Amerikanisch – russische Scharmützel um Deir Ezzor und Idleb – updated

Update: Der Sprecher des russischen Generalstabs hat russische Angriffe auf Stellungen der SDF auf putzige Weise bestätigt:

“In the course of the Syrian Army operation to exterminate the last [Islamic State or IS, formerly ISIS] stronghold in Dei ez-Zor, the Russian Air Force performs precision strikes on terrorist-held objects, according to intelligence confirmed through several channels. The strikes are performed on detected IS positions, which fire at Syrian troops, as well as on terrorist reserves coming from the rear,Konashenkov said.
Russian intelligence and drones monitor the Deir ez-Zor area round the clock, he added, noting that they did don register “any engagements between SDF militants and IS terrorists rearward.” “That specifically relates to the area of hydrocarbon fields in the province, where the militants fiercely resist the advancing Syrian troops,” Konashenkov said.

Überschriftet ist dies Bekenntnis mit „Russian forces did not target Kurdish-led SDF units near Deir ez-Zor – Moscow
Update Ende

Vor Monaten, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit James Mattis und Brett McGurk, versicherte US Chief of Staff Joseph Dunford auf Anfrage, die USA „hätten nichts“ gegen eine russisch-syrische Offensive gegen ISIL im Bezirk Deir Ezzor, doch werde es „mit Sicherheit“ ein „Deconflicting“ geben. Diese Drohung wurde in den vergangenen Wochen handgreiflich wahr gemacht. Einen Überblick über die Vorgänge, überwiegend Angriffe von Verbänden der Al Qaida (Nusra) und ISIL, die, lt Erkenntnissen des russischen Generalstabs, in direktem Auftrag und mit logistischer Unterstützung der US-Special Operation Forces agierten, gab „Moonofalabama“ am 21. 9. . Ich will hinzufügen, daß Erdogan die Türkei mittelbar an den US-Angriffen auf die SAA und russische Einheiten beteiligt. Seit vielen Wochen stehen türkische Truppen zum Einmarsch in die Provinz Idleb bereit, in der sie gemäß einem Astana-Beschluß – d.h. mit syrischem Akzept – die „Deeskalationszone“ militärpolizeilich absichern sollen. Sie blieben in ihren Camps.

Nachdem die russische Militärführung am 21. 9. in unzweideutigem Wortlaut angekündigt hatte, weitere Angriffe von US-Proxies und US-SOF’s auf syrische Truppen massiv zu vergelten, wurde gestern ein russischer Dreisterne-General bei einem angeblichen ISIL-Angriff in Deir Ezzor getötet. Heute flog die russische Luftwaffe nach bislang von dritter Seite unbestätigten Berichten Angriffe auf SDF-Stellungen am Ostufer des Euphrat. TASS und RT hatten die Angriffe mit Berichten über russische Geheimdiensterkenntnisse vorbereitet, die für eine direkte Zusammenarbeit zwischen US-SOF’s und ISIL und ein mindestens mittelbares „Aggreement“ zwischen einigen ISIL-Einheiten und SDF-Einheiten zu Lasten der SAA sprechen sollen.

Info und Desinfo

Moonofalabama ist neben Debkafile vermutlich die einzige westliche Quelle für halbwegs taugliche Berichte über die Vorgänge, doch die Darstellung Bernards ist kaum weniger befangen, als die der Ziocon-Hardliner. Das beginnt mit der Überschrift: U.S. CentCom Declares War On Russia“Kein Wort stimmt an ihr oder ist wenigstens eine vernünftige / plausible Spekulation zu heißen. Gegen die SAA führt CENTCOM in wechselnder Konstellation und Besetzung seit 7 Jahren Krieg. Die einzige nennenswerte punktuelle Suspendierung dieses Krieges gab es im vergangenen Jahr, als syrische, russische und CENTCOM Einheiten gemeinsam einen Angriff der Chaos-Fraktion auf Homs via Palmyra vereitelten und CENTCOM anschließend die syrische Rückeroberung Palmyras aus der Luft absichern half. Das war, wie sich bald heraus stellen sollte, eine taktische Maßnahme, um in Al Tanf eine amerikanische Garnison als Barriere gegen weitere Angriffe aus der Provinz Anbar errichten zu können.
Als das Oberkommando der SDF vor einigen Wochen den Marsch auf Deir Ezzor und jüngst weiter auf Bukamal, die Grenzstadt zum Irak, ankündigte, gab es seinen Söldnerstatus im nie abgesagten US-Krieg „gegen Assad“ bekannt. Diese Wendung war vorbereitet worden, indem es amerikanischen und türkischen Agenten gelang, zahlreiche arabische Stammesführer für die SDF zu kooptieren, von denen viele, vermutlich die Mehrheit, irgendwann in den vergangenen Jahren in ebenfalls US-gestützter ISIL-Gefolgschaft gestanden hatten. Erste Kandidaten für solche Gefolgschaft waren, Moonofalabama hat darüber mehrfach berichtet, örtliche Kriminelle 1, ein Muster, das, einem alten französischen NGO-Bericht zufolge, seit dem Frühjahr 2010 für die Mehrheit „syrischer Oppositioneller“ galt, die nicht zum Gefolge der Muslimbrüder oder saudischer Takfiris (Wahabis) zählten oder sich den kurdischen Nationalisten oder Sozialrevolutionären anschlossen.
Kooptierung „oppositioneller“ Gruppen und ihrer Häuptlinge, sofern sie nicht zu den sektiererischen Erzfeinden Damaskus zu zählen sind, ist seit etwa Ende 2012 offiziell auch ein Mittel und Ziel in der Verteidigungsstrategie Damaskus gegen die Interventionisten. Der wesentliche Unterschied zum amerikanischen Vorgehen besteht darin, daß Damaskus keine Dollares zahlen kann 2. Unter diesen Voraussetzungen ist ein „Marsch auf Bukamal“ zwangsläufig ein Rennen – Mattis hat das vor Tagen abgestritten – zwischen syrisch-russischer Feuerkraft und amerikanischer Bestechung unter dem  Druck der Entschlossenheit arabisch-kurdischer Söldner, die sich mit ihren Diensten unter amerikanischer Besatzung und Lufthoheit ein Ende des Krieges wenigstens in einem Kernbereich Nordsyriens zu erkaufen trachten.

