„Die amerikanische Antwort“ – update

Höhnische Begleitung der Leichenprozessionen in Rojava – so und nicht anders sind US-Grenzpatrouillen zu charakterisieren, über die verschiedene Seiten in Wort und Bild berichtet haben, die Navy Capt. Jeff Davis, subalterner Presse-Verbindungsoffizier des Pentagon, gegenüber AP und der Military Times jedoch nicht bestätigen durfte 1:

„We have U.S. forces that are there throughout the entirety of northern Syria that operate with our Syrian Democratic Force partners,“ Davis said. „The border is among the areas where they operate.“

Bildern und Gerüchten zufolge handelt es sich um drei Kolonnen aus wenigen Fahrzeugen, jeweils ein Zug, höchstens zwei. Die türkischen Angriffe der vergangenen Tage erstreckten sich auf ca. ein halbes Dutzend Gebiete von jeweils mindestens einem Dutzend km Umfang entlang einer Grenzzone von grob 400 km Länge, wenn wir Afrin nicht mitzählen.

Der Vergleich mit einer dem Anschein nach analogen amerikanischen Operation in Manbij vor etlichen Wochen, den AP, Press TV, Zerohedge, eine eigenartige „große Koalition“ bildend, zu berufen beliebten (nicht aber die Military Times!) taugt im Ansatz nichts. Erdogan hatte die Eroberung Manbijs angekündigt, die Angriffe in der Umgebung waren Bestandteil dieses wohlbestimmten militärpolitischen Manövers, dem die US-Truppen in der Tat entgegen traten. Überdies ist die Spekulation erlaubt, daß es nur deshalb geschah, weil dies Feld andernfalls den russischen und syrischen Truppen überlassen geblieben wäre, die begonnen hatten, sich östlich Al Bab zwischen Einheiten des Manbij Military Council und türkischen Proxies aufzustellen. Östlich des Euphrat entfällt die Option der Rojavaner, die feindlichen Proxiemächte gegeneinander auszuspielen, nicht nur, weil die russischen Truppen weit und desinteressiert sind, sondern weil die aktuellen türkischen Angriffe kein strategisches, sondern lediglich ein taktisches Ziel haben: Terror.

Es ist US-Terror – genauer: EUCOM bzw. NATO-Terror – nicht türkischer Terror! Wer wissen will, wie türkischer Terror ausschaut, der besichtige Cizre, Nusaybin und andere, dem Erdboden gleich gemachte Städte und Orte.

Und wer noch irgend welche Hoffnungen und Zweifel hegt, der möge die Reaktion des DoS auf die Prügeleien im mazedonischen Parlament würdigen, ein Vorkommnis, das in der Ukraine zum Parlamentsalltag zählt.

The United States strongly condemns the violent attacks on members of the Macedonian parliament which followed the election of Talat Xhaferi as Speaker of Parliament.

(Es ist übrigens Soros Parlament, er hat – zusammen mit dem Atlantic Council – Racket, NATO-Militärs und UCK Terrorgruppen aus Albanien – zwei Jahre lang darauf hingearbeitet, es an die Macht zu bringen.)

Bei ANF tut man also (bislang) gut daran, die Sache gar nicht zu erwähnen.
Das gilt umso mehr, als Ilham Ahmed, Co-Präsidentin des Ratspräsidiums Nordsyrien, sich gegenüber AP und der WaPo  aufführt, als sei sie ein CIA-Asset 2. Sehr wahrscheinlich ist sie nur nett und politisch unbedarft, aber umso wichtiger ist es für die real handelnden Leute in Nordsyrien, sie zu ignorieren.

