Wie ist ISIL zu bekämpfen? Mit der Zerschlagung der syrischen Armee!

Das ist ein alter Hut der Ziocons, den maßgeblich der ehemalige US-Außenminister Kerry immer dann aufsetzte, wenn er es an der Zeit fand, den vom Weißen Haus abstrakt-allgemein vorgegebenen „Friedensprozess“ zu sabotieren. Wenn man es genau nimmt, handelt es sich um eine Wahrheit. Insofern ISIL überhaupt zu einer bedingt selbständigen Kraft mutierte, weil kriegerisch widerstreitende Interessen der Stakeholder (US-Kriegsfraktion, regierende Zionisten, saudisches Königshaus, qatarisches Sultanat, türkischer Islamofaschismus) dem Söldnerverband die Formulierung eines relativ selbständigen Interesses und einer selbständigen Agenda unverzichtbar geboten, müßte der Verband nach der Zerschlagung der SAA in seine Bestandteile zerfallen, ein lokales, allenfalls regionales Bandenwesen, das neu um Geldgeber und politische Stakeholder zu buhlen hätte, und dies schon deshalb, weil die Banden sich andernfalls wechselseitig ins Jenseits der Geschichte beförderten. Die direkten Anrainer Syriens hätten bei allen Gegensätzen, die sie zueinander haben, das gemeinsame Interesse, solch eine Revitalisierung mittels militärischer Aufteilung des Territoriums untereinander zu unterbinden.

Dies Szenario zu unterbinden ist wiederum das gemeinsame Interesse beider Flügel der US-Kriegsfraktion, der (ehemaligen) Ziocons und (ehemaligen) Neocons, damit die USA im MENA nicht einen unheilbaren militärpolitischen „Bedeutungsverlust“ erleiden, der Russland und vielleicht schon mittelfristig auch einer französisch-deutschen Achse weitere Bestimmungsräume öffnete.  Das aktuelle Resultat ist dies:

“As Syrian state forces supported by Russia have moved to the [east], they have found it increasingly difficult to actually to provide a hold force.” Joint Staff Director (!) Lieutenant General Kenneth F. McKenzie Jr said. He questioned whether or not the lack of “relative affection” that the people of the region have towards the Regime might be a factor in the difficulties of the Syrian Arab Army.
It is a problem that US-backed forces such as the Syrian Democratic Forces (SDF) aren’t coming across. (…)
Hassan Hassan (!), a senior fellow at the Tahrir Institute for Middle East Policy in an opinion-piece for the National, argued that a counter-offensive by ISIS also showed that the regime is unable to hold its ground. (…)
How precisely does the SDF avoid falling into some of these same pitfalls? According to Nicholas A Heras, a Middle East Fellow at the Center for a New American Security, “The SDF has a model for establishing rapport with the local population in areas it conquers from ISIS, which are local councils that are representative of the population in the area. (…) This model is superior to the „reconciliation“ model of the Assad government and its allies, which is essentially placing siege on a local community, and then allowing it a short-term autonomy until Assad aligned forces move into it,” he told the Region.
“While the SDF model has been successful in places with complex communal dynamics such as Manbij, it will still be challenged in eastern Syria, particularly Deir Azzour. In Deir Azzour, complex tribal politics and the presence of a network of ISIS sleeper cells waiting to be activated all await the SDF. That is why the SDF must bring into Deir Azzour a unified Deir Azzour Military Council made up of the different tribes (…)” Heras told the Region.
“If the Deir Azzour Military Council is not stable from the first days the SDF is in Deir Azzour, and is riven with tribal in-fighting, disaster would be stalking the SDF efforts to hold eastern Syria,” he added.

Wie meine Leser wissen dürften, hat der russische Generalstab unzweideutige Beweise für die direkte Zusammenarbeit amerikanischer Spezialtruppen und ausgewählter SDF-Einheiten mit ISIL-Verbänden gegen die SAA und russische Spezialisten vorgelegt, das sind offenbar die „Gegenoffensiven“, von denen Hassan Hassan, ein Urgestein der Ziocons, redet. Heras schlägt mithin de facto vor, die US-Truppen sollten bei Bedarf mit ISIL -Verbänden gegen die eigenen Verbündeten vorgehen um sie zu nötigen, in direkte Gefechte mit den syrischen Truppen einzutreten, weil sie andernfalls … das eroberte Gebiet nicht gegen die US-Söldner halten könnten!

