Damaskus tritt Idleb an die Türkei ab

Die russische Luftwaffe unterstützt in diesem Augenblick eine Offensive türkischer Truppen und ihrer verbündeten, unter dem Label „Ahrar al Sham“ vereinigten Kopfabschneider, unter denen sich eine Masse Fußvolk versammelte, das noch vor wenigen Wochen und Monaten Nusra und ISIL Gefolgschaft leistete, gegen die umgeflaggten Tar-Babies der Ziocons, die jetzt als „Hay’at Tahrir Al-Sham“ figurieren.

Wir dürfen vermuten, daß sich hinter dieser Offensive ein Deal verbirgt, der die vom türkischen Geheimdienst um Jisr al-Shughur, am Rande von „Alavitistan“, angesiedelten 6 bis 10 Tausend uigurischen Söldner iwie „zurücknimmt“, aber das darf keinesfalls als gesichert gelten. Ziemlich sicher ist nach dieser Entwicklung, Damaskus wird die Hoheit über die Provinz nie wiedererlangen.
Und der Syrienkrieg bietet jetzt auch an der Oberfläche das Vollbild eines Imperiumskrieges im Abendrot, nach römischen Motiven.

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8 Antworten zu Damaskus tritt Idleb an die Türkei ab

  1. tgarner9 schreibt:

    Bloomberg dazu.Der Artikel zeigt auf vielfältige Weise an, die politischen Handler des Autors sind überzeugt, die Türkei werde mit der lange angedeuteten Entsorgung / Übernahme der Ziocon-Kopfabschneider jetzt ernst machen. Wie er das anzeigt? Keine Lust, das zu erklären, ist eh für die Katz.

    PS.: Rt und Tass schweigen zu den Meldungen und zu Erdogans Prahlreden noch immer, folglich hat Erdogan nicht nur geprahlt.
    Stattdessen streicht TASS das Versprechen des saudischen Außenministers heraus, man werde künftig gegen die Finanzierung von Terroristen im MENA vorgehen. Das haben die Saudis schon Trump versprochen – folgenlos, soweit bekannt wurde. Wie anders, von diversen Wistleblowern und den Dokumenten, die sie vorlegten, wissen wir, daß eine zentrale Stelle bei der NATO die Terrorfinanzierung koordiniert und u.a. NATO-Kontrakteure die Lieferung übernehmen, darunter Schiffskommandeure, die erst NATO-Truppen beliefern den „Rest“ ihrer Ladung dann nach Jordanien und ins KSA bringen. Nicht zu vergessen die Azerbaidschanische „Diplomatenpost“. Das KSA kann daher nicht ernstlich „liefern“, aber es kann die Russen natürlich dosiert mit Kompromat versorgen – dosiert insofern die Partner Russlands auf dem syrischen Kriegsschauplatz, namentlich die US-Kommandeure, die mit dem russischen Oberkommando koordinieren, von seiner Verwendung profitieren können.

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  2. tgarner9 schreibt:

    Bernard fährt in seinem kommentatorischen Rachefeldzug fort: Erdogan Is Afraid Of Entering Idleb
    Nicht alles darin ist (notwendig) verkehrt, doch Bernard passt seine Darstellung zentral an das russische Narrativ an, indem er Ahrar al Sham nicht erwähnt und diese Propaganda zieht sie von vorn herein auf eine schiefe Ebene.

    Ein zu säubernder und personell, organisatorisch, v.a. aber propagandistisch von Al Nursa zu scheidender, künftiger Ahrar al Sham – Verband war zu Beginn des Jahres von Russland und dem Iran zum türkischen Statthalter in Syrien vorgesehen, erhielt die Hoheit über Al Bab und wurde nach Astana eingeladen um dort als der künftige Kriegsherr in der vorgesehenen „Deeskalationszone“ Idleb zu figurieren. Doch der Versuch scheiterte an der militärischen Überlegenheit der Nusra-Front und ihrer Verbündeten in Idleb sowie – wahrscheinlich – innertürkischen Konflikten. Ahrar ist ein mindestens überwiegend türkisch geführter Proxieverband, al Nusra ein Kind der Ziocons in der NATO, in dessen Ausstattung und Lenkung die türkischen Stellen lediglich eine prominente Vermittlerrolle hatten.

