Brookings wirbt für Kurswechsel gegenüber Russland

Gerade habe ich einen kleinen Abschnitt zu meinen größeren Projekten verfaßt, da kommt erneut ein Vorgang herein, den ich nicht ignorieren will.

In der Reihe „Order from Chaos“ hat das Chef-Institut der Chaos-Reiter einen Artikel von Michael E. O’Hanlon heraus gegeben, der wie folgt anhebt:

… but Trump’s instincts about U.S.-Russia ties are at least partly right. The U.S. simply can’t afford poor relations with the planet’s other nuclear superpower.

Falls ein kluger Kopf jetzt denkt, ja, klar, wenn eine Nuklearmacht sich ernsthaft vornimmt, eine andere Nuklearmacht platt zu machen, dann muß sie auf Wege sinnen, den Feind zu bewegen, nötigen, whatsoever, seine nukleare Gegenmacht selbst zu neutralisieren, andernfalls bleibe deren eigene Nuklearmacht auf der jeweils erreichten Stufe der Nötigungen und Erpressungen neutralisiert.

In der Tat, für die Abteilung Russlandkrieg im Allgemeinen reicht dieser Gedanke und Schluß. O’Hanlons Titel If Trump really wants to improve relations with Russia, he should persuade NATO to stop expanding zielt auf eine Eskalation, nicht Deeskalation. Doch wenn wir uns auf seine Vorschläge einlassen, zeigt sich m.E., da ist noch etwas mehr ‚dran.

Trump [could] at least try to deescalate tensions [pursuing] a broad agreement between NATO states, Moscow and the neutral countries of Europe. … NATO could vow not to expand further. In return, Russia would commit to leave the neutral countries alone, withdraw military forces from their territories, allow them to join whatever diplomatic and economic groups they want (including the European Union), and stop arming and abetting separatists in places such as the Donbas region of Ukraine and northern Georgia. Once Putin met these conditions, the U.S. could lift its sanctions against Russia.

Schwindelerregend, nicht? Auf welchem Wege kann ein O’Hanlon auf die Idee verfallen, eine Bekräftigung der Forderung, Russland solle alle militärpolitischen Positionen in Osteuropa, an denen sich die NATO stört – vielleicht mit Ausnahme der Krim, die O’Hanlon nicht erwähnt – ohne weitere Zicken räumen, für eine „Deeskalationsstrategie“ auszugeben?

Nun, die militärische Hälfte der Antwort ist in den Fortschritten der amerikanischen Neubesetzung Deutschlands, der NATO-Stationierungen in Polen und im Baltikum gegeben und lautet schlicht: Der Deal soll auf einen Verzicht der NATO auf einen Kaliningradkrieg gründen. Vielleicht – niemand wird es je wissen – auch ein vorläufiger Verzicht auf einen Weissrusslandkrieg.
O’Hanlons wortloser Hinweis, für wie virulent und wirksam er die genannten Drohungen der NATO hält, ist schonmal ein Grund für meinen Eintrag.

Die politische Hälfte der Antwort ist von der militärischen natürlich nicht sauber zu trennen. Sie besteht in erster Instanz in der mittelbaren Auskunft, die bisher absolvierten Phasen des Russlandkrieges hätten vorbereitenden Charakter gehabt und seien gewesen, was ich immer behauptet habe: Ein indirekter EU- bzw. Deutschlandkrieg. Die NATO-Osterweiterung war eine Methode, die EU und besonders Deutschland an eine transatlantische Feindschaft gegen Russland zu binden, die den europaeigenen Händeln mit Moskau und Moskauer Einfluß in Osteuropa jederzeit übergeordnet blieb, welche deshalb mehr oder minder in  die transatlantische Feindschaft eingemeindet bleiben mußten.
Diese Phase erklärt O’Hanlon für abgeschlossen. Die Brookings-Institution teilt mit, die Chaos-Reiter, die „Internationalisten“ des Imperiums seien ihrer Macht in und über Europa und die Führungsnation der EU jetzt derart gewiß, daß die USA mit der EU zusammen eine glaubhafte militärische Erpressungsfront bilden können. Anders gesagt:
Weil Brookings das deutsch-französische Veto gegen eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine von 2008 für politisch ebenso erledigt hält, wie den europäischen Widerstand gegen die Wertung des georgischen Russlandkrieges als „russische Aggression“, weil es die Niederlage dieser Achse gegen Washington für besiegelt hält, ist die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine, die sowieso nur Lasten und Komplikationen bringt, entbehrlich. Georgien ist ohnehin informelles NATO-Mitglied, da gibt es erst recht keinen Handlungsbedarf.

Selbstredend darf man Vorstöße dieser Art nicht für bare Münze nehmen, die gibt es im internationalen Verkehr nur in genau einer Gestalt: Blut, Ströme von Blut. Es ist Handelsware, ein taktischer Vorstoß, der beitragen soll, zu erreichen und zu befestigen, was da mittelbar als abgehakt hingestellt wird, doch deshalb gibt er eben genau so viel Auskunft über den Stand des Krieges, wie überhaupt zu haben ist. Jedenfalls gilt das für jeden, der keinen Finger auf einem Roten Knopf hat.

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