Die ICG hat gestern ein Briefing zu Rojava veröffentlicht. Die Aufmerksamen unter meinen Lesern wissen schon, das ICG spricht jetzt für die maßgeblichen Kräfte im Pentagon und DoS 3, die von Trump freie Hand in allen außenpolitischen Belangen erhalten haben, die The Donald nicht grad zur persönlichen Chefsache erklärt hat, aktuell ist das Nordkorea/ China.
Das Briefing erklärt die YPG’s kurzerhand für Aggressoren gegen die Türkei, welche die US-Intervention „gegen ISIL“ kompromittierten 4.
Für den Fall, daß sich Weißes Haus und Pentagon nicht dazu durchringen könnten, die PKK der Türkei zu überlassen, empfiehlt die ICG den Aufbau eines separaten US-Militärgouvernements Raqqa, Auflösung der SDF zugunsten eines rein arabischen Verbandes, der gegen die YPG’s zu stellen sei, Verbot der Insignien Rojavas und „Entmutigung“ aller Aspirationen der Konföderalisten. Die „Entmutigung“ sehen wir derzeit an der Arbeit, in Gestalt unaufhörlicher türkischer Artillerieangriffe. Indirekt geht die ICG so weit, dem Weißen Haus die Geiselnahme Rojavas zu empfehlen: So lange bombardieren und terrorisieren, bis die türkischen Kurden alle Viere von sich gestreckt haben.

Ich wiederhole, es ist höchste Zeit, daß die YPG’s zu ihrem Status als örtliche Selbstverteidigungsmilizen und regionale Guerilla zurück kehren und aufhören, mit dem Status einer Territorialarmee zu kokettieren!

PS.: Mittelbar führt Juan Cole (Informed Comment , Truthdig, eine Ikone der „links“patriotischen Kritiker der US-Politik), gleich Tyler Durden bei Zerohedge, in diesem Artikel vor, was für ein zynischer Unfug der Ruf nach einer „noflyzone4rojava“ ist. Wer die Ideologie amerikanischer Allmacht auf dem Globus bemühtdie verhetzte öffentliche Meinung des Westens auf die Mühlen von Sonderinteressen zu lenken, welche die USA selbst mindestens ignorieren, wenn nicht bekämpfen, hat nicht mehr alle Tassen im Schrank.


  1. Man kann – und sollte das aus taktischer Sicht – als einen nicht schlüssigen Hinweis darauf nehmen, daß es sich um eine eigenständige CENTCOM-Initiative handelt, die ergriffen wurde, weil die Herren in Washington beschlossen hatten, die Empörung der „PKK-Affen“ mit Ignoranz zu strafen
  2. Grundsätzlich halte ich es für eine dankbare Aufgabe, das Urteil zu begründen, aber ohne Debatte mit Leuten, die schon auf eine Weise aufgestellt sind, daß sie davon profitieren könnten, fehlt mir der Antrieb dazu. 
  3. Im Grunde handelt es sich um das Killary-Racket, in dem allerdings europäische Internationalisten (ehemals: „Transatlantiker“!) ein höheres Gewicht zuerkannt bekamen 
  4. Ein wenig auffällig ist es schon, daß Ilham Ahmed, die das Briefing noch nicht offiziell gekannt haben kann, als sie ihr o. zit. op ed für die WaPo schrieb, sich gegen diesen Vorwurf verwahrt, der meines Wissens außerhalb von Twitter- und Sitzungs-Polemiken von offizieller Seite nicht erhoben worden ist, natürlich nicht, denn damit kompromittieren die Autoren ja die CENTCOM-Generäle der OIR. Die CIA arbeitet so. Sie läßt wilde Beschuldigungen in den Raum stellen, gegen die sich ihre Beauftragten in den feindlichen Reihen verwahren und sie damit zumindest einem Teilpublikum validieren. Deshalb kam ich weiter oben auf die Assoziation. 
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2 Antworten zu „Die amerikanische Antwort“ – update

  1. tgarner9 schreibt:

    Robert Ford, ehemals US-Verbindungsoffizier zwischen MIT, FSA, Al Qaida und ISIL, professioneller „Kriegsverbrecher“ im Dienste Killary Clintons, der – dies läßt der GR-Artikel aus – hauptverantwortlich die „Rat-Line“ (Seymore Hersh) installiert hat, über die libysche und tunesische Jihadisten, ausgestattet mit libyschen Waffen, über die Türkei nach Syrien eingeschleust wurden, um dort Zivilisten zu killen, brachte es gestern auf den Punkt:

    Jupp. Das Weiße Haus müßte einen kompletten Politikwechsel vollziehen und dazu einen veritablen Staatsstreich gegen DoS und Pentagon führen, um der nationalen Aufgabe zu entgehen, die Sozialrevolutionäre in Nordkurdistan platt zu machen, mit allen verfügbaren Mitteln.

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  2. Pingback: Amerikanische Geiselnahme Rojavas ist halbamtlich | Themen & Essays

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