Alles in allem dürfte auch der türkische Islamofaschismus sich zur Unterstützung dieses Szenarios, bereit finden können, um so mehr, als es sich um ein Paradebeispiel für „creative chaos“ handelt. Das einzig verläßliche Resultat der Umsetzungsversuche wird eine fortdauernde Unumgehbarkeit amerikanischer Truppen und der US-Luftwaffe, mithin der Austragung eines innerimperialen Krieges auf levantinischem Boden sein, d.h. auch im Nordirak.

 

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11 Antworten zu Wie ist ISIL zu bekämpfen? Mit der Zerschlagung der syrischen Armee!

  1. tgarner9 schreibt:

    Ich hatte die EU in Arbeit – mit mehr oder weniger Energie – aber jetzt unterbreche ich das zugunsten der vor einem Monat von ANF vorgestellten Theorie hinter der söldnerischen Eingliederung Rojavas in eine nordostsyrische Imperiumsprovinz, vorgetragen von Mustafa Karasu, Exekutivkomitee der PKK.
    Sie bestätigt in vollem Umfang mein in der Vergangenheit nur schwach begründetes Urteil, es handele sich um eine Rückkehr bzw. Renaissance der Stalinisten in der PKK. Diesmal will ich mir etwas mehr Mühe geben, das zu zeigen, und nebenher einige Wahrheiten über den Stand des imperialistischen Krieges auszusprechen.
    Es wird dauern, aber irgendwann kommt das. Bis dahin seid ihr eingeladen, hier unabhängig von mir dazu zu schreiben.

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    • BC schreibt:

      Hab’s gelesen. Ungenießbares Zeug, man weiß gar nicht, wo man anfangen soll.
      Was wirklich nervt, ist diese starke Dosis von Größenwahn und Ignoranz, das Rechnen ohne den Wirt. Man halte mal die Reden von Nasrallah dagegen. Der ist absolut im Jetzt und weiß, mit wem er es zu tun hat und warum.
      Übrigens gibt es auch jenseits des MENA-Dramas noch Bemerkenswertes zu melden:
      http://www.stalkerzone.org/agreed-closed-meeting-volker-surkov/
      Für die, die sich noch nicht mit Surkov befasst haben:
      https://www.theatlantic.com/international/archive/2014/11/hidden-author-putinism-russia-vladislav-surkov/382489/
      Trotz des moralistischen Grundtons lesenswert.

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      • tgarner9 schreibt:

        „Trotz des moralistischen Grundtons lesenswert.“
        (Zu Peter Pomerantsevs „Portrait“ von Surkov)
        „Genießbares“ Zeug? Weißt, was wo damit anfangen? Wenig Größenwahn und Ignoranz gefunden, nur ein wenig moralistische Verwässerung? Von was? Reiner Lehre?

        Pomerantsev bemüht sich, in seinem Narrativ von Surkov möglichst viele Techniken der Verwirrung, Verdrehung, Täuschung und Simulation zur Anschauung zu bringen, die es Surkov zuschreibt, und dies Verfahren, diese Technik nebst ihrer aufgebrezelten Darbringung, die nicht etwa nur auf Bunnies in der Bostoner Partygesellschaft zielt, ist die Botschaft des Textes. Die Botschaft derer, die mit britischem Akzent aus der Allegorie „Villa in the djungle“ visionäre Weltsichten schneiden.

        PS.
        Das Surkov zugeschriebene „Without Sky“ kann man durchaus lesen:
        http://www.bewilderingstories.com/issue582/without_sky.html
        Und Leser, die außerstande sind, meine Behauptungen über Pomerantsevs Täuschungsmanöver nachzuvollziehen, können einen Teil davon auffinden, wenn sie „Non Linear War“ desselben Autors lesen, 6 Monate vorher geschrieben:
        https://www.lrb.co.uk/blog/2014/03/28/peter-pomerantsev/non-linear-war/
        Pomerantsev ist offenkundig von „Surkov“ – seiner Nacherfindung der Figur – geradezu besessen, und das mag immerhin illustrieren, worauf ich mit der „Villa in the djungle“ anspielte

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      • Berengar schreibt:

        Tom, danke für das Zusatzmaterial. Das hatte ich nicht auf dem Schirm, dafür aber was anderes:

        Das Bild, das hier gezeichnet werden soll („Washington und Moskau manöverieren sich an der EU vorbei und ja, das geht“), passt doch auch für jemanden, der nichts von den spinnerten Phantasien kennt, die darum gesponnen werden, hinten und vorne nicht zur Lage der Dinge.

