Auf der Suche nach ihrer Identität lassen die Hohen Herren wieder „Heiden“ sezieren

Born this way? Researchers explore the science of gender identity
‚So what‘, wird der Durchschnittsleser jetzt denken, das machen die doch seit Jahrzehnten, worüber regt sich der TG jetzt auf?

Nehmen wir doch gleich den Einleitungssatz:

While President Donald Trump has thrust transgender people back into the conflict between conservative and liberal values in the United States, geneticists are quietly working on a major research effort to unlock the secrets of gender identity.

Die amerikanische Regierung habe kraft ihrer militärischen (rechtsetzenden) Autorität die von ihren Vorgängern im Großen und Ganzen hingenommenen Lebensführungsbedürfnisse von Transgenderleuten fraglich gestellt, wodurch diese einem ideologischen Streit innerhalb der herrschenden geistigen / geistlichen Eliten neu ausgeliefert worden seien, erfahren wir. Welchen Einfluß auf solche Wertedebatten könnten / sollten denn bitteschön irgendwelche von Physiologen und Genetikern vorgeblich zu enthüllenden,  so genannten „Geheimnisse der Gender-Identität“ haben können?!

Die einzig erhältliche logische Antwort erschöpft die Frage, aber das wird, schätze ich, kein Mensch anerkennen (Wie ihr inzwischen wissen solltet bin ich kein „Mensch“). Sie lautet nämlich:
Physiologen und Genetiker können den Herren deren Frage beantworten, ob Transgenderleute Subjekte ihrer Herrschaft seien, oder nicht. Die Antwort läuft praktisch auf Entscheidungen hinaus, ob die fragliche Neigung vom Standpunkt herrschaftlicher Maßstäbe Gegenstand von Folterstrafen, ultimat der Todesstrafe, sein dürfe oder nicht sein sollte.

Mit anderen Worten: Der Reuters-Artikel beauftragt die Physiologen und Genetiker mit der Bestimmung der Gender-Identität des Herrschaftspersonals! Die, und nur die, steht mit der Auffindung signifikanter physiologischer Unterschiede zwischen Transen und Normalos zur Bestimmung an. Darüber, was Transen sind, entscheiden diese vorher wie nachher selbst – kraft und im Verlaufe ihrer Lebensführung. Irgendwelche physiologischen Unterschiede können nichts anderes darstellen, als Voraussetzungen, die zu Entscheidungen tatsächlicher oder potentieller Transen Anlaß geben, oder eben nicht Anlaß geben. „Gender“ bleibt das soziale Geschlecht – im Unterschied zum biologischen Geschlecht, das unzweideutig im Gebär- bzw. Befruchtungsvermögen eines Menschen bestimmt ist.
Doch offenbar hat das Herrschaftspersonal sich die Frage aufgegeben, ob, vor allem aber auf welche Weise Transgenderbedürfnisse Bestandteil seiner Hoheit sind, oder außerhalb derselben stehen.

Selbstredend – das Argument war schon gefallen – können die Physiologen auch diese aparte Herrschaftsfrage nicht beantworten, sie können nur der ebenso aparten, spezifischeren Frage Spielmaterial verschaffen, ob und evtl. in welchem geschätzten Umfang Geschlechtsidentitäten einer Herrschaft über Menschen eine rein sittliche Angelegenheit, oder Angelegenheit einer wie immer benamsten und oktroyierten „natürlichen Ordnung“ seien. Dasselbe Problem hatte seinerzeit eine vatikanische Fraktion mit den Heiden, weshalb eine unbekannte Zahl von Indigenen im Auftrag des Klerus seziert wurden, um ggf. ihr Heidentum aufzufinden.

An der Stelle hätte eine anständige Untersuchung anzusetzen, welche Art von Identitätsproblem die selbsterklärten Herren der Heerscharen in den USA anhand der Gender-Identitäten zu wälzen belieben, und warum sie so belieben. Aber ich habe keinen Trieb dazu. Fahrt nur getrost ohne meine geistige Begleitung zur Hölle.

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7 Antworten zu Auf der Suche nach ihrer Identität lassen die Hohen Herren wieder „Heiden“ sezieren

  1. Berengar schreibt:

    »Die kommende Weiberwirtschaft in der Politik ist der Anfang vom Ender der Zivilisation.
    Eines Tages, nachdem die klassische Familie zerstört ist, werden die emanzipierten Weiber
    in lesbischen Wohngemeinschaften leben (eine Art freiwilligen Harem), sich einen gekürten,
    auserwählten Zuchtbullen auf Zeit (einen Macho-Typen aus Arabien beispielshalber) halten,
    ihn nach Pflichterfüllung kastrieren (alle übrigen Männer ebenso) und in Schwulen- und
    Kastraten-Ghettos als Arbeitssklaven und Samenspender halten.
    Ich glaube wir brauchen einen Aufstand der Männer und Frauen, nicht nur um die arabische
    Invasion zu stoppen, sondern um den Genderwahn auszumerzen und diese politisch aktiven
    Schreckschrauben an ihre gottgewollte oder biologisch notwendige Aufgabe zu erinnern.
    «

    Woher ich diese Phantasmagorie habe spielt keine Rolle (ich kann den Link aber auf Nachfrage gerne bereitstellen, falls ihr mir nicht glaubt, daß sie echt ist). Sie hat allerdings den Vorzug, daß sie meines Erachtens sehr offen ausbuchstabiert, in welcher Welt sich manches Mannsbild (ein schönes, hier überaus passendes Wort) herumtreibt, n’est-ce pas?

