7.1. – Vermischtes

„Putins Cyberwar“ – alles bloß Geschachere?

Nach dem gestrigen Geheimdienstbriefing sprach The Donald der Intelligence – Community ein generelles Lob aus und gelobte to

“aggressively combat and stop cyberattacks”

Eine Umschreibung für viele Dollares, die den Schlapphüten gemäß eines binnen drei Monaten vorzustellenden Plans zukommen sollen. Und wohl nicht nur ihnen. Am Tag zuvor hatte Obamas Energieminister die Dimensionen abgesteckt. Elektrizitätsnetz und Energie-Infrastruktur seien „in unmittelbarer Gefahr“, sagte er, und forderte eine Aufstockung der seit 2015 geplanten Investitionen von ca. $15 Mrd. um das 20 bis 35 fache auf 350 bis $500 Mrd.

Geschacher ist, wenn beide Seiten zurück stecken. Das Gegenteil war der Fall. Das neue „Assessement“ bestand darin, Putin persönlich als Auftraggeber der angeblichen Hacks namhaft zu machen und dafür nichts weiter ins Feld zu führen, als das offenkundige Motiv des russischen Präsidenten, Killary nicht gern im Weißen Haus zu sehen. Wenn dies Clappers „act of war“ war, dann wäre Trump gerechtfertigt, den in Bremerhaven angelandeten EU-Besatzungstruppen die Besetzung des Reichstages zu befehlen. Trump ließ den „Bericht“ unkommentiert.

Instruktiv finde ich die Stellungnahme des ehemaligen NSA Direktors William Edward Binney gegenüber RT, die ebenfalls auf das Schachermotiv abhebt, weil sie einen exemplarischen Webfehler demonstriert. Doch für den Moment lasse ich sie aus Zeitgründen unkommentiert – vielleicht nimmt mir ein Leser die Arbeit ab?

Spiele um imperiale Wasservergiftung in Damaskus

Der gestrige Artikel von Thomas Pany gibt einen Überblick.
Schon noch „iwie“ seltsam, wie niemand, auch nicht Thomas Pany, auf den Trichter kommt, daß, im Falle daß Störung und Vergiftung der Wasserzufuhr, die wohl dokumentiert ist, ein „Kollateralschaden“ syrischen Bombardements gewesen wäre, alles dafür spräche, daß die im Wadi Barada verschanzten „Rebellen“ der Regierung spätestens Mitte Dezember angeboten hätte, ihnen diese „Lebensversicherung“ wieder her zu stellen. Übrigens ein „normaler“ Vorgang – in vielen von Söldnern besetzten Städten werden Störungen der Wasser- und Elektrizitätsversorgung von Bautrupps der Regierung behoben, wie sie überhaupt die nicht geflüchteten Verwaltungsangestellten in solchen Orten weiter bezahlt.
Aber das nur nebenbei, als eine Illustration des mittelalterlichen Denkens, das ziemlich unterschiedslos in den Köpfen Platz greift.
Gestern abend berichtete AMN, eine russische Verhandlungsdelegation habe binnen zwei Stunden eine Waffenruhe im Wadi Barada ausgehandelt, die heute zu Verhandlungen über eine Evakuierung der Rebellen nach Idleb genutzt werden soll. TASS und RT nahmen die Meldung nicht auf, dafür Reuters mit einem Dementi, das interessanterweise einem Ahrar al Sham – Kommandeur in den Mund gelegt wird. Ahrar al Sham ist, falls überhaupt im Wadi Barada beteiligt, dort Juniorpartner der Al Nusra.
Der AMN-Bericht ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit korrekt, weil die Autoren einen rhetorischen Schlenker, der Propaganda motivieren könnte, gar nicht einlösen können: Es gab keine Kämpfe, allenfalls vereinzelte Schußwechsel bei der Besetzung der Talhöhen durch Truppen der SAA und der Hezbollah. Falls Al Nusra zur Waffenruhe und Evakuationsverhandlungen genötigt wurde, so nicht durch Waffengewalt, nicht direkt.
Deshalb betrachte ich es als gut gesicherte Arbeitshypothese, daß es einen Verhandlungserfolg gab und mindestens ein wesentlicher Teil des Drucks, der ihm den Weg bahnte, in der Kill-Campaign liegt, die USSOCOM in dieser Woche gegen von der Türkei geführte Killary-Rackets der Al Nusra in Idleb ausgeführt haben. Gerade das Schweigen bei TASS und das Dementi von Ahrar sprechen dafür, daß eine objektive – nicht unbedingt beredte – Allianz zwischen SOCOM und Hmeinim-Kommando einen sehr wirksamen Schlag gegen die türkische Doppelstrategie des Verhandelns nach einer Seite und Eskalierens nach der anderen – im Auftrag der NATO und schwerpunktmäßig mit Stoßrichtung Iran – gelandet haben.
Denkt man an die von vielen Seiten berichtete Popularität, die der designierte „Sicherheitsberater“ Michael Flynn während seiner Zeit als JSOC-Kommandeur im Irak unter seinen Untergebenen genoß, liegt es nahe, zu vermuten, der Schlag kam „mit Grüßen von Flynn“ – rücksichtslos gegen die Tatsache, daß dies der antiianischen Rhetorik Flynns zu widersprechen scheint.
Mehr zu dem Thema später am Tag oder morgen.

