Ein letztes Mal: Syrien

Am 27. Mai „meldete“ Debka, die SDF habe ISIL in „Geheimverhandlungen“ freien Abzug nach Deir Ezzor zugesichert, zur Verstärkung der Front gegen Damaskus. Am 28. folgte ein Artikel, der nahe legte, James Mattis selbst sei mit der SDF im Bunde einer Konspiration gegen Trumps Vorgabe, ISIL nicht länger zu benutzen, sondern zu vernichten, was den Kreml bewogen hätte, mit Luftschlägen gegen diese Machenschaft vorzugehen.
Nun sehen wir seit zwei Tagen eine schwere „ISIL“-Offensive gegen Deir Ezzor, aber nicht aus nordwestlicher Richtung, von Raqqa kommend, sondern von südlicher und südwestlicher Richtung aus Mayadeen und Arak (AMN). Erinnert euch an die gezielten Falschmeldungen (verschiedener Quellen), die vor etwa 10 Tagen behaupteten, die syrischen „Iraner“ würden aus dem Gebiet Al Suweida / Badia (Brennpunkt al Tanf) demobilisiert, um sie an der irakischen Grenze südlich Deir Ezzor (Abu Kamal) gegen ISIL einzusetzen.

Gestern kündigte ein hoher Repräsentant der irakischen „Iraner“ (PMU) an, die Einheiten, die aktuell das syrische Grenzgebiet östlich Al Qaim von Daeshianern säubern, würden amerikanische „Warnungen“, die syrische Grenze nicht zu überschreiten, ignorieren, zumindest in Fällen, da sie von dort beschossen würden. Wir dürfen die „Warnungen“ getrost für robust halten. Andererseits meldete OIR für den 4. Juni Angriffe  auf Ölfeldinstallationen, die, bis auf eine Ausnahme, die längst nicht mehr arbeiten sollte, alle jenseits des östlichen Euphrat-Ufers, also hinter den zerstörten Brücken von Deir Ezzor, liegen. Angriffe auf „tactical units“ in diesem Raum wurden nicht gemeldet.

In Summe erweist sich Debkas Behauptung, das zwischen CENTCOM und EUCOM geteilte US-Oberkommando im Raum MENA schütze abermals, wie zur Zeit der Obama-Administration, entgegen Anweisungen aus dem Weißen Haus die ISIL-Söldner, um sie gegen die syrischen Verteidiger zu lenken, als mindestens teilweise korrekt. Während die russische Luftwaffe mit mehr oder weniger durchgreifendem Erfolg gegen die Söldner vorgegangen ist, welche die US-Luftwaffe aus Raqqa in Richtung Deir Ezzor abziehen läßt, ist sie gegen die aus dem Irak und der amerikanischen „no fly-“ und  „deescalation-zone“ im syrischen Osten mobilisierten Söldner machtlos.

Zugleich reklamierten „jordanische“ US-Söldner (Osoud al-Sharqiyah) den Abschuß einer syrischen MIG21 nur 60 km westlich Damaskus. Das zeigt die Ausdehnung der von den USA verhängten „No fly“ drastisch an.
Fars-News meldete derweil den Aufbau einer 2. US-Basis, neben Al Tanf, 60 km weiter östlich am syrisch / irakischen Grenzverlauf. Ich halte das für eine Falschmeldung, die dazu gedacht ist, weniger minderbemittelten Lesern deutlich zu machen, was „Sache“ ist.  Im angegebenen Gebiet gibt es nichts, als Wüstenpisten, und dort hätte eine Basis keinerlei militärischen Wert. Man beachte in diesem Zusammenhang, daß die US-Luftwaffe mit Sicherheit die Basis Haditha nutzt, die sie vor ein paar Jahren technisch rekonstruiert hat, wenngleich sie offiziell unter irakischem Oberbefehl blieb. Sie liegt nur zwischen 100 und 300 km von den kritischen syrischen Grenzabschnitten entfernt.

