Archiv (Mai 2012): ENDLICH! Judengen entdeckt

Vorwort zur Neuauflage 1

„Sarrazin“, der Hype scheint Jahrhunderte vergangen, obwohl nur etwa 6 Jahre her. Kaum 3 Jahre hat es nach der Erhebung des iconographischen „Kopftuchmädchens“ zum Symbol gedauert, bis es – in angepassten Gestaltungen – zum republikanischen Institut 2 ausgeformt war. Nein, niemand versuchte, gleich dem ewiggestrigen Edmund Stoiber ein Jahrzehnt zuvor, eine „Durchrassung des deutschen Volkes“ als politischen Titel wiederzubeleben. Und doch ist der Titel allgegenwärtig, wenngleich mit veränderten Vorzeichen und in neuen Zusammenhängen.

Der Verweis „mit Migrationshintergrund“ ist auf dem besten Wege, pflichtgemäß in die Reihe der anzuführenden Titel und der „persönlichen Kennzeichen“, wie Augen-, Haarfarbe und eventuelle Narben aufgenommen zu werden. Wenn „Klassenleistungen“ in den Grundschulen „wegen der Vielzahl der Kinder mit Migrationshintergrund“ abnehmen, gilt das erst in dritter Instanz als ein pädagogisches Problem. In erster ist es ein nationales, in zweiter eines der Eltern, und zwar säuberlich geschieden nach Eltern „mit“ und „ohne“ – Migrationshintergrund. Es ist auf dem Wege, selbstverständlich zu werden, daß Eltern „mit“ geringere Ansprüche an die Ertüchtigung ihrer Brut für „Chancen“ des Arbeitsmarktes zustehen, als Eltern „ohne“.
Zugleich – und das ist das bezeichnendere Detail – gibt es auch die Umkehrung! Leute und Traditionen mit „fremdenfeindlichen Reflexen“ 3, auf die nicht nur Bildungspolitiker jede Menge Rücksicht nehmen (der „nordafrikanisch aussehende junge Mann“ hat den Neger auf der Jagd nach weißem Mädchenfleisch abgelöst), gelten in der Rede von den „Abgehängten“ in der Nation und der europäisch (westlichen) Zivilisation als ein zu entsorgendes nationales Inventar, und zwar besonders dann, wenn es in  Regionalwahlen und -verwaltungen die Volksparteien abgehängt hat und, jeder Menge Wahlmanipulationen zum Trotze, ein Drittel der Wahlvölker mobilisieren kann.
Angesichts solcher Polemik im politischen Personal und Meinungsmanagement liegt der Verdacht zwingend nahe, es gehe nicht um eine irgendwie begründete Zurückweisung dessen, was ich jetzt erst einmal mit dem Schlagwort „Rassismus“ belege – wohl wissend, daß ich darunter ein wenig anderes verstehe, als die Mehrheit der Leser – sondern um dessen Reintegration in den ideologischen Bestand,  nämlich mit aktualisierten Referenzebenen.

Solch andere Referenzen hat der jüdische Rassismus seit eh und je. Darin ging es in den seltensten Fällen um Loyalität rassisch ausgegrenzten und eingehegten Menschenmaterials, bzw. den Verdacht der Illoyalität, der es in den alten Republiken in der Form des Zweifels an staatsbürgerlicher Tauglichkeit und Gefolgschaft regelmäßig zu rechtsförmlicher Weihe brachte. Dies staatsbürgerliche Gewand stellt ein gern angenommenes Angebot an völkische Traditionen dar, die in erster Instanz wenig mit der Nation zu tun, vielmehr bourgeoise und lokale Quellen haben. Gemeint ist das Unbehagen von Kiez- und Gemeindebürgern angesichts der Fremdheit von Neubürgern gegenüber den Traditionen und Gewohnheiten berechnender Unterwerfung unter die öffentliche und rechtliche Ordnung 4. Der jüdische Rassismus steht zumindest außerhalb Israels erzwungenerweise in einer Tradition, die mehr auf die ständische, als lokale Gliederung der Orte und Gegenden bezogen war und blieb, in denen es jüdische Kollektive gibt. Das, unter anderem, führt der unten nebst einigen Reaktionen besprochene Artikel ein Stück weit vor.

Ein ständischer Rassismus ist naturgemäß universalistisch bezogen auf die Ordnung, welche ihm Gegenstände und Bezüge liefert und reproduziert folglich nicht deren Hierarchie.  Zum rassistischen Blick von „Oben“ nach „Unten“ gibt es ein Gegenstück und jede Menge „Seitentriebe“. Es wären eine Menge zusätzlicher Argumente nötig, zu zeigen, daß die Überführung rassistischer Traditionen aus einer Superposition durch die nationale Gliederung der Welt,  in solche, für die eine mehr oder minder globale ständische Gliederung die Superposition liefert, zwanglos gelingen kann. Ich bleibe sie jetzt schuldig. Das besprochene Phänomen fiel mir u.a. deshalb auf, weil es für diese Transposition Muster liefert, und eine Menge dieser Muster sind auf dem Wege in das alltägliche Bewußtsein der Eliten wie des Pöbels.

„Ihre Gene erweisen es: Juden bilden eine Rasse“

(Jews Are a ‚Race,‘ Genes Reveal), betitelt Jon Entine eine Rezension in der Zeitschrift The Jewisch Daily ForWard, die das bei Oxford Press erschienende Buch „Legacy: A Genetic History of the Jewish People“ von Harry Ostrer, Professor am Albert Einstein College of Medicine in New York bespricht.
Ostrer zeige, Juden wiesen eine distinktive genetische Signatur auf, schreibt Entine, und wolle damit mehr gesagt haben, als daß Untersuchungen an Mitgliedern als jüdisch geltender Familien signifikante Verteilungsmuster einer Reihe genetischer Merkmale ergeben haben, unter denen bestimmte „Cluster“, die für erblich bedingte Krankheiten verantwortlich gemacht werden, bislang hervor stechen. Juden zeigten sich genetisch vielmehr als eine „homogene Gruppe“, im Sinne der Vereinigung bestimmter Merkmale, wie sie in wissenschaftlicher Terminologie eine „Rasse“ konstituiere, und Ostrer wolle diese Merkmale künftig als zentrales Kriterium jüdischer Identität genommen wissen.

