Israels Luftwaffe greift ostentativ die Entente gegen ISIL an

Die israelische Militärführung bestätigte, die IAF habe in der Nacht zu Freitag Ziele tief im syrischen Landesinneren angegriffen und widersprach internationalen Pressemeldungen nicht, die den Raum Palmyra, möglicherweise die syrische Militärbasis T4, als Ziel benannten.

Zur Vorgeschichte

Nachdem EUCOM-Generäle von den US-Luftwaffenbasen Stuttgart, Incirlik (Türkei), Al Udeid (Katar) im letzten Jahr eine „Koalition der Willigen“ mit Dänen, Briten und Australiern zu einem Luftangriff auf syrische Verteidiger gegen Daesh in Deir Ezzor vereinigt hatten, der, wie beabsichtigt, die Waffenruheverhandlungen um Aleppo beendete, auf die Präsident Obama DoD und DoS verpflichtet hatte, stellten sie zusätzlich eine mehrtausendköpfige, u.a. mit Panzern schwer bewaffnete Söldnertruppe aus Daeshianern zusammen, die teils aus Mosul ausfiltriert wurden, teils in der Provinz Anbar von saudischen Verbündeten versammelt, und unter den Augen der im Rahmen der OIR reaktivierten US-Luftwaffenbasis Al Asad (Hditha, Irak) über Rawa und Al Qaim, sowie den Verkehrsknotenpunkt Ar Ruthba nach Palmyra und weiter nach Westen, in Richtung Homs geführt wurde. Die sysrischen Verteidiger Palmyras wurden überrannt, die westlich davon gelegene Militärbasis T4 nördlich und südlich umgangen und in die Zange genommen. Es drohte eine Wiederholung des initialen Teilungsangriffes auf Syrien vom Frühjahr 2012, diesmal vom Irak aus, statt über den Libanon. Homs ist aus geografischen Gründen eine kaum heilbare militärische Schwachstelle Syriens.

Da die Hauptmacht der wenigen kampffähigen Verbände, über die Syrien noch verfügt, im Raum Aleppo beschäftigt war, kam es in einer ersten Phase Eliteverbänden der Hezbollah zu, die Basis T4 zu entsetzen und in verlustreichen Kämpfen mit Mühe zu halten. Während sich die russische Luftwaffe auffällig mit Entlastungsangriffen zurück hielt, entschied sich das Oberkommando OIR nach einigem Zögern, die Daeshianer ihrer Kollegen mit Luftangriffen auf einzelne Verbände und schweres Gerät hinreichend zu behindern, sodaß SAA und Hezbollah T4 halten und die Umgehungsangriffe über das nördliche Wüstengebiet und das südliche Al Qaryatayn abweisen konnten. Vor wenigen Wochen eroberte eine unterberichtete Koalition aus SAA, Hezbollah und russischen Speznaz mit koordinierter russischer und amerikanischer Luftunterstützung (wahrscheinlich Marineflieger des CENTCOM) die Stadt Palmyra zurück.

Der strategische Gehalt des IAF-Angriffes

besteht daher unzweideutig in einer Mitteilung an die US-Administration, daß die zionistische Militäraristokratie entschlossen sei, die Befestigung des aktuellen Status Quo der Zerschlagung Syriens nicht zu dulden. Es ist gewiß kein Zufall, daß die ICG der Hezbollah vor zwei Tagen eine auffallend konstruktiv formulierte öffentliche Warnung zukommen ließ. Sie solle ihr syrisches Engagement im wohlverstandenen eigenen Interesse zurückfahren und bald beenden, zumal sie aktuell lediglich als eine Hilfstruppe Russlands fungiere, um den Libanon aus dem Focus einer herauf ziehenden Kriegskoalition gegen den Iran heraus zu halten. Das entsprach in Al Monitor (von Amberin Zaman) geleakten Überlegungen aus dem Umkreis des Pentagon, Russen und Iraner in Syrien eine Weile gewähren zu lassen, um sie über erwartbare und anzuzettelnde Verwicklungen in eine strategische Falle zu führen.
In solchen Überlegungen bleiben die zionistischen Territorialansprüche auf den Südlibanon und den gesamten Golan mindestens im Abseits, wenn nicht dauerhaft vereitelt. Die israelischen Luftangriffe auf Palmyra lieferten nicht nur die zitierte Botschaft aus, es ist auch die erste Demonstration, daß die IAF sich über Gegendrohungen der angeblich vom russischen Verbündeten ein wenig aufpolierten syrischen Luftabwehr hinweg zu setzen gewillt ist, was ihr mit Hilfe der im letzten Jahr gelieferten F-35 Kampfbomber leicht fallen sollte. Ihre Bekämpfung mit modernen russischen Radaren erfordert eine Luftraumtiefe, die gegen die IAF Syrern gar nicht, Russen schwerlich zur Verfügung steht. Die einzig mögliche Verteidigung wären Angriffe auf israelische Städte und Militärbasen.

Eine Nebenabsicht des Angriffes mag darin liegen, daß die IAF sich dem Weißen Haus als Häschertruppe gegen die syrische Militärführung andienen will. Die Chaos – Reiter bereiten seit Monaten die Ermächtigung eines internationalen Tribunals gegen Bashar al Assad und Mitglieder des syrischen Generalstabs vor. Das deutet eine „libysche Option“ an. Muamar al Gaddafi und die Verteidiger Tripolis wurden seinerzeit mit der Drohung aus der Hauptstadt getrieben, die Stadt werde andernfalls dem Erdboden gleich gemacht.

