Fortgesetzt ekelhaft – ekelhaft langweilig

Updates 4.2.

Zum Thema Ukraine las ich erst heute den ausgezeichneten Artikel vom 1.2. in Moonofalabama.
Dort gibt es auch einen Eintrag zu der SOF-Attacke im Yemen, über die ich erst berichten wollte und mich dann darum drückte. Darin verpaßt Bernard einen kaum zufälligen Zusammenhang zugunsten einer vagen Hoffnung auf einen US-Kleinkrieg gegen das KSA . Die bei der Operation getötete 8-jährige Nora al-Awlaki, Tochter des Vertrauten des angeblichen 9/11 – Attentäters Mohammed Atta, Anwar al-Awlaki, den Obama mit einer Drohne erledigen ließ, wenig später auch seinen 16-jährigen Sohn, war nicht zufällig vor Ort. Nach jemenitischen Quellen galt die Operation einem Familientreffen der Schwagersippe al Awlakis. Doch wenn Mitglieder dieser Familie und ihre Vertrauten das Ziel waren, warum fand die Operation jetzt erst statt? Der Grund könnte das im Spätherbst gegen das Veto Obamas verabschiedete amerikanische Gesetz sein, das amerikanischen Familien Privatklagen gegen saudische Beamte und Mitglieder des Königshauses aufgrund ihrer Verwicklung in den US-Staatsstreich an 9/11 erlaubt. Awlaki war gebürtiger Amerikaner und verbrachte nur 11 Jahre seiner Kindheit und Jugend im Jemen, bevor er zur Vollendung seiner Schul- und Universitätsbildung in die USA zurück kehrte. Seine und seiner Familie Verbindungen in die USA sind gewiß nie abgebrochen.
Stark anzunehmen, daß Trump von alledem nichts weiß.

Ukraine

Nachdem Joe Biden in seinen letzten Amtstagen den Ukrainekrieg neu gestartet hat, reagierte die UN-Botschafterin des Donalds wie auf Befehl und sagte das in Aussicht gestellte „Tauwetter“ zwischen Washington und Moskau vorerst ab. Warum? Weil kriegerisches Containment Deutschlands und der EU seit über 25 Jahren fraktionsübergreifende imperiale Konstante in der US-Strategien ist. Entzöge Washington den ukrainischen Satrapen die Option blutiger Eskalation, lieferte es sie an die europäischen Kalküle aus. Anders, als in den Vorjahren, werden die US-Angriffe auf die EU zunehmend offen vorgetragen:

Donald Trump’s war of words with the European Union escalated as the man tipped to become his envoy to the bloc accused Germany of currency manipulation and called on other countries to follow the U.K.’s Brexit vote with their own referendums … Malloch’s comments will add to growing tensions between the EU and the new Trump administration after the president suggested the 28-country bloc could unravel in the years ahead. Malloch … has already alarmed European politicians after likening his prospective role in Brussels to bringing down the Soviet Union. (Quelle)

Trumps Avancen an den Kreml-Vorsteher waren andererseits im Kontext nicht mißzuverstehen. Falls Russland sich in die Kriegsfront gegen China, den Iran und die EU / Deutschland einreihen, bzw. ihr keine Hindernisse in den Weg legen wolle, werde es mit einem Vasallenstatus belohnt, der auch die wenig willkommene russische Neuerwerbung der Krim einschließen könne. Biden hat Putin auf dem ukrainischen Schauplatz so gut wie allen Spielraum genommen, das Angebot taktisch zu nutzen.

Rojava

Choosing between Turkey and the Kurds, empfahl gestern in der HuffPost der Menschenrechtsprofessor David L. Phillips in einer Autwort auf ein NYT – Op Ed, das angeregt hatte, The Donald möge im Stile eines Mafiabosses die syrischen Kurden gegen Schutzversprechen als ein reines Söldnervölkchen rekrutieren. Zur Untermauerung der vernichtenden Erpressung solle The Donald Erdogan dabei unterstützen, die Kurden vom türkischen Boden zu tilgen.