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  2. tgarner9 schreibt:

    in welcher Welt sich manches Mannsbild herumtreibt, n’est-ce pas?

    Pas du tout, Berengar. Das ist ein Leserkommentar aus „Compact“, der arg nach einem Provo stinkt, auch wenn dergleichen häufiger zu lesen sein mag. Er sagt nichts über eine „Welt“, allenfalls über eine in jeder möglichen Variante vorgetäuschte seelische Verfassung des Autors, die obendrein null Verbindung mit meinem Eintrag hat, ich sehe jedenfalls keine. Allenfalls die, daß ein Haufen selbsternanntes Herrschaftspersonal sowas zur Bebilderung nimmt, bzw. erfindet, um mit Macht vorzubringen, die Geschlechter gehörten umerzogen. Deren Thema ist: Neuerfindung der „Gosse“, nachdem ein beträchtlicher Teil der Mittelschichten bereits in dieselbe geworfen wurde oder an ihrem Rand balanciert. Daran sollten wir uns bitte nicht beteiligen, Berengar.

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    • Berengar schreibt:

      Servus Thomas!

      Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob sowas da häufiger zu lesen ist oder nicht. Ich bin auf der Seite gelandet, weil ich einem twitter-Link gefolgt bin. Aber insbesondere nach dem Studium der Kommentarspalte bin ich schon erschrocken.

      Insbesondere deshalb, weil der Kommentar zwar schon auffällig über die Stränge schlägt, aber unterm Strich zusammenfasst, was mindestens ein Teil der Mann-Schaft denkt. Mir ist dergleichen neulich erst wieder so richtig zu Bewußtsein gekommen, als ich Gespräche von Kollegen anlässlich der Verurteilung einer Medizinerin wegen eines Verstoßes gegen den berüchtigten „218er“ mitbekommen habe. Was ich da hörte, hat mich ehrlich entsetzt – und der Kommentar da oben liegt just in dieser Trajektorie, wenn auch zugegebenermaßen noch ein ganzes Stück weiter auf der Bahn.

      Ich sehe zwei Möglichkeiten: Entweder ich habe überinklusiv etwas für bare Münze genommen, was in Wirklichkeit nur methodischer Schmarrn war. Oder Du wischst leichtfertig als Manöver weg, was tatsächlich die Schauseite eines anderen Zusammenhang ist.

      Grüße!

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      • tgarner9 schreibt:

        Meine Leichtfertigkeit, Berengar, gründet, faktisch gesprochen, im Mainstream, gegen den sich der Kommentator polemisch zu stellen vermeint.
        (Tatsächlich leistet seine Polemik das nicht, aber das wäre der Folgeschritt, den ich heut abend nicht mehr gehen mag.)

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      • Berengar schreibt:

        Es pressiert ja nicht, Thomas. Ich muß ja eh erstmal wieder ein paar Wochen TG-Material nachlesen, das Du während meiner Abwesenheit gewirkt hat.

        Also nur die Ruhe, alter Haudegen, und erstmal einen schönen Abend. :-)

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    • Berengar schreibt:

      Ich habe das Zeug jetzt nochmal nach- und auch etwas drumherum gelesen und möchte die Gelegenheit nutzen, um Entschuldigung zu bitten. Ich glaube nämlich, Du hast recht und ich bin da einem Provo aufgesessen. Bei Tageslicht besehen ist es nämlich schlicht „too much“, um glaubhaft zu sein.

      Ich würde allerdings schon ganz gerne mal wissen, was der Elsässer da genau treibt mit seinem „Projekt“. Er legt ja ständig Wert darauf, nach wie vor „von links“ zu kommen, und notiert das auch immer wieder in seinem persönlichen Blog. Gleichzeitig scheint er aber die Heimatfront genau an der Stelle und so zu bewirtschaften, wie Du kürzlich mal mit lesbar geschwollener Zornader beschrieben hast. Diese dauernden Prosternationen vor seinem Putin (der echte, starke Partner Europas) und seinem China (heizem dem Yankee mal richtig ein) fallen zuerst auf; die Bewunderungsübungen für osteuropäische national befreite Zonen desweiteren.

      Wenn ich es freundlich formulieren wollte, schriebe ich, er sei schon ein kurioser Typ, der Jürgen. Andernfalls müsste ich schreiben, daß er in der letzten Dekade offenbar mühelos die schiefe Ebene hinunter in Richtung der braunen Endmoräne nahm, in der er sich zu suhlen offenkundig genießt.

      Was meinst Du: Ist es der Mühen wert, sich weiter damit zu befassen, oder ein dead end?

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