Was ist eine Ableitung?

Editha (29.10.): Für die angekündigten Teile zwei und drei lasse ich mir Zeit. Erstens ist das Interesse minimal, zweitens habe ich meinen Plan geändert – statt des unten skizzierten schematischen Zusammenschlusses zwischen „Psychologie“, Staatsableitung und Ableitung der politischen Ökonomie aus der Warenproduktion möchte ich das Moment einbringen, das diese drei Teile tätig verklammert – das Patriarchat. Die Grundelemente dieses Interfaces stecken hier, hier und hier.
Editha Ende.

Aus der Einleitung zur „Psychologie des bürgerlichen Individuums“ (Redaktionskollektiv, Hrg. Karl Held, im Folgenden „Psychologie“):

Das Abstrahieren gilt mit Recht als eine selbstverständliche Tätigkeit verständiger Individuen. Wenn wir die Bestimmungen einer Sache voneinander scheiden, so wissen wir sehr wohl, daß die von uns wahrgenommenen Teile, Unterschiede, Eigenschaften und Momente gerade in ihrer Einheit den theoretisch interessierenden Gegenstand ausmachen. Wenn wir nach der Sonderung der verschiedenen Seiten zum Urteilen und Schließen fortgehen, dann ist es uns um den Zusammenhang des getrennten Arsenals gefundener Bestimmungen zu tun, und dies nicht in Form einer Aufzählung, sondern logisch. Das Wie und Warum führt uns zur Einsicht in die Beschaffenheit, zum G r u n d dafür, daß der Gegenstand unserer denkenden Bemühung so und nicht anders vorliegt, funktioniert und wirkt.

Dem Haupttext voraus geschickt, rechtfertigen diese Sätze auf allgemeine Weise den Beschluß der Autoren, die wesentlichen Bestimmungen des Seelenlebens bürgerlicher Individuen getrennt von dessen Gegenständen in der bürgerlichen Gesellschaft darzustellen. Der Beschluß gründete in folgendem allgemeinen Resultat der angekündigten Darlegung:

Wie es die Nutznießer und vor allem die Opfer von kapitalistischer Ökonomie und bürgerlicher Politik anstellen, daß sie den ihnen zugestandenen freien Willen nicht anders handhaben als zum angestrengten Mitmachen, davon handelt [diese Schrift]. [Unsere] Theorie leugnet nicht die Freiheit der modernen Demokratie und ihrer Opfer … sie klärt, worin die Freiheit besteht, wie schäbig sie beschaffen ist und welchen hohen Zwecken – mit den kleinlichen Interessen gewöhnlicher Leute hat sie in der Tat wenig zu tun – sie entspricht.

Das angestrengte Mitmachen geschehe autonom, lautet der Befund, auch wenn die Betreffenden die „hohen Zwecke“, denen sie in aller Freiheit dienen, seltenst erfunden hätten.

In Gestalt einer Ableitung vorgetragen, befaßt sich die vorliegende Schrift mit der Verlaufsform des Widerspruchs, der im Begriff des abstrakt freien Willens gefaßt wird: Wie bringt es ein (freier) Wille fertig, seine eigenen Voraussetzungen: Gefühl, Bewußtsein, Sprache, Verstand so einzurichten, daß er sich aufgibt?

Die Verlaufsform bestehe in seelischen „Prozeduren„, die in Ökonomie und Politik ihre Gegenstände, folglich ihre Ursachen im Sinne der Veranlassung haben. Doch ihre Inhalte und ihr Bezug aufeinander folgten Deutungsmustern, die in gesellschaftlich durchgesetzten Idealen und Erfindungen gründen. Insofern seien sie gegenüber dem Substrat faktischer gesellschaftlicher Zusammenhänge autonom.

An dieser Stelle bin ich mit meiner Einleitung zur Erklärung einer Ableitung streng genommen fertig. „Ableitung“ ist das Verfahren, die Einheit eines Aggregates von „Eigenschaften“ (d.h. hier „Bestimmungen“) in ihrem Zusammenhang darzustellen und auf diesem Wege zu erweisen. Mit ein paar zusätzlichen Worten zur Technik des Verfahrens, die denselben Ansprüchen unterliegt, wie die Formulierungen axiomatischer Theoreme in der Mathematik oder Hypothesen zu physikalischen Gegenständen, wäre ich fertig. Aber natürlich würde das niemand recht ernst nehmen. Die Menschen seien doch mindestens auch anderes und noch viel mehr, als die „Psychologie“ bespreche und wahr haben wolle, wird eine der gängigen Erwiderungen lauten. Falls ich antwortete: Ach ja? Wie und was denn? Zeig das mal!, bekäme ich Gelächter zur Antwort. Oder einen Haufen wilder Theorien nebst Verweisen auf Autoritäten, welche sie in Schwang brachten und vertreten. Deshalb ein Exkurs.

