Fazit zum Cruise Missile Angriff – Ergänzung

Das Fazit der ICG ist lehrreich ob seiner Hinterlist.

Es besteht im Grundsatz darin, das Verfahren zur Deeskalation des Krieges, das Russland UND Syrien, zum Teil auch CENTCOM, seit mindestens einem Jahr verfolgen und angewandt haben, bis es seit vielen Wochen von zionistischer und türkischer Seite torpediert wurde, für das auszugeben, was Washington Moskau erst noch abringen oder abhandeln solle.

Seit mindestens einem Jahr demonstriert die syrische Seite in der Praxis, daß sie dem imperialen Verlangen, allen den Amerikanern gehorchenden Söldnern, Islamisten oder nicht, den Status von „gemäßigten Rebellen“ zuzuerkennen und sie zu schonen, nachkommt, oder nachzukommen bereit ist, sofern sich die Betreffenden an lokale Deeskalationsvereinbarungen halten. Das galt nur für eine „Zone“ nicht – die unmittelbare Umgebung Damaskus, bes. Ost-Ghouta und die südlichen Vorstadtgebiete bis Qneitra.

Die Antwort waren nach der Trump – Wahl eine Offensive auf Palmyra / Homs, die nur mit mindestens Duldung, wahrscheinlich Unterstützung eines Teils der amerikanischen (sowie britischer und saudischer) Truppen hat stattfinden können. auf Damaskus (von Ost-Ghouta aus), die Unterbrechung der Wasserversorgung Damaskus und zahlreiche Angriffe aus der Provinz Idleb auf Aleppo und Hama, für welche die Türkei Mittel und Nachschub lieferte. Bis zum syrischen Angriff auf Khan Sheikoun, und einschließlich seiner, flogen Syrer und Russen im Bezirk Idleb nur Angriffe in direkter Vergeltung solcher Offensiven, oder, abgestimmt mit CENTCOM, zu Gunsten eines zum Gehorsam bereiten Flügels von Ahrar al Sham, zu Lasten von Al Nusra und seiner Verbündeten. Auch Centcom selbst beteiligte sich an diesen Angriffen.
Das Verlangen der ICG nach weiterer Deeskalation wäre von Washington also einfach zu erfüllen, wenn es die Angriffe der imperialen Jihadisten demotivierte und schließlich unterbände – doch genau das kann „Washington“ nicht, das Weiße Haus hat nicht die Macht, derart ins außenpolitische Establishment hinein zu regieren, und darüber vielleicht auch die türkischen, britischen, saudischen, australischen und – und – und … Schlächter zur Raison zu bringen.

Was wollen die ICG-Leute also sagen oder vermitteln?

Auf einen flüchtigen Blick könnte man denken, die Forderung, auch die Al Nusra – Leute nominell in die Reihen der satisfaktionsfähigen „Rebellen“ aufzunehmen, mit denen Waffenruhen zu vereinbaren sind, wäre „das Ding“.

To have any chance of success, a ceasefire must include – at least for a defined period – areas in which Tahrir al-Sham is present but does not exert unilateral control. This would provide time, space and political capital for the U.S. and Turkey to work with rebel allies to address the Tahrir al-Sham problem before it strangles them.

Doch auch das ist längst geschehen! Überall dort, wo die SAA lokale Waffenruhevereinbarungen mit freiem Abzug für Jihadisten geschlossen, und die Typen nach Idleb ausgeschleust hat, ist es geschehen. Der Bezirk Idleb war, siehe oben, von den russischen, amerikanischen und syrischen Militärführungen zur „Sortierung“ der Söldner in Gute und Schlechte vorgesehen.
Was also sonst? Dies hier?

Recognising spheres of influence held by the conflict’s many players is nobody’s idea of a perfect peace, but currently it offers the most realistic path to a sustained de-escalation that could create space for a political process addressing Syria’s governance and geopolitical dilemmas.

Diese offizielle Anerkennung des Status Quo durch Russland, Syrien und den Iran wäre allerdings eine Novität, aber wozu soll sie gut sein, nachdem die inoffizielle Anerkennung längst da ist? Trump und dem militärischen Establishment einen diplomatischen „Sieg“ verschaffen, den die Amerikaner unter der Obama-Administration offiziell nie angestrebt haben? Schwerlich, oder?

Der Schlüsselabsatz zur Erklärung des Papiers ist dieser:

Russia is pinched between an unreliable ally in the Assad regime, which, for all its brutality, is incapable of winning the war; an all too capable ally in Iran, able to defend its interests in Syria even when they diverge from Moscow’s; an adversary in Turkey which, nominal rapprochement notwithstanding, has little incentive at present to do Moscow favours; a formidable military power across the occupied Golan in Israel, which is sceptical of Russia’s intentions and ability to rein in Hizbollah and acts against it even in proximity to Russian forces; and an unpredictable rival in the Trump administration, which, for all its professed desire to avoid foreign entanglements, may find stoking crisis to its political benefit.

Wer die Gelöbnisse Assads und offizieller Ränge in der Hezbollah und im Iran, man wolle und werde „jeden Zentimeter Syriens“ zurück erobern, gegen meine obige Darstellung halten will, nehme hier bitte das „the Assad regime, which … is incapable of winning the war“ zur Kenntnis. Das „all too capable Iran“ hilft auch nicht, nachdem nicht der Iran, sondern Russland Damaskus mit regulären Truppen vor der Niederlage geschützt hat.
Der Schlüssel ist der buchstäblich unerhörte Verweis der ICG auf die „formidable Militärmacht Israel“ nebst der Drohung mit einer Intervention der IAF im Libanon und in Syrien: „acts against (Hezbollah) even in proximity to Russian forces„.
Habt ihr sowas je irgendwo gelesen, und sei es in Andeutungen?
Ja!
Der Absatz hat nämlich dieselbe Aussage, die ich neulich mal wieder hingeschrieben habe und seit spätestens 2013 jedes Jahr wiederhole: In der derzeitigen Verfassung des Imperiums kommt es Israel unweigerlich zu, Damaskus zu vernichten, ob man das in Tel Aviv gern, oder ungern sieht. Denn die Türkei, die im Drohszenario der ICG neben Israel figuriert – doch das KSA nicht, das ist auch ein erhellendes Detail! – kann Damaskus nicht fertigmachen, sie ist an den NATO-Status gebunden. Die NATO kann Damaskus nur inoffiziell platt machen und dafür gibt es genau eine Adresse: Tel Aviv.

Die Summe der Botschaften, Anerkennung der Aufteilung Syriens in Gouvernorate der Interessenten und Drohung mit der israelischen Militärmacht, lautet:
Die USA und Russland sollen gefälligst die Ansprüche Israels an den Ausgang des Syrienkrieges bedienen. Entweder – mindestens – Abtretung des Golan als „Sicherheitszone“ an Israel,  oder Erzwingung einer zur „Übergangslösung“ deklarierten jordanisch-israelischen Verwaltung über den Süden Syriens.

Die letzte Forderung, die wir verklausuliert schon von Tillerson kennen, dürfte nur mit einem finalen Schlachtfest der IAF in Damaskus zu erzwingen sein, auf das man es in Moskau einfach ankommen lassen wird. Denn so, wie die Dinge heute liegen, verträgt sich ein kriegsentscheidender Eingriff Israels schlecht mit einem Irankrieg. Im Anschluß auch den Iran noch zu verwüsten, mag ein feuchter Traum vieler Imperiumskrieger sein, aber es wäre auch das Ende des Imperiums, die zentrifugalen Kräfte in Europa und Asien wären schwerlich unter Kontrolle zu halten.

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