Syrien entstaatlicht (3)

Der Scheinriese im Hochnebel zeigt sich heute in der Gestalt einer Wiederholung der einseitigen syrisch-russischen Waffenruhe, die vor der Eroberung Aleppos – mit türkischer Beihilfe – im letzten Jahr von den Söldnern sabotiert worden ist (1,2). Sie soll sich auf die syrischen Gebiete westlich Palmyra und südlich Afrin sowie südlich des türkisch besetzten Teils der Provinz Aleppo erstrecken, wenn man nach der Karte von IHS Markit (Jane’s) geht:

Das MoU (hier der Text, afaik) setzt nach den von RT und Tass zitierten offiziellen Kommentaren darauf, daß die mitunterzeichnende Türkei und die USA ihre Söldnertruppen, einschließlich derer der Golfstaaten und Israels, in den kommenden 14 Tagen zur Teilnahme an der Waffenruhe bewegen können (TASS). Auf der Grundlage solcher Teilnahme sollen die verbindlichen Grenzziehungen der „Deeskalationsgebiete“ und „Sicherheitszonen“ an deren Rändern bis zum 4. Juni erstellt und veröffentlicht werden.

Klare Feindschaft gegen den russischen Deal kommt, soweit ich gesehen habe, bislang nur vom saudisch geführten HNC und Debkafile, das die Zone Quneitra / Daraa unter iranischer Beteiligung zurück wies. Die restliche israelische Presse hielt sich bis zur Stunde bedeckt, wenn man eine wahre Flut von Veröffentlichungen nicht achtet, die eine zionistische Sabotage indirekt nahe legen.

“If I could whisper in Trump’s ear, I would say don’t make mistakes like Obama or [former secretary of state John] Kerry, who thought the Israel-Palestinian conflict was the core problem in the Middle East,” Ya’alon said. “The Sunni-Shi’ite conflicts, the Muslim Brotherhood, and the rise of ISIS have nothing to do with us. The problem is the lack of readiness among the relatively moderate Palestinians like Abbas to accept Israel in any borders …(FORMER ISRAELI DEFENSE MINISTER ADVISED TRUMP ON AVOIDING OBAMA’S MISTAKES)

Teheran muß zerstört werden, Der Libanon muß vernichtet werden, Damaskus muß zerstört werden, Araber müssen zu Gemüse gebombt werden.

Offenbar wird da Verhandlungsmasse ausgeschmückt.
Debka hat dazu eine Karte veröffentlicht, auf der das gesamte Gebiet der laut verschiedener Hinweise und Berichte in Vorbereitung befindlichen Südfront-Offensive als „Deeskalationszone“ figuriert. Diese fälschlich ausgedehnte Zone empfielt Debka folglich als die Einflußzone, die Israel beanspruchen solle.

Eine Karte, die Debka Ende Januar veröffentlicht hat, untermauert diesen Schluß:

 

Beachtet bitte nebenher, das MoU respektiert de fakto die damals von Debka eingezeichnete „türkische safe zone“. Es liefert den Bestand Afrins der Türkei als Verhandlungsmasse gegenüber Washington aus.
Der „Knackpunkt“, um den sich die israelische Verhandlungsposition drehen wird, dürfte der Bezirk Suwayda sein.
Nehmt dazu bitte auch die im russischen Werbevideo dieses RT-Artikels verwendete Kartendarstellung zur Kenntnis. Sie sieht eine SAA-Präsenz bis vor den Toren Quneitras vor (die kleine grüne Zunge zwischen den Provinzen Daraa und Quneitra) und schließt den Bezirk Suwaida aus, der seit 2013 immer wieder umkämpft war und den nicht bloß Debka, auch israelische Regierungsvertreter seit 2012 als ein Israel zustehendes Aufsichtsgebiet beanspruchen. Der Anlaß des Anspruches: Ein beträchtlicher Teil der sich als „Drusen“ identifizierenden Leute leben in Israel. Der Grund des Anspruches: Eine israelische Schutzmacht gegen arabische / jihadistische Übergriffe auf die drusische Bevölkerung (denen sie in der Tat ausgesetzt wurde, ob die Söldner aus eigenem Antrieb handelten oder von Zionisten bzw. ihren saudischen und qatarischen Waffenbrüdern beauftragt wurden, ist wurscht), zuzüglich einer „Sicherheitszone“ im Golan – Vorland, wäre gleichbedeutend mit israelischer Hoheit über das oben blau gezeichnete Gebiet mit Ausnahme des Grenzgebietes zu Jordanien, einschließlich der Stadt Daraa und ihres Umlandes, eine Hochburg der Muslimbrüder, die Tel Aviv sich selbstredend nicht ans Bein zu binden gedenkt.

In den Verhandlungen der kommenden zwei Wochen wird es maßgeblich darum gehen, ob die syrische Regierung anbietet oder gezwungen wird, sich vollständig von der Grenze der ehemals „entmilitarisierten Zone“ des Golan zurück zu ziehen, die Israel bereits selbst und via Proxies, einschließlich einer IS-Zelle, in Besitz genommen hat. Möglicherweise zielen Moskau und Damaskus darauf ab, den „linken“ Zionisten in Tel Aviv für einen Rückzug vom Golan den Anspruch auf Suwaida abzuhandeln.

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2 Antworten zu Syrien entstaatlicht (3)

  1. tgarner9 schreibt:

    Der knappe Southfront-Kommentar:
    https://southfront.org/syrian-war-report-may-5-2017-de-escalation-zones-and-advance-on-deir-ezzor/
    Die zentrale Aufmerksamkeit, die Jaish al Islam in dem Bericht erhält, spricht Bände. Dieser Jihadisten-Verband ist im HNC repräsentiert und vertritt dort die Nusra / Qaida – Front, also die Ziocons. An sie adressiert ergeht das Angebot, die SAA könnte sich von der Südfront zurück ziehen, wenn sie die Jaish und ihre anderen Verbände aus Ost Ghouta und Homs zurück zieht, bzw. nach Idleb ausfiltrieren läßt, wo sie sich zu türkischen Proxies „sozialisieren“ lassen könnten.

    (PS.: Joshua Landis hat diese Auslegung indirekt bestätigt, er hat den Kommentar gelobt und geliked :))

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  2. tgarner9 schreibt:

    Der Kreml bemüht sich einer Reuters-Meldung zufolge in Washington um die Unterstützung eines „Syrischen Volkskongresses“, der in Sotschi – nicht Damaskus, oder wenigstens Aleppo – tagen soll. Paralel dazu hat James Mattis seine Unterstützung für das „Genfer Format“ ausgesprochen, das seit einem Jahr eine Leiche ist – umso mehr, als Saudi-Arabien vor zwei Tagen den Vorsitzenden des HNC wg. Korruption zur Fahndung ausgeschrieben hat.
    Ebenfalls parallel „schwört“ die Regierung in Damaskus, sie werde „keine fremden Truppenstationierungen“ auf syrischem Gebiet hinnehmen und nicht ruhen, bis alle Landesteile „befreit“ sind.
    Die russische „Initiative“ wird programmgemäß an amerikanischem Widerstand „scheitern“ – falls nicht, umso besser! – und Damaskus auf diesem Wege gezwungen, die Vereinbarungen um die „Deeskalationszonen“ zur Dauereinrichtung werden zu lassen, also auch die „Rebellen“vertreter – einschließlich der unter türkischen Schutz gestellten Al Nusra – de facto als politische Kräfte zu akzeptieren.
    http://www.kurdistan24.net/en/news/69e2d98b-2439-49e4-a2d6-73d45fab58ac

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