Ktb – One fish in a nutshell

Der Wiedererkennungswert im Herrschafts-Marketing, speziell in Psy Ops, ist nicht auf „die breite Masse“ gezielt, wie Sozialpsychologen zu verbreiten angeleitet werden – das ist selbst eine Psy Op – sondern auf Individuen in der Masse, die angehalten wurden, und sich angewöhnt haben, in ihren politischen Urteilen das Verhältnis von Kommando und Gehorsam auf den Kopf zu stellen, indem sie das Kommando mit dem Gehorsam rechtfertigen, auf den es kraft seiner institutionellen Gewalt zählt und zählen kann. Unterm Strich steht das mehr oder minder geschickt in anthropologische Fetzen gekleidete theologische Urteil, Menschen seien halt auch nur Schafe – wie alle Kreatur.

Die theologische Schafsnatur hat einen klitzekleinen Widerspruch. Wie, bitteschön, soll ein Schaf zu einem Begriff vom Herren kommen, der es seine Schafsnatur gewärtigen läßt?
Dieser Unbequemlichkeit halber gibt es in der Theologie der Sklavenhalterei stets einen Epikur zum Platon und diverse Aristotelen, die sich in schwindelerregenden Verrenkungen mühen, das Unvereinbare zu versöhnen, ohne der Blasphemie zu verfallen, sich gleich selbst zum Gott zu erheben und womöglich zum Beweis ihrer Anmaßung genötigt werden, zum Schierlingsbechertrank anzutreten …

Deshalb gibt es Telepolis und in Telepolis einen Thomas Pany.

Ich nehme Pany nicht gern zu Demonstrationszwecken her, da gäbe es ganz andere, doch an dieser Stelle ist es wie immer im Krieg, „es trifft die Besten zuerst“, weil sie dazu neigen, sich zu exponieren, wo andere sich mit dem Instinkt eingefleischter Opportunisten verstecken.

Pany hat in einem Leserkommentar den armseligen Gehalt des auftragsgemäß abgelieferten und dafür unmäßig wortreichen „limited hangout“ selbst hervor gehoben:

Was bleibt, ist das Misstrauen gegenüber allen Darstellungen, weil sie alle von Interessen geleitet sind.

Wer jetzt merkt, daß in dieser Sentenz das Wort „Interessen“ die Schafsnatur in der anthropologisch-theologischen Sozialpsychologie vertritt, bekommt von mir 15 Punkte.

Doch deswegen habe ich mir nicht die Mühe gemacht. Ich nehme Pany zu Demonstrationszwecken her, weil er am 29.3. den Artikel Syrien: 40.000 in Hama auf der Flucht veröffentlichte, den ich (auf Twitter) ausdrücklich für seine Korrektheit gelobt habe. Ich zitiere ein wenig daraus.

Eine Offensive der al-Qaida-Allianz, Ahrar al-Sham und verbündeter Milizen auf Stellungen der syrischen Armee verschafft der Türkei ein Pfand für Verhandlungen (…) [In Idleb] wird eine Eigentümlichkeit sichtbar: Die Türkei hält in Zusammenhang mit dem EU-Abkommen ihre Grenzen zu Syrien für Flüchtlinge dicht, nicht aber für Versorgungslinien der „NSAGs“ oder eben nicht verklausuliert: die Dschihadisten. (…)
[Aron] Lund beschreibt die Taktik von Assad als „gnadenlose Säuberungsstrategie“, mit der er auch die Türkei im Auge habe, damit diese endlich die Unterstützung der Milizen aufgebe. Die Milizen würden ihrerseits mit aller Härte vorgehen. Ihnen gehe es darum, den Sieg Assads, der auf lange Frist nicht zu verhindern ist (sei, TG), möglichst teuer zu machen. (…) Im größeren Bild der Machtinteressen der auswärtigen Staaten zeichnet sich ab, dass die Türkei den Astana-Prozess unterminiert. Dort kommt ihr die Rolle als Garantiemacht der Opposition zu.

