Türkei und Israel im Syrienkrieg – Rückblick und Korrektur

Wie Israel eine „syrische Revolution“ beiseite bombte

Aus mir zuverlässig erscheinender Quelle habe ich erfahren, die türkisch-iranisch-syrischen Vorbereitungen für einen vergleichsweise unblutigen syrischen Putsch gegen die Führungsfiguren der ständischen Militärdespotie im Sommer 2013 (1, 2), nebst Ermächtigung einer syrischen Übergangsregierung, der sehr wahrscheinlich Vizepräsident Faruk al Scharaa vorstehen sollte, waren konkreter und weiter gediehen, als die Quellen erkennen lassen wollten, die darüber im vergangenen Dezember berichtet haben. Mindestens zu erheblichen Teilen waren die CIA – Führungsoffiziere der Söldner und des SNC, namentlich Robert Ford, darin eingebunden. Im ICG-Bericht zu dem Vorgang heißt es mindestens irreführend, wenn nicht gelogen (zit. nach dem Guardian)

The Turkish president at the time, Abdullah Gül, told the ICG “our government did not pursue an agreement with Iran because it thought Assad would be toppled in a few months”.
“From Ankara’s perspective, Assad’s battlefield losses would remove need to compromise or at least improve a deal’s terms,” the report said.

Israel bombte die „syrische Revolution“ beiseite

Das Bild in meinem Eintrag zu dem Vorgang zeigt die Explosion einer israelischen Mininuke, die am 5. Mai nahe Damaskus zündete. Darüber diskutiere ich nicht, das ist so gesichert, wie sicher ist, daß Explosivstoffe mit der Wirkung einer Handgranate nicht auf ein Streichholz appliziert werden können.
Doch dies Wissen hatte bislang einen „Schönheitsfehler“, weshalb ich im Dezember darauf verzichtete, den Zusammenhang zwischen Bild und Text anzusprechen. Warum und wozu hat der zionistische Warlord Moshe Ya’alon 1 zu derart drastischen Mitteln gegriffen?
Klar war nur, es handelte sich sich um eine Demonstration und „diplomatische“ Geste, die Nuke (wohl eine Neutronenwaffe) wurde an einen Ort gesteuert, wo sie nicht die geringste militärische Wirkung erzielte. Es lag deshalb nahe, den Einsatz für eine drastische Klarstellung gegenüber dem Weißen Haus zu halten. Die Deutung lag umso näher, als der politischen Öffentlichkeit Netanyahus Auftritt gegen den „Iran-Deal“ in der UN-Vollversammlung im Sept. ’12  noch ziemlich frisch in Erinnerung stand:

[No doubt] Netanyahu’s cartoon nuclear bomb … was intended as a bold and graphic way of presenting the Iranian nuclear threat, but much of the initial response … was ridicule.

Wenige Wochen nach dem Einsatz der Nuke, ab Juli 2013, sah ich meine Deutung von den Ereignissen bestätigt. US-Chief of Staff Dempsey ließ vor und nach der Al Ghouta – False Flag, die Bandar bin Sultans „Haustruppe“, Liwa al Islam, ausgeführt und betreut hatte, mit seiner Shuttle-Diplomatie in Israel, mit der Beorderung von Landungstruppen vor die libanesische Küste, mit dem zeitweisen Abzug der für den Angriff auf Syrien vorgesehenen Trägerschiffe und seinen Auftritten in Kongress und Senat keinen Zweifel an seinem entschlossenen Widerstand gegen die Entstaatlichung Syriens nebst einem neuen israelischen Libanonkrieg. Obama griff schließlich zum drastischen Mittel einer Partnerschaft mit Putin, um die „israelische Lösung“ vom Tisch zu nehmen. Der Nukleareinsatz schien gescheitert.

Tatsächlich war er erfolgreich!

Im Mai 2013 waren die Vorbereitungen für einen Umsturz in Damaskus mit Billigung des iranischen Präsidenten Ahmadinejad weitgehend abgeschlossen. Zur maßgeblichen Kraft in der Übergangsregierung waren Vertreter der Muslimbruderschaft vorgesehen. Ihr Vertreter Moaz al Khatib war im November 2012 in Doha, Qatar, buchstäblich mit Waffengewalt in den Vorsitz des SNC befördert worden. Die Delegierten wurden in einen Raum gesperrt, den „Bulldoggen“ des Emirs Hamad Al Thani mit Maschinenpistolen bewachten, und zwei Tage, wenn ich recht erinnere, nicht hinaus gelassen, bis sie Khatib bestätigt hatten. Der hatte sich im Oktober mit einer Brandrede gegen die Takfiris unter den Söldnern für den Posten empfohlen und begann nach dem Amtsantritt eine „Charmeoffensive“ in Westkurdistan. Wenig später nötigte die CIA die türkischen Söldner, bzw. deren Auftraggeber, zur Beendigung des Rojava-Krieges.
Im Frühjahr 2013 nötigte das DoS den SNC, sich den amerikanischen Geschäftsmann Ghassan Hitto als „Premierminister“ einer Exilregierung vor die Nase setzen zu lassen. Hitto, Sohn einer kurdischen Familie, der Damaskus 1980, 17-jährig verlassen hatte, ist ein graduierter Mathematiker und Informatiker, der vor dem Herbst 2012, als er amerikanische Charity-Projekte für Syrien zu betreuen begann, politisch nicht in Erscheinung getreten war. Ich kann mich nicht erinnern, irgend jemanden gelesen zu haben, der behauptet hätte, er verstehe, was diese Sockenpuppe im SNC leisten sollte.  In der Rückschau ist die Antwort einfach: Nischte. Er sollte neben Scharaa (oder jemand anderem) die „Opposition“ in einer Übergangsregierung in der offenkundigen Eigenschaft der US-Sockenpuppe repräsentieren, um den Feinden der Muslimbrüder, welche die operativen Rollen spielen sollten, Wind aus den Segeln zu nehmen.
Parallel dazu hatte der irakische Obermufti der Al Qaida, Ayman al-Zawahiri, eine weitere CIA-Sockenpuppe, die nach der Operettenbestattung Osama ben Ladens im Mai 2011 dessen „Nachfolge“ antrat, ISIL und Al Nusra aus Syrien zurück gepfiffen, zum „Jihad im Irak“. Doch nur ein Teil der ISIL-Leute gehorchte und Al Nusra meuterte, stellte sich stattdessen in den Dienst des saudischen Geheimdienstchefs Bandar bin Sultan.