Jon Entine ist selbst mit der Bewerbung jüdischer Distinktion hervorgetreten, er widmete ihr ein Buch mit dem Titel „Abrahams Kinder“. Harry Ostrer rühmt er dafür, der „modisch postmodernistischen Zurückweisung des Konzepts der Rasse“, das aus genetischer Sicht für „naiv“ ausgegeben wurde, „entschlossen“ entgegen zu treten.
Solche „Entschlossenheit“ scheint das Hauptmerkmal des Machwerkes zu sein, wägt man die Darstellung seines Rezensenten nüchtern. Demnach hat Ostrer eine mehr oder minder taugliche Revue der auf jüdische Linien konzentrierten Verwandschaftsforschung abgeliefert, soweit sie sich auf die datentechnisch aufwendige Bestimmung von Haplotypen stützt, und sie mit einer Flut mehr oder weniger öder ethnohistorischer Verweise und Narrative aufgebläht, durch die der Leser sich „zu kämpfen“ habe, bis er am Schluß auf das stößt, worum es Jon Entine eigentlich zu gehen scheint, ein Bekenntnis zur Überlegenheit der jüdischen Rasse. In Entines Worten:

Viele liberale Juden unterstützen (zumindest in öffentlichen Äußerungen) die Ansicht, die Plethora jüdischer Ärzte, Anwälte und Künstler sei ein Produkt unseres(!) kulturellen Erbes. Doch die Wissenschaft erzählt eine verzwicktere (more complex) Geschichte: Jüdischer Erfolg (!) ist nicht weniger Produkt jüdischer Gene, als das jüdischer Mütter.

Die „Plethora“ ist Entines metonymischer Ausdruck für Verweise auf die üblichen Statistiken, die zum Beweis überlegener jüdischer Intelligenz heran gezogen werden. Nun hat auch Ostrer nicht etwa ein „Intelligenzgen“ entdeckt, für ihn wie Entine tritt die jüdische Apologie nebst einer Vermeidung an die Stelle eines – übrigens ebenso hypothetischen wie absurden 5 – genetischen Beweises: Es fällt für diese Leut außer Betracht, das „Erbe“ – ob man es nun kulturell oder genetisch bebildern wolle – könne das ebenso gemeinschaftliche wie geteilte Produkt einer sozioökonomischen Geschichte verschiedener Populationen sein. Das „Erbe“ tritt für sie jüdisch in Erscheinung, soll jüdisch sein und ca y est – damit ist es jüdisch, basta!

Nun ja, was soll man sich über den Unfug eigentlich aufregen, werdet ihr vielleicht sagen. Jüdische Familien stehen mit der Einbildung, „besonders schlau“ zu sein, wahrlich nicht allein. Und wenn der Ausweis der Einbildung in den Erfolgen besteht, die ihre Angehörigen in der Konkurrenz der Eliten erzielen – na bitte, was soll’s, sei es ihnen gegönnt. Doch da kommt noch ein wenig mehr.

Zunächst will ich die ideologiegeschichtliche Eigenart des Umgangs nennen, den Entine, Oster und die wachsende Schar Rassisten, die sich wissenschaftlich legitimieren wollen, mit der Genetik treiben. Denn der klassische Rassebegriff ist erst jüngst in deren eigenem Lager demontiert worden, von Leuten, die Genetik zum methodischen Spielfeld der Pfuscherei mit dem kausalistisch-deterministischen Paradigma erkoren haben.
Entine läßt dafür Craig Venter und sein Schlagwort sprechen, die genetischen Unterschiede, die man in der US-amerikanischen Bevölkerung auffinde, bewegten sich im Bereich von 0,1% des sequenzierten genetischen Codes.
Nun weiß tatsächlich jeder, der sich nur ein wenig mit Genetik beschäftigt hat, solch eine numerische Angabe ist eine Metapher . Solange kaum mehr als der Chemismus der Codierung geklärt ist – und selbst der ist noch unzureichend bekannt – und deren Einbettung in die Physiologie der Stoffwechselvorgänge und damit die verschränkten Prozesse genetischer Expression in den Abläufen des individuellen Entwicklungs- und Lebensprozess qualitativ wie quantitativ unaufgeklärt sind (von den neuerlich in den Blick geratenen epigenetischen Faktoren zu schweigen) so lang weiß man fast gar nichts, was über im trial and error – Verfahren erprobte medizinischen Eingriffe merklich hinaus ginge. Die ominösen „o,1%“ können daher ebenso gut für bedeutsamere, als noch viel unbedeutendere Unterschiede stehen, als die über dimensionale Alltagserfahrung gezogene numerische Metapher nahe legen mag.

Auf diese Unbestimmtheit baut Endine – offenbar Ostrer folgend – seinen Einwand gegen den Einwand:

Wie gering die Unterschiede immer sein mögen (und heutzutage glauben (!) Genetiker, sie seinen signifikant höher, als 0.1% anzusetzen), sie sind bestimmend (defining). Diese 0.1% bestehen aus ca. 3 Millionen Basenpaaren, welche über solche Sachen (such things) wie Hautfarbe, Haarfarbe und die Anfälligkeit gegenüber bestimmten Erkrankungen bestimmen.

Drei Millionen Basenpaare – die Mystik der großen Zahl führt das Bild der Spannbreite zwischen Pläsierchen sexueller Präferenzen und Todesurteilen ins Feld.
Auch das ist erstmal nebbich. Das gewohnte Zeug, dem Publikum in der alltäglichen Propaganda dutzendfach um die Ohren gehaut, das auf den selbstbewußten Umgang unterworfener Konkurrenzsubjekte mit Bedingungen ihres Erfolges resp. Mißerfolges zielt. Sie siedeln diese Bedingungen zwischen Schicksal und Bestimmung, Glück und Tugend, Tugend und Verdienst an, um am End bei dem gültig gemachten Maßstab zu landen, Recht und Unrecht. Über den wollen sie freilich – das ist Ziel und Gewinn des Verfahrens – mit ausgewiesen eigenen Kriterien befinden, obwohl sie zugleich von allen damit Behelligten geteilt sein sollen, damit sie Berufungsinstanzen für berechnende Vergleiche hergeben, nebst die darauf bezogenen Appelle an das Rechts- bzw. Unrechtsbewußtsein der lieben Mitbürger. Für solche Appelle ist das Verfahren in erster Linie da, bevor es in zweiter Instanz der mehr oder auch minder betrübten, bilanzierenden Nabelschau dient.
Soweit alles, wie gehabt.

Rasse als Erbe
Doch unvermittelt fährt Entine im Anschluß an das obige Zitat so fort:

Sie (i.a. die mystischen 3Mio Basenpaare) enthalten die Kartierung unserer Familienstammbäume bis zu den Anfängen des Auftretens moderner Menschen.

