James Mattis wird isoliert – Vorbereitungen für einen Doppelputsch in White House und Pentagon?

US-Verteidigungsminister Mattis schotte sich gegenüber der Presse ab, behauptet Dan de Luce in einem FP-Artikel mit dem (absichtlich?) irreführenden Titel PENTAGON FORCES OUT POPULAR PRESS SPOKESMAN. Doch zwischen den Zeilen erfährt man, es ist gelogen.  Mattis sucht vielmehr den Kontakt zur Presse so sehr, daß er wiederholt unangekündigt im Presse-Zentrum des Pentagon auftaucht um Reden zu schwingen und Frage-Antwort-Spielchen zu treiben, die nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicken, weil es sich um keine offiziellen Termine handelt. Für Mattis Reisen – zuletzt die Nahost-Reise – werden zahlreiche Presse-Vertreter eingeladen, die im letzten Moment, wenn alle Reiseformalitäten erledigt sind, von seinem Büro wieder ausgeladen werden. Mattis selbst hat nach seiner Amtsübernahme dem ehemaligen OIR-Sprecher Colonel Steve Warren den Job des Pressechefs des DoD angeboten, eine zivile Position, die erforderte, daß Warren den Armeedienst quittiert. So jedenfalls stellte Defense News die Sachlage unwidersprochen im März dar. Nachdem Warren aus dem Armeedienst ausgeschieden ist, kommt nun – das Muster kennen wir schon – die Absage: Warren „erfülle nicht die Anforderungen“ für die Stellung des Pressechefs im DoD, befand die Verwaltung des Weißen Hauses kurz vor dessen vorgesehenen Amtsantritt. Der Absender ist unverkennbar: H.R. McMaster, „Sicherheitsberater“,  geheimdienstlicher Vormund des Präsidenten.

Warum Steve Warren unerwünscht ist? Keine Ahnung – aber meine Kriegsberichterstattung der letzten zwei Jahre liefert zwangsläufig eine Menge Material für Spekulationen. Die naheliegenste: Warren war in Bagdad, als die russische Luftwaffe mit Duldung oder gar im Auftrag des damaligen POTUS begann, die mehr oder auch weniger stille Zusammenarbeit des CENTCOM, des türkischen Geheimdienst MIT, und qatarischer Agenten mit ISIS aufzumischen. Warren hat überdies zwangsläufig ziemlich intime Kenntnis der internen Kämpfe im CENTCOM und zwischen CENTCOM und EUCOM und die Rolle des Chief of Staff Dunford darin. Vielleicht hat er gar Einblick in die Rolle, die Vice-Potus Biden in diesen Kämpfen gespielt hat und die Kontakte, die der aktuelle Vize aus dieser Zeit geerbt hat. In einer zivilen Rolle könnte Warren solche Kenntnisse** zur Geltung bringen, falls er das nicht allzu dumm anstellte, ohne seine Pensionsansprüche zu verwirken.

Wie dem auch sei – Dunford meide die Presse so gut er irgend könne, teilt Dan de Luce seinen Lesern ziemlich zusammenhanglos mit. Warum tut er das?

** PS: Hinzu kommen dürften Einblicke in den Umfang der operativen Zusammenarbeit zwischen CENTCOM und der russischen Militärführung auf dem syrischen Schauplatz.

 

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2 Antworten zu James Mattis wird isoliert – Vorbereitungen für einen Doppelputsch in White House und Pentagon?

  1. tgarner9 schreibt:

    Wesentlich besser, als Jim Jatras, könnte ich nicht darlegen, wie die Entscheidung zum Neubeginn des Afghanistankrieges von Trump’s abschließender „Zähmung“ zeugt. Und Jatras gibt immerhin Hinweise auf einen Teil der Umstände, die ein Ende der US-internen „Regime – Change“ – Bemühungen nicht zulassen: Die Spaltung im militärischen Oberkommando.

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  2. Berengar schreibt:

    Sieht so aus, als gehe es mit Tillerson weiter:
    http://edition.cnn.com/2017/10/04/politics/rex-tillerson-trump/index.html

    Allgemein gesprochen ist Tillersons Anwesenheit im Kabinett eine Kuriosität. Klar: CEO von Exxon Mobil, vormals Standard Oil – das während seiner Zeit größte Unternehmen der Welt, das seit Bush/Cheney tatsächlich Außenpolitik betrieb, allerdings nur für eine bestimmte Fraktion der Business Community. Außenminister wurde er, weil er von Condy Rice und Robert Gates ausdrücklich empfohlen wurde.

    Seit er in Foggy Bottom sitzt, rudert er mehr oder weniger auf dem Trockenen: 30% Etatkürzung im kommenden Fiskaljahr; wesentliche TOP-Positionen (die eine Senate Confirmation benötigen) sind nicht besetzt und auch gar nicht zur Besetzung vorgesehen; seine ausgewiesene Schmallippigkeit gegenüber der Presse, die das gerade bei einem Außenminister nicht gewohnt ist und ihm daher wenig Liebe entgegen bringt; keine Verbündeten auf dem Capitol Hill; in den High Profile-Sachen ständig von Jared Kushner, dem informellen Außenminister, ausgebootet … Tillerson wirkt wie ein völlig überbesetzter Insolvenzverwalter des State Departments.

    Aber! Es gibt dem Vernehmen nach genau einen einzigen „Ankerpunkt“ für Tillerson im Kabinett: James Mattis, der nebenbei auch der Grund dafür ist, weshalb Tillerson überhaupt noch am Tisch sitzt und nicht schon längst die Brocken hingeschmissen hat. Diese beiden sind die einzigen, die die Administration bislang daran gehindert haben, gegenüber dem Iran „aktiv“ zu werden.

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