Brennpunkt Suweida – (2)

Der Zionismus und das Weiße Haus

Kurzer Rückblick

Das Grundmotto der MENA betreffenden Ziele, die der „engere Kreis“ um The Donald sich gesetzt hat, insbesondere die Ex-Generäle, mit denen er sich umgab, lautet: Wiederherstellung amerikanischer Führung.
Die „Regentschaft“ Obamas war vom Wirken einer „Chaosfraktion“ in der Imperiumspolitik geprägt, selbst eine widersprüchliche Allianz aus Neocons, Ziocons, Liberal Dems und europäischen Internationalisten, die US-Innenpolitik mit Hilfe imperialer Schlachtfeste auf dem ganzen arabisch-afrikanischen Subkontinent betrieben. Sie handelten damit einerseits polemisch gegen die Absichten des Weißen Hauses, den Schwerpunkt imperialer Weltordnung in den pazifischen Raum zu verlegen und die „unilaterale“ Machtpolitik der Neocons gegenüber den NATO-Verbündeten und Russland zu mildern, andererseits bedienten sie eine Voraussetzung der von Obama anvisierten Wende, ein „divide et impera“, nämlich Mäßigung europäischer Weltmachtansprüche mittels Schädigung des „deutschen“ Europa und – in einem weiteren, durch den Ukrainekrieg realisierten Projekt – eine dauerhafte Unterbindung künftig möglich erscheinender europäisch-russischer Allianzen (Vgl. auch den Eintrag zu Flynn vom Nov.’16).

Mittel und Preis dieses Imperiumskrieges um Europa war u.a. die Ermächtigung und Nötigung Israels, Saudi Arabiens, der Türkei, der übrigen Golfstaaten, regionale Eigeninteressen im Rahmen und Verlauf der von der Chaosfraktion angezettelten Kriege neben und auch gegen das Weiße Haus zu formulieren und militärpolitisch voran zu treiben. Ein paradoxes Resultat:  In allen Lagern wurde angesichts der Unauflöslichkeit der aufbrechenden Gegensätze zwischen allen Interessenten – lange Zeit z. B. versuchte Qatar ernstlich dem KSA die Führung im GCC-Verbund streitig zu machen – Klage über einen Mangel an, oder eine Abwesenheit von „amerikanischer Führung“ erhoben.
Die Kriegsresultate, welche die Trump-Administration erbte, lassen für das Weiße Haus unter den gg. Umständen genau eine Weise der „Wiederherstellung amerikanischer Führung“ zu, die es hoffen lassen kann, die Konfliktlinien in den Griff, nämlich gedeckelt zu bekommen – eine Mobilisierung aller traditionellen „Verbündeten“ für das übergeordnete Ziel eines Angriffs auf die Islamische Republik.

Zionismus und arabische Regionalmacht- bzw. Selbsterhaltungsbestrebungen 

Der zionistische Rassismus hat im politischen Alltag denselben Inhalt, wie sein systemischer Vorgänger, der Siedlerkonlonialismus der „American Frontier“: Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer, nur ein toter Araber ist ein guter Araber.
Der normale Leser wird, falls er Beispiele dieses angeblichen „jüdischen Extremismus“ kennt (erst neulich habe ich zwei Beispiele aus der israelischen Presse verlinkt), denken, dies sei eben ein „Extremismus„, dem nur Antisemiten mehr, als eine Randbedeutung zumessen, ja, wahrscheinlich wird er sich der Lesart der Hasbara anschließen, die verbreitet, der arabische Extremismus schaffe erst das „Millieu“ solchen jüdischen Extremismus, der entfiele, wenn Israel endlich „anerkannt“ würde.

In der Tat ist der jüdische Rassismus schwer zu begreifen, sobald man ihn nicht bloß allgemein, als eine Erscheinungsform des Rassismus betrachtet, wie er in verschiedenen Gestaltungen in allen bürgerlichen Gesellschaften zu finden ist. Das ist nicht falsch, aber es trifft halt das Spezifische nicht.
Um das anhand des Vergleichs mit dem amerikanischen Siedlerrassismus zu fassen: Im klaren Gegensatz zu jenem können „die Juden“ nicht die ganze arabische Welt für sich beanspruchen, und wollen es daher auch nicht. Die Radikalsten unter ihnen liebäugeln mit der Eroberung der Levante bis nach Mosul, mit einem biblischen „Erez Israel“, und das sind tatsächlich mehr oder weniger isolierte Fanatiker.

Ich will mich dem scheinbaren Widerspruch etwas praktischer nähern.
In den Jahren 2000 / 2001 kannte ich einige „linke Zionisten“ gut genug, um mit ihnen zu diskutieren. Angesichts des fortgesetzten Elends und Blutvergießens – es lief grad die zweite Intifada – hielt ich den Machtwechsel in Damaskus für eine gute Gelegenheit, darauf hin zu weisen, daß die Inthronisierung des bekennenden Reformers Bashar al Assad die historische Gelegenheit für linke Zionisten sei, ein Bündnis mit ihm und seinen Parteigängern zur Arabisierung Israels zu suchen, zur ökonomisch zivilgesellschaftlichen Einbettung Israels und seiner jüdischen Bevölkerung in die arabische Welt. Eine weitere Voraussetzung war mit dem Rückzug Israels aus dem Südlibanon 1999 gegeben.
Ich wußte damals nicht, daß Clinton (und nach ihm Bush junior) mit Macht denselben Anspruch an die israelische Regierung stellten und schließlich israelisch-syrische Friedensverhandlungen erzwungen haben. Mir ging es nicht zum Wenigsten darum, daß „linke“ Zionisten in der syrischen Gesellschaft die einzigen in der Region verbliebenen Partner für sozialistische und volksstaatliche Vorstellungen von „guter Herrschaft“, von menschenfreundlichem Regieren finden konnten, trotz der brutalen Kommunistenverfolgung Hafez Assads in den voran gegangenen etwa 15 Jahren.