„Notwendig falsches Bewußtsein“

Die zitierte Einleitung zur „Psychologie“ richtete sich in erster Instanz gegen den von Antikommunisten wie Revisionisten für „marxistisch“ ausgegebenen Determinismus, der in dem Zitat, „das (gesellschaftliche) Sein bestimmt das Bewußtsein„, seinen Anker fand. Auch die bürgerliche Psychologie war (und ist) deterministisch, so oft sie das auch bestreitet. Diese Behauptung will ich hier nicht einlösen, aber Marx „Feuerbachthesen„, die ich aus einem anderen Grund ins Spiel bringe, können dem einen oder anderen Leser den Zugang zur Kritik des Determinismus der klassischen Psychologie öffnen. Die 6. These lautet:

Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Feuerbach, der auf die Kritik dieses wirklichen Wesens nicht eingeht, ist daher gezwungen:
1. von dem geschichtlichen Verlauf zu abstrahieren und das religiöse Gemüt für sich zu fixieren, und ein abstrakt – isoliert – menschliches Individuum vorauszusetzen;
2. Das Wesen kann daher nur als „Gattung“, als innere, stumme, die vielen Individuen natürlich verbindende Allgemeinheit gefaßt werden.

Der Punkt zwei ist eine ganz hinreichende, wenngleich nicht zureichende Kritik der bürgerlichen Psychologie, die es zu der Zeit, da Marx die These verfasste, erst in verstreuten belletristischen Ansätzen gab 1.
Doch mir kommt es hier darauf an, daß alle Marxkritiker und allzu viele Epigonen das Argument der These, das „daher“,  nicht zur Kenntnis nehmen oder verstehen wollten. Also nochmal:
Weil Feuerbach keine Kritik der gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen er lebte, unternahm, machte er den Fehler, den die These ihm ankreidet. Der Fehler ist als falsche Abstraktion gekennzeichnet. Die Behauptung ist nicht, es gebe keine„Gattung“, als innere, stumme, die vielen Individuen natürlich verbindende Allgemeinheit„,  sondern, in meinen (aber Marx entlehnten) Worten, diese Allgemeinheit und die darauf gezogene Besonderheit der Individuen sei das Abgeschmackteste, auf das jemand bei der Betrachtung von Mensch und Welt verfallen könne, eine Abstraktion, in der alles Wesentliche der individuellen Leben unterzugehen bestimmt sei.

Diesen Fehler könne nur vermeiden, behauptete Marx, wer die Lebensverhältnisse der Individuen einer Kritik unterziehe. Die 6. These enthält in allgemeiner Form die paradoxe Formulierung des Verhältnisses von Bürger und Welt, die Marx Jahre später in konkreterer Umgebung verwenden wird, die Rede vom „notwendig falschen Bewußtsein“. Dazu ein längeres Zitat aus einem Vortrag von Peter Decker (Gegenstandpunkt-Verlag):