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7 Antworten zu 7.1. – Vermischtes

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  2. tgarner9 schreibt:

    Muß ich wirklich alles allein machen? Der „Webfehler“ in Binney’s Stellungnahme ist doch wahrlich nicht schwer zu sehen.
    Der ehemalige kalte Krieger Binney (NSA-Veteran seit 1970) gibt keinen militärpolitischen Gehalt der „Unprofessionalität“ und „Disziplinlosigkeit“ an, die er beklagt, im Gegenteil, daß es einen Solchen nicht gebe, ist für ihn der Skandal:

    The whole situation is dangerous for the US itself, since it exposes serious immaturity in the intelligence services, which have basically lost the ability to perform their primary duties.
    “Basically it means that our intelligence community has lost the professional discipline of an intelligence function. And this is very dangerous. That’s why I’m an advocate for what president-elect Trump is doing by challenging what they are saying, because they need to be challenged”

    Er, Binney, will „echte“ Feinde der USA kennen, deren Bekämpfung darunter leide, daß die „Dienste“ einen Feind erfinden, den es so nicht gibt, weil sie aus ständischen – statt politischen! – Gründen um den Militärisch Industriellen Komplex schachern.

    Seine Argumente geben diese Diagnose übrigens gar nicht her. Woher will Binney denn wissen, daß das Geschachere nicht bloß PR ist, welche politische Absichten, Zwecke, Ziele ausflaggen, um sie nicht zum öffentlichen Thema zu machen?

    Doch diese argumentative Schwäche ist nicht der „Witz“, sondern Erscheinungsform dessen, daß auch Binney keinen klassischen Feind im Sinne seiner Kalten-Kriegs-Tage mehr kennt und benennen kann. „Amerika“ hat in diesem Sinne keine „Feinde“ mehr, sondern nurmehr Freunde – von Nordkorea und irgendwelchen Dugunisten in der russischen Nomenklatura mal abgesehen – was dasselbe ist.

    Das ist eine Erscheinungsform dessen, was ich „Entkopplung von Geschäft und Gewalt“ nenne. „Entkopplung“ kann man als mechanische Analogie verstehen, aber die physikalische Analogie und ihr Zusammenhang mit dem Kollaps von Wellenfunktionen ist genauer. Ein einzelnes Privateigentum ist das Phänomen einer Kopplung von Geschäfts- und Gewalttätigkeit, aber es ist Resultat einer Welle von Gewalttätigkeit, einer Expropriation. Expropriation ist zugleich Resultat von Geschäftstätigkeit. Zwischen Staaten gilt ein Primat der Gewalt, aber sein Zweck und daher eigentümlicher Grund ist die Geschäftstätigkeit, auf welche politische Gewalten Zugriff haben, und die von gewalttätiger Betreuung lebt. Imperialismus tendiert nach Vollendung des Weltmarktes, wenn Geschäfts- und Gewalttätigkeit keinen gemeinsamen Zweck der Akteure mehr hergibt, keine ursprüngliche Akkumulation, zu einem statischen System der Gewaltenteilung, das die Konkurrenz zwischen den Souveränen gleichwohl entfesselt („Globalisierung“). Das – ganz grob angedeutet – nenne ich „Entkopplung“.

