Nachtrag zu US-Angriffen auf „schiitische Truppen“ im syrischen Osten

(vgl. diesen und diesen Eintrag)
Zu dem Thema wird noch mehr zu sagen sein, besonders im Zusammenhang mit Suweida, aber ein Detail ist mir wichtig genug, es gesondert hervor zu heben: Lavrovs Abtretung der „Initiative“ in der Balkanisierung des syrischen Südens an die USA .

Am 11. Mai erschien bei Bloomberg der Artikel Russia Seeks Accord With U.S. on Iran Role in Syria Safe Zones. Die wichtigsten Punkte:

U.S. and Iran must show ‘flexibility,’ Russia’s Bogdanov says
The U.S. and Iran must show “compromise and flexibility” in helping to secure the so-called de-escalation zones proposed by Russia to shore up a Syrian cease-fire (…) Mikhail Bogdanov told reporters in Sochi on Thursday.
“Does anyone think Iran is going to leave this region and Syria, as if you could wave a magic wand and Iran would disappear?” Bogdanov said. “That’s not going to happen.”

Das war dieselbe Wortwahl, die ein Hardliner des Irankrieges in „Foreign Policy“ gewählt hatte, um das Projekt zu bewerben, Russland und Iran auf dem syrischen „theater“ zu „engagieren“, sprich, die iranische Präsens dort zunächst nicht anzugreifen, um sie später umso besser angreifen zu können. Dieselben Texte erscheinen seit Monaten bei der ICG und anderen Think Tanks.

Der andere Punkt:

Russian Foreign Minister Sergei Lavrov said after talks with U.S. President Donald Trump in Washington on Wednesday that he hoped the U.S. would “make an active contribution” to securing the safe zones. Lavrov suggested the U.S. may “initiate” the process in southern Syria near the borders with Israel and Jordan.

Ich hatte das beiseite gepackt, um es nachzurecherchieren, und dann in dem Sinne vergessen, daß ich es in mein Hintergrundwissen aufnahm, ohne es zu dokumentieren.

Einer der Gründe dafür: Dieser Bloomberg – Artikel blieb der Einzige in den großen Medien, der den kritischen Punkt zur Südfront erwähnte. Zum Beispiel hat Laura Rozen, eine Sprecherin des alten „Chaos-Flügels“, es in ihrem Artikel für Al Monitor auffällig vermieden, diesen Punkt zu nennen.

Inzwischen habe ich auf’s Original zugegriffen, dort heißt es:

As to Syria, we first of all focused on the ideas that had been discussed during Secretary of State Rex Tillerson’s visit to Moscow when he shared his thoughts regarding de-escalation and safety. (…) Th[is] initiative is now being materialised in agreements concluded in Astana, where four de-escalation zones were proposed, including in the south, since the USA is particularly interested in stabilising the situation on Syria’s borders with Jordan and Israel. We are ready to cooperate on the issue. … At the current stage there is agreement both conceptually and with respect to the geographical parameters of de-escalation zones. The Memorandum signed in Astana has proscribed further steps as to how the stakeholders will ensure safety belts around the de-escalation zones. It is in our interest for the US to actively engage on these issues. We think that is also in the US interest, at least concerning the southern de-escalation zone. We proceed from the assumption that they will play an initiating role in this process.

Kann man das im Nachhinein als Aufforderung an die USA lesen, den Hardlinern bei der Hezbollah, den iranischen Truppen und im – hauptsächlich in der Luftwaffe aktiven – faschistischen Kern der syrischen Militäraristokratie einen ordentlichen Schuß vor den Bug zu geben?
Oh ja, man kann, insbesondere mit Blick auf den hier grob aufgefalteten Hintergrund.

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