Es ist schlechterdings unvermeidlich, daß die Grundlage eines „Deconflicting“ im Kontaktbereich der feindlichen Kräfte ein Blutvergießen ist, das beiden Seiten Grenzen setzt. Schließlich ist neben den Dollares der Amerikaner und Türken das Blut der Proxies, Söldner und der örtlichen Bevölkerung die Währung, mit der beide Seiten handeln.

Das weiß natürlich auch der Autor von „Moonofalabama“. Sein Schlußabsatz zeigt m.E. hinreichend deutlich das Motiv der Desinfo in der Info. Es ist nicht die legitimatorische  Präferenz für die russische Partei, die er sich und den Lesern vorstellt („The Russian troops are legitimately there, having been invited by the Syrian government“) sondern schlicht Rache. Rache für intellektuelle Demütigungen, die nur ein enttäuschter Nationalist erleiden kannnämlich das Modell des intellektuellen Kritikers, der keine Erfolge erlebt, d.h., seinen Urteilen keine Gefolgschaft in der herrschenden Elite erwirbt.

„“Accidents“ and „incidents“, like an „ISIS mortar attacks“, or unintentional bombing of troop concentration of the other side, can happen on both sides of the front. Cars can blow up, bridges can collapse. Any U.S. officer or civilian official in the larger Middle East should be aware that they too are now targets.“

 

 


  1. Die Mehrzahl dieser Kriminellen hatte die Wahl zwischen extremer Armut, Auswanderung und „krummen Geschäften“ aller Art, nachdem die neoliberalen Reformen der Assad-Regierung die Staatsfinanzen auf Kosten der Einkommen der Bevölkerung saniert hatten. 
  2. Bernards Darstellung ist schon deshalb falsch, weil US-SOF’s nur formell (mit SOCOM) dem US-Kriegsministerium unterstehen. Wie zahlreichen Insiderberichten der vergangenen Jahre zu entnehmen – darunter den Mitteilungen der DIA unter Leitung Flynns 2012 / 13 – sind die operationellen Kräfte des SOCOM, JSOC, der Befehlslinie des Kriegsministeriums enthoben, sie operieren in Zusammenarbeit mit der CIA, darunter maßgeblich den CIA-Abteilungen, die direkt dem Department of State zuarbeiten. Das DOS ist zuständig für die Aufträge, die SOCOM in nominellen Friedenszeiten erfüllt. 
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2 Antworten zu Amerikanisch – russische Scharmützel um Deir Ezzor und Idleb – updated

  1. tgarner9 schreibt:

    Pünktlich zu den Luftangriffen auf SDF-Einheiten lieferte das russische Außenministerium über TASS die „Erinnerung“ aus, die russische Armee sei die letztlich relevante Barriere gegen einen türkischen Einmarsch in Afrin.
    http://tass.com/world/967338
    Das ist natürlich Quatsch. Wieviel „kurdisches“ Blut die Türkei vergießen darf und soll, entscheidet die NATO.
    Andererseits hat die russische Armee durchaus die Macht und Gelegenheit, an dieser Schraube ein wenig zu „drehen“.

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  2. tgarner9 schreibt:

    Einen der wenigen westlichen Berichte zum Verlust des russischen Generals in Deir Ezzor lieferte DW vor wenigen Stunden unter dem Titel „Russian general killed in IS shelling in Syria“. Thomas Jocelyn (Long War Journal) gefiel das:

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