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    • BC schreibt:

      My dear, die Erkenntnis der „Emanzipation der politischen Gewalt vom Geschäft, das sie sichert“ ist mir schon etwas länger bekannt.
      Eine statische Teilung der Zuständigkeiten für Krieg & Frieden unter den anerkannten Stakeholdern kann ich mir nicht so richtig vorstellen.
      Erst recht nicht nach der Aufgabe der realsozialistischen Staatsräson. Ein bisschen mehr Erklärung wäre schon ganz recht.

      Zu Binneys statement. Dass er ziemlich zahnlos argumentiert, ist natürlich auffällig, um so mehr, wenn man es mit den Äußerungen seines Kollegen Robert Steele vergleicht:
      http://www.globalresearch.ca/the-russians-did-not-hack-the-us-election-a-few-facts-from-a-former-cia-spy/5567215?utm_campaign=magnet&utm_source=article_page&utm_medium=related_articles
      Steele ortet ganz klar den Feind im eigenen Land und gibt den Vorwurf des Verrats, den Clapper implizit und dessen Parteigänger mittlerweile explizit gegen Trump erheben, an die Dienste zurück. Wenn man sich vor Augen führt, wie Binney in der Vergangenheit öffentlich über die NSA urteilte, scheint es mir nicht sehr weit geholt zu vermuten, dass Binney diese Ansicht teilt, aber Gründe für seine Vorsicht hat.
      Ich entnehme diesen beiden Stellungnahmen zumindest erneut den Nachweis, dass die Dienste kein monolithischer Block sind, auch wenn ihre Führer durch ihren Auftritt das Gegenteil demonstrieren möchten. Hier wird mit grobem Geschütz versucht, erheblich Stimmung und Druck zu machen. Allein ihre Wortwahl, sollte man annehmen, lässt eigentlich nichts anderes als ebenso starke Aktionen zu.
      Debka mit ihrem neckischen „Schwanengesang“ scheint nicht daran zu glauben.

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      • tgarner9 schreibt:

        Hallo! Hat meine Provokation doch was erbracht!
        Der Mord an dem NATO-Beauftragten für Terrorismus-Finanzierung (Ambiguität beabsichtigt) war mir komplett entgangen.

        My dear, die Erkenntnis der „Emanzipation der politischen Gewalt vom Geschäft, das sie sichert“ ist mir schon etwas länger bekannt.

        Das ist nicht mein Punkt! Ich setze den Mitlesern mal den Link zum gleichlautenden Kapitel in „Imperialismus 1“ der ehemaligen „Marxistischen Gruppe“, geschrieben Mitte der 70er Jahre. Dort wird der Übergang zum Einsatz militärischer Gewalt – der schon in ihrer Androhung liegen kann – unter solcher „Emanzipation“ verhandelt. Die Wortwahl ist vielleicht nicht komplett daneben, aber doch nahe ‚dran.

        1. Ist dabei unterschlagen, daß die erste dieser „Emanzipationen“ geschieht, bevor die Geschäftswelt selbst emanzipiert ist, nämlich im mehr oder minder blutigen Staatsgründungskrieg, der eine ständische Herrschaft durch eine Nation i.e.S. ablöst. Danach bleibt die Nation von der Geschäftswelt emanzipiert, sie ist deren gewalttätige Aufsicht. Womit schon das Paradigma gesetzt ist, daß
        2. von „Emanzipation“ nicht sehr gut zu reden ist, wenn die Kriege, in denen das geschehen soll, der Wiederherstellung geschäftsdienlicher Verhältnisse dienen sollen, deren Zerrüttung – aus Sicht des treibenden Souveräns – die Geschäftswelten mit seiner eigenen Beihilfe in Friedenszeiten betrieben haben. Richtig an dem Ausdruck „Emanzipation“ ist, daß der wechselseitige Angriff zweier kapitalistischen Staaten in der Benutzung des jeweils anderen Souveräns für die Ausdehnung der terrotorialen Geschäftsbasis besteht, und die Evaluation der Ergebnisse dieser wechselseitigen Benutzung anhand Geschäftsführungskritierien vollzogen werden, die in Gewaltsprache (Diplomatie) bloß übersetzt werden. Von diesen geschäftlichen Maßstäben wird die Diplomatie im Übergang zum Krieg in der Tat … emanzipiert.

