Ergebnis der russisch – amerikanischen Konsultationen

Von einem praktischen Standpunkt aus ist die Fortsetzung der vor zwei Wochen halbherzig begonnenen Serie zur Kriegsdiplomatie zwischen den führenden Nuklearmächten in einem Satz abzuhandeln:
Russland hat die Hälfte seiner syrischen Luftstreitkräfte abgezogen.
Der Rest steht imperialen Plänen an der Südfront garantiert nicht im Wege, so, wie Debkafile es vor einer Woche auf seine idiosynkratische Weise mitgeteilt hat.

Das sind die fäcksonthegraund, was wollt ihr, was will man mehr. Ein gleichartiges Szenario hattten wir vor ca. 18 Monaten. Die Türkei, gedeckt von der NATO, schoss einen russischen Jagdbomber ab, die USA kündigten die Ausweitung des Luftkrieges in Syrien an und Moskau zog hinter einer Nebelwand von Gesten und Worten sein Kontingent zur Hälfte ab, allerdings nicht ohne seine Basis mit dem stärksten Argument gesichert zu haben, über das es verfügt: Einer taktischen Nukleardrohung gegen die Türkei für den Fall eines Angriffes auf dieselbe.

Das russische Fliegerkontingent wurde neu aufgestockt, nachdem die Institute des „Deconflicting“- in Hmeinim und Amman etabliert waren und es war rasch zu bemerken, daß Syrien aus der Luft in zwei Gouvernements aufgeteilt worden war, obwohl der historische Vergleich, der mit dem Wort „Gouvernement“ hergestellt ist, ziemlich offenkundig nicht gut trifft. Eher könnte man an zwei hochrangige Abteilungsleiter denken, die von der höchsten Instanz einer Aktiengesellschaft, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates, ausdrücklich ermächtigt wurden, zum Nutzen des Gesamtunternehmens nach Kräften gegeneinander zu arbeiten.

Warum, wieso und wozu läuft das so? Interessiert das noch jemanden? Für was ist es noch wichtig, es zu wissen?

Ich grüble über einem Eintrag mit dem Titel „War on Terra wird zum Inquisitionskrieg“, in dem ich mich der Frage wenigstens im Geschwätzstil vielleicht widmen werde. Vielleicht auch nicht. Der Eintrag würde mit dem Versuch anheben, das Wesentliche an der Wandlung der Institute POTUS und WEISSES HAUS mit dem Einzug des Donalds zu skizzieren (ja, ihr habt recht, ich denke an den Neffen von Onkel Dagobert. Aber nicht des Dagobert’schen Goldes wegen!). Das Wesentliche, (noch) nicht den Begriff, denn der könnte sich frühestens aus dem Warum und Wieso des Übergangs ergeben. Die Kette ergibt einen Umfang von lässig 80 Druckseiten, und wenn ich das auch nur halbwegs ordentlich machen wollte, wären die fäcksonthegraund gewiss schneller und würden die Arbeit erübrigen oder entwerten. Es sind mehr als lausige Zeiten für Erklärungen aller Art.

Einen Ansatzpunkt will ich allerdings geben. Der russische Abzug ist das Resultat eines Konsens, den Lavrov mit der üblichen schwergewichtigen Miene am 12. April verkündet hat: Lavrov says Russia, U.S. agree U.S. strikes on Syria should not be repeated: Interfax. Der Reuters-Artikel scheint Lavrov der Lüge oder Heuchelei zu bezichtigen, aber das trifft die Sache nicht. Jeder informierte Leser weiss, gleich Lavrov, daß die beiden Seiten gegensätzliche Ansprüche in diese Formel kodiert haben. Er weiß weiterhin, daß Trump das entscheidende Mittel zur Durchsetzung solcher Ansprüche eingesetzt hat, während Putin davon Abstand nahm. Putin hat die Ankündigung der 60 himmlischen Boten nicht mit der Ankündigung beantwortet, die zwei Entsender würden anschließend versenkt. Dann hätte der Angriff nicht stattgefunden, oder, wenn doch, wären die beiden Kreuzer versenkt und wir hätten einen anderen Krieg, als den, den Moskau jetzt zu führen bzw. auszustehen gewillt ist.

