Designierter Nachfolger von Merkel heißt Macron

Das Thema verdiente einen längeren Essay, doch ich habe aktuell keine Zeit dazu. Deshalb gebe ich nur das unterberichtetste Detail der programmatischen Rede Macrons vom Dienstag. Zu seinen „Visionen“ zählte die Idee, ein historischer deutsch-französischer Neuanfang in der europäischen Integration im kommenden Jahr könne den Brexit erübrigen.  Einen Tag später erklärte der EU-Chefunterhändler in Sachen Brexit, Michel Barnier, die Verhandlungen für ausgesetzt – mindestens für Monate.

Nominell wird kein Zusammenhang zwischen den Gründen für die Aussetzung und Macrons Vorstoß in Verbindung mit den deutschen Koalitionsverhandlungen angegeben, doch dasselbe Theater, dieselbe Art Kampagne aus Fake – News erleben wir in D. zurzeit in der „Asylfrage“, die mögliche Debatten über Forderungen, die Merkel aus Macrons Mund an die Adresse der CSU richtete, und über Ziel und Zweck der Ablösung des langjährigen „heimlichen Kanzlers“ Schäuble, offensiv zudeckt.

Ich werde in der kommenden Woche ausführlicher dazu schreiben.

Kurzmitteilung | Dieser Beitrag wurde unter Brexit, EU, Imperium veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Designierter Nachfolger von Merkel heißt Macron

  1. tgarner9 schreibt:

    Vielleicht mögt ihr Zeit für ein Interview mit Yanis Varoufakis (30 min) aufwenden

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    • BC schreibt:

      Was Yanis im Sinn hat, erklärt er seinen linken Adressaten so:
      https://www.theguardian.com/news/2015/feb/18/yanis-varoufakis-how-i-became-an-erratic-marxist
      Tja, und hier sagt uns der erratische Marxist, warum er auf Macron setzte:http://www.taz.de/!5409444/

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      • tgarner9 schreibt:

        BC, Du bist ein Schatz. Der Text im Guardian ist einer von vielleicht dreien aus eineinhalb Jahren Lektüren außerhalb von Gegenstandpunkts-Veröffentlichungen, die mir eine Debatte wert wären – wenn denn jemand an diesem Ort eine führen wollte.

        Jetzt will ich nur heraus heben, daß er hinreichend die Wahrheiten und Unwahrheiten im o.a. Interview scheidet. Das Taz-Interview mag dabei helfen, wenngleich es nicht erforderlich wäre.
        Im Video stilisiert Varoufakis das Schäuble-Racket zum Machtzentrum mit einer im Wesentlichen nationalen Agenda, ganz nach den rhetorischen Mustern, die den Vortrag von Peter Decker vom Mai dieses Jahres prägten:
        http://www.contradictio.de/blog/archives/7437
        Wenngleich der Guardian-Text – wie beide Interviews – so tut, als bestehe der Globus, mithin die kapitalistische Welt, aus Westeuropa, läßt er m.E. dennoch erkennen, daß der „Kampf um Europa“ ein Streit zweier paneuropäischer Linien ist, die beide zu wesentlichen Teilen durch ihr Verhältnis zu den USA bestimmt sind. Die EU war von allem Anfang an – nicht das faschistische Konzept, sondern die Montanunion – ein gegen die US-Hegemonie gerichtetes Projekt. Schon in der Verständigung zwischen den Regierungen Schmidt und Giscard d’Estaing ab Mitte der 70er zeigte sich, daß die nationale Selbstbehauptung der führenden kontinentalen EU-Länder ein ebenso unverzichtbarer wie lästiger Pflichtbestandteil im Projekt europäischer Einigung wurde. Unter der von den USA gewährten Weltmarktkonkurrenz mit Zielbindung (Vernichtung der SU) wurde die „Wahrungsschlange“ der EWG die Basis einer paneuropäischen Konkurrenz um und gegen den Dollar. Ein Schäuble mag sich keine oder allenfalls abfällig Rechenschaft über den Beitrag des Franc zur Stärke der DM legen, in der Verwaltung des DM- und Bundesbankerbes im Euro kam und kommt er nicht um ihn herum. Macron hat sich nun als ein würdiger Erbe aufgestellt. Er will der Schäuble-Agenda mit machtvoller Deregulierung und Öffnung des Arbeitsmarktes gehorchen. zugleich verwirft er die Austeritätspolitik, deren Ergebnisse er EU-weit zu beerben trachtet.

        Um auf das Video zurück zu kommen: Schäuble wollte Griechenland aus dem Euro drängen und war sich über die militärpolitischen Begleiterscheinungen und Konsequenzen sicherlich im Klaren. Die „Verantwortung“ wollte Schäuble persönlich tragen – die Öffentlichkeit wurde breit und umfassend auf dies „Opfer“ vorbereitet – und mit diesem „heroischen Akt“ das EU-Projekt aus der Schuld nehmen. Varoufakis trug maßgeblich dazu bei, ihn an dieser Volte zu hindern und erzählt darüber ein albernes Märchen.
        An dieser Stelle hätte eine relevante Darstellung und/oder Debatte der ehemaligen und aktuellen Zusammenhänge erst zu beginnen.

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  2. BC schreibt:

    Schukran.
    V. hat übrigens 907000 Follower auf Twitter.
    Apropos Flaschenpost im Cyberspace, fand dich hier verlinkt:
    https://www.i-v-a.net/doku.php?id=links
    Vielleicht sind die interessiert an einer Debatte.