Dieser Vorgang hat, soweit ich mich erinnere, den Ausschlag dafür gegeben, daß ich die Lage mißverstand. Ich sah die Ziocons auch nach dem Abschied von Killary Clinton aus dem DoS im „Driver Seat“, oder doch in der „Vorhand“ des Geschehens, und Kerry’s Israel- und Russlanddiplomatie hielt ich für eine Soap Opera. Mindestens der Wechsel von Obamas persönlichem Kill-Berater, John Brennan, in den Vorsitz der CIA im März 2013, der mich stutzen ließ und mir einiges Kopfzerbrechen bereitete,  hätte mich von meinen Vorurteilen abbringen sollen. Obama, außerstande und daher auch nicht wirklich willens, die „Killary’s“ aus DoS, CIA und Pentagon heraus zu säubern, ist es dennoch gelungen, sie mit Blick auf den Syrienkrieg an die Kandarre zu nehmen. Der Umstand, daß der Iran-Deal über die Bühne ging, hätte mich wenigstens in der Rückschau darüber belehren müssen.

Moshe Ya’alon hatte sich aus Anlaß der Münchner Syrienkonferenz schon ziemlich klar ausgedrückt. „Wir werden nicht zulassen, daß Assad den Krieg gewinnt“. In seiner Diktion hieß das schon damals Ausschluß einer Wiederherstellung der integralen Nation. Entweder Entstaatlichung, oder mindestens Aufteilung unter Abtretung des Golan als „Sicherheitszone“, mit angeschlossener Lizenz zum vernichtenden Waffengang im Libanon. Drei Jahre später hat sich Yaalon explizit dazu bekannt. Nachdem die Nuke abgeworfen war, hat Robert Ford, der die Vorbereitungen für den Umsturz in Syrien leitete, die Operation nach Auskunft meines Gewährsmannes, der persönlich beteiligt war, komplett abgesagt. Ein Teil des Personals wurde nach Hause geschickt, ein anderer für neue Aufgaben rekrutiert. Zwei Wochen später dankte Emir Hamad Al Thani zugunsten seines Sohnes ab, der die Unterstützung der Muslimbrüder einstellen und einen neuen Ausgleich mit dem KSA suchen sollte. Wenige Tage später finanzierte das KSA mit vielen Mrd Dollar den blutigen Putsch des ägypischen Militärs gegen die Regierung Morsi.

Im Januar 2014 führten John Kerry und Robert Ford eine völlig desolate Delegation des SNC in die Scheinverhandlungen von Montreux, zu denen die Sockenpuppe Ahmed Jarba nichts beitrug, als mit überwiegend gefälschten Photos syrischer Greuel herum zu wedeln und das Mantra „Assad muß weg“ zu murmeln. Ich kann hier ausnahmsweise die Wikipedia zitieren:

Brahimi said in August 2013 that the main problem was getting the different groups in Syria and their different international supporters to accept the „very principle of a political solution.“ He said that this has been the UN approach to the Syrian civil war since the war began. Brahimi said that his
“ main message to the Syrian parties … [is] that there is no military solution to this devastating conflict. Only a political solution will put an end to it. And the basis for such a solution does exist. It is the Communiqué issued on 30 June 2012,[7] after the meeting, in Geneva, of the so called ‚Action Group‘ of countries convened[11] at the initiative of Kofi Annan.[6]

Eine „politische Lösung“ war vom Tisch, die Dominanz der Takfiris unter den Söldnern war präjudiziert, die Eroberungen der ISIL begannen. Eine auswärtige Intervention wurde unausweichlich – entweder vor oder nach einem Erfolg des Auszehrungskrieges gegen die SAA. Eine russische Intervention war, denke ich, in der zionistischen Rechnung nicht berücksichtigt.
Jedenfalls nach dem Euro-Maidan nicht mehr.


  1. Netanyahu ist ein Schwachkopf und Schurke, gleich Olmert (sagte Scharon), der für Entscheidungen dieser Tragweite zu feige ist. Ehud Barak hatte, völlig überraschend für seine Umgebung, im November 2012 angekündigt, sein Amt niederzulegen und seine politische Laufbahn zu beenden. Ich halte es nicht für einen Zufall, daß die CIA just zu dieser Zeit begann, den türkischen Proxiekrieg gegen Rojava zu unterbinden. Es ist plausibel, daß Barak sich den Widerständen gegen eine „israelische Lösung“ des Syrienkrieges – Entstaatlichung, wie in Libyen – in Washington ergeben hat. Ya’alon trat die Nachfolge Mitte März 2013 an. 
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