Doch ich wiederhole, damit sind wir der Antwort auf das Warum und Wieso (= warum auf diese Weise) keinen wesentlichen Schritt näher. Ich habe nur an eine Binse erinnert, die in den Debatten zumeist entsorgt wird …

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2 Antworten zu Ergebnis der russisch – amerikanischen Konsultationen

  1. tgarner9 schreibt:

    Es ist natürlich kein Zufall, daß der russische Generalstab jetzt erstmals offiziell, sprich diplomatisch und damit auf der Vorstufe von Kriegshandlungen anerkannt hat, die Russische Föderation einer nuklearen Enthauptungsdrohung der NATO-Staaten ausgesetzt zu sehen.
    https://www.rt.com/news/386276-us-missile-shield-russia-strike/
    Zuvor wurde das nur durch die Blume gesagt.

    Da ich schon bei Binsen war – Es gibt vom Standpunkt der Russischen Nation genau eine rationelle Antwort auf diese Wahrnehmung, die vor wenigen Tagen durch eine separate britische Ersrschlagsdrohung eine mächtige Stütze erhalten hat. Sie besteht in der zügigen militär- und zivilpolitischen Vorbereitung eines nuklearen Überraschungsangriffes auf Paris, London, Washington und vielleicht noch drei weitere Imperiumszentren. Einem Wettrüsten hält die RF noch weniger stand, als die SU. Und wenn nach einem solchen Schlag auch Moskau und Petersburg von der Landkarte verschwänden, könnte sich heraus stellen, daß die politökonomische Entität Russland, zumindest das Kernland, es „überleben“ wird, der imperiale Westen schwerlich.

    Jetzt mag man diese nationale Ratio – die Putin kaum teilen dürfte! – von jedem anderen Standpunkt aus irrational heißen. Ich will jedoch darauf hingewiesen haben, daß – beispielsweise – ein gewitzter russischer Schüler einen Aufsatz schreiben könnte, der solche übergeordnete Irrationalität mit dem schlichten Verweis auf die globalen Kosten des Verschwindens der SU in Frage stellt. Hunderte Millionen sind daran verreckt. Es sind nicht nur die Kriegstoten, auch die Opfer der Verelendung im Zuge der „NWO“, der entfesselten imperialen Konkurrenz, Verelendung weltweit, nicht nur in Russland und Osteuropa, besonders auch in Afrika. Es sei keine Ende abzusehen, könnte der Aufsatz argumentieren, außer einem Ende mit Schrecken, das noch zu gestalten, statt zu erleiden sei.

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    • tgarner9 schreibt:

      Passend dazu:
      Estonia says Russia may put troops in Belarus to challenge NATO

      Das ist keine Albernheit eines imperialen Musterschülers. Wie der Reuters-Artikel andeutet, wurde Weißrussland im Zuge des Ukrainekrieges der NATO zum Opfer putinistischen Großmachtstrebens herab gestuft, um Lukashenko Separatbeziehungen mit der Ukraine zu erlauben und dem Kreml eine entlastende Festigung der Partnerschaft mit Belarus zu erschweren.
      Mit dieser Volte wird Belarus nun an der baltischen Front zum „Täter“ hoch gestuft. Damit wird jedoch, anders, als bisher, das belarussische Grenzland zu Litauen und Lettland zum Kriegsgebiet. Das jüngste U.S. Army War College Assessment on Russian Strategy in Eastern Europe –
      https://tomgard.blog/2017/04/23/unser-preis-ist-die-ewigkeit-seligkeit-oder-verdammnis/
      hat abermals den übergeordneten Akzent der „russischen Drohungen“ auf hybride Kriegführung gesetzt, deren „Feld“ neben heimtückischen Machenschaften russischsprachiger Balten, Internet und Presse, die feindlichen Grenzgebiete sind.

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