        Welche Lage der Dinge? Na, ein paar Beispiele:

        Daimler hat Mitte des Jahres angekündigt, die bisherigen Joint-Ventures (Lizenzproduktion) aufzugeben und zu direkten Automobilproduktion in Rußland überzugehen; hierzu soll ein Werk in der Nähe von Moskau errichtet werden.
        BWM hat vor vierzehn Tagen angekündigt, daß die Planungen für eine Fabrik in Kaliningrad soweit fortgeschritten seien, daß demnächst mit der Umsetzung des Vorhabens begonnen werde.
        Siemens hatte einen kleinen Skandal am Hals, als bekannt wurde, daß Turbinen- und Kraftwerkstechnik auf die Krim geliefert wird. Das Geschäft wurde übrigens nicht gencancelt, sondern lediglich Siemens in die Lage gebracht, ein Schmierentheater aufzuführen, um es über die publizistische Begleitmusik hinweg doch noch stattfinden zu lassen.
        Dann gibt es da noch Gerhard Schröder und seinen jedenfalls für Transatlantiker „geschmäcklerischen“ Rosneft-Posten, den er ungeachtet dessen wahrnimmt.

        Praktisch gehören hier auch noch her, obschon nicht direkt sachzusammenhängend, die Entscheidung von Siemens und Alstom, ihre Zugsparten zusammenzulegen, sowie die Ankündigung des Bundesverteidigungsministeriums, die Ausschreibung des G36-Nachfolgers so zu gestalten, daß garantiert keine nicht-europäischen Hersteller zum Zuge kommen werden.

        Und nun frage ich mal so rum: Fällt da jemandem was auf?

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  2. BC schreibt:

    (Seltsam, dass ich mich hier immer erklären muss…)
    Zur Ignoranz:
    „Now the statist (?) civilization is at a point of collapse. It has been understood that power and state can’t resolve issues. The civilization system has become a burden for societies. Societies no longer want to carry states or governments on their backs.“ Ach ja, die arme Gesellschaft.
    „PEOPLES’ WILL WILL BE TAKEN INTO ACCOUNT.“ (und der ganze Absatz danach)
    Zum Größenwahn:
    „At a time when capitalism has sunk to the bottom and people have been thrown to the grasp of desperation, the Democratic Nation mindset and the Democratic Confederalism line comes to the fore in the Middle East like an oasis in a desert.“
    Vielleicht lesen APO und das EC ja zuviel Rousseau. Kann aber auch sein, dass der Genosse Übersetzer seiner Aufgabe nicht gewachsen war.
    Jedenfalls setzt die Führung dort offenbar darauf, dass sich durch die derzeitige Lage tatsächlich ein window of opportunity geöffnet hat.
    Die schöne Aussicht, die dieses Fenster bietet, hat du bereits in Ansätzen an anderer Stelle geschildert.
    Bei solchen Parolen wundert es einen nicht, dass einige Leute von einem Kurdistan als „zweitem Israel“ träumen (noch so eine „Oase in der Wüste“?).
    Ein Gegenmittel wäre natürlich eine Dosis TG in etwas „volksnäherer“ Verpackung…
    Zu PP siehe Mark Ames: https://pando.com/2015/05/17/neocons-2-0-the-problem-with-peter-pomerantsev/.
    Du magst dich da in deiner Diagnose bestätigt fühlen, ich aber auch (ohne die Details zu Legatum, Browder etc. zu kennen).
    Der „Neocon-Hipster“ ist von „seinem“ Surkov geradezu fasziniert, einer Romanfigur würdig eines Dostojewski, der er, PP, aber leider nicht ist.

    PS: Es gibt da eine Arbeitsteilung, während PP & Co. die grauen Eminenzen und den Mafiastaat ins Visier nehmen, entdecken andere überall das subversive Wirken skrupelloser „Tschekisten“ und vom FSB gesteuerter fünfter Kolonnen, jeweils im selben medialen Echoraum unter dem Label „Winning the Infowar“.