Im Khan Sheikhoun-Artikel von Pany ist dieser Artikel nicht einmal verlinkt. Wir könnten uns die Karten legen, ob er es vergessen hat, oder ob die Redaktion ihm den Link strich. Die wahrscheinlich richtige Antwort lautet: Keins von beidem. Das entnehme ich dem Schlußabschnitt des Sheikhoun-Artikels:

Wie erklärt man über 50 Tote, die augenscheinlich von niemandem bestritten werden?
Damit, dass laut einem Autor von al-Masdar-News (der Regierung in Damaskus nahestehend), „viele der Opfer, die durch Chemikalien getötet wurden, zuvor aus Khattab (das unter der Kontrolle der Regierung steht) entführt wurden“, um sie einem Angriff der Regierung auszusetzen, von dem vorher vermutlich niemand wissen konnte, um daraufhin die Regierung anzuschwärzen? Auch hier stecken Ungereimtheiten angesichts des Versuches, ein möglichst stimmiges Bild der bösen Gegenseite zu zeichnen.

Khattab war einer der Schauplätze der Söldner-Offensive, die Pany türkischen Strategemen angelastet hatte. Angesichts Pany’s erwiesener Qualifikation kann ich es auch keiner Schluderei zuschreiben, daß er dem Leser nahe legt, die Darstellung Al Masdar News beruhe auf einer Annahme. Tatsächlich heißt es in dem Artikel, den Pany nicht verlinkt (sondern nur einen Twitter-Kommentar dazu)

It is known that about 250 people from Majdal and Khattab were kidnapped by Al-Qaeda terrorists last week. Local sources have claimed that many of those dead from the chemical weapons were those from Majdal and Khattab.

Die Leichen wurden von den Zeugen als Entführungsopfer identifiziert, lautet die Behauptung.  Stimmt es, wäre in Khan Sheikhoun dieselbe Nummer aufgeführt worden, wie in Al Ghouta 2013. Hier das Dossier der Mother Agnes Mariam de  la Croix mit den Zeugenaussagen, das es dank der Aufmerksamkeit, die es in gewissen Kreisen erregte, bis zur UN-Untersuchungskommission schaffte, um dort mit dem Argument in der Schublade zu verschwinden, die Mutter Agnes habe nicht die Kompetenz aufzuweisen, ein solches Dossier korrekt zu erstellen.
Im Jahr 2015 gab es eine Ergänzung durch Dokumente, die der türkische HDP-Abgeordnete Erem Erdem von einem Untersuchungsrichter erhielt, dessen Ermittlungen zu türkischen Verbindungen mit der Al Ghouta-False Flag von Gendarmerie und oberster Staatsanwaltschaft unterbunden wurden. Erdem floh angesichts der damaligen Spannungen zwischen Türkei und Russland wg. des absichtlichen Abschusses eines russischen Jagdbombers mit den Dokumenten nach Moskau und RT machte die Story groß auf.
All das weiß Thomas Pany.
Noch besser weiß es der russische Generalstab, der es vorzieht, ohne Verwendung der im Westen so beliebten Vokabeln „offensichtlich“, „offenbar“, „angeblich“ zu deklarieren, in Khan Sheikhoun seien im Verlauf eines syrischen Angriffes Substanzen aus einem Chemiewaffenlager der „Rebellen“ freigesetzt worden, das wisse man, weil die Aufklärung gesehen habe, daß ein Waffenlager getroffen wurde.
Und Erem Erdem – gibt es ihn überhaupt noch? – ist vergessen oder verschwunden.

So läuft es, ich erspare mir weitere Worte.

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Eine Antwort zu Ktb – One fish in a nutshell

  1. tgarner9 schreibt:

    Gegen den Ekel

    (lasse ich gelegentlich im Hinterkopf laufen)

    Gefällt mir

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