Mit dem Schlagwort „Arabisierung Israels“ rannte ich bei den linken Zionisten offene Türen ein. Ihnen war klar, daß in einer bürgerlichen Einbettung Israels in die Region, gegen den Widerstand arabischer Herrscher, die sich längst freizügig antizionistischer Titel bedienten, um in Washington Druck für ihre Interessen zu machen, eine verbliebene Chance zur Beendigung des fortgesetzten zionistischen Kolonialkrieges lag. Aber mit Assad als Partner?? Mit Syrien, das zwar in weitem Umfang eine volkssozialistische Ökonomie behalten hatte, der Hafez jedoch eine mit Fug nationalsozialistisch zu nennende Staatsführung aufgesetzt hatte?
Never!
Alle Türen und Münder schlossen sich, als ich mit dieser konkreten Umsetzung von etwas antrabte, daß die Herren „Linken“ auf abstrakter, ideologischer und kulturtheoretischer Ebene fortgesetzt im Munde führten. Warum?

Die Einzelheiten würden hier zu viel Platz beanspruchen, daher abstrakt hingeworfen:
Meine Argumentation brachte zu Tage, die „linken Zionisten“ hätten, um ihr zu folgen, entweder die Phantasie aufgeben müssen, „irgenwie antikapitalistisch“ zu sein, oder die Phantasie, ihr Zionismus unterscheide sich in etwas anderem, als Gefühlsduselei und humanistischen Titeln von dem „häßlichen“ Zionismus, gegen den sie opponierten.

In den USA, um auf die Anfangsüberlegung zurück zu kommen, kam die rassistische Staatsraison „demokratisch“, von unten, als Resultat einer Siedlerbewegung zustande, die den gesamten Kontinent ihrem Gesetz, nämlich dem mitgebrachten Gesetz des Privateigentums zu unterwerfen trachteten. Im Falle Israel war und blieb es der lizensierte Rassismus eines amerikanischen Gouvernements, jener zionistischen Militäraristokratie, die Regionalmachtpolitik im Dienste des Imperiums betrieb, das mit dem „antisowjetischen Block“ aus der Taufe gehoben worden war. Für die zionistische Militäraristokratie sind „die Juden“ ausschließlich völkisches Material einer Herrschaft, die es im Auftrag ihrer Herren in Washington (aber auch Berlin, London, Paris) zur eigentümlichen bürgerlichen Territorialherrschaft  gar nicht bringen sollte. Ein bürgerliches Israel hätte zum Partner des arabischen Nationalismus werden müssen, hätte gar, vom Standpunkt eines „linken“ Zionismus, eine Beteiligung der Juden in der panarabischen Bewegung Nassers zur Konsequenz haben müssen – was im Falle individueller Biographien nicht selten geschehen ist – hätte seinerzeit den Anschluß Israels an einen antikolonialistischen Entwicklungsweg zur Folge haben müssen.
So fiel „linken Zionisten“ anhand meiner Argumentation auf, was sie nicht anerkennen wollten, nämlich daß eine zionistische Staatsraison gar nicht anders zu haben ist, denn als ständisch-rassistischer Herrschaftsanspruch über ein Siedlervolk. Es tut dabei nichts zur Sache, inwieweit dies Volk tatsächlich siedelt, oder vielmehr in einer Wagenburg hocken bleibt. Praktisch genommen konnten die Herren nur entweder „Linke“ oder „Zionisten“ sein. Sie zogen es vor, ihr Wolkenkuckucksheim in einem bunt bemalten Wagen in der zionistischen Wagenburg zu bewohnen …

Langer Rede kurzer Sinn: Die arabisch – zionistischen Partnerschaften, die es unterdessen gibt, insbesondere das Bündnis zwischen Israel und dem KSA, sind rein taktischer Natur und sie kämen ohne die eigentümlichen „Argumente“, die Israel mit der atomaren Bewaffnung erwarb, nicht zu Stande. Auf beiden Seiten gibt es keine Illusionen über die Unversöhnlichkeit der zionistischen Staatsraison mit irgend einer arabischen Herrschaft. Die arabische Halbinsel, die Levante, sind und bleiben für die Herren in Tel Aviv Feindgebiete, weil sie andernfalls die Herrschaft über Israel verlören. Und deshalb kann es umgekehrt keine Regierung im Weißen Haus geben, die es den Zionisten Recht machen könnte. Die „amerikanisch-israelische Freundschaft“, das „unverbrüchliche Bündnis“, deren Beschwörungen nicht ganz zufällig an vatikanische Kreuzzugskonzile erinnern, ist von allem Anbeginn an eine Scharade gewesen, hinter der Todfeindschaft lauert.

Nächste Fortsetzung morgen.

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2 Antworten zu Brennpunkt Suweida – (2)

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