    So führte die Teilnahme Ahrars in Astana unter unklaren Voraussetzungen und mit einer unklaren Agenda kurz darauf zu einer Spaltung des Verbandes und zu blutigen Auseinandersetzungen in der Provinz Idleb. Allerdings hatten eine Reihe halbwegs verläßlicher Beobachter den wohl begründeten Eindruck, die Kämpfe zwischen Al Nusra und Ahrar seien in der Hauptsache eine Ente der Kriegspresse, die relativ unbedeutenden Infights in Idleb vielmehr ein personelles Gerangel, das den in Fluß geratenen internationalen Machtverhältnissen und Einflußgrößen geschuldet war. Ein Videobericht aus Idleb vom Mai, den ich verlinkt hatte (Links am Ende des Kommentars), bestätigte das. Ahrar und Nusra hatten einen Warlord-Verband unter der Flagge der Al Qaida gebildet. Im Juli gab es einen AFP-Bericht, der unter Berufung auf die üblichen Verdächtigen behauptete, Al Nusra habe Ahrar-Häuptlinge und einige Hundertschaften ihrer Gefolgschaft aus dem Stadtgebiet von Idleb und der unmittelbaren Umgebung vertrieben und in den Süden der Provinz verdrängt.

    Nach alledem steht unter Einbezug der Erfolge der SAA in den letzten Monaten, der es mit russischer, zum Teil auch amerikanischer Hilfe (Tabqa, Al Tanf, Palmyra) gelang, Nachschublinien Idlebs in den Irak und nach Jordanien / Saudi Arabien zu kappen, fest, sowohl Ahrar wie Nusra, jetzt „Tahir“, erhalten bis zur Stunde unter russischer Duldung Nachschub aus verschiedenen Quellen via türkischen Vermittlern, bzw. vom türkischen Geheimdienst direkt.

    Unter dieser Voraussetzung ist Erdogans Ankündigung und die unklaren Presseberichte über türkische und andere Truppenbewegungen, sowie über die konkrete Natur der Unterstützung der angekündigten Operation durch russische Luftwaffe und türkische Infanterie und Panzertruppen, leicht zu entschlüsseln. „Ernsthafte Operationen“ heißt ganz schlicht, die Türkei sei nicht länger willens und / oder imstande, zu taktieren, die Kameraden von der Jihad-Front hätten jetzt die Al Qaida Flagge einzuziehen und / oder sich zu trollen, falls sie sich nicht in „FSA“ umflaggen lassen wollen.Die jetzt offiziell in Idleb einmaschierten, militärisch weitgehend ohnmächtigen FSA-Banden figurieren als eine politische Vorhut, die unter Erdogans Ankündigung und seiner Berufung auf einen türkisch-russisch-iranischen Beschluß unantastbar werden soll.
    De facto brauchen sich die Qaidas an den paar minderbemittelten Sendboten nicht die Pfoten blutig zu machen, wie man sehr gut dem Filmbericht vom Mai entnehmen kann, auf den ich oben schon verwies. Gefordert sind ein Show-Feuerwerk für die Presse und die offizielle, im Astana-Prozess zu verwendende Gefolgschaftserklärung, die zu russisch überwachten Waffenruheverhandlungen mit Damaskus überleiten.

    Es wird schon so sein, daß das türkische Oberkommando angesichts der Erfahrungen in Al Bab vor einem Einsatz regulärer Truppen in Idleb eine Art „Angst“ hat, zumal die Säuberungen in der Armee nach dem NATO-Staatsstreich in der Türkei die Widerstände in der Truppe gegen eine Syrienintervention nicht bis hinunter in diejenigen Befehlsränge beseitigt haben dürften, die in kämpfenden Verbänden die Hauptrolle spielen. Andererseits wissen wir aus zahlreichen Berichten der türkischen Opposition, daß die Türkei in den vergangenen etwa 18 Monaten im Eilverfahren haufenweise Jihadis und naturalisierte syrische Flüchtlinge für gesonderte Armeeeinheiten rekrurtiert und ausgebildet hat. Die taktische Schwierigkeit, welche die „Deeskalationszone Idleb“ der russisch-türkischen Entente bereiten wird, liegt in der künftigen Administration der Provinz, in der weder eine türkische noch russisches Hoheit auf militärischem Wege sicher zu verankern geht. Die „Lösung“ liegt auf der Hand: Der Status Quo der Provinz soll und muß unter neuen Labeln in erheblichem Umfang erhalten bleiben. In Idleb soll künfig eine russisch zertifizierte „Opposition“ residieren, die dafür Bedingungen zu akzeptieren hat, von denen wir einstweilen nichts weiter wissen, als daß die Einstellung der Angriffe auf SAA und die ihr verbündeten Milizen ihre Grundlage ist.

