US-Military Community einigt sich auf Krieg gegen Teheran

Unter taktischen Gesichtspunkten kann der Auftritt von US-Central Commander Votel vor dem Streitkräfteausschuß des Repräsentantenhauses auf den ersten Blick befremdlich unprofessionell erscheinen. Es war und bleibt eine offensive Lüge, wenn die PMU’s (Popular Moblilisation Units), die überwiegend – keineswegs ausschließlich! – aus Schiiten rekrutierten irakischen Milizen, die seit einigen Monaten integrierter Bestandteil der Irakischen Armee und insbesondere der Anti-ISIS-Coalition sind, als iranische Proxies denunziert werden, aber diese im Westen so gut wie unwidersprochene Propaganda erzielt die beabsichtigte Wirkung auf die Milizen und die Parteigänger des klerikalen Schiitenführers Muqtada as-Sadr, sich mit der dazugehörigen Feindstellung zu identifizieren. Votels Auftritt ist ein Schlag gegen die Operationen in Mosul und Raqqa, in denen die PMU’s direkt bzw. indirekt eine tragende Rolle spielen, der geeignet ist, amerikanische Truppen direkt zu gefährden, ohne daß im Gegenzug irgend ein taktischer oder strategischer Gewinn zu erkennen wäre, denn die Barzani-Peschmerga, die sich durch Votels antischiitisches Bekenntnis gestärkt sehen könnten, bleiben in beiden Operationen in der zweiten Reihe, das hat das offizielle Lippenbekenntnis des POTUS zur Einheit des Irak anläßlich des kürzlichen Washington-Besuches des irakischen Premiers klar gestellt. Für eine vergleichbare Gefährdung von US-Truppen und -Operationen wurde Chelsea Manning zu lebenslanger Haft verurteilt und Julian Assange mit der Todesstrafe bedroht.

Selbstredend sind die Gefahren und Einbußen für OIR (Operation Inherent Resolve), die Votel in Kauf nahm und die subalterne Chargen einem Führungsoffizier auch dann übel nehmen können, wenn sie politisch auf derselben Linie navigieren, ein taktisches Motiv in dem Krieg, der mit Votels Auftritt bereits begonnen wurde. Die Nachteile, die Votel und seine Handler für die Truppen und Verbündeten im Irak erwarten, sollen der iranischen Führung auf die zu begleichende Rechnung gesetzt werden.

Diese Analyse ist eine zureichende Begründung für den im Titel angeführten Schluss. Es gibt zahlreiche Hinweise von anderen Schauplätzen, die ihn stützen – ich verweise nur auf die geleakten Überlegungen zur direkten Beteiligung amerikanischer Truppen am Jemenkrieg – für sich genommen aber nicht voll aussagekräftig sind, deshalb erspare ich mir, sie vorzustellen. Insbesondere von syrischen Verwicklungen des beschlossenen Irankrieges wird hier im kommenden Monat die Rede sein.
Erinnern will ich jetzt nur an die Aussagen des US-Verteidigungsministers Mattis vor und in den ersten Tagen nach der Amtsübernahme, die vor einer abenteuerlichen Iran-Politik  warnten, um den Naseweisen einen Stüber zu geben, denen ein „War ‚eh klar!“ auf der Zunge liegt …

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Eine Antwort zu US-Military Community einigt sich auf Krieg gegen Teheran

  1. BC schreibt:

    JFYI
    Das House of Lords sehr ausführlich zu MENA (nach Brexit und Wahl von Trump):
    https://www.publications.parliament.uk/pa/ld201617/ldselect/ldintrel/159/159.pdf
    Man setzt dort deutlich auf ein joint venture mit Frankreich.
    Interessant fand auch ich den langen Abschnitt zum Iran.
    Zitat:
    „The interests of the UK Government are clear. The UK should continue
    to support the Iran nuclear deal, whether or not it is supported by
    the US. It will have to work closely with its European partners, and
    Russia and China, to ensure the sustainability of the deal. The UK
    must also be more transparent and vocal in its support, especially
    within the UNSC.“
    Die Dame aus einer anderen Galaxie scheint allerdings anders zu ticken.

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