Eine Bemerkung zum russisch-amerikanischen Spitzentreffen

Unter dem Blödsinn, den die außenpolitische Sprecherin Russlands, Maria Zakharova im Vorfeld von sich gegeben hat, fand sich auch bemerkenswerter Blödsinn:

US claims, Russia might have had knowledge about the alleged chemical attack in Syria’s Khan Shaykhun, are irresponsible and non-constructive, she went on.
„What comments can be made on this? Such news, such fakes deserve only one type of comment,“ she said.
„What if real knowledge of the terrorists’ preparations for the provocation existed overseas and for that reason cruise missiles had been targeted against the Shayrat airdrome in advance?“ Zakharova said. „Will we indulge in polemics in this way further on or start along a constructive track? Will we use the mass media, thereby ruining them by such fakes, or will we achieve the understanding of the need for a responsible approach to over-ripe international issues?“ (Quelle)

Jupp, das ist die Quintessenz der Absurdität russischer Außenpolitik seit 9/11: Mitmachen beim imperialistischen Kriegsgeschäft, obwohl, ja, weil die Kräfte, die es bestimmen, das atomar bewaffnete Russland allenfalls gegen ihren Willen und vorübergehend zum Mitmachen zulassen, um es unterwegs Jahr für Jahr mehr zum Kriegsziel zu stellen.

Deshalb kam es genau Maria Zakharova zu, einem Verfahren, dessen sich alle Mitmacher im amerikanischen Krieg seit 9/11 befleißigen, die Weihe „höherer“ politischer Vernunft anzuheften: Über all das, was zählt in diesem Krieg, was ihn von „bewaffneten Konflikten“ anderer Art und Herkunft unterscheidet, und diese an einer Vielzahl von Schauplätzen in Afrika, Asien und Europa inkorporiert, dürfe nicht geredet werden.

Das gilt natürlich in erster Linie für 9/11 selbst. Das schlagenste Beispiel mag jedoch die scheinbare Ausnahme sein, die fiktiven „WMD im Irak“, mit denen – im Zusammenwirken mit den tabuisierten False-Flag-Angriffen, denen hunderte spanische und britische Zivilisten zum Opfer fielen – die Ausweitung des Afghanistankrieges zum MENA-Krieg durchgesetzt wurde, der dem Afrika- und Europakrieg zur Basis diente. Darüber darf geredet werden – Zakharova tut es – weil die zuständige Stelle den Irakkrieg mit taktischen und strategischen Rücksichten zum „Fehler“ erklärt hat. Diese Ausnahme ändert nicht das Resultat und den Gewinn der Verleugnung der übrigen „Fehler“ für die Mitmacher. Sie verhandeln den Krieg als politisches Geschäft, worüber nahezu alle politischen Geschäfte, bis tief in die Handelspolitik hinein, zum Kriegsgeschäft werden, was dem Donald daran auffällt, daß die USA, damn it, keinen Krieg gewinnen und unter nationalen Gesichtspunkten nicht einmal Kriegsgewinne einfahren.

Tatsächlich ist diese Identität von Krieg und Politik die schlichte Wahrheit über alles politische Geschäft seit Ende der Kolonialkriege (im engeren Sinne). Doch die Gewinnernationen des WK2 diktierten mit ihrer militärischen Macht ein  „internationales Recht“, das immerhin zwischen den führenden Nationen auf dem Weltmarkt die Lebenslüge imperialistischer Politik gültig machte, Krieg sei eine Abweichung und ein Unfall der kapitalistischen Geschäftsordnung,  welche in der wechselseitigen Anerkennung der Souveräne gründe. Tatsächlich reflektiert der Kodex wechselseitiger Anerkennung der Souveräne auf dem Weltmarkt genau ein – mehr oder auch weniger erzwungenes – Einvernehmen: Die Unvereinbarkeit ihrer Interessen und Ansprüche aneinander soll nicht zum Hindernis für die kapitalistische Weltordnung selbst werden, der diese Interessen und Ansprüche, und mit ihnen die nur kriegerisch zu entscheidenden Kollisionen, entstammen. Was der Sache nach ein Krieg mit einer Vielzahl von Mitteln ist, soll als Konkurrenz der Nationen abgewickelt werden, deren Resultat ihre jeweilige Staatsraison, d. h. die von ihnen selbst militärisch gesetzte und bemessene Raison d’Être nicht vernichtend angreifen soll.

Es ist nur logisch, daß unter der bedingten, nämlich militärisch erzwungenen und aufrecht erhaltenen Geltung dieses Kodex gegen seine Bruchlinien, die Summierung der Widersprüche und schließlich die Zerreißgrenze des ganzen Konstruktes auf die Führungsmacht auf dem Weltmarkt zulaufen. 1.

In der Gestalt allseitiger, mehr oder auch minder einvernehmlicher Verleugnung des imperialen Krieges, die Zakharova zum Gebot der Vernunft erklärt, ohne den Vernunftsgrund beim Namen zu nennen, nämlich die atomaren Erstschlagsdoktrinen der USA und Israels, wird jene Verlaufsform kenntlich.


  1. Damit es irgendwie weiter gehen könne, setzen jetzt viele Player auf die NATO als das militärische Zentrum, das die USA ablösen können solle. Doch das ist eine alberne Illusion: Die NATO ist halt kein Souverän, auch wenn sie militärisch wie einer handeln kann, und sie kann auch keiner werden, es sei denn, sie führte den amerikanischen Krieg um nationale Selbsterhaltung an Stelle der USA. 
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2 Antworten zu Eine Bemerkung zum russisch-amerikanischen Spitzentreffen

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