    Die wichtigste Wahrheit in Bernards Darstellung liegt m.E. in diesem Satz:

    Should it come to a conflict between HTS and Turkish forces in Syria, the fight would soon cause casualties in Ankara and Istanbul.

    Die Stakeholder von HTS sitzen in Brüssel, Tel Aviv und im Hauptquartier des MIT in Ankara und zwischen den Akteuren an allen drei Orten herrscht keinesfalls Einigkeit über das aktuelle und künfige Vorgehen im MENA. Erdogan sieht sich jetzt mehr oder minder genötigt, das Machtwort über diese streitenden Parteien zu sprechen, will er nicht die „russische Karte“ fallen lassen, die weitgehend fake ist, aber ihm erlaubt hat, die Türkei zu einem regionalen Player aufzuwerten, der nicht bloß als NATO-Grenzprovinz fungiert, die alle Eigeninteressen hintan zu stellen hat.

    https://www.heise.de/tp/features/America-first-Trump-will-Sicherheitszonen-in-Syrien-fuer-Fluechtlinge-3608384.html?seite=2
    https://tomgard.blog/2017/05/16/filmbericht-aus-idleb-und-jisr-al-shughur/
    http://www.dailymail.co.uk/wires/afp/article-4722840/Jihadists-control-Syrias-Idlib-rebel-pull-monitor.html

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  3. Berengar schreibt:

    Danke für diese Updates aus dem „Partherreich“.

    Eine Anschlußfrage: Ist es der begrenzten Kapazität (ich vermute, auch Dein Tag hat nur 24 Stunden ;-)) geschuldet oder gibt es andere Gründe, wieso Du bislang kaum auf Nordkorea zu sprechen gekommen bist?

    Ich frage in erster Linie auch deshalb, weil die US-amerikanische Business Community wohl aktuell an dem Punkt steht, den wir schon aus Vietnam kennen: „Entweder gehen wir jetzt in die Vollen oder ziehen ab, aber irgendwas muss passieren, ansonsten handelt es sich hier nur um unproduktive Kostenstellen für uns“. (So sinngemäß zum Beispiel hier: http://www.washingtonexaminer.com/how-to-handle-north-korea-either-china-helps-or-its-war/article/2636649 )

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  4. tgarner9 schreibt:

    Ich will mich mit dem Fall Korea nicht befassen, Berengar, aber da Du Thema und Link einmal angeschleppt hast, setze ich auch einen Link, der meine Weigerung illustrieren mag:
    http://www.wisconsinproject.org/north-korea-nuclear-milestones/

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    • Berengar schreibt:

      Tom, ich verstehe das so: Dieses Faß machen wir deshalb nicht auf, weil daraus nichts zu schöpfen ist, was wir nicht schon geschöpft haben.

      Akzeptiere ich!

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  5. tgarner9 schreibt:

    Würd‘ ich nie so ausdrücken, Berengar, mich aber auch nicht dagegen verwahren.

    Zur Sache: RT fand es an der Zeit, die türkischen Operationen und Pläne zu erwähnen und ausführlich zu rechtfertigen. Niemand wolle eine Mauer bauen:

    “This is not a permanent measure and nobody among those who supported the creation of these zones has the intention to keep them forever and, in effect, create some kind of enclaves in Syrian territory for years to come,” Russian Foreign Minister Sergey Lavrov said in September.

