk-mosul-kurds.html

    Vielleicht schaffe ich es morgen oder übermorgen, in Verbindung mit diesen anderen Quellen:
    https://warontherocks.com/2015/02/iraq-after-the-islamic-state-politics-rule/
    http://smallwarsjournal.com/jrnl/art/untangling-the-arab-kurdish-web-in-post-isil-northern-iraq
    http://ndupress.ndu.edu/Publications/Books/charting-a-course/Article/1026988/chapter-12-middle-east/
    etwas dazu zu schreiben …

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