Jetzt eine Zusammenfassung zu „Das Sein bestimmt das Bewußtsein“:
Der Marx hat gesagt: Im Kapitalismus gibt es ein notwendig falsches Bewußtsein. Und ich habe den Eindruck, außer unserer Erklärung gibt es keine, die die Kategorie „notwendig“ und „falsch“ gleichzeitig aufrechterhalten kann. Der reale Sozialist, mißversteht das Wort „notwendig“ so sehr, daß das „falsch“ gestrichen wird: Ja wenn das Bewußtsein unvermeidlicherweise Ausdruck der Klassenlage ist, wo ist denn dann der Fehler? Dann drückt es das doch genau aus, was sein einziger Auftrag ist! (…)
Und es gibt die Umkehrung auch: Ich sage, der macht etwas falsch, und streiche „notwendig“ dabei. (Spontaneismus geht ein bißchen in diese Richtung.) So jemand bestreitet, daß es einen Grund für das falsche Bewußtsein gibt: Es ist bloß deine Ängstlichkeit, Schauder, Mutlosigkeit, bloß deine Borniertheit, also ein grundloser Grund für deine falsche Sicht.
Die Härte von „notwendig falschem Bewußtsein“ besteht darin: Im Kapitalismus ist jeder, der ein freier Lohnarbeit ist, gezwungen, sich zu arrangieren mit den Verhältnissen. (…) Zweitens: in den Verhältnissen, wo du gezwungen bist, dich nach deren Theorien zu richten, ist ein Bewußtsein deiner Freiheit nur als falsches Bewußtsein zu haben. Es ist ein Bewußtsein dessen, daß diese ökonomischen Einrichtungen – Lohnarbeit, Kapital, Geld – Mittel für dich sind, die Demokratie ein Mittel dafür, daß der Bürger auf den Staat einwirkt, und so zu, eben Gedanken meiner Freiheit, daß die Welt sich um mich dreht. Dieses Bewußtsein, der geistige Standpunkt des konstruktiven Mitmachens, der ist nur zu haben, durch Konstruktionen falscher Gedanken. In dem Sinn ist das falsche Bewußtsein im Kapitalismus notwendig. Nicht notwendig ist es – und so haben es die Vertreter des realen Sozialismus aufgefaßt – in einem gewissermaßen erkenntnistheoretischen Sinn: man kann nichts anderes erkennen! Natürlich kann man, man kann sich mit den Sachen befassen und fragen, worum es geht. Da ist der Gegensatz deutlich: notwendig ist das falsche Bewußtsein nicht aus theoretischen, sondern aus praktischen Gründen. Die sind natürlich keine theoretisch notwendigen Gründe. Es gibt keinen Grund, warum man sich nicht einen richtigen Gedanken machen sollte. Außer dem: Dann bekommt die eigene Praxis nicht mehr recht. Dann bricht das „ich bin Arbeiter, und verdiene mein Geld, und ziehen meine Kinder auf“, dann kriegt das nicht mehr recht. Das ist die einzige Notwendigkeit des notwendig falschen Bewußtseins. (…)
Notwendig und falsch sind ein Widerspruch. (…) Alles was notwendig und unvermeidlich ist, kann man auch nicht kritisieren. Kritisieren kann man nur, was auch nicht sein müßte. Aber so sind die Menschen: Was nicht sein müßte, das kritisieren sie nicht, aber das Wetter, das kritisieren sie andauernd.

Die (allgemeine) Kritik des „notwendig falschen Bewußtseins“ lautet folglich in Deckers Fassung: Da wird eine praktische Stellung der Individuen zu den Verkehrsformen und Gesetzen der gesellschaftlichen Welt, die militärisch und polizeilich erzwungen wird, in eine theoretische Stellung des Menschen in und zur Gesellschaft (und in notwendiger Extension: zur Welt) übersetzt 2.

Diese Übersetzungen bilden voraussetzungsgemäß eine Einheit, frz. „ensemble“ 3, insofern und so lange die Lebensverhältnisse solch eine Einheit aufweisen.
Bescheuerterweise muß ich hinzufügen, was das nicht heißt bzw. heißen soll.
Das soll nicht heißen, Individualität sei ein Ding, das in der Aggregierung gesellschaftlich gültig gemachter Vorstellungen über Gott und die Welt aufgehe. Die Einheit ist nicht „der Mensch namens Egon“, wie er leibt und lebt, es ist eine theoretische Einheit, die den Zusammenhang dieser Individualität mit dem gesellschaftlichen Dasein, dem Egon angehört, erklären will. Anders gesagt: Es ist ein Zusammenschluß zwischen „Egon“, wie er geht und steht, und den außerleiblichen Bestandteilen seines Daseins. 4

Übergang zur Staatsableitung

Jetzt komme ich zurück auf die Einleitung der Psychologie. Dort hieß es (war bereits zitiert):

In Gestalt einer Ableitung vorgetragen, befaßt sich die vorliegende Schrift mit der Verlaufsform des Widerspruchs, der im Begriff des abstrakt freien Willens gefaßt wird: Wie bringt es ein (freier) Wille fertig, seine eigenen Voraussetzungen: Gefühl, Bewußtsein, Sprache, Verstand so einzurichten, daß er sich aufgibt?

