Erdogan bei Trump

Edit 8.5. : Ich hatte Erdogans Reise nach Washington für den heutigen Montag im Speicher, das Treffen ist aber für den 16. vorgesehen. Bis dahin könnten Vorentscheidungen fällig werden. Aktuell wird der blühende Unsinn gehandelt, Trump werde dem DoD diese Woche offiziell die Bewaffnung der SDF erlauben. Erstens ist das längst geschehen, es braucht diese Erlaubnis nicht, die Trump sich überdies hüten würde, am zuständigen Congress vorbei zu erteilen. Zweitens ist es überflüssig. Für die Raqqa-Operation, falls die SDF sie denn gegen Widerstände in den Reihen der YPG’s beginnen sollte, kämen neu frei gegebene Waffen zu spät. Zur Abschreckung türkischer Inkursionen wären ein paar mehr panzerbrechende Handwaffen wünschenswert, aber es braucht sie nicht, denn „denial of access“ – Taktiken gegen die türkische Armee käme die YPG’s binnen kurzem teuer zu stehen, sie hätten eh auf klassische Guerilla-Strategien zurück zu greifen.

Das Ergebnis des Treffens ist vorhersehbar. Trump wird Erdogan versichern, daß seine Stunde in Syrien kommen wird, sobald die US-Truppen sich in Raqqa und Tabqa fest gesetzt haben, bis dahin solle er gefälligst die Füße still halten, jedenfalls östlich des Euphrat. Die Timeline wird wohl 6 Monate umfassen. Im Gegenzug wird Erdogan der Kleinkrieg gegen Afrin, der Kurden-Genozid im Raum Azaz – Marea – Sheba und der Einmarsch in den Irak freigestellt werden.

Für den Einmarsch in den Irak stehen die türkischen Truppen bereit und knallen schon mal aus Lust und Jux Zivilisten auf der künftigen Trasse ab. Sehr vorhersehbar ist auch der Umgang der Parteien in der KRG mit dem Bürgerkrieg, den ihnen die NATO via Erdogan aufzuzwingen gedenkt. Sie müssen ihn annehmen, werden ihn jedoch low level halten, und das können sie, weil die Mehrheit der Puk- und Gorran- Gefolgschaften sich für die Fleischtöpfe der KDP entscheiden wird. Die USA haben schon vor Jahren begonnen, die KDP mit Milliardensummen einzukaufen, allein 400 Millionen (wenn ich recht erinnere, bin zu faul, die Zahl nachzuschauen) Militärhilfe sind vom Congress vor zwei oder drei Jahren frei gegeben worden, die NATO und Pentagon seither in Säckelformaten zuteilen. Ein beträchtlicher Teil der auf diesem Wege in die KRG gelangten Waffen und Munitionsvorräte landete zweckmäßig gegen gutes türkisches Geld in den Händen der Jihadisten. Wer nach Erbil reist, findet eine moderne Gold-Rush-Metropole vor, ein Kriegsdorado. Bis auf die Wenigen, die noch Landbau betreiben, lebt die Bevölkerung direkt oder indirekt vom Krieg, ein erwünschter, vielleicht gezielter Nebeneffekt des Umstandes, daß der Barzani -Clan kaum einen Petrodollar aus der Hand gibt, auch nicht an die eigenen Angestellten.

Die türkischen Truppen werden nicht kämpfen, allenfalls Jagdausflüge unternehmen. Ansonsten werden sie so lange Zivilisten schlachten, bis die Sozialrevolutionäre sich in die Berge verkrümeln und nach Rojava verziehen, wo sie spätestens Ende des Jahres der nächsten Metzelei ausgesetzt werden.