Des modernen Menschen?! könnte man spontan fragen, wieso nicht bis zu den ersten Regungen nukleotid kodierter Organismen auf dem Planeten? Einschließlich ihrer Verschränkung in der Entwicklung der Biosphäre, aus der jedes menschliche Individuum im genetischen Material der in seinem Leib vergesellschaften Kommensalen und Parasiten einen Ausschnitt spazieren trägt, der, in Basenpaaren ausgedrückt, jene 3 Mio um mindestens eine Größenordung übersteigt?
Die Frage illustriert einmal mehr die Unredlichkeit in den mit einem Haufen Scheiße gefüllten Köpfen, die da am Werk sind – aber sie führt auch in die Irre.
Denn entscheidend für die Sinnhaftigkeit des Satzes ist die eigentlich ins Auge springende Kontiguität des Übergangs von der genetischen Ausstattung von Individuen zu deren genealogischer Verteilung in der Populationsgeschichte, den Entine anschließend zum (eugenischen) Programm ausgestaltet:

DNA gewährleistet (ensures), daß wir(!) uns nicht nur als(!) Individuen, sondern auch(!) als(!!) Gruppen voneinander unterscheiden (DNA ensures that we differ not only as individuals, but also as groups.)

Wir brauchen das gar nicht wollen, lautet der triumphale Befund, die DNA (im Verein mit unserer ehrwürdigen und ehrbaren Neigung zu Inzucht, „interbreeding“) tut das für uns. Daß dies „uns“, das am Anfang hinein gesteckt wurde, am End auch wieder heraus kommt, nämlich in Gestalt einer empirisch zu gewinnenden, daher im Zweifel auch juristisch zu untermauernden genetischen „Evidenz“ für ein „emergent“ überindividuelles Institut, konstruiert aus dem genealogischen Gemenge individueller Unterschiede und Eigenarten, ist damit von zweithöchster Stelle (über der DNA thront nur noch Jehova) autorisiert. Folglich ist, wer dem jüdischen Genpool zugerechnet wird, zur Annahme des einst Jehova zugeschriebenen Auftrages berechtigt, den die mit diesem Verfahren gewählten Vorfahren in der Tora überlieferten: Nimm Dir das Deine und vermehre es.
Die Offenheit, mit der hier der monotheistische Charakter der wissenschaftlich zu ermittelnden „Realität“ ausgesprochen wird, in welche die aufklärerische Inquisition die Wirk-Lichkeit gesellschaftlich handelnder Individuen verwandelte, scheint mir zeitgeistig schon ein Datum zu sein, wenngleich kein neues, denn es handelt sich – abstrakt genommen – um eine Rückkehr zu cartesianischen Ursprüngen mit neuem Material.

Der „Witz“ daran, die empiristische Befreiung zur Theologie, läd über ihr Verfahren ein, nicht nur den Juden gemäß ihrer Tradition, sondern jedem Menschen eine sozioökonomische Identität zu wählen, folge sie einer tribalen Genealogie oder auch nicht. Die Identität von monotheistischer Unterwerfung und Privateigentum wird darin sehr fassbar: Die abstrakte Seite allen Privateigentums – seine Abtrennung aus dem stofflichen Zusammenhang gesellschaftlicher Produktion – ist eine Zerstörung, die beständig und periodisch der Heil(ig)ung bedarf. In der entwickeltsten Form leistet dies die Zirkulation und Reproduktion der Kapitale, notfalls unter der Bedingung der Repulsion, Vertreibung, Vernichtung eines beträchtlichen Teils ihrer Produzenten. So lange das Privateigentum in den kommunalen und ständischen Zusammenhängen befangen blieb, in denen es errichtet wurde, trat die Betreuung der ständischen Verhältnisse durch eine monotheistische Priesterkaste in diese Aufgabe ein, die über allen Ständen stehend sie vermittels der eigenen ständischen Daseinsvoraussetzungen verklammerte. (Gene, Kaste)

Die zeitgeistige Entwicklung erscheint daher nur zufällig an die Tradition der jüdischen Diaspora geknüpft, weil die der Entterritorialisierung herrschaftlich gesetzter Identität ein hergebrachtes Muster liefert. Die Ständeherrschaft der feodalen Gesellschaften unterwarf die jüdische Diaspora ihren sozialen Identitätsmustern. Ein weitläufig ähnlicher Prozess findet zur Zeit in Gestalt einer ständischen Neusortierung der Klassengesellschaft statt, [ als welche die disponible Formierung nationaler Arbeitsfonds für transnationale Kapitale und Kapitalgesellschaften in den imperialistischen Metropolen stattfindet. Edit: neu fassen?]
Sie trägt Züge einer Retribalisierung der Weltmarktbevölkerung. Was Jon Entine und Harry Ostrer abliefern, folgt im Grundsatz demselben zeitgeistigen Bedürfnis, wie der „Sarrazinismus“ in Kerneuropa. Die jüdische Variante hat gegenüber der Theorie der „Kopftuchmädchen“ allerdings den „Vorzug“, die Anbiederung an die hergebrachten Rassismen zu meiden, mit der Sarrazin tribalen Zufluß in die Arbeitsbevölkerung mit Verdrängung von Teilen der nationalen Proletariate ins Subproletariat zu assoziieren pflegt. Die jüdische Variante bleibt bei abstrakten monotheistischen Bildern, statt sich hergebrachter patriarchaler Viehzüchtermythen zu bedienen, die Rassismen stets an einen bestimmten Genpool knüpfen. Der Rassismus Sarrazins wird aufgrund seiner Konkretheit soziale Stigmatisierung selbst da nicht los, wo es ihm um Auf- statt Abwertung geht, wie in seinen Bemerkungen über die ashkenasischen Juden. In Entines und Ostrers wissenschaftlicher Theologie wird das Stigma zum Erbe, das es zu bewirtschaften gilt, sie wirft das egalitäre Ideal, das der Stigmatisierung zugrunde liegt, über Bord. Dafür spielt es keine Rolle, daß ihr Argument, gleich wie in der sarrazinschen Variante, vermittels der „Standardabweichungen“ auf diesem Ideal fußt.

Erbe verpflichtet

Man erinnere sich der iconischen Konvertitin, der biblischen Ruth, die Boaz heiratete und die Großmutter König Davids wurde. Sie war eine Außenstehende, aber man wird wohl wenig finden, das jüdischer wäre, als das Bluterbe König Davids!