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    • tgarner9 schreibt:

      Mark Ames erzählt nicht weniger vom Pferd, als PP, nur etwas professioneller. Um wenigstens einen Splitter heraus zu heben: Putin, der vor der Wahl 1996, von der Ames so viel zu erzählen weiß, in nicht unbedeutender Position Wahlkampf für Jelzin machte, war von den auswärtigen „Beratern“ zur Nachfolge der komplett unzurechnungsfähigen Puppe bestimmt worden. Der Erfolg von Alexander Lebed, der sich ’96 noch für Jelzin kooptieren ließ, hatte die Strippenzieher gelehrt, daß eine „nationale Wende“ nicht zu vermeiden war, abgesehen von all den politökonomischen und geopolitischen Motiven, die aus Washingtoner Sicht für einen Erhalt russischer Föderalstaatlichkeit und die Abwendung katastrophischer Zusammenbrüche sprachen. Das Imperium war zu dieser Zeit nicht aufgestellt, Positionen in Zentralasien zu besetzen, die von Moskau geräumt worden wären, erst der Putsch in Washington schuf die Voraussetzungen, das immerhin in Angriff zu nehmen, u.a. mit der Kriegsfront gegen den Iran.
      Gegen Putin stand eine wahrscheinlich hauptsächlich aus London gestützte Fraktion, mit Chodorkowski und Beresowski als prominenten Mitgliedern. Lebed versuchte sich ihr nach Putins Wahl anzudienen, doch Chodorkowski wollte „es“ bekanntlich selbst machen.

      Vielleicht nehme ich das Thema irgendwann auf.

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  3. tgarner9 schreibt:

    Berengar, wer wird in den kommenden Jahren was mit und aus der EU machen, lautet die Frage, an deren Antwort auch das Schicksal der Investitionen hängt, die jetzt angekündigt werden. Siemens hat sich schon vor Jahren (mit dem Ausstieg aus der deutsch-französischen Nuklearkooperation) für den russischen und zentralasiatischen Markt entschieden.

    Der Abschuß von MH17 entschied, wer die Vorhand im Ukrainekrieg hat, auch wenn Obama das Verdikt mit der Stützung von Minsk I zugunsten der Europäer milderte. Dennoch bedurfte es noch Minsk II und – nicht zu vergessen – die klaren russischen „Ansagen“ im Gefecht um Debalzewo, um den „heißen“ Krieg in Sotschi und mit der Akkreditierung von Vic Nuland in Moskau zunächst einzufrieren. Wenn jetzt ein paar Weichen gestellt werden, die eine Beilegung des Kleinkrieges im Donbass zumindest möglich erscheinen lassen (sollen), ist noch gar nichts entschieden.

    PS.
    ich las soeben, Trump wird gegenüber dem Iran die „Strategie“ verfolgen, die Macron vor wenigen Tagen vorgeschlagen hat …
    http://derstandard.at/2000065937281/Anspannung-vor-Trump-Erklaerung-zum-Iran

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    • Berengar schreibt:

      Ja, das ist so. Ein Grund dafür, den angekündigten „Grundrissen zur EU“ mit gespannter Erwartung entgegen zu sehen!

      Die Herren der industriellen Basis in Deutschland jedenfalls sehen es ganz genau so – deshalb kann man sich ja stellenweise darüber wundern, wie ostentativ ihre Bescheide darüber, in welche Richtung die Weichen gestellt werden sollen, mittlerweile ausfallen. Der Art und den Urhebern nach kann sich keine Bundesregierung gegen solche Art eindeutige Bescheide stellen, ohne den Übergang zu einer faschistischen Kommandowirtschaft zu vollziehen nach der Art, wie sie zuletzt 1936 stattfand.

      Siemens selbst müsste man hierzu möglicherweise ein eigenes Kapital widmen, denn dieser Konzern ist seit jeher ein deutsch-russisches „Brückenprojekt“ (zum gelegentlichen Mißfallen der Nationen, die dazwischen liegen). Die Position der Kapitalfraktion, die dahinter steht, ist allerdings längst bekannt; ich möchte in diesem Zusammenhang nur mal hieran erinnern: https://www.youtube.com/watch?v=Pm4voCWCToI – das war bereits 2014 und war keine Flüsterei durch die Tapetentür!

      Und wer war es noch gleich, der im Bundestagswahlkampf laut darüber nachdachte, den Status auf der Krim und im Donbass zu akzeptieren und darüber ein mittelfristig friedlich-schiedliches Nachbarschaftsverhältnis zu Rußland herzustellen? Richtig: Lindner. Und wer war der einzige, der ihn nicht für diesen unerhörten Tabubruch schalt? Genau, Schröder.

      Man darf gespannt sein, wie sich die deutsch-französische „Gelenkachse“ zur und mit der EU sortiert.

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