Von TASS kommt derweil nichts als offensive Desinformation. Vielleicht ist das der Grund, warum AMN und Al Manar (französisch, wesentlich ausführlicher und noch markiger) titeln: Zero hour approaches as Syrian Army, Hezbollah begin important Daraa offensive. Die dort angekündigte Operation zur Eroberung des Grenzübergangs nach Jordanien wäre ein Bruch der Astana-Vereinbarung und da niemand sonst Andeutungen in diese Richtung macht (auch Debka nicht), muß man annehmen, es handelt sich um eine drastische „diplomatische“ Warnung an Moskau von Seiten der „Iraner“, die syrische Luftwaffe eingeschlossen. Vielleicht ist sie der Grund, warum TASS binnen zwei Tagen zig Artikel gegen eine eventuelle, neue „chemical“-false-flag veröffentlicht hat. Ich kann nicht recht glauben, daß die französischen Drohungen, im Falle eines erneuten „syrischen“ „Chemiewaffeneinsatzes“ aus eigener Machtvollkommenheit zu intervenieren,  eine solche Wirkung hatten. Eher dürfte man in Moskau fürchten, daß die syrische Luftwaffe unter der Deckung der zahlreichen False-Flag-Operationen einmal wirklich gebunkerte VX- oder Sarin-Vorräte einsetzen könnte, um die Gegner der Imperiumspolitik des Kreml in den Reihen der russischen Armee auf ihre Seite zu ziehen.

Ich mag nicht mehr. Dies war mein letzter Eintrag zum militärischen und militärpolitischen Geschehen in und um Syrien.

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5 Antworten zu Ein letztes Mal: Syrien

  1. BC schreibt:

    Wer soll’s dir verdenken? „Making a way out of no way“

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  2. wolfsmilchblog schreibt:

    Stop NATO“ (2) – 5.11.11

    von TomGard Pro @ 2011-11-05 – 17:15:50

    Mancher wird diese Notiz, in der ich behauptete, auch rechtschaffene Verteidiger der „Rechte“ Julien Assanges sähen sich einer US-Morddrohung gegenüber, für eine groteske Übertreibung gehalten haben.

    Das Groteske sei eine Idealisierung des Häßlichen, hat, wie ich eben lernte, Hegel gelehrt. Stimmt mal wieder, was der Alte sagte, wenn wir seine Erkenntnis hinzu nehmen, Abstraktionen in der Wirklichkeit durchzusetzen – und Idealismen sind diejenigen Abstraktionen, die mit denkbar erbittertster, deliröser Gewalttätigkeit geltend gemacht werden – heiße, Wirklichkeit vernichten. Die Umstände der Ermordung Muammar Gaddafis und die Weise, wie sie der demokratischen Öffentlichkeit präsentiert und in ihr aufgenommen wurde, bestätigen diese Lehre. Zwei Marker im Übergangsfeld von Kultur und Politik zeugen davon und spannen ein Feld(1) für programmatische Um- und Durchsetzungen des Gewaltideals auf. Der erste ist das Video einer Hillary Clinton, buchstäblich von Sinnen sagend: „We came, we saw, he died“. Der zweite sind die vielfach zitierten, trunkenen(2) Granteleien des ehemaligen Neocon – Kandidaten John McCain, an die ich hier mit Rick-Rozoffs letztem „Stop NATO“-Artikel erinnere. Gewisse Leute, zitiert eine Quelle McCain, hätten nach Gaddafis Tod „allen Grund, sich unbehaglich“ zu fühlen („got a reason to be uneasy“, ich erinnere an die Konnotation „bang(e)“ im Wort uneasy). Gegenüber der BBC spezifizierte McCain die Adressaten: Bashar al Assad, Wladimir Putin und „einige Chinesen“.
    Rozoff stellt im genannten Artikel im engeren Sinne politische Implikationen aus russischer Sicht vor(3).

    Rick Rozoff ist ein Diplomat, muß ich voran schicken, sein Blog und sein Mail-Verteiler ist das Werk eines Teams, das nicht von Luft und Liebe lebt. Also haben wir diplomatischen Code auf den Text anzuwenden.
    Und da ist gleich zu bemerken, der feuilletonissch anmutende Vergleich zwischen dem NATO-Chef Rasmussen und dem römischen Konsul Scipius Africanus, der die römischen Standarten im dem Erdboden gleich gemachten Cartago aufpflanzen ließ, zum Zeichen dessen, was ihm den Beinahmen „Eroberer Afrikas“ eintrug, ist als eine Botschaft aus dem Kreml zu nehmen, wenn auch unbestimmt bleibt, welcher Rang ihr zuzuschreiben sei: Russland gibt Afrika auf(4). Das ist durchaus nicht selbstverständlich. Die russische Militärindustrie hat, um ein Beispiel zu nennen, ein paar nicht ganz unbedeutende Stakes in der ägyptischen Armee, jedenfalls bis vor etwa 2 Jahren. Aber unabhängig von materiellen oder materiell unterfütterten Gegebenheiten, zu denen russische Assets in Libyen zu zählen sind, enthält der Vergleich mit dem historischen Erfolg Roms die Botschaft, „Russland“ werde der NATO auf der in Libyen aufgespannten Ebene eher nicht zu begegnen suchen.
    Insoweit gibt der Vergleich Rasmussens Prahlerei vom „größten Erfolg der NATO in ihrer Geschichte“ Recht, und zwar gleich noch stellvertretend mit Blick auf chinesische Interessen, die in den Grenzländern Libyens und Somalias unmittelbar in Bedrängnis gebracht sind.