Ja, wer wollte sich solchem Erbe entziehen. Die biblische Ruth, ob sie es wollte, oder nicht, kann es jedenfalls nicht mehr. Über denselben elementaren Topos, den die Nazis ins Feld führten, an eine Tradition des romantischen Widerstandes gegen die Emanzipation der hergebrachten, kommunalen und ständischen Gemeinwesen des Geldes zur proletarisch-bürgerlichen Klassengesellschaft anknüpfend, über die Sterblichkeit des Individuums und die potentielle Unsterblichkeit seiner Erbmasse, gelangt der jüdische Rassentheoretiker zur Unterordnung der Individuen unter den Genpool, den doch jedes Einzelne von ihnen konstituiert.

Und wie bei den Nazis auch kommt diese Verpflichtung, die Jon Entine mit seiner Wortwahl „genetic liability“ unterstreicht, in erster Instanz als Berechtigung daher, eine, die er am Ende dann doch, entgegen allem Zeitgeist wieder reterritorialisiert:

Aufs Wesentliche reduziert, ist Rasse dasselbe wie „Abstammungsgebiet“ (region of ancestral origin).

Zurückweisungen des territorialen Anspruches mit Einlassungen von der Art, „man“ (also die Juden) hätte in Abwesenheit von ihrem Stammland herumfickend eine Menge unjüdische Gene aufgesammelt, findet die schon zitierte kombinatorische „Widerlegung“ aus DNA und Heiliger Schrift mittels der unseligen Ruth. Ostrer hat’s bewiesen.


  1. Ich stolperte auf der Suche nach Material für „Was ist eine Ableitung“ über das Ding. Sein Zusammenhang mit dem Zeug, das mich in letzter Zeit beschäftigt hat, ist etwas entfernt – doch das ist ein Grund mehr, es neu aufzulegen, sonst gerät es mir wohlmöglich selbst wieder in Vergessenheit. 
  2. Die Bezeichnung „republikanisch“ verwende ich hier im ursprünglichen Sinne der Verpflichtung von Gemeinde- und Stadtinsassen auf eine öffentliche Ordnung. 
  3. Ich verwende das geflügelte Wort aus deskriptiven Gründen, seine Diagnose teile ich nicht
  4. Auch das ist eine Beschreibung, keine Erklärung. Das genannte Ressentiment gehört zu einer Bilderwelt, mit deren Hilfe der bürgerliche Rassismus teilbar wird und zu einem Politikum gemacht werden kann. Die Quelle rassistischer Urteile liegt in der Rassifizierung bürgerlicher Kriterien von Tugend und Tauglichkeit. Sie entstammt dem Selbstbewußtsein des Konkurrenzbürgers. 
  5. Ich mag meine Kritik des Intelligenzbegriffes hier nicht vorbringen, verweise dazu nur auf die in erster Instanz zureichende Kritik Gilbert Ryles am „Geist aus der Maschine“ in „The Concept of Mind“. 
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14 Antworten zu Archiv (Mai 2012): ENDLICH! Judengen entdeckt

  1. grünspan schreibt:

    Tom, das ist ein Meilenstein von Artikel, wenngleich ein Martyrium das durchzuackern.
    Die bizarre pseudolinke Propaganda pro Sodomie, Gender, African & Muslim Migration, White Abortion, Anti-White-Suprematism, Feminism konnte in ihrer Übertreibung gar nichts anderes bezwecken als den mitmachenden Bürger zum „hater“ aufzustacheln (Nach Jörges vom Stern tarnen sich neuerdings die Hasser als „besorgte“ Bürger, wonach er sich wohl eine Leibwache zulegen mußte).
    Die von Dir gezeigte Rückkehr zu cartesianischen Ursprüngen mit neuem Material (jüdischer Supremacy Rassismus mit DNA-Argumenten) könnte bei Bürgern insofern auf durch Political Correctness vorbereiteten fruchtbaren Boden fallen, nach dem Motto, lieber den Einstein dienen als die Mugabes durchfüttern.

    Off topic. Die Sendung „Die Zaubertricks der Tiere“ in N-TV machte heute die empörende Aussage, dass Waschbären in urbaner Umwelt infolge der Verfolgung durch den Menschen nach wenigen Generationen ihren ländlichen Artgenossen erblich geistig hoch überlegen sind und sich in nur hundert (!) Jahren zu einer eigenen intelligenteren Unterart entwickeln werden.

    Spin Doktoren aus der Trump-Fraktion behaupten hinterrücks modern dogs may have originated from a single group of wolves domesticated in Europe around 40,000 years ago, according to a study published today (July 18) in Nature Communications http://dx.doi.org/10.1038/ncomms16082. Hier ist die Ursache und das Ergebnis ist diversity https://en.wikipedia.org/wiki/Dog_breed. Tiermodelle können allerdings nicht einfach auf den Menschen übertragen werden.

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    • wolfsmilchblog schreibt:

      Off topic. Die Sendung „Die Zaubertricks der Tiere“ in N-TV machte heute die empörende Aussage, dass Waschbären in urbaner Umwelt infolge der Verfolgung durch den Menschen nach wenigen Generationen ihren ländlichen Artgenossen erblich geistig hoch überlegen sind und sich in nur hundert (!) Jahren zu einer eigenen intelligenteren Unterart entwickeln werden.

      hier (ländlich, ohne schon plage zu sein) fangen die ersten an, waschbären einzufangen (ein leichtes) und durchsterelisieren/-kastrieren zu lassen…wie wilde katzen (weniger leicht einzufangen) , die aber eben keine wildkatzen …
      inwiefern „versorgen“ städtische waschbären sich anders als ländliche (dort, wo sie zur plage werden=verfolgt ebenso) ?

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      • grünspan schreibt:

        Hallo Wolfsmilch. Bei mir gräbt der dröge ländliche Waschbär nachts meinen Garten zerstörerisch um wegen der Regenwürmer, am Tag faulenzt er, halt ein primitiver Jäger und Sammler. Ich hoffe auf die genetische Weiterentwicklung zum urbanen, doppelt freien intelligenten Waschbären, der zumindest meine Bestimmungen versteht, wann und wo er umzugraben hat.

