Syrien – Aktuelles

Der Anschlag auf einen Konvoi mit Flüchtlingen aus al-Foua and Kefraya ist aus dem Alltag systematischer Abschlachtung syrischer Bürger heraus zu heben, weil die Umgebungsvariablen einen erneuten Phasenwechsel im Kriegsverlauf einzuläuten scheinen.

Reuters veröffentlichte schon gestern einen langen Bericht dazu, der von Verständnis für die Urheber des Anschlages troff. Ich kann ihn nicht mehr zeigen, weil er gelöscht wurde. Ersetzt durch diese Kurzdarstellung, die auf eine Propagandalinie einschwenkt, die SPON schon gestern eingeschlagen hatte und dem Massaker-Marketing der Söldnerhuren folgt: Assad schlachtet wieder Kinder. SANA hatte schon in der ersten Meldung berichtet, die Autobombe sei mit einem Transporter / LKW ausgeliefert worden, der u.a. für Kinder bestimmte Leckereien transportierte. Das aktuelle Narrativ war folglich mit einiger Wahrscheinlichkeit vorbereitet.

Bis zur Stunde stehen die iranische und irakische Regierung allein mit der Klage über die „Doppelmoral“ des „Westens“, die russische Auslandspresse ist bemerkenswert leise. TASS und Sputnik ignorieren den Vorfall komplett. RT berichtet betont im Stil der Chronisten und hebt am Schluß hervor:

The United States also condemned the blast targeting calling it a “barbaric” attack against innocent civilians.

Das folgende Zitat ließ RT unkommentiert:

„We deplore any act that sustains and empowers extremists on all sides including today’s attacks, as well as forced migration, increased displacement, and all forms of violence directed against civilians in Syria,“ State Department spokesman Mark Toner said in a statement.

Implizit hat Toner den syrischen Waffenruhedeal, der mit dem Anschlag wohlmöglich abschließend torpediert wurde,  zur „forced migration“ deklariert und den Anschlag damit gerechtfertigt – wie Reuters im inzwischen gelöschten Artikel.
Toners remarks sind auf der State Gov – Seite (noch?) nicht zu finden.

Torpediert hat der Anschlag russisch-syrische Maßnahmen zur Konsolidierung der Aufteilung des Landes in imperiale Gouvernorate, die, ach allem, was wir wissen können, von der Administration Obama als Voraussetzung „politischer Gespräche“ in Genf akzeptiert worden war. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum ich von einer neuen Phase spreche. In meiner noch unabgeschlossenen Serie zu den russisch-amerikanischen Konsultationen beabsichtige ich zu zeigen – ja, ich setze das fort, weiß nur noch nicht wann – daß der Kreml die Aufgabe erhalten und im Wesentlichen akzeptiert hat, den HNC noch vor irgend welchen echten Verhandlungen in Astana / Genf mit einem militärpolitischen Präjudiz zur vollständigen Entfernung der syrischen Nomenklatura aus der syrischen REgierung und Administration zufrieden zu stellen.

Weitere Vorgänge:

Vor einer Woche berichtete ich über ein US-Bombardement am Grenzübergang Al Tanf, das allem Anschein nach im Zusammenhang mit einer Neuformierung der „Südfront“ und der Vorbereitung einer neuen Offensive dort stand.
Al Manar / Al-Mayadeen haben zwei Tage später über Vorgänge berichtet, die diesen Zusammenhang bekräftigen.
Am 26. März verließ der amerikanische Frachter mit dem illustren Namen „Liberty Passion“, Tragfähigkeit 20 Tausend Tonnen, den Hafen Livorno, der von der 6. Flotte der Navy für Versorgungstransporte genutzt wird. Das brandneue Schiff wird von der Navy als Truppen- und Waffentransporter eingesetzt, ohne ihr nominell anzugehören.
Die LP ankerte zunächst in Constanza, Rumänien, wo sie u.a. schwere Militärfahrzeuge Panzer und Helicopter entlud, die, Nach Angaben eines Militärvideos, für Manöver im Rahmen „Atlantic Resolve“ bestimmt waren. Offenbar eine Teilentladung, denn danach nahm die LP Kurs auf den Suezkanal und ankerte am 7. April im jordanischen Hafen Aqaba, der – den Quellen zufolge – kein regulärer Durchgangshafen für Navy-Einheiten ist. Die nächste Station des Schiffes war Jeddah, KSA, aktuell liegt es im Hafen Sohar, Oman. Al Mayadeen beruft sich auf ungenannte Quellen in den Reihen der „Rebellen“ mit der Angabe, das in Aqaba entladene Material sei für die „FSA“ und eine „Schlacht“ in Südsyrien, ähnlich der türkischen Operation „Euphrates Shield“ im Norden bestimmt, im Klartext also für die Schaffung einer möglichst amerikanisch überwachten „Safe Zone“.
Der Zusammenhang mit der Intrige um Entsendung von US-Bodentruppen scheint mir deutlich genug, diese Angabe zu untermauern.
Ich werde erst in späteren Einträgen rechtfertigen können, warum ich den Vorgang so detailliert aufgenommen habe.

Angedeutet wurde der größere Zusammenhang des Phasenwechsels und der Art, wie er stattfindet, in einem Artikel, den Amos Harel am 14. in der Haaretz veröffentlichte, Untertitel: The harsh tone taken by Russia and Iran in the wake of the U.S. strike in Syria may indirectly threaten Israel. Ich kann ihn mangels Geld nicht lesen und verlasse mich auf die Zusammenfassung bei Al Manar. Demnach gibt die zionistische Militäraristokratie an, sie „befürchte“, der israelische Anspruch auf Abtrennung des gesamten Golan von Syrien, um eine „Neue Front des Iran und der Hezbollah gegen Israel zu verhindern“, könnte im Verlauf der Spannungen im militärischen Verhältnis der Großmächte unter die Räder kommen.

Ein kleines, aber bezeichnendes Detail für die „Neue Phase“ ist der Vorstoß des britischen Telegraph, der den vor drei Jahren desertierten syrischen General Zaher al-Sakat mit der „Insider-Auskunft“ zu Wort kommen läßt, die syrische Regierung habe seinerzeit 1300 Tonnen ihrer Chemiewaffen vor der UN „versteckt“ und das aktuelle Arsenal belaufe sich auf „mehr als 2000 Tonnen„.

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2 Antworten zu Syrien – Aktuelles

  1. tgarner9 schreibt:

    Reuters, BBC und Le Monde haben das Massaker von Rashidin heut morgen „Assad“ angelastet, im UK wird erneut (wie schon 2012 einmal!) die Hinrichtung der Assads vorbereitet, indem eine Debatte gezündet wird, Asma Al Assad die britische Staatsbürgerschaft zu entziehen.

    Natürlich machen auch die syrischen Staatsmedien kein Faß auf, um nicht beizutragen, das sektiererische Motiv des Blutvergießens anzufachen.

    Nachdem das KSA sich letztes Jahr entschieden hat, die Anstiftung zum Krieg im Libanon sein zu lassen, seine Agenten zurück gepfiffen, oder, wie Saad Hariiri, auf Beiträge zur Stabilisierung des Libanon verpflichtet hat, hat die Kriegspartei mit einem starken Motiv für den Anschlag genau eine Adresse, Tel Aviv, denn eine Bevölkerungstrennung wäre die „Trasse“ der Wahl, für das südliche Territorium Syriens einen Bann gegen „die Schiiten“, d.h. Hezbollah und iranische, irakische Milizen militärisch durchzusetzen.

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  2. tgarner9 schreibt:

    Moshe Yaalon hat die Zusammenarbeit mit der Daesh-Zelle, die am südwestlichen Rand des Golan operiert, gegenüber der Presse erkennen lassen. Dieser Nachweis wäre nicht nötig, schließlich sind Aussagen, wie „wir ziehen Daesh dem Assad – Regime vor“ deutlich genug, aber er mag dem einen oder anderen von Nutzen sein.

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