Türkei streut Gerüchte über neue arabische Front gegen Rojava

Es ist schwerlich ein Zufall, daß es Florian Rötzer, dem Chefredakteur von Telepolis, zukam, gestern unter dem Titel Türkei baut Proxy-Armee für Raqqa und Deir-Ez-Zor auf eine Absichtserklärung zur Tatsache zu erklären, über die der gewöhnlich wohl informierte Experte 

Taştekin schreibt zur Historie des angeblichen Stammestreffen in Sanliurfa:

Sanliurfa province, with its large Arab population, was the staging ground in 2012 for preparations to launch a proxy war against the Kurds when they claimed the Jazeera canton. Arab tribes met on Dec. 23-24, 2012, after declaring they had established the Jazeera and Euphrates Liberation Front …  They did try to change the situation on the ground with the support of Turkish intelligence, but it didn’t work.

Zu sagen, „es funktionierte nicht“, ist doppelt ungenau.
Erstens scheiterte der Plan zunächst am sofortigen Eingreifen des State Department, das über Robert Ford den „Frieden von Serekaniye“ vermittelte.
Zweitens hintertrieb die CIA in Zusammenarbeit mit dem türkischen MIT die Weisungen des DoS, indem es mit Hilfe islamistischer Verbände über Tel Abyad einen Korridor nach Raqqa freikämpfte, über den die Türkei die direkte Zusammenarbeit mit ISIL begann. Offiziell war über den CIA-Handler der Al Qaida,  Ayman al-Zawahiri, die Weisung ergangen, ISIL und Al Nusra hätten sich aus Syrien zurück zu ziehen und auf den Kampf gegen die „schiitische“ Regierung al Malikis in Bagdad zu konzentrieren. Das syrische Feld sollte den Muslimbrüdern überlassen bleiben, damit die notorische Uneinigkeit unter den Stellvertretern der Söldner in der „Syrian National Coalition“ ein Ende finden könne. Doch die Mehrheit der syrischen Salafis gehorchte nicht, wofür neben dem türkischen MIT das KSA und sein Geheimdienstchef Bandar bin Sultan Hauptzeichner gewesen sein dürften – was die saudische Seite anbelangt v.a. mit Hilfe vieler Millionen Dollares. Das militärpolitisch ausgespielte Qatar wehrte sich, u.a. wahrscheinlich mit den blutigen Anschlägen in der türkischen Provinz Reyhanli, blieb jedoch erfolglos. Raqqa fiel mit geringer Gegenwehr an ISIL und die Türkei richtete ihr die Lebenslinie der illegalen Öllieferungen ein.

Das sollte man wissen, um das Zitat eines Gewährsmannes von Taştekin zu wägen:

“It is not possible to say that those attending the meeting were real Syrian tribal representatives,” a local journalist who observed the meeting in Sanliurfa told Al-Monitor. “Most of the people introduced as tribal leaders don’t even live in Syria. Among them were some who were tried in Turkish courts for smuggling. They did try to look like a powerful, large gathering. But it was no different than the earlier ones. Many observers say intelligence services were behind the meeting. You could see that from the security measures around the meeting.”

Hinter der „Warnung an Washington“, von der Taştekin, Fazit ziehend, spricht, steht ziemlich offenkundig jenes CIA-NATO-MIT Racket, das die US-Syrienpolitik schon 2013 maßgeblich zu bestimmen / hintertreiben vermochte und auch eine maßgebliche Rolle bei der LIHOP-Operation des tatsächlichen oder scheinbaren Putschversuches eines Teils des türkischen Generalstabs gespielt haben dürfte. Anders wären solche Ränkespiele angesichts der Entschlossenheit des CENTCOM zur Stützung der SDF eine Kinderei, die dem MIT besser nicht zu unterstellen ist.

Weitere Berichte über den Vorgang, die ich fand, geben nichts her, doch diese Anekdote möchte ich Tastekins Bericht noch beifügen: Syrian tribal leader Nawaf al-Bashir rejoins Assad regime after years of supporting rebels. Bashir hatte seine syrischen Verbindungen 2013 dem o.zit. Racket zur Verfügung gestellt und war offiziell als Schirmherr des Dezember-Treffens in Sanliufa 2012 aufgetreten. Ende 2013 oder Anfang 2014 wurde er vom türkischen Außenministerium, das sich drängenden Vorwürfen aus Washington ausgesetzt sah, zum Sündenbock erkoren. Bashir, mit Hilfe saudischen Geldes, sei der Hauptakteur der Hinwendung von der US-Politik enttäuschter arabischer Stämme zu den Islamisten gewesen, ließ der MIT damals verlauten.

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2 Antworten zu Türkei streut Gerüchte über neue arabische Front gegen Rojava

  1. tgarner9 schreibt:

    Dieser „türkische“ Wind weht (auch) aus dem Washington Institute.
    http://www.washingtoninstitute.org/uploads/Documents/pubs/PolicyNote39-Raqqa.pdf

    Gefällt mir

  2. Pingback: Rojava – Update April ’17 | Themen & Essays

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