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      • wolfsmilchblog schreibt:

        ich kenn sie (im pulk) nur von den abfallbehältern der restaurants, eßgelegenheiten in buckow (märkische schweiz, brandenburg), wo sie, während mensch so aß und schmatzte, immermal näher beguggen wollten, obs aufm teller was andres gibt als im müll…nuja…regenwürmer würden die dort jedenfalls nichmal anfassen ;-) (kulturfolger), schon-urban im ländlichen kurort ;-) … deiner macht wohl auf maulwurf?…

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  2. tgarner9 schreibt:

    … könnte bei Bürgern insofern auf durch Political Correctness vorbereiteten fruchtbaren Boden fallen, nach dem Motto, lieber den Einstein dienen als die Mugabes durchfüttern …

    Solche im übertragenen Sinne „ständische“, patriarchal und kolonialistisch überlieferte Gliederung des Weltmarktes, resp. der Staatenwelt und des Imperiums, ist uralt, im sachlichen Sinne kindlich („Ich bin Amerika“ – „Nein, ICH bin Amerika, du bist Russland“) und – wahrscheinlich, ich bin „aus der Welt“ – weitgehend überlebt. Auch ist dein Gegenstand nicht der Bürger (siehe z.B. „Was ist eine Ableitung“), sondern völkische Manövriermasse, d.h. die Weise, wie sich Nationalisten ständisch auf die herrschaftliche Gliederung des Weltmarktes beziehen und das von Bürgern indossiert bekommen, die sich berechnend zu dieser politischen Rolle verhalten.

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    • grünspan schreibt:

      „Auch ist dein Gegenstand nicht der Bürger“.
      Ich bin Bürger (Citizen) denn ich mache mit in der bürgerlichen Gesellschaft, indem ich für andere mit hoher Produktivität produziere und dadurch zeitlich frei bin mich durch die Zwiebel der Wahrheit schichtweise durchzustudieren. Der Bürger den Du meinst ist vermutlich der strippenziehende Bourgeois. Du teilst die Menschen in totalitäre Kategorien ein die sich nur in ihrem Verhältnis zum Kapital unterscheiden, Kapitalisten, Arbeiter, Lumpenproletariat (Faschos). Das ist unrealistisch.

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      • wolfsmilchblog schreibt:

        Der gebrochene Wille

        von TomGard Pro @ 2011-01-25 – 19:21:27

        Der Gewinn einer Geisteshaltung, wie Ada sie vorstellt, ist jetzt darin benannt, daß ein Mensch sich mit ihr ermächtigt, inhaltslos auf sich und seine Freiheit zu halten. Die grundlose Anmaßung, mit der er dabei auf „die Welt“ herab blickt, als sei sie sein eigen-tümliches Reich und Material seines Willens, ist ein möglicher Gewinn, dessen Kontur sich abzeichnet, wenn wir uns das Komplement dazu anschauen. Das besteht in einem ebenso grundlosen Leiden darunter, daß die Welt eben nicht die Domäne und Werkstatt des individuellen Willens ist, als die ein Bürger sie gern betrachten möchte.
        Der Gewinn liegt folglich in erster Instanz darin, daß ein Nihilist an jedem beliebigen Willensinhalt nurmehr festhalten will, daß er ihn hat.

        [editorische Anmerkung:
        Ich habe mich entschlossen, einen Exkurs einzufügen, der formal in die ursprüngliche Textkonzeption nicht gut paßt. Damit der Anschluß nicht ganz verloren geht, erinnere ich, daß es noch immer um die Frage geht, wieso Juli Zeh die scheinbar vollständige Angliederung Adas an Smutek im Roman nicht als den entscheidenden Wendepunkt gelten läßt und via Ada den Alev noch „im Spiel“ läßt, obwohl nach dessen Maßstäben das Spiel abgeschlossen wäre. Der Exkurs wird einer gründlicheren Einbettung der Antwort, die ich vorschlagen werde, in die Diskurse des Romans hoffentlich förderlich sein]

        Wem jetzt gleich wieder „Egoismus“, ergänzt um „Arroganz“ und „Anmaßung“ als Motiv für diese Veranstaltung einfällt, ist ganz und gar auf dem falschen Dampfer.
        Für das bürgerliche Subjekt ist das Verfahren, solch eine inhaltslose Stellung zu sich selbst einzunehmen, sich gleichsam als ein wandelndes „Vermögen, einen Willen zu haben“ nicht nur zu betrachten, sondern zu behandeln, eine tägliche, stündliche, oft minütliche Notwendigkeit. Denn praktisch alles, wovon und wodurch solch ein Subjekt lebt, einschließlich seines eigenen Leibes, sofern dieser als Arbeitsvermögen resp. Konkurrenzmittel zu betrachten und zu behandeln ist, hat die Form eines Vertragsinhaltes. Vulgo: Es ist Privat- oder Staatseigentum.

        Privateigentum heißt: Ausschließende Verfügung über etwas. Ein gesellschaftliches Datum kann private Verfügung nur sein, wenn eine Trennung des Verfügenden wie seines Eigentums aus einem gesellschaftlichen Zusammenhang vorliegt, in den es wieder überführt werden muß. Der Vorgang, der ein Privateigentum von einer Hand in die andere überführt, und es auf diesem Weg einer Metamorphose unterzieht, der es in veränderter Gestalt aus dieser Hand wieder entfermt, heißt Vertrag.

        Ein Vertrag ist ein Regelwerk, das kodifiziert, wie eine Handlung, welche die Beteiligung zweier oder mehrerer einander entgegengesetzter, daher ohne Vermittlung des Vertrages einander auschließender Willensinhalte voraussetzt, zustande kommen kann und ablaufen soll. So ist er ein Institut eines gemeinsamen Willens, der den beteiligten Willensinhalten dennoch bleibend entgegensteht, andernfalls wäre lediglich eine Vereinbarung, ggf. auch ein Pakt, doch kein Vertrag erforderlich, der die Schranken der Gemeinsamkeit allen Beteiligten verbindlich macht.
        Jeder kennt dies Phänomen aus Fällen, da ein Vertrag unzureichend formuliert ist oder Vertragsvoraussetzungen eintreten, die nicht vorgesehen oder berücksichtigt waren.

        Der Vertrag ist also ein über den und gegen die Beteiligten errichtetes Produkt ihres Willens. Wie kommt es zu diesem Widerspruch?

        Offenkundig handelt es sich um eine Verdopplung der beteiligten Willen, die im Vertrag eine notwendige Erscheinungsform erhält. Der Leser möge an einem ihm bekannten Vertrag, beispielsweise einem Mietvertrag, durchdeklinieren, wie diese Verdoppelung vor sich geht.
        Der ursprünglich eigene Wille wird zum fremden, feindlichen Willen, der feindliche Wille zum eigenen – und auch wieder anders herum, unaufhörlich um und ’num im Prozess der vertraglichen Handlungen, bis daß der Vertrag erfüllt ist.