Das ist ein Verweis auf eine zuvor von der ehemaligen „Marxistischen Gruppe“ vorgelegte Ableitung, „Der bürgerliche Staat“. Sein erster Paragraph lautet:

Der bürgerliche Staat ist die Verselbständigung des abstrakt freien Willens seiner Bürger.

Das genau ist das „außerleibliche Dasein“ des Bürgers – nicht: „des Menschen“ – von dem ich oben sprach. Über den Zusammenhang der beiden Ableitungen – nicht der Sachen und Sachverhalte selbst –  werde ich in einem zweiten Teil etwas sagen. In einem dritten Teil wird von Ableitungen Marx‘ im „Kapital“ die Rede sein sowie vom Gesamtzusammenhang, in Abwandlung eines Hegel’schen Wortes einem „Kreis aus Kreisen“.


  1. Feuerbach hatte eine Kritik der Religion abgeliefert. Indem Marx im Zusammenhang seiner Thesen vom „religiösen Gemüt“ spricht, bleibt er bei Feuerbach und geht zugleich über ihn hinaus: Das religiöse Gemüt sei im Wesentlichen das Gemüt des Bürgers, lautet die implizite Behauptung, siehe meinen Fortgang. Folglich kann man das Attribut streichen, es ist vom Gemüt im Sinne der „Psychologie“ die Rede. 
  2. (1) Solche Übersetzung ist eine autonome Leistung, daher auch eine genuin individuelle Leistung, aber selbstredend erfinden die Individuen die Zielfiguren und -konstrukte der Übersetzung nicht jedes für sich neu. Vgl. die 3. Feuerbachthese:
    “ Die materialistische Lehre von der Veränderung der Umstände und der Erziehung vergißt, daß die Umstände von den Menschen verändert und der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie muß daher die Gesellschaft in zwei Teile – von denen der eine über ihr erhaben ist – sondern.
    Das Zusammenfallen des Ändern[s] der Umstände und der menschlichen Tätigkeit oder Selbstveränderung (!) kann nur als revolutionäre Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.
    Die Formulierung hat Schwächen, die ich hier übergehe.
    (2) Der Wissenschaftsbetrieb treibt im Grundsatz dasselbe, wie das „gewöhnliche“ Individuum, nur etwas anders. Die Methodik dazu ist zutreffend und ziemlich hinreichend als „instrumentelles Denken“ zu beschreiben. 
  3. Marx liefert in den „Feuerbachthesen“ den Kernbestand einer Kritik der Philosophie insgesamt, ist jedoch selbst noch großenteils Philosoph, indem er die Kritik, die er fordert und sich vornimmt, halt noch nicht geleistet hat. Hätte er sie geleistet, hätte er an dieser Stelle sicher nicht das Wort “ das (!) ensemble“ benutzt. Es legt die Vorstellung einer Totalität nahe, die philosophischem Denken entstammt. Deshalb sprach ich weiter oben stattdessen von einem „Aggregat„.
    Wahr ist jedoch, daß die Mehrheit der wohl gebildeten und -erzogenen Menschlein sich alle Mühe gibt, sich als ein „ensemble“ des gesellschaftlichen Seins aufzuführen. Freilich mit einer je fürchterlich individuellen Note … 
  4. Überwiegend im Zusammenhang mit dem folgenden Abschnitt hat ein Mißverständnis Relevanz, das Ableitungen, auch denen von Marx im „Kapital“ (wovon in einem dritten Abschnitt die Rede sein wird), implizit oder explizit vorhält, „tautologisch“ zu sein. Ich habe hoffentlich schon gezeigt, daß solche „Tautologie“ der Witz an Ableitung ist. Das Ziel ihres Verfahrens ist nicht Wahrheit! Sondern Stimmigkeit. Worin Wahrheit zu suchen ist, gehört nicht zu meinem Thema, aber es wird mittelbar davon die Rede sein. 
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, prolegomena abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu Was ist eine Ableitung?

  1. Berengar schreibt:

    Hallo Thomas!

    Ich habe eine Bitte an Dich. Lies mal bitte hier rein und schau, ob man das so sagen kann:
    https://www.farberot.de/text/linke_Kapitalismuskritik-77.pdf [S. 11 (unten, Nr. 3) ff.]

    Ich finde die dortigen GSP-Ausführungen zum vertrackten „notwendig falschen Bewußtsein“ sehr luzide.

    Gefällt mir

    • tgarner9 schreibt:

      Berengar, der ganze Text ist ein Monster an „Licht und Schatten“. An dem ersten Satz des Abschnittes, zu dem ich was sagen soll:

      Die „gesellschaftlichen Beziehungen der Sachen“, die Macht, die das Geld dem verschafft, der es hat, ist ein Faktum und kein Fall von Ideologie oder falschem Bewußtsein.

      ist gar nichts mehr richtig. Da kann ich kaum entscheiden, wo anfangen.
      Daß 100e Millionen gemetzelt werden, weil sie dem falschen Herrn dienen ist ein Faktum. Also keine Sache von Ideologie und falschem Bewußtsein ?!
      „Die „gesellschaftlichen Beziehungen der Sachen““ ist eine faktische Vedinglichung und Naturalisierung der Arbeitsverhältnisse der Produzenten und darin Erscheinungsform eines Klassenverhältnisses, das als Produktionsverhältnis verkannt ist. Die Verkennung ist nicht weniger Fakt, als das Klassenverhältnis selbst. Das merkt man elementar daran, daß der offenkundige Produktionszweck, wie er „im Verhältnis der Sachen“ erscheint, Geldsummen zu vermehren, aus „Geld mehr Geld“ zu machen, zurück gewiesen und in ein Verfahren der Produktion von Gütern und Dienstleistungen übersetzt wird, das es eben nicht ist. „Geldmacht“ ist eine Metapher für das Faktum, daß Geld Maß der Werte und Maßstab der Preise ist. In ihr wird das Verhältnis der Geldbesitzer in ein Verhältnis der Produzenten rückübersetzt und diese Übersetzung ist falsch. Nicht „Geld“, sondern wohlbestimmte Geldsummen kommandieren die Warenwelt und vermittels ihrer das Verhältnis der Produzenten. Ein Lohn kommandiert gar nichts in der Hand dessen, der ihn erhält, sondern ausschließlich in der Hand dessen, der ihn zahlt, und auch das nur unter wohlbestimmten Voraussetzungen.
      Der Fehler kehrt weiter unten wieder:

      Weil das Geld „ihnen als allgemeines Aneignungs- und Verfügungsmittel gilt“, meint
      der Autor des Leserbriefs, würde es dazu. Das Geld gilt den Leuten aber nicht als Mittel des Zugriffs auf Gebrauchsgüter, es ist dieses Mittel.

      Nope. Nicht „Geld“, aber Geldsummen erscheinen als ein solches Mittel, sind es aber nur in der einen und einzig erhaltenen vorkapitalistischen Geldfunktion, der des Tauschmittels, der Form, die grundsätzlich jede Ware und zahlreiche Produkte annehmen und ausfüllen können. Sie nehmen im Tauschakt in kapitalistischer Umgebung eine Warengestalt an, die sie sofort wieder verlieren. Ich erwähne diese Verkennung auch deshalb, weil sie weiter oben im Text noch gröber wird, wo es heißt, wenn „der Lohn stimmte“, gebe es keinen Grund für Kritik und Aufstand.

      Dazwischen Passagen, die so allgemein, wie sie formuliert sind, pi mal Daumen stimmen, trotz etlicher Ungenauigkeiten und einigem Ungeschick. Entwertet werden diese Abschnitte weniger durch solche Mängel,als den Umstand, daß die Autoren in den oben angegriffenen Abschnitten zu Protokoll geben, wie weitgehend sie, analog zu den kritisierten Autoren, das konkrete falsche Bewußtsein verkennen (wollen). Der Arbeiter, der Bürger, stellt sich zu Lohn und Gehalt sachgerecht anders, als zur Geldsumme in seinem Beutel, ihm ist sehr klar, daß es sich – in der blöden Terminologie bleibend – um ein „Ausschlußmittel„, ein Mittel ihres Ausschlusses vom gesellschaftlichen Produkt, statt eines „Zugriffsmittels“ handelt und sie hegen, affirmieren und akklamieren jede Menge Ideologien, warum das so sein soll und muß.

      Letzteres ist ein Punkt, den die Autoren der Replik kennen, und in ihrem Text auch zu erkennen geben, wie kommt es also zu solch groben Fehlern?
      Da muß man nicht lang suchen. Die Form der Polemiken verrät, wie sehr Distinktionsgehabe, Vereinsmeierei, Selbstdarstellung, kurz Sektierertum die Replik leitete, die auf ein möglichst vernichtendes Sündenregister aus ist und deshalb keine Redundanz scheut.

      Gefällt mir

      • Berengar schreibt:

        Holy moly, Thomas … recht viel bleibt ja nun nicht mehr übrig dafür, daß ich die Darstellungen zunächst „luzide“ fand. ;-)

        Danke jedenfalls mal für die Klärungen!

        Wenn Du magst, sage ich übrigens, wieso ich diesen Abschnitt zunächst so fand. Es lag dem nämlich ein ganz konkreter Umstand zugrunde. Ich führe den hier einfach mal aus:

        In einer Betriebsratsversammlung eines größeren deutschen Industriebetriebs gab ein Gewerkschaftsvertreter bei der Diskussion den anwesenden Arbeitern zweierlei zu verstehen:

        Die hoheitlich verfügte Subventionierung der sog. „E-Mobilität“ zielt auf eine Außerkurssetzung wesentlicher Teile der ökonomischen Basis der Republik, weil sie die Fertigung traditioneller Verbrennungsmotoren (und der Liefer- und Vertriebsketten davor und dahinter) erübrigen soll. Das liegt weder im aktuellen Interesse „der Firma“ NOCH der „Beschäftigten“, daher sei es jetzt an den Arbeitern, den Kampf gegen die E-Mobilität in die Hand zu nehmen und zwar sowohl gegen das „politische Establishment“ als auch das Management der Firma.
        Eine von oben gewünschte „ungesteuerte und unbeschränkte „Zuwanderung“ ist nicht im Sinne der Arbeiter, weil die Leuts, die auf diese Weise ins Land kommen, in erster Linie die „industrielle Reservearmee“ aufstocken, die Löhne drücken und außerdem – via „Zuwanderung in die Sozialsysteme“ – von Früchten zehren, die ihnen gar nicht zustünden.

        Da musste ich erstmal durchschnaufen. Und habe anschließend zu bedenken gegeben, daß doch ganz offensichtlich irgendwas nicht stimmen kann mit einer Argumentation, die dazu führt, daß sich ausgerechnet die Ausgebeuteten den Kopf der Ausbeuter zerbrechen und statt die Ausbeutung auf die Tagesordnung zu setzen sich die günstige Aufrechterhaltung ihrer Bedingungen zu Herzen nehmen, oder?

        Für mich war das ein konkretes Beispiel von „notwendig falschem Bewußtsein“ in Aktion. Denn was dem Argument zugrunde liegt ist doch die Vorstellung, daß es sich bei den Einrichtungen des Gemeinwesens, wie sie sind, um irgendwie und sowieso „wertneutrale“ Sachen handeln soll, die man mal so, mal anders handhaben könnte; handhabt man sie also nur „richtig“, dann kommt auch das Richtige dabei heraus. Das leuchtete übrigens auch einer Mehrzahl der Genossen ein, die erkannten, daß da wohl irgendwas nicht stimmen kann, wenn das Resultat ist, daß die Ausgebeuteten den Kampf gegen die Ausgebeuteten aufnehmen statt gegen die Ausbeutung …

        Gefällt mir

  2. tgarner9 schreibt:

    Zu der Sache mit der E-Mobilität kann ich nichts Rechtes sagen, Berengar, die ist arg verquer zwischen gewerkschaftlichem Ständekampf, Maschinenstürmerei und solchen Staatsidealismen angesiedelt, die deutlicher in Feindschaft gegen Migration und Migranten zum Ausdruck kommen.

    Letztere zeichnen sich praktisch dadurch aus, daß die Kunden, die sie vertreten, den Übergang zur faschistischen Staatsfeindschaft anzudrohen pflegen, jedoch den „sozialen Frieden“ gewöhnlich nur in Einzelfällen ostentativen „Durchknallens“ und den mittelbaren Formen der „ausländerfeindlichen Kriminalität“, der Ausländeranzünderei (E-Mobile anzünden?!) aufkündigen.

    Eine von oben gewünschte „ungesteuerte und unbeschränkte „Zuwanderung“ ist nicht im Sinne der Arbeiter, weil die Leuts, die auf diese Weise ins Land kommen, in erster Linie die „industrielle Reservearmee“ aufstocken, die Löhne drücken und außerdem – via „Zuwanderung in die Sozialsysteme“ – von Früchten zehren, die ihnen gar nicht zustünden.

    Solche Nationalisten wollen gegen all ihre Erfahrungen mit dem Klassenstaat, die in dem Zitat zum Ausdruck kommen, und folglich ihrem Wissen über ihn, fest halten, daß es sich recht eigentlich, also seiner ideellen Bestimmung gemäß, um einen völkischen Ständestaat handele, der die Zwecke und Interessen der oberen und besitzenden Stände mit denen der Besitzlosen zu einem gedeihlichen nationalen Gemeinwesen. zu vermitteln und verschmelzen hat. Das ist das Bewußtsein eines Amateurnationalisten im Unterschied und verheuchelten Gegensatz zum Berufsnationalisten. Von da aus liegt bzw. läge der Übergang zur faschistischen Staatsfeindschaft darin, die Heuchelei aufzugeben, der bürgerlichen Nation die Gefolgschaft aufzukündigen, und die Gegensätze zwischen Staat und Nation, welche Amateurnationalisten aufmachen, weil und indem sie den Klassengegensatz mit dieser Erscheinungsform desselben identifizieren wollen, in einer volksstaatlichen Despotie zu beseitigen.
    Vergleiche das mit Deiner Diagnose:

    Für mich war das ein konkretes Beispiel von „notwendig falschem Bewußtsein“ in Aktion. Denn was dem Argument zugrunde liegt ist doch die Vorstellung, daß es sich bei den Einrichtungen des Gemeinwesens, wie sie sind, um irgendwie und sowieso „wertneutrale“ Sachen handeln soll, die man mal so, mal anders handhaben könnte; handhabt man sie also nur „richtig“, dann kommt auch das Richtige dabei heraus.

    Ich habe oben „Wertneutralität“ und „das Richtige“ näher bestimmt, ansonsten ist es der gleiche Gedanke, gelle?
    Woher Du das „Denn“ und das „notwendig falsche Bewußtsein“ in diesem Zusammenhang nimmst, kann ich Deinem Posting allerdings nicht entnehmen. Ich schätze mal, wir können uns einigen, daß die Bestimmung „notwendig falsches Bewußtsein“ meinen, vermutlich auch Deinen Bestimmungen des Nationalismus nichts hinzu fügt, darin folglich gegenstandslos ist.

    Umgekehrt: Wenn man Marx Kapitalanalyse gelten läßt, dann zählen alle im Kapitalismus kursierenden Ideologien zum „notwendig falschen Bewußtsein“ in dem spezifischen Sinne, daß sie auf Verkennungen des Kapitals und der kapitalistischen Gesellschaft basieren, denn qua Voraussetzung ist diese Gesellschaft die sachliche Referenz der Ideologien. Die Abstraktionen, Erfindungen und Ideale, welche die Ideologien zur Referenz erklären (z.B. „Volk“), sind es nicht. (Anders gesagt: Sie sind es nur in der Form und Weise, wie die Abstraktionen und Ideale die sachlichen Referenzen falsch aufnehmen)

    Aber so gefaßt – notwendig falsches Bewußtsein identisch = Ideologie, so fasst es die Mehrheit der Linken – ist nfB entweder entbehrlich oder eine semantisch nahe gelegte Rechtfertigung der Ideologien bzw. der Art und Weise, wie „Linke“ sich opportunistisch berechnend zu ihnen stellen und an sie anknüpfen wollen. (Die in Deinem Link kritisierten Autoren zielen nominell auf das Gegenteil, die Aufgabe solchen Opportunismus, landen dann von hinten durch die Brust im Auge wieder dort an, wo sie her kamen …)

    In Marx Fassung ist nfB spezifischer, obwohl – das ist die Schwierigkeit des Gedankens! – allgemeiner. Da zielt der Begriff auf den Zusammenhang zwischen Ökonomie, Obrigkeit und öffentlichem Bewußtsein.

    Ich faß diesen Zusammenhang noch mal anders:
    Das Personal der kapitalistischen Gesellschaft wird genötigt, seine jeweilige Stellung zu den Revenuequellen des Kapitalismus – auch der Lohn ist eine Revenuequelle des Kapitals! – praktisch, und im Maße der praktischen Erfordernisse auch theoretisch, zu einer persönlichen Einstellung zu seiner Einkommensquelle im Kapitalismus, daher mittelbar auch zu anderen Einkommensquellen auszugestalten.
    Beachte: Revenuequelle und Einkommensquelle ist entweder direkt oder auf Umwege (Staatsknete, „faux frais“) der Sache nach dasselbe, Aber die Referenz ist verschieden, im Falle der Einkommensquelle ist es das „Individuum“, richtiger gesagt der Eigentümer im Sinne des „vereinzelten Einzelnen“, im Falle der Revenuequelle die Reproduktion des Kapitalverhältnisses insgesamt, einschließlich seiner stofflichen und politischen Voraussetzungen.

    Gefällt mir

  3. Berengar schreibt:

    Die Weisheit der Talare scheint unerschöpflich:
    »Wir schulden den Afrikanern und Arabern nichts. Sie haben ihre Kontinente durch Korruption, Schlendrian, ungehemmte Vermehrung und Stammes- und Religionskriege zerstört und nehmen uns nun weg, was wir mit Fleiß aufgebaut haben.

    Diese „Gemme“ stammt von Prof. Dr. Thomas Rauscher, seines Zeichens Professor an der Juristischen Fakultät der Universität Leipzig (https://pbs.twimg.com/media/DOqfhuiX0AAYNWI.jpg / der Account wurde mittlerweile von ihm selbst stillgelegt).

    Also: Der Afrikaner ist faul, geschlampert und korrupt; die Armen haben sich in der Schule zu wenig angestrengt; die Kranken haben sich zu wenig ertüchtigt und fit gehalten und die Frauen wollen es im Grunde ja, daß man ihnen mal wo hinlangt, nicht wahr?

    Zählen solche Aussagen eigentlich auch zur Kategorie „notwendig falsches Bewußtsein“, mit dem Unterschied, daß sie das notwendig falsche Bewußtsein der (gefühlten oder tatsächlichen) Herrschaft sind, also von der anderen Seite der Barrikade stammen?

    Gefällt mir

    • tgarner9 schreibt:

      Hallo Berengar,

      In der vierzig Jahre alten Staatsableitung der MG, auf die ich im Text verwiesen habe, gibt es zu jedem Unterpunkt der Politiken eine knappe Aufschlüsselung der Ideologeme linker und rechter bürgerlicher Staatskritiker. Nicht überraschend, um das Wort „notwendig“ abwechslungshalber zu vermeiden, sind all diese „Kritiken* Apologien der Staatsmacht, also Nationalismen. Wie auch in Deinem Beispiel.

      Vierzig Jahre später trifft die Scheiße allerdings auf einen transnationalen Kampf um die Formierung von Nationen innerhalb des Imperiums, den es zuvor nicht in dieser Form und Schärfe gab, und zuzüglich Auflösungserscheinungen des Imperialismus infolge generationenlangen Exportes der Folgeschäden innerer Schranken des Kapitalverhältnisses von den Metropolen des Weltmarktes in seine Peripherie. Das färbt diese Ideologeme in … ich sage mal postbourgeoise Schattierungen.
      Ich „verhafte* Deine sachfremde Polemik als Kritiker des rechten Kritikers, nämlich:

      … und die Frauen wollen es im Grunde ja, daß man ihnen mal wo hinlangt, nicht wahr?

      unter diese „postbourgeoisen“ Erscheinungen. Ihr Bezug auf eine aktuelle Hexenjagd ist Erscheinungsform eines ständischen Kampfes um gesellschaftliche Kommandohoheit, die nicht zufällig dieselbe Gestalt hat, wie der puritanische Kampf um ständische Positionen in den absolutistischen Gesellschaften des ausgehenden Feudalzeitalters.

      Gefällt mir

      • Berengar schreibt:

        Hallo Thomas!

        Lass‘ mich mal kurz zum Punkt ’sachfremd‘ erklären – und ich will es nicht verabsäumen, Dich um Verzeihung zu bitten, weil es gleich hätte dazusagen sollen:

        Was meines Erachtens alle diese Punkte, die ich da genannt (oder besser: hingeworfen, deshalb ja Verzeihung!) habe, verbindet, ist doch, daß da den Betroffenen von herrschaftlicher Zurichtung und herrschaftlichem Zugriff entnommen wird, was ihnen aber doch bei Licht besehen durch eben diesen Zugriff erst aufgeherrscht wird: Wer immer der Gegenstand dieses Zugriffs ist, der ist dies irgendwie „zurecht“, weil er oder sie die Ursache dafür sein soll.

        Alles in allem ist es selbstverständlich sehr kommod für die Herrschaft, daß sie damit immer nur als sachgerechte Reaktion