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  3. grünspan schreibt:

    Tom, Du solltest die Varoufakis’sche Arbeitswerttheorie (der Guardian-Link von BC) verständlich analysieren. Stichwort Doppelcharakter der Ware Arbeitskraft “…How could Marx be so deluded? … Did he not have the intellectual tools to realise that capitalist dynamics spring from the unquantifiable part of human labour; ie from a variable that can never be well-defined mathematically? Of course he did, since he forged these tools!…”

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    • tgarner9 schreibt:

      Dies hat es dir angetan, Grünspan, gelle:
      Marx hätte anerkennen sollen / müssen

      that the market power (!), and thus (?) the profitability (!?), of capitalists (??!) was not necessarily reducible to their capacity to extract labour from employees; that some capitalists can extract more from a given pool of labour or from a given community of consumers for reasons that are external to Marx’s own theory.

      Buchstäblicher Quakkelkram, rhetorisches Spiel mit Bezeichnungen, die Yanis für ökonomische Kategorien ausgibt und mit der Gewißheit ausgeben kann, die intelligenteste Reaktion seiner Klientel werde sein, „Au ja, dazu weiß ich auch was …“. Das beliebteste Schema der „Marx-Widerlegung“ seit 150 Jahren.

      Marx hat kein Buch mit dem Titel „Marktmacht und Markterfolg“ geschrieben. Insoweit das ein (untergeordnetes) Thema der „Kritik …“ war, hat er das Phänomen, auf das Yanis anspielt, beschrieben und aus der Analyse der Waren- und Kapitalproduktion hergeleitet. Es figuriert dort (wörtlich, wenn ich recht erinnere) als „Das Reich (!) der Extraprofite und Schnäppchenjagden“. Wer Band 2 + 3 gelesen hat, weiß das.

      Was von Yanis durchaus vergnüglichen Erfindungen generell zu halten ist, kennzeichnet der Satz, den du zitierst, in diesem „Trumm“:

      … a variable that can never be well-defined mathematically …

      Hoast mi.

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    • tgarner9 schreibt:

      Nachtrag
      Ich erinnere mich vage eines Disputes um „einfache“ resp. „komplexe“ oder „zusammengesetzte“ Arbeit, den wir, Grünspan, vor Jahren geführt haben. Falls dir das im Zusammenhang mit Yanis „unbestimmbarer Variablen“ eingefallen ist:
      Die abstrakte Arbeit ist, wie der Name schon sagt, eine Abstraktion. Daß es sich um eine Realabstraktion handelt, hatte Marx im 1. Kapitel aus dem Verhältnis der Waren, mithin aus der Warenzirkulation abgeleitet. Solch eine Ableitung ist freilich kein „Beweis“. Die Geltung der Realabstraktion mußte Marx in der Darstellung der Produktion und Zirkulation des Kapitals zeigen, weil bzw. insofern Warenproduktion = Produktion des Kapitals wird, wenn Ware Leitform des gesellschaftlichen Produkts ist. Auf dem Wege dieser Darstellung hatte Marx die „abstrakte Arbeit“ sachgemäß zu symbolisieren und eine naheliegende, doch keineswegs erzwungene Weise, das zu tun, waren die Begriffe „einfache Arbeit“ im Sinne einer „gesellschaftlichen Durchschnittsarbeitszeit“ für die jeweiligen Produkte. Naheliegend war und ist diese Darstellungsform, weil die Kapitalisten selbst auf diese Weise Arbeitszeiten betriebswirtschaftlich rechnen, Sie faktorisieren Durschschnittsarbeitszeiten betrieblich und im Branchenvergleich. Aber diese Rechnungsweise erübrigt nicht die Darstellung des Warenwertes, mithin der darin enthaltenen gesellschaftlichen Arbeitszeit, auf dem Markt in Gestalt der Masse an Äquivalent in Geldform, die das Warenprodukt auf sich zieht. Ergo existiert der Wert der warenproduzierenden Arbeit und folglich die Realabstraktion „abstrakte“ oder „einfache“ Arbeit auch nicht anders, als in der Form des Äquivalentes, das Arbeitsprodukt in der Warenform auf dem Markt erzielt. Wie diese „Transsubstantation“ vor sich und angeht, ist das Thema der gesamten Kapitalanalyse. Ein Verständnis der Reproduktion des Kapitalverhältnisses ist wiederum Voraussetzung dafür, jeweils historisch bestimmte Entwicklungs- und Durchsetzungsformen der einzelnen ökonomischen Kategorien beurteilen und verstehen zu können, falls sich jemand diese absurde Arbeit antun wollte. Irgendwelche Erscheinungsformen mit den abstrakten Kategorien, die Marx einführt, zu kontrastieren, mit dem unweigerlichen Resultat, „passt nicht“, ist billige Polemik. Wenn jemand vorstellig macht, die Sache wissenschaftlich im akademischen Sinne anzugehen – was nicht notwendig ist, um zu einer auf Wissen und Verständnis beruhenden Kritik dieser Produktionsweise zu gelangen – dann hat er Kategorien und Erscheinungsformen auseinander zu halten und ggf die Vermittlung zwischen beiden, die Marx vorstellt, anzugreifen, andernfalls ist er professoraler Scharlatan und Politiker.

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