        Die Heimat des Vertrages ist die Sphäre der Konkurrenz und sein Paradigma ist der Warentausch, nicht aber der Produktentausch.
        Im Produktentausch ist jeder nur am Produkt in der Hand eines anderen interessiert, der Handlungshorizont des Produktentausches wird eingegrenzt von der Gabe auf der einen, dem Raub auf der anderen Seite.

        Die Ware hingegen ist kraft ihrer Gestehungsgeschichte schon etwas Doppeltes, nämlich einerseits sie selbst, ihr dingliches Dasein, andererseits ein Eigentumstitel, den sie in ihrer dinglichen Gestalt nur repräsentiert.
        Weder Raub noch Gabe gehören zum Erklärungshorizont der Ware, wie an den Rechtsformen der Warenwirtschaft kenntlich wird, und anders, als mancher Anthropologe das in Absehung von diesen rechtsförmlichen Fakten gerne sehen möchte, um einer christlich – sittlichen Rechtfertigung der Warenproduktion entgegen zu kommen.
        Greifbar wird der Unterschied zum Tausch im Geld, auch dann, wenn es gar nicht „real“ – im stofflichen Sinne – sondern nur ideell, als stellvertretendes Zeichen zwischen die Phasen des Warentausches tritt. Denn diese Vertretung gilt den Eigentumstiteln an der Ware, nicht ihrem physischen Dasein.
        An dem Phänomen der Roßtäuscherei ist das ganz gut zu demonstrieren. Beim Produktentausch ist der Handel mit dem Handschlag perfekt, die Roßtäuschung mündet in eine Verkürzung des vorgestellten Nutzens, den der Getäuschte von dem Tausch erwartete.
        Roßtäuscherei im Warenhandel ist ein Vertragsverstoß, weil dort der Verkürzung des Nutzens eine Aufblähung des (Geld)Titels entspricht, der im Gegenzug die Hand gewechselt hat.
        Der Zweck des Vertrages in Gestalt eines Warentausches ist also die Realisierung eines Eigentumstitels – im Unterschied zu einem Nutzen oder Nießbrauch – in Gestalt fremden Produktes, das sich in identischer Weise, wie das eigene Produkt, in der gesellschaftlichen Formbestimmung ausschließenden (Privat)Eigentums befindet.

        Ich habe das so ausführlich vorgestellt, damit deutlich wird, wie beim Warentausch, wie bei Verträgen überhaupt, die gesellschaftliche Formbestimmung des Produktes den Willen der Produzenten und Konsumenten bestimmt, nicht etwa umgekehrt.

        Damit sollte klar gestellt sein, was man am oben angedeuteten Verlauf einer Vertragsabwicklung ja schon merken konnte:
        Der im Warentausch mobilisierte und in dessen Vertragsform institutionell verankerte Wille der Beteiligten ist ein gebrochener Wille.
        Er ist über vermittels der gesellschaftlichen Natur und des gesellschaftlichen Herkommens seiner Willensgegenstände und Willensinhalte gebrochen, weil und indem unter der Herrschaft des Privateigentums diese Qualitäten ausschließlich über deren polarischen Gegensatz zu realisieren sind, nämlich vermittels des Dienstes an und der Betätigung von einander ausschließenden Privatinteressen, und deren Realisierung. Über dieser Realisierung eines gesellschaftlichen Zusammenhanges gehen die Privatinteressen regelmäßig baden – wenn auch in sehr unterschiedlicher Weise.

        Im Vollzug eines Vertrages wird dies Institut, diese Abstraktion, zum intellektuellen, geistigen, und – soweit auch immaterielle Zwecke der Beteiligten vom Vertragsinhalt affiziert sind – seelischen Bestandteil der beteiligten individuellen Willen.
        Der gebrochene Wille ermannt sich in Verträgen zu einem doppelten Willen.

        Fast dasselbe Resultat ist auf auf wesentlich einfacherem Weg aus einer alltäglichen Erfahrung zu gewinnen.
        Jeder von uns ist auf Geld als ein Lebensmittel angewiesen, obwohl es kein Lebensmittel ist. Eignet sich jemand Geld an, hält er in materieller Gestalt seinen gebrochenen Willen in der Hand.
        Denn das Zeug taugt einzig dazu, es wieder herzugeben.
        Das existentielle Interesse drängt den Besitzer, es zu behalten, doch eine Not zwingt ihn, es wegzugeben.
        Was der Geldbesitzer aber kriegt, darüber hat er keinerlei Macht.
        Er hat in der Konkurrenz der einander entgegen gesetzten Willensinhalte und -zwecke, die auf die Geldsumme in seiner Hand zielen, lediglich eine Kalkulationsgrundlage seines Schadens.
        Um sein Interesse als Geldbesitzer zu realisieren, muß er die Kalkulation seines Schadens ALS Kalkulation seines Nutzens behandeln und abwickeln. Die ihn anschließend zu neuer Geldbeschaffung zwingt.

        Nur unwesentlich wird dieses Verhältnis durch den Umstand verdeckt, daß eine Währung – nicht aber „Geld“ – gleichsam einen eingebauten Vertrag in sich schließt, der eine iwie noch haltbare Verfallszeit hat. Er heißt „Kaufkraft“. Kaufkraft, das sei der Vollständigkeit halber hinzugefügt, ist eine Erscheinungsform der Urmutter aller Verträge, die selbst keiner ist, der aber die Erscheinungsform eines Paktes gewaltsam verliehen wird. Ich meine die blutige Erwingung des Privateigentums als Leitform des gesellschaftlichen Eigentums, die in eine militärisch betreute Klassenherrschaft mündet.

        Was für Geld gilt, gilt für jede Ware, die Geld oder auch andere Waren kauft.

        [Sexuelle Verhältnissse in der bürgerlichen Gesellschaft sind schon deshalb in erheblichem Umfang Warenverhältnisse, weil sexuelle Begierden mit Warenverhältnissen anderer Herkunft verknüpft sind. In den stummen und offenen Verträgen der Ehen und eheähnlicher Verhältnisse ist das offensichtlich.
        Weniger offensichtlich ist die Weise, wie schon Kindern in den ersten Phasen ihrer Sexualisierung solche Verknüpfungen geschehen. Bemerklich wird sie in der Allgegenwart des Vorurteils, der Mensch habe sich einen Gefallen an ihm, den er wecke, Liebe – was immer das sei – die er „erhalte“ oder erfahre, und die Gelegenheit zur Lust zu verdienen. Der rassistische Ursprung dieser Überzeugung tritt schreiend bei Mädchen und Jungen zu Tage, die, noch bevor sie ausgereift sind, aus Enttäuschung über ihre Erwerbungen auf den Märkten erotischer Attraktionen (im weiten Sinne genommen) die Konsequenz ziehen, sich zu entleiben.
        Die Darstellung bräuchte freilich solche Extreme nicht. Denn das Grundmuster moralischer Erziehung enthält bereits einen Verlauf, in welchem die Kinder mit angeblich eingeborenem moralischen, seelischen, geistigen und physischen So-Sein, ersatzweise aber jeder Menge Dienste, Koketterie, Anbiederei an die Anforderungen der Eltern und Erzieher eine andere Befassung mit ihnen erwerben und also rechtfertigen müssen, als die der Dressur, des Kommandos und Gehorsams – oder einer Gleichgültigkeit, mit der sie mehr oder minder widerwillig versorgt werden.