(Quellen: Al Manar, Debka File, Reuters)

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5 Antworten zu Israels Luftwaffe greift ostentativ die Entente gegen ISIL an

  1. Klaus-Peter schreibt:

    Zwischenzeitlich hat CENTCOM nun Idlib zum „significant save haven“ für Al-Kaida erklärt:

    http://www.centcom.mil/MEDIA/PRESS-RELEASES/Press-Release-View/Article/1121747/us-forces-strike-al-qaeda-in-syria/

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  2. tgarner9 schreibt:

    Grüß Dich, Klaus-Peter!

    Mit einigem Bauchgrimmen verlinke ich nachträglich den im Eintrag erwähnten ICG-„Report“:
    https://www.crisisgroup.org/middle-east-north-africa/eastern-mediterranean/lebanon/175-hizbollah-s-syria-conundrum
    Die einleitende Charakterisierung der Hezbollah mag die Entscheidung begründen:

    Hizbollah, a product of Israel’s 1982 Lebanon invasion and occupation …

    doch schon die folgenden Satzteile bewirken das Bauchgrimmen. Der „Report“ ist zu weiten Teilen ein historisches Märchen, in dem allerdings im Vergleich zu früheren Versionen eine Menge Feindstellungen entfallen sind. Der entscheidende Punkt daran kommt in der Empfehlung zum Ausdruck:

    Hizbollah should work to dispel domestic rivals’ fears by agreeing to resume dialogue on a defensive strategy – stalled by its Syria intervention – that would regulate its arsenal’s use, including its stated commitment not to use it against domestic foes or provoke war with Israel.

    Diese Absage an die zionistischen Feindstellungen kommt mit einer wahrhaft erstaunlichen Konsequenz daher:

    Though the party’s (military) arsenal has long posed serious concerns inside and outside Lebanon, its disarmament cannot be linked to a negotiated Syria settlement if a deal is to have a chance.

    Das dreht ein zionistisches Junktim um: Solange Israel und Israels arabische Komplizen und Verbündete Syrien abseits in Washington abgesegneter Agenden beunruhigen, soll die Hezbollah nach Ansicht des Think Tanks eine militärische Lizenz erhalten. Tatsächlich hält die Hezbollah diese Lizenz spätestens seit 2008, worauf Israel noch vor dem offiziellen Beginn der Amtszeit Obamas mit der „Operation gegossenes Blei“ im Gaza reagierte. Weil die Chaos-Reiter unter Führung Killarys, Jeffrey Feltmans und des saudischen Geheimdienstchefs Bandar „ben Bush“ Sultan die Schlüsselstellungen in den nahöstlichen Imperiumsvertretungen behielten, bemerkte Hassan Nasrallah dies „Glück“ erst drei Jahre später. Die Anführungszeichen sollen andeuten: Mit der Lizenz kam auch eine eigentümliche Verpflichtung zum Eintritt in den Syrienkrieg, den die Hezbollah mindestens eineinhalb Jahre lang strikt zu vermeiden suchte. Die überaus blutigen Angriffe der Chaos-Fraktion, die nach dem Scheitern des Angriffes auf Homs alle Hebel in Bewegung setzten, Bürgerkrieg im Libanon zu stiften, ließen der „Partei Gottes“ keine Wahl, sie mußte den angreifenden Söldnerhorden auf syrischem Boden den Höchstpreis auferlegen, was mit der Eroberung Al Qsairs vorübergehend gelang und später in den Qualamoun-Bergen abgeschlossen wurde.
    So viel an partiellen Richtigstellungen mußte sein.
    Halt, eines noch. Verräterischerweise tut der ICG-Report so, als hingen die Waffenlieferungen an die Hezbollah im Wesentlichen am Landweg über Syrien und einem „Goodwill“ in Damaskus. Das ist eine fette Lüge, die Leute wissen es besser. Bei einer solch amateurhaften Logistik wäre die Hezbollah seit Jahrzehnten, spätestens mit dem israelischen Angriff 2006, erledigt worden. For the record: Ein Großteil der Waffen für die Hezbollah wurden bis 2015 per Schiff über Qatar, die VAE und wahrscheinlich Oman angeliefert. Die Ausweisung der libanesischen Verbindungsleute aus den Emiraten 2015/16 dürfte diesen Weg nur zum Teil verstopft haben.

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  3. tgarner9 schreibt:

    Israel setzt Luftkrieg in Syrien fort.

    Nach einem Drohnenangriff bei Qneitra am Samstag griff die IAF am Sonntag Ziele in den Qalamoun-Bergen an. Es ist anzunehmen, daß der letztgenannte Angriff vom libanesischen Luftraum aus erfolgte, über den die IAF sich seit Jahrzehnten die Hoheit zuerkennt.

    Montag früh bequemte sich das russische Außenministerium auf Anfrage von Interfax zu einer unklaren Stellungnahme zu den Presseberichten vom Samstag, in Reaktion auf die Luftangriffe vom Freitag sei der israelische Botschafter in Moskau „einbestellt“ worden. Ja, es habe ein Gespräch gegeben und es sei auf Initiative des Außenministeriums zustande gekommen, und ja, das Thema sei „die Lage in Syrien und ‚drumherum“ gewesen, zitiert Interfax den Sprecher Bogdanovs.
    http://www.interfax.ru/russia/554366
    Das kommt einer einvernehmlichen Duldung des israelischen Separatkrieges gegen Damaskus recht nahe. Dazu passt, daß der syrische Botschafter im syrischen Fernsehen militante Sprüche absonderte, doch keine UN-Beschwerde einreichte, wie es geradezu seine Pflicht war, nachdem der israelische Angriff vom Freitag, anders, als in voran gegangenen Fällen, offiziell bestätigt worden war.

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  4. Pingback: Israelischer Geheimdienstchef bekräftigt Liebermans Vernichtungsdrohung gegen Damaskus | Themen & Essays

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