Ich erwarte eine türkische Intervention in Sindschar in den kommenden Wochen

Update 20.4.

Zwei Tage vor diesem Eintrag hat Joost Hiltermann, der MENA-Chef der ICG, der Trump – Administration ein Ultimatum ausgeliefert: Entweder sie interveniere in Sindschar oder die Türkei werde es tun und ein Bürgerkrieg in Südkurdistan werde die ganze Region neu anzünden.
Die restlichen 10 Tausend Worte wollen sagen: Wenn Trump nicht noch in diesem Jahr Teheran nuke, gehe die Welt sowieso in Flammen.

Es sieht danach aus, daß Erdogan den urbanen Widerstand gegen die Führerdiktatur entmutigt hat. In Anatolien zwingen Armee- und djihadistische Milizen ganze Dorfbevölkerungen zu einem „Ja“ Votum, indem sie ihnen im Weigerungsfall die Vernichtung des Ortes unter dem üblichen Vorwand androhen.

Seit Monaten arbeiten KDP und loyale Peschmergas daran, die Unterstützung der Jeziden für die PKK, den nicht loyalen PUK-Flügel und Rojava-Verbände mit Repressionen gegen Familienmitglieder aufzubrechen. Der Probelauf einer militärischen Konfrontation der PKK in Sindschar endete allerdings mit einer Niederlage der KDP.

In diesem Zusammenhang ist es auffällig, daß die ICG seit zwei Wochen für die Wiederaufnahme des Karabach-Krieges wirbt. Magdalena Gono, meinen Lesern schon wohl bekannt, veröffentlichte einen langen „Kommentar“ dazu am 31.März, der, so viel ich sehen konnte, keine Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit fand. Doch die ICG läßt nicht nach: am 12.4. bewarb und verbreitete sie ihre Botschaft erneut, ohne daß irgend etwas Neues geschehen wäre. Sie lautet, kurz zusammengefaßt: Russland darf es nicht gelingen, den Krieg zuverlässig einzufrieren, und die nächste „Heiße Phase“ muß blutig genug ausfallen, um überregionale Konsequenzen zu erzwingen, die im vergangenen Jahr maßgeblich auf Druck Chinas und des Iran unterblieben. Für dies Ansinnen gibt es genau eine Adresse: Erdogan.

In der kommenden Woche beginnt eine Reihe „vertraulicher Gespräche“ zwischen Iran und der Türkei auf Regierungsebene in denen es lt. „Leaks“ um die kommenden Astana-Runden gehen soll. Ich vermute stark, ein Hauptthema wird die Vorbereitung eines türkisch-südkurdischen Angriffes auf die PKK und jezidische Sozialrevolutionäre in Sindschar, evt. eine vorübergehende türkische Besetzung des Gebietes sein. Mit der Drohung, Karabach neu anzuzünden, wird Erdogan den Iran zu bewegen suchen, den Widerstand der PKK und schiitischer Milizen gegen diese Okkupation zu entmutigen.

Einer der stärksten Hinweise darauf liegt für mich in der uneingeschränkten Loyalitätsadresse, die US-Kriegsminister Mattis ausgerechnet vor der morgigen „Schicksalswahl“ für Erdogan abgegeben hat. Sie steht gleichwohl im Gegensatz zum operativen Geschehen in Syrien. Dort bleiben die türkischen Aktivitäten im Wesentlichen auf die Inbesitznahme der Region Azaz – al Bab durch Massenvertreibung der Kurden und anderer „verdächtiger“ Bevölkerung, sowie die mit der False-Flag-Attacke in Khan Sheikoun erreicht Befestigung eines türkischen Al-Qaida Gouvernemets Idleb beschränkt. Zum Ausgleich des türkischen Ausschlusses von der Raqqa-Operation versuchen die Internationalisten, wie gesehen, dem Weißen Haus grünes Licht für eine amerikanische Besatzungsmacht in Raqqa und Tabqa abzupressen. Eine erfolgreiche und geduldete türkische Intervention in Sindschar würde die Isolierung Rojavas komplettieren.

Kurzmitteilung | Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Ich erwarte eine türkische Intervention in Sindschar in den kommenden Wochen

  1. tgarner9 schreibt:

    Die Zentrale einer turkmenischen Partei in Kirkuk, die gegen den Anschluß Kirkuks an die KRG auftritt, wurde niedergebrannt.
    Lasse sich niemand von den Deklarationen der AKP gegen die Unabhängigkeit der KRG täuschen, diese Taktik soll Barzani gegen nationalistische Kritiker stützen. Umgekehrt ist die Taktik insofern wahrhaftig, als Erdogan ein Großkurdistan haben will, das mit dem „demokratischen Konföderalismus“ aufräumt.
    Die Bevölkerung Kirkuks meidet nun die Straßen, um einem Blutvergießen aus dem Wege zu gehen, schreibt van Wilgenburg. Das heißt, der Tisch für Provokateure eines Bürgerkrieges ist angerichtet.

    Gefällt mir

  2. Pingback: Umrisse der kommenden Phase des War on Terra | Themen & Essays

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s