        Entgegenwirkende Momente, die ein Leser unter „Kinderliebe“ oder dgl. fassen könnte, stellen keinen Einwand dar, im Gegenteil, sie sind eine systemische Ergänzung, insofern sie ein Zuckerbrot darstellen, auf das manches Kind mit durchaus geringerem Schaden, als dem Preis, den es zu entrichten hat, verzichten könnte.

        Diese Form der Sozialisation, ist wesentlich schon durch die Treuhänderschaft des bürgerlichen Staates gegeben, der die Kinder – sein Eigentum in Gestalt der Staatsbürgerschaft – den Rechten und Pflichten des elterlichen Privateigentums am Kind überantwortet. Mit dem Institut der Schulbildung vervollständigt er die Zwischenprodukte. In der Schule bekommt das Kind zu wissen und in Gestalt der Schulkarriere etikettiert, daß seine gegenwärtige und zukünftige Tauglichkeit für die Anforderungen der Konkurrenz, die ihm als „Lebenschancen“ mafiös angeboten werden, in ihm als ein Bündel von „Fähigkeiten“ existiere, die es zu entwickeln und zu pflegen habe.

        Am End bedarf es nur noch des Lohnfetischs, sprich der Überzeugung, was der Mensch von „der Gesellschaft“ und ihren Stellvertretern zur Bedarfsdeckung erhalte, sei eine abhängige Variable persönlich erbrachter Leistungen – zumindest im Idealfall – um Subjekte fertig zu stellen, die den Dienst an fremdem Eigentum resp. an fremdem, entgegengesetztem Interesse, als die ihnen angemessene Lebenssphäre empfinden.

        Es liegt in der Biologie der Sexualität, daß, soweit sexuelle Verhältnisse Warenverhältnisse sind, dies den ganzen leiblichen und seelischen Menschen affiziert. Über die Willensverhältnisse, die am geschlechtlichen Verkehr schon in der Fixierung der Gender beteiligt sind, werden erzogene Kinder oft über ihr leibliches Dasein schon sinnlich gebrochen, bevor sie das erste Mal gef:ckt und gearbeitet haben.

        Zum Überfluß hat die Ware Sexualität keine Banken, sie ist eine äußerst unzuverlässige Währung. Dies bekommen besonders Frauen zu spüren, wenn sie frühzeitig aus ihren Enttäuschungen über die Gegenleistungen, die sie sich mit ihrer Gunst zu erwerben imstande finden, die Konsequenz gezogen haben, ihre eignen erotischen Begierden und Aspirationen zu bewirtschaften.

        Solche Desexualisierung erhält vielfach die Gestalt, daß Frauen (bei Männern eschieht dies möglicherweise nur weniger offensichtlich) das Nutzungsverhältnis der Prostitution umzukehren suchen. Sie behandeln ihren bedingt desexualisierten Leib und die Erteilung von Lizenzen zur Befriedigung an ihm als eine persönliche Währung, zu der sie sich Dienstleistungen wählen. Der Unterschied zur Hure liegt wesentlich im Abstraktionsgrad jener bedingten Desexualisierung.]

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  3. Berengar schreibt:

    A propos: http://www.kath.net/news/60177

    »Unsere naiven Politiker benutzen Begriffe aus der Biologie, ohne zu wissen, was diese überhaupt bedeuten. Bevölkerung heißt Population, und Populationen sind definiert als Fortpflanzungsgemeinschaften. Die auf deutschem Staatsgebiet lebende, religiös-kulturell relativ homogene deutsche Population ist somit ein Zusammenschluss von Menschen, die Nachkommen hinterlassen. Die wichtigste Aufgabe von Staatsführern besteht darin, die ihnen anvertraute Population aufrecht zu erhalten;«

    Das ist die kürzestmögliche Darstellung des lupenreinen faschistischen Gemeinwesens, die ich seit langem gelesen habe. Sie stammt bezeichnenderweise von … einem Biologen.

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    • tgarner9 schreibt:

      Hallo Berengar, da widerspreche ich Dir jetzt entschieden. Der Schreiber klagt in einem Plädoyer gegen die „Homo-Ehe“ einen angeblichen staatlichen Verstoß gegen eine ehrwürdig republikanisch-demokratische Zwecksetzung und Ziele der Familienpolitik an. Das hat wenig bis nichts mit Faschismus, aber jede Menge mit zeitgeistigem Kretinismus zu tun. Der Mann weiß nicht, was das Institut der Ehe ist. Haltung und Pflege von Mutterkühen ist nur eine ihrer Funktionen und Pflichten. Soweit es um die gehen soll, ist der Verweis auf „Fortpflanzungsgemeinschaft“ ein Eigentor der Homophobie, denn die Homo-Ehe erleichtert und legitimiert weniger das homosexuelle Familienleben ohne, als vielmehr mit Kind(ern). Falls der Kretin andernfalls eine genetische Disposition zur Homosexualität für das Problem hält, entspränge verdecktem homosexuellen (Doppel)Leben gewiß mehr unerwünschte Brut. Der Mann hat einen Doppelschuß – nicht nur den der Homophobie, sondern den eines zwischen Haß und Selbstkontrolle zermahlenen Urteilsvermögens.

      Zu dem anderen Thema später oder morgen.

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      • Berengar schreibt:

        Wenn Du magst, erkläre ich gern, was mich zu meinem Befund veranlasste. Nämlich zweierlei:

        »Bevölkerung heißt Population, und Populationen sind definiert als Fortpflanzungsgemeinschaften.«

        … heißt es selbstverständlich nicht, weil die politische Bestimmung „Bevölkerung“ gar nicht dasselbe ist wie die biologische Bestimmung „Population“. Das hätte Ihro Spectabilität schon deshalb ohne weiteres einleuchten können, weil er im nächsten Satz aufs „Staatsgebiet“ zu sprechen kommt, was er nicht machen dürfte, bliebe er wenigstens in sich schlüssig – dann müsste er nämlich von einem „Habitat“ reden. Aber wurst, tun wir mal for the sake of argument so, als sei es so, wie er behauptet.