Das eine ist so albern, wie das andere und die Frage ist bereits entschieden, wenn wir der WaPo folgen.
Sie betont, seit Ende letzten Jahres sei CJCS Dunford der entschiedenste Befürworter eines Planes für eine adäquate Bewaffnung der SDF, den Obama in letzter Minute vor dem Amtswechsel vorgelegt hatte und den Trumps Team sogleich verworfen habe. Dunford sei Ende letzten Jahres zu der Überzeugung gekommen, Erdogans Angebot, Truppen zur Befreiung Ar Raqqa’s zu entsenden, sei nicht ernst gemeint. Ich erwähne das Detail, weil es – unter dem gebotenen Vorbehalt – meine letztjährigen Analysen bestätigt, Dunford habe im Verein mit den NATO-Generälen die Vorgaben Obamas zur Umgehung der türkischen Erpressungsmanöver sabotiert, doch es sei General Votel und anderen CentCom-Generälen gelungen, die Sabotage unter der Deckung des Sondergesandten Brett McGurk in beträchtlichem Umfang zu entkräften.
Aktuell scheint CENTCOM, gestützt auf Trumps Vertrauenserklärung für McGurk, die Syrienstrategie zu bestimmen. Es hievte die 2014 im Zuge der Ermächtigung des IS durch die Chaos-Reiter geschasste US-Marionette Ahmed Jarba in die Führungsposition der sog. „Syrian Arab Coalition“, des offiziellen Dachkommandos der arabischen Verbände innerhalb der SDF, die jüngst mit einem Kontingent amerikanischer Panzerwagen beliefert wurde. Vor einigen Wochen erst figurierte Jarba, der über keine militärische Kompetenz verfügt, als Führer eines anderen Schattenkommandos, „Syrian Elite Forces“, von dem nicht mehr die Rede ist. Tatsächlich waren die „SEF“ ein Deckname für die „al Ghad-Front“, ein tribaler Verband, der mindestens seit Frühjahr letzten Jahres mit der PYD, jetzt der Tev Dem, verbündet ist. Seit dem September gibt es einen Vertrag.
So durchsichtig diese Manöver sind – besonders für die türkische Regierung – man sollte sie nicht als Kosmetik für die Unterstützung der kurdischen Sozialrevolutionäre abtun. Sie repräsentieren die Entschlossenheit des Pentagon, den YPG’s nichts anderes, als einen Söldnerstatus zuzuerkennen. Auf der anderen Seite verraten sie, dieser Status ist nicht erpresst, die YPG’s sitzen vielmehr am längeren Hebel, so lange die USA nur über irreguläre Verbündete in der Provinz Anbar gebieten und über die territoriale Einheit des Irak nicht abschließend entschieden ist.
Falls die Behauptung der WaPo stimmt, Trump habe eine schnellstmögliche Eroberung Raqqas befohlen und Mattis und Dunford freie Hand für die Realisierung gegeben, wird eine weitergehende Bewaffnung und Ermächtigung der YPG’s unabdingbar. Der Hauptstreit dürfte darum gehen, ob bzw. inwieweit die US-Luftwaffe mit einem rücksichtslosen Flächenbombardement ein Zeichen für das künftige Vorgehen auf dem mittelöstlichen Kriegsschauplatz setzen wird.

So viel für heute. Der Urlaub tut mir gut. Zu berichten wäre noch über die 180°-Wendung in der britischen Brexit-Strategie seit Trumps Amtsantritt und die Energie, mit der die NATO eine Abspaltung Polens und des Baltikums von der EU um den Preis eines ggf. atomaren Schlagabtausches um die russische Exclave Kaliningrad betreibt. Ansonsten glänzt die veröffentlichte Meinung mit einem nie dagewesenen Kasperl-Theater von Rangeleien um die zweitrangigen Positionen im Imperium, das mir keine Notiz wert ist. Nächster Eintrag vielleicht am Dienstag kommender Woche.

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3 Antworten zu Fortgesetzt ekelhaft – ekelhaft langweilig

  1. Klaus-Peter schreibt:

    Hallo Thomas,
    wie lang geht dein Urlaub denn noch? Es passiert ja momentan unglaublich viel auf dem syrischen Schlachtfeld und das mit ziemlich rasantem Tempo. Und nicht nur dort – während sich die Russen als Ordnungsmacht etabliert haben, schielen die nun nach Libyen und Afghanistan.
    Hoffe auf einen neuerlich Bolgeintrag! :)

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    • wolfsmilchblog schreibt:

      (meine mutter wurd pflegefall im neuen jahr arg plötzlich, korsakov+demenz :roll: unds kann sein, daß wir sie zu uns nehmen, sprich hausinterner umzug nebst diesen scheußlichen „saubermachaktionen“ dran/drum…das hin und her lähmt, kommende woche ist „probeurlaub“ hier…denk, da wird tom sich dann gern verpieseln ins „arbeitszimmer“ ;-) …lg)

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