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4 Antworten zu Erdogan bei Trump

  1. tgarner9 schreibt:

    Ein gewisser David M. Witty, angeblich demilitarisierter US – SF Colonel mit Arabischkenntnissen, zitierte iranische Berichte, OIR hätte die irakische Regierung gebeten, die Eroberung Tel Afars (Bezirk Sengal) vom IS – an der PMU’s („schiitische Milizen“) beteiligt sind, zurück zu stellen, da „die Türkei andernfalls intervenieren“ werde. Die irakische Regierung dementierte umgehend. Fake oder nicht, dahinter steht ein selbstredend bestehendes Interesse CENTCOM’s, den Einsatz türkischer Bodentruppen im Irak zu verschieben, bis die YPG’s den USA Raqqa als künftige Basis freigeräumt haben. Falls es kein Fake ist, hätten wir ein Musterbeispiel türkisch-amerikanischer Zusammenarbeit zum Erhalt des IS als eines nützlichen Antagonisten vor uns.

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  2. tgarner9 schreibt:

    Jetzt ist der „blühende Unsinn“ offiziell:

    Dana W. White, the Pentagon’s chief spokeswoman, said in a written statement that President Donald Trump authorized the arms Monday. His approval gives the Pentagon the go-ahead to “equip Kurdish elements of the Syrian Democratic Forces as necessary to ensure a clear victory over ISIS” in Raqqa, said White …

    Ich wiederhole, Old News:

    While White did not mention the kinds of arms to be provided to the Kurds, other officials had indicated in recent days that 120mm mortars, machines guns, ammunition and light armored vehicles were possibilities. They said the US would not provide artillery or surface-to-air missiles.

    Also das Zeugs, das bereits seit Februar geliefert wird.

    The officials weren’t authorized to publicly discuss the matter and demanded anonymity. They described no firm timeline, with the American intention to provide the new weapons to the Syrian Kurds as soon as possible.

    Seit Ende März können auch C-17 Globemaster auf dem Flugfeld bei Kobani landen, „ASAP“ wäre folglich „binnen 24 Stunden“. Fake news aus dem Katalog.
    Es geht nicht um einen Propaganda / Verführungseffekt, denn White beeilte sich, die YPG’s maximal zu demütigen:

    “We are keenly aware of the security concerns of our coalition partner Turkey,” she said. “We want to reassure the people and government of Turkey that the US is committed to preventing additional security risks and protecting our NATO ally.” Other officials said Trump’s authorization includes safeguards intended to reassure the Turks … The intent is to restrict the distribution and use of the weaponry by permitting its use for specific battlefield missions and then requiring the Kurds to return it to US control.

    Warum also das Manöver? Es scheint dem Weißen Haus darum gegangen zu sein, legalistische Querelen zu vermeiden:

    A congressional aide said officials informed relevant members of Congress of the decision on Monday evening.

    Die Unterrichtung der Congress-Ausschüsse mag die bisherigen Lieferungen schlecht und recht legalisieren, so lange die Lieferung „sensibleren“ Materials außer Debatte bleibt.
    Aranews

    Die YPG’s sollten schleunigst aus der SDF ausziehen und auch die Föderation Nordsyrien und ihre Institutionen sollte aufgelöst werden, sage ich dazu. Die institutionelle Föderationsebene hatte genau eine taugliche Funktion vom Standpunkt der Sozialrevolutionäre, sie war die Plattform für eine künftige Eingliederung in ein föderales Syrien, das der Kreml mit dem Astana-Abkommen praktisch erledigt hat. Nachdem ganz Nordsyrien im Astana-Plan nicht berücksichtigt ist, wurde die „Föderation Nordsyrien“ zu einer Art Semi-Staat unter befristeter US-Protektion und das zieht offenbar Zersetzungserscheinungen unter den Sozialrevolutionären nach sich. Ich werde mich dazu ausführlich äußern, aber zunächst will ich den Genossen Gelegenheit geben, sich (zum Beispiel) zu den konterrevolutionären Aussagen der Föderationspräsidentin Hediye Yousuf gegenüber Voice of America und Observer vom Wochenende zu stellen. Wenn die Dinge ausdiskutiert werden müssen, dauert das halt etwas länger.

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