        »Die auf deutschem Staatsgebiet lebende, religiös-kulturell relativ homogene deutsche Population ist somit ein Zusammenschluss von Menschen, die Nachkommen hinterlassen«

        Was fällt da auf? Daß man „religiös-kulturell relativ homogene deutsche“ komplett aus dem Satz rauskürzen kann, ohne daß er an Gehalt verlöre. Diese Phrase fügt nämlich kein Iota an Erklärung dem hinzu, was er qua „somit“ zuvor vorstellig machte. Die Frage ist also: Warum steht sie trotzdem da?

        Meine Antwort: Weil der Herr Professor nämlich in altbekannter Manier die Folgen der hoheitlichen und gewalttätigen Zurichtung einer Population zu dem Zweck, eine Bevölkerung aus ihr zu machen, als Voraussetzung für eben diese hoheitliche Zurichtung ausgibt. Denn eine „religiös-kulturell relativ homogene deutsche Population“ ist nur deshalb so religiös-kulturell relativ homogen und erst recht deutsch, weil allein im 20. Jahrhundert ein Leichenberg von grob 150 Millionen Leibern dafür aufgerichtet worden ist, damit sie eine werde!

        Das ist nun aber genau nicht der Grund seiner Beschwerde, sondern vielmehr die an Untreue grenzenden Verfehlungen, die sich „die Politiker“ bei der herrschaftlichen Betreuung und Umsorgung der Population leisten, weil sie zu mindere Biologen sind, um es besser zu machen:

        »Die wichtigste Aufgabe von Staatsführern besteht darin, die ihnen anvertraute Population aufrecht zu erhalten«

        Hier kommt dann eins zum andern: Ist die „Population“ erst mal „Bevölkerung“, hat „die Staatsführung“ die natürliche Aufgabe, ausgerechnet der Natur weiterhin den Steigbügel zu halten, indem sie dafür sorgt, daß sie einmal hergerichtete Population im dafür eingerichteten Staatsgehäuse für die ewige und nicht abreißende Fortzeugung der „Bürgerrasse“ sorgt.

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      • tgarner9 schreibt:

        „natürliche Aufgabe“ von Staatsführern

        Es stimmt, Naturalisierung von Herrschaftszwecken liegt faschistischer Herrschaftsideologie zugrunde, aber für demokratische Herrschaftsideologien gilt dasselbe – nur anspruchsvoller.
        Für den Demokraten ist das Staatswesen Dienstleistung an und Garant für eine Menschengerechtigkeit zivilisatorischer Errungenschaften, welche Zivilisierte angeblich genau „mit Staat*, aber nicht „ohne“ auf die Reihe kriegten.

        Folglich zählt das Dasein und die Prosperität eines Staatswesens und seines Gegenstandes, der Nation, ganz demokratisch zu den „Menschenrechten“.
        Insofern und insoweit Obrigkeit und Untertanen „kulturelle Homogenität“ für staatstragend halten wollen – und das zu tun ist, generell gesprochen, eine notwendige Konsequenz ihrer Voraussetzungen, z.B. Sprachkultur und Abwehr kulturalistisch gerechtfertigter Sezessionsbewegungen – wird solche Homogenität zum Betreuungsgegenstand in (republikanischer, demokratischer) Kulturpolitik. Der völkische Rassismus der Nationalsozialisten knüpfte am Material der Deutschtümelei im Zuge der Nationenbildung an.

        Das ist das Motiv für des Biologen willkürliche Berufung auf kulturelle Homogenität, die in seinem Argument keinen Platz hat, wie der Schlußabsatz des zitierten Absatzes deutlich ausspricht:

        Kurz formuliert: Der Staat hat nichts davon, wenn er sterile Homo-Pärchen privilegiert, denn die Rente dieser Menschen muss von den Kindern aus fertilen Mann-Frau-Ehen aufgebracht werden – eine Ungerechtigkeit ersten Ranges.

        Der Verstoß (Ungerechtigkeit) gilt da einer genuin sozialpolitischen Dienstleistung des Staates am Volk,Abteilung Familienpolitik. Der kulturrassistische Schlenker ist folglich eine Anbiederung an einen durchaus demokratischen Staatsauftrag, in welche der Biologe seine Homophobie kleidet, welche er biologistisch zu rationalisieren trachtet.
        Den letzteren Schluß auf Homophobie (der Verdacht liegt nahe, aber den Schluß mag man auf der vorliegenden Abstraktionsebene für überzogen halten) untermauert das Detail, daß der Biologe von „religiös-kulturell“ reden mag. Das ist eine zweite Anbiederung, die des erklärten Atheisten an eine „Kulturgemeinschaft“, die unterhalb der Administrationsebene, von der sie ausgeschlossen ist, noch immer eine konkurrierende Obrigkeit darstellen will und kann, und die Homophobie in ihren hergebrachten Statuten mit sich führt, der „Heiligen Schrift“.

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  4. grünspan schreibt:

    Das 1917 von den Bolschwiki gestartete Experiment ist 1989 gescheitert, u.a. an seiner sozialbiologischen Grundannahme (alle Menschen einer Nation besitzen von Natur aus gleiche Fähigkeiten).

    Nach meiner Meinung puschen pseudolinke Akteure (dupes des Kapitals) erneut ein riskantes sozialbiologisches Experiment, das diesmal von der Gleichheit aller Ethnien für die Eignung als menschliche Produzenten ausgeht (Afrikanische Migration). Als Grünspan würde ich darauf eine Wette eingehen, indem ich auf dieses Experiment einen Future VERKAUFE.

    Ich könnte mich da auch irren, indem es eigentlich bei der gepuschten afrikanischen Migration für kapitalistische Akteure nur noch darum geht die Gleichheit der Rassen als arbeitslose Konsumenten von bedingungslosem Grundeinkommen auf möglichst niedrigem Niveau herzustellen. Wie heisst es „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“. Was „Bedarf“ einer Bedarfsgemeinschaft ist bestimmt das Sozialamt.
    Bedingungsloses Grundeinkommen ist Sozialhilfe für ALLE, ausser einer Schicht von 30% Technokraten die tatsächlich in Zukunft noch arbeiten werden, abgesehen von den Millionen in sinnlosen Jobs bei denen es sich weniger um Arbeit als um sinnlose Beschäftigung handelt, z.B. Professuren für Genderismus.

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