        3. Die vorgenannten Punkte bringen zur Erscheinung, was ich mit meinem Rückgriff auf das einzelne Privateigentum mitteilen wollte:

        Ein einzelnes Privateigentum ist das Phänomen einer Kopplung von Geschäfts- und Gewalttätigkeit

        „Geschäft und Gewalt“ sind zwei fundamental geschiedene Daseinsformen DERSELBEN Sache, ähnlich, wie Welle. und Teilcheneigenschaft subatomarer Phänomene oder Impuls und Ort eines Elementarteilchens. Das eine ist nicht ohne das andere, aber die Erscheinungsformen lassen nicht zu, die Sache begrifflich als „ein Ding“ zu fassen. Die Geschäftstätigkeit i.e.S. hat die Gewalt, die ihr via Privateigentum einbeschrieben ist, zur Voraussetzung und zum Ziel (Expropriation!), doch sie selbst ist tat-sächlich gewalt-frei, andernfalls kippt das Geschäft ins Reich des Raubes. Die Umkehrung überlasse ich Dir / euch.

        Eine Form der Entkopplung liegt im praktischen – zu unterscheiden vom theoretischen – Ideal faschsistischer Herrschaftsausübung vor: Da sollen Geschäfts- und Gewalterfolg unmittelbar zusammenfallen. Eine republikanische Staatsraison hält im Gegensatz dazu die Differenz eisern fest, wenngleich sie das Ideal theoretisch teilt, nämlich von „der Seite“ des Geschäfts her, dem nur immer ausreichende Gewalt*voraussetzungen geschaffen sein und werden sollen. Das mag damals indirekt die Wortwahl in „Imperialismus1“ beeinflußt haben, denn die Auseinandersetzung mit dem Faschismus war ein Hauptthema des SDS, aus dessem Umkreis die MG#ler kamen.

        Was „Entkopplung“ auf internationaler Ebene heißt und nach sich zieht, darüber liege ich mit mir selbst noch im Clinch. Fakt ist, daß das Imperiumszentrum seit 9/11 nahezu sein gesamtes Gewaltpotential, im Sinne der Drohung das nukleare eingeschlossen, dafür einsetzt, den transnationalen Gewaltbedarf als ein monopolistisches nationales Geschäft zu betreiben. Damit werden zahlreiche andere Souverän in einer zusätzlichen Weise zu „Amerikas Feinden“, als sie das dem Begriff des Imperialismus nach in ihrem Dasein als (territoriale) Souveräne an und für sich sind und immer waren.

        Zu meiner Behauptung einer „statischen Tendenz“ sage ich noch was, aber schlimmstenfalls nicht mehr heute.

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      • tgarner9 schreibt:

        Ein separates Wort zu Steele und Binney.
        Den Unterschied spricht Steele dauernd aus, er hat im Unterschied zu Binney die spezifische Joden-Macke gedienter US-Patrioten weg, gleich seinem Kollegen Madsen, den ich daüber hinaus für einen Desinformanten halte. Systemisch könnte man sagen, Steele und Madsen kennen ausschließlich innere Feinde, während die „äußeren Feinde“ ihrer Ansicht nach überwiegend die besten Freunde wären, wäre „Amerika“ nicht so korrupt – gegenüber den Joden.

        Deswegen – nein, Binney äußert sich RT gegenüber sicherlich verbal gemäßigt, um sich nicht schon stilistisch angreifbar zu machen, aber nicht „zahnlos“. Seine Anklage gegen dei MIC und seine Agenten ist klar und unmißverständlich.

        Wie Madsen wird auch Steele als Quelle unbrauchbar, wenn es um „Geschichten“ geht. Seine Anklage Richtung False-Flag- Attacken in Frankreich ist nachweislich falsch, was man merkt, wenn man sich mit Details befaßt. Das waren französische Inside-Jobs. Im Fall von Charlie Hebdo ist eine Beteiligung des Mossad naheliegend, aber dann wurd‘ der halt eingeladen … und benutzt.

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