    Die mehrseitig, auch von amerikanischer, israelischer und saudischer Seite erzwungene syrische Duldung der Besatzung (die syrischen Truppen sind außerstande, das Gebiet zu erobern und zu halten) nennt RT eine „neue Ebene (deeper level) der Kooperation“.
    https://www.rt.com/news/406076-erdogan-idlib-implement-astana-deal/

    Derweil nimmt Reuters die Gelegenheit wahr, anläßlich einer vergleichsweise randständigen Rede von Nasrallah die US-Kooperation mit ISIL mittelbar zu rechtfertigen. Es könne schließlich nicht angehen, daß das Ungeziefer rechts des Euphrat von US-Vorgehen gegen linkseuphratisches Ungeziefer profitiere, lautet der gewiß breit abgenickte Subtext. Ich frage mich, ob die ausgeflogenen Daeschianer bereits im Libanon hocken und nach einer Pause von etwa drei Jahren die nächsten Angriffe auf die lokale Bevölkerung vorbereiten..

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  6. tgarner9 schreibt:

    Während die türkische Armee angeblich Stellungen unliebsam gewordener Jihadis im syrischen Grenzgebiet zerschießt, hat HTS lt. lokalen Meldungen die Garnisonsstadt Armanaz von Ahrar al Sham erobert. Entgegen seiner gewaltigen Rhetorik macht der Bericht allerdings nicht den Eindruck, es habe ein erbitterter Kampf stattgehabt. Armanaz liegt am Fuß des Gebirgspasses, über den die Autostraße 60 Idleb bei Salquin mit der 56 verbindet, die nördlich nach Reyhanli, westlich und südlich über diverse mindere Verbindungswege in die türkische Provinz Hatay führt. Wer diesen Paß beherrscht, verhindert zuverlässig Truppenbewegungen mit schwerem Gerät – es sei denn, jemand räuchert seine Stellungen aus der Luft aus. Ob russische und / oder türkische Luftangriffe auf den Paß und die Ortschaft stattfinden werden, oder nicht, wird daher zu einem sehr zuverlässigen Indikator für die Art des Deals, der hinter der Operation steht.

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  7. tgarner9 schreibt:

    Oje, jetzt bin ich schon mit der FAZ einig.

    „Das Einzige, was Hayat Tahrir al Scham wirklich fürchtet, ist ein massiver türkischer Einsatz“, sagt ein syrischer Beobachter, der den Assad-Gegnern nahe steht und gut unter islamistischen Brigaden vernetzt ist. „Aber die Türkei hat zuletzt noch Gesprächskontakte mit der Gruppe gehabt.“ Er bezweifelt wie auch manch westlicher Diplomat, dass Ankara die Dschihadistengruppe mit aller Macht zerschlagen will. „Es ist auch ein bisschen Theater dabei“, vermutet er.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/tuerkei-beginnt-militaer-offensive-gegen-dschihadisten-in-syrien-15237273-p2.html

    Alle Welt, von Charles Lister über WvWilg bis Faz tönt jetzt: „Das eigentliche türkische Ziel sind die Kurden.“ Obwohl nicht völlig verkehrt, ist es doch Bullshit. Dem aktuellen Einschluß Afrins, das an einer dünnen Aleppiner Lebenslinie hängt, während der durchaus laufende kommerzielle Vekehr mit und durch Idleb an die Versorgungsbedürfnisse und das lokale Befriedungsinteresse der Jihadis geknüpft ist, fügt eine mögliche türkische Besetzung der Provinz Idleb nichts hinzu. Um Afrin platt zu machen, muß die Türkei es auch nicht einkreisen, fast alle Ziele dort liegen in Reichweite der türkischen Artillerie.

    Doch „Artillerie“ ist das Stichwort in anderem Zusammenhang. Wenn die Türkei reguläre Truppen nach Idleb verlegt, wer – ich sagte es schon im Eintrag – sollte den NATO-Staat dort auszuheben versuchen? Niemand neben russischen und amerikanischen Truppen könnte das und der Kreml hat garantiert keinen Trieb, in Syrien einen Atomkrieg zu entfesseln. Deshalb ist die türkische Patronage über Idleb ein russisches Geschenk an Washington.
    Von Idleb aus gerät aber mindestens Aleppo, wenn nicht auch nahezu alle Versorgungslinien für Aleppo, in die Reichweite der schweren Kaliber der türkischen Artillerie. Ankara könnte von einer Bastion Idleb aus jederzeit mit den bekannten Methoden einen „Separatkrieg“ gegen Damaskus starten. Und wessen Kreise stört das besonders? Ja, genau.

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