    Im Anschluß nennt Rozoff Rasmussen einen „Häuptling“ und bringt die von McCain eingeforderte östliche Reichweite seiner afrikanischen Siegesfeier ins Spiel. Der „zweihundertsiebenundzwanzig Tage dauernde Krieg gegen Libyen“ werde von Rasmussen als ein „klares Signal“ Richtung Syrien beansprucht, obwohl er zugleich kategorisch zurück wies, die NATO habe die Absicht, in Syrien militärisch einzugreifen. Was haben wir nun von Rozoffs Kommentar zu halten, Rassmusens Worte stellten eine „kärgliche“ Zu- und Versicherung dar, sowohl für die die syrische Regierung, „als auch die breite Volksmasse“ (populace).

    Erstens. Rozoff weiß natürlich – und der blog dokumentiert es – was der Mossad in Debkafile mit beträchtlichem Hohn hinschreibt: Die NATO ist längst dort! Namentlich an drei Fronten.

    a) Der publizistischen Front, an der die Redaktion der „Nachrichten aus dem Führerhauptquartier“ bei Al Jazeera eine Armee von PR-Agenturen befehligen.
    b) An drei militärischen Fronten, der bewaffneten Infiltration Syriens von libanesischem und türkischem Territorium (Muslimbrüder und FSA), sowie von Saudi-Arabien aus über jordanisches Territorium.
    c) Die Steuerung und Finanzierung des sog. „Nationalrats“ der „Opposition“ durch NED-Affiliates und langgediente CIA-Agenten.

    Rozoffs Bemerkung gilt daher nicht der nominellen Intervention, von der er spricht, sondern den Mitteln, die zum Einsatz kommen sollen. Er spricht sie in der Scheidung zwischen syrischer Führung und Bevölkerung stellvertretend an:
    – Mordkampagnen und Massenexekutionen am Herrschaftspersonal, einschließlich der Armee, einerseits, und
    – terroristische, abschnittsweise genozidale und ruinöse Angriffe auf die Zivilbevölkerung andererseits
    Deren auf Dauer jeden Widerstand zerrüttende Kombination hatte der NATO endlich doch den „Erfolg“ gebracht, der ebenso wenig ein „Sieg“ ist, wie die römischen Strafexpeditionen in aufrührerischen Provinzen, die in jeder Generation zu wiederholen waren.

    Im obigen Sinn sind zweitens mit „assurance“, Zu- und Versicherung, Rasmussens Worte mehr oder minder absichtsvoll in eine falsche Kategorie gestellt. Die Emirate, Quatar und Jordanien, die in Libyen mitbombten, sind keine NATO-Staaten, auch nicht Saudi-Arabien und Israel. Der NATO-Staat Türkei exekutiert seit Jahr und Tag eine NATO-Lizenz zur militärischen „Verteidigung“ von „Eigen“interessen im kurdischen Irak. Die „Assurance“ von der Rozoff spricht, gilt daher auswärtigen Interessenten, denen es nicht um den Bestand Syriens und das Wohl und Wehe seiner Bevölkerung geht, sondern um Ziele und Umfang der Neuordnung, welche die NATO in und um Syrien derzeit anstrebt. Hier geht es also um Russland, seine Marinebasis in Tartus und russische Waffenlieferungen an Syrien.

    Diese zwei Punkte sind in Rozoffs Artikel ein „Vorwort“ zur Besprechung der genannten Äußerungen McCains und Clintons, nebst dem Feld, das sie aufspannen. Rozoff qualifiziert dieses Feld aus russischer Sicht so präzise, wie ein abermalig ins Feld geführter historischer Vergleich das leisten kann. Er schreibt:

    „Wäre Rasmussen jemand anderes, als er ist, wäre er ein ehrlicher Mann, hätten seine Worte in der libyschen Hauptstadt sich auf das Fazit beschränkt, mit dem der Historiker Tacitus die römische Eroberung Nordafrikas im Gefolge des dritten punischen Krieges beschrieb: Auferre, trucidare, rapere, falsis nominibus imperium; atque, ubi solitudinem faciunt, pacem appellant. (Sie plündern, morden, schlachten und stehlen, nennen es fälschlich ein Imperium und die Wüstenei, die sie hinterlassen, nennen sie befriedet.)“

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    • wolfsmilchblog schreibt:

      Rozoff nimmt den späten Hofschriftsteller Caesars und bitteren Chronisten des imperialen Verfalls nach dessen Tod, zur Referenz für die Stellung, die Russland zum Vorgehen des US-Imperiums in Afrika und darüber hinaus einnehmen könnte oder sollte. Vulgo: Rozoff spricht von Syrien nur als einem Anwendungsfall verbliebener Optionen russischer Diplomatie und Einflußnahme.

      Doch dann diskutiert Rozoff nicht solche Optionen, sondern nimmt den Übergang zur Quantifizierung der Kräfte, denen sich russische Politik gegenüber sieht:

      „Die NATO vereinigt nach einem Zuwachs an Vollmitgliedern um 75% zwischen 1999-2009 nun die militärischen Kräfte von 28 Vollmitglieder und weiteren 40 angegliederten Partnerländern, also ein Drittel der Nationen der Welt, in Kriegen und Besatzungen auf dem Balkan und im Süden Asiens. Afrika ist nun die nächste Station.“

      Mit dieser Berufung reletiver russischer Ohnmacht wendet sich Rozoff erneut Implikationen der in Libyen vorgeführten NATO-Kriegskultur zu:

      „Die letzte Trophäe der NATO-Staaten ist der zerschlagene, blutverschmierte und geschundene Leib Muammar Gaddafis… Die westlichen Regierungen und die Völker, die sie sich verdient haben (um ein Wort … Joseph de Maistres umzukehren), haben sich elementarer Wertmaßstäbe und Begriffe von Anstand, Moral und gutem Geschmack derart beraubt, daß ihre übersättigten und entmenschlichten Sinne nach den Stimulanzien und Inszenierungen nekrophilen und satanistischen Schwulstes(5) im Stile der Farcen des Grand Guignol verlangen.“

      Es folgt eine Tirade über die einschlägigen Abteilungen der US-Volkskultur und der „freudlosen menschlichen Wracks“ (jaded ennuyés), die von ihr angespochen werden. Sie bildet einen erneuten Übergang zu politischer Wertung der libyschen Mordkampagne:

      „Der stellvertretende Sprecher der Staatsduma Ivan Melnikov kennzeichnete die Bilder und Videos als „schlagende illustration der Vorgehensweise der Vereinigten Staaten und ihrer Alliierten (in Libyen)“ und empfahl sie der übrigen Welt als Lehrmaterial “(Gaddafis Leiche) symbolisiert die von den Amerikanern in Fetzen gerissene unabhängige libysche Staatssouveränität.“

      Woran sich in der Tat die Frage schließt, who’s next.
      Rozoffs Antwort ist eine Liste, die er im vergangenen Jahr zur Nachbereitung des Lissaboner NATO-Gipfels erstellt hatte:

      Algeria, Belarus, Bolivia, Central African Republic, Chad, Cuba, Democratic Republic of Congo, Cyprus, Ecuador, Eritrea, Iran, Lebanon, Madagascar, Mali, Moldova-Transdniester, Myanmar, Nicaragua, Niger, Nigeria, North Korea, Pakistan, Palestine, Somalia, the South Caucasus (Abkhazia, Nagorno-Karabakh, South Ossetia), Sudan-South Sudan, Suriname, Syria, Uganda, Venezuela, Western Sahara, Yemen and Zimbabwe.

      Zweierlei ist an dieser Antwort von diplomatischem Belang.

      Erstens beschränkt Rozoff die Antwort nicht auf diejenigen Ziele, die für einen aufmerksamen Zeitungsleser nachvollziehbar kurz- bis mittelfristig anvisiert wurden, etwa Syrien, Iran, Pakistan, Sudan, Eritrea und Südossetien, wie es politischer Pragmatismus nahe legen würde.
      Zweitens. Wenn Rozoff sich schon entschloß, die Liste, die er „gleichwohl unvollständig“ nennt, in diesem Umfang zu präsentieren, wieso fehlen dann Ziele, die jeder westliche Dödel kennt, nämlich die russische und chinesische Souveränität selbst?
      Es fehlen auch Brasilien, ein weiterer, zumindest bedingter Opponent der amerikanischen Globalstrategie von nennenswerter strategischer Bedeutung, sowie Kasachstan und die übrigen zentralasiatische Staaten und kaspische Anrainer, die das Imperium erklärtermaßen russischer Einflußnahme zu entwinden und chinesischem Einfluß vorzuenthalten trachten. In Zentralasien verrichtet übrigens Deutschland eine Menge, vielleicht die wichtigste, wenn auch unspektakuläre Wühlarbeit dazu.

      Dergestalt, behaupte ich, deutet Rozoff die „Zone“ und ihr Umfeld an, die Russland gegen die NATO-Kriegspolitik zu behaupten beabsichtigt. Syrien gehört eben nicht dazu und auch nicht – füge ich hier mit Blick auf noch ausstehende Argumente hinzu – der Iran in seiner gegenwärtigen politischen Verfassung(6).

      In diesem Sinne darf man Rozoffs Liste als eine der „Verdammten dieser Erde“ lesen. Nimmt man hinzu, daß seine „kulturkritischen“ Auslassungen über die Bevölkerungen der NATO-Metropolen und die Bemerkung über „Regierungen, die ihr Volk verdienen“, wenig Zweifel lassen, daß aus Rozoffs Sicht in keiner Weise auf Widerstandskräfte aus diesen Bevölkerungen zu rechnen ist, ergibt sich ein Bild russischer Behauptungsabsichten gegen das Imperium. Das US-Imperium wird an sich selbst zerfallen, an Überdehnung wie innerer Zerrüttung, so die Skizze, aber „Russland“, also die Elite russischer Kultur- und Herrschaftstraditionen, sowie die Länder des kontinentalen Asien, die sich mit Russland zusammen tun, gedenken die globale Katastrophe dieses Zusammenbruches zu überstehen.

      In Rozoffs Worten:
      „Daß die Länder der Welt nahezu täglich nach einer Zusicherung verlangen, von der mächtigsten multinationalen Militärbündnis der Geschichte nicht angegriffen zu werden, wie unglaubwürdig sie immer sei, stellt an sich eine Anklage gegen ein Zeitalter dar, welches unter solch beständigen und allgegenwärtigen Drohnungen zu leben zwingt.“

      Man beachte, die Mitglieder und Partner der NATO rechnet Rozoff nicht länger unter „Länder dieser Erde“.
      Sein abschließendes Plädoyer für eine weltweite Initiative, die einen UN-Aufruf zur Auflösug der NATO erwirken solle, ist dann wohl kaum noch mißzuverstehen. Es ist ein Plädoyer oder eine Ankündigung für einen Abschied russischer Politik von den Bühnen außerhalb seiner bilateralen Beziehungen und der Organisationen, die es selbst ins Leben rief, namentlich der GUS, der SCO und der Assoziation kaspischer Anrainer.

      Der „russische Bär“ besinnt sich auf seine historischen Tugenden. Gutmütigkeit gehört nur der Legende nach dazu –

      (1) Natürlich ist meine (oder eines anderen) Wahl dieser Marker willkürlich! Das ist sachgerecht, weil es um Willkür als Prinzip geht, notwendigerweise. Hat das Herrschaftspersonal keinen Begriff von seinem Handeln, stellen Übergänge das Analogon einer naturgeschichtlichen Bifurkation dar. Der Erscheinung nach „emanieren“ sie aus einem Chaos der Bewegung gekoppelter Vektoren, und diese Erscheinung ist eben die Wirk-Lichkeit dessen, was die Vektoren auf die Welt gebracht und in die Spur gesetzt hat.

      (2) A „less than eloquent admonition“ nennt Rick Rozoff vornehm McCains Einlassungen.

      (3) Es ist eine Vorstellung, nach dem in Anm.1 vorgestellten Muster.

      (4) Ich äußerte mich in dem Punkt wohl weniger apodiktisch, gäbe es nicht noch „Anzeichen“. Der Wichtigste ist das wenige Tage alte, vom „Commersant“ vorgestellte und von Rick Rozoff dem geneigten internationalen Publikum vorgestellte „Wohlwollen“, mit dem Russland einen türkischen Antrag auf diplomatische Akkreditierung bei der SCO entgegen nahm und zu behandeln gedenke. In einem in Arbeit befindlichen Syrien Artikel komme ich auf den Punkt genauer.

      (5) „… that the only stimulants left to awaken their satiated and dehumanized sensibilities are – as they are inured to violence, even on a mass scale – necrophilia and fiendish, ghoulish Grand Guignol.“

      (6) In dieser Verfassung ist der Iran für Russland mehr eine Last, als von Nutzen.

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      • wolfsmilchblog schreibt:

        TomGard Pro
        2011-11-17 @ 17:54:24

        Ich war mit dem Eintrag in Zeitdruck geraten und schloß ihn am Ende nicht mehr mit der Einleitung kurz.

        Im Maße, wie sich Russland auf seine vitalen Interessen zurück zieht (Was für China sowieso gilt, für China ist jeder Dollar Kapitalexport vital), konzentrieren sich die Erpressungsmittel und -titel in der Hand seiner Gegener und „Partner“. Indem Russland der Türkei gleichsam zum „Lohn“ für die Kriegserklärungen gegen Syrien die Annäherung an die SCO andient, gibt es sein Placet für den Krieg. Und mit jedem Feld, das Russland in Europa und im Nahen Osten zu räumen beginnt, sei es ökonomisch, politisch oder diplomatisch, entfallen dort Optionen zur Kooperation mit Russland gegen die Handlungsfreiheit der westlichen Führungsmächte, die vielleicht noch den einen oder anderen Herren bewegen könnten, auf Rücksichtnahmen zu drängen, sodaß militärische Optionen der USA weiteren Spielraum bekommen.

        Gestern hat Lavrow die Entsendung von „Beobachtern“ der AL nach Syrien begrüßt, und im selben Atemzug bekannt gegeben, an seinem Wissen und Urteil über die Parteilichkeit der AL ändere dies nichts. Die „Vorschläge“, die er der AL obendrein noch machte, hat er auf diese Weise einer diplomatischen Beachtung und sachlichen Nichtbeachtung empfohlen. Dergestalt hat er allen, die es wissen wollen, bedeutet, Russland sei entschlossen, mit den künftigen Herren Syriens, wer immer es sei, auf Anfrage kooperieren zu wollen, sodaß eine Schädigung russischer Interessen über das durch den Kriegsfall unvermeidliche Maß hinaus für die Angreifer überflüssig bis schädlich wäre.

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  3. Ein Sheeple schreibt:

    Hey Grün,
    Ich hab dir ja immer gesagt „was sie sagen ist unwichtig was sie TUN ist wichtig“ was du ja auch selber so siehst „an ihren Taten…“

    https://southfront.org/us-military-deployed-long-range-rocket-system-to-strengthen-its-forces-in-at-tanf-in-southen-syria-reports/

    JETZT haben wir die Taten der USA die versuchen ein Teilung Syriens zu erzwingen. Und JETZT werde ich auch erst anfangen deinem Gerede von der „erfolgten (perfekt) Teilung Syriens“ zu glauben. Wenn in den nächsten Tagen bis Wochen ein weiteres Vordringen der SAA unterbleibt oder die Russen nicht aktiv und unterstützend dagegen vorgehen, erst dann glaube ich dir das dort eine Absprache stattfand und Syrien aufgespalten wird. Aber sollte Russland nach dem Türkei Clou wirklich so dumm sein eine Teilung zuzulassen dürfen sie sich nicht wundern über das Chaos das dort bleiben wird und die eigene Schwächung und ihre Ausblutung durch die Nicht-befriedung der Region.

    Warum jetzt erst?
    Mit der Stationierung eines derartigen teuren Kern Artillerie Systems der Army, wird die USA eher einen richtigen Krieg riskieren als dieses System zu verlieren. Spezialeinheiten sind immer nur für das Gemauschel und kleinkram gut aber wenn man anfängt derartig schwere arti ins das Gebiet zu verlegen kommt da noch ein ganze Rattenschwanz an Logistik, Support und Bewachung hinzu. So ein MARS system ist nicht wirklich für fast Forward and Retreat operationen gemacht. Anders als die Spezialeinheiten mit ihren Blackhawks und Strykern.

    Wer so was dort hinstellt ist gekommen um zu bleiben.

    Mal sehen wir die Russisch/Syrisch Reaktion daraufhin aussieht. Mit dem Streit um Katar…jop Der König ist jetzt DOCH eine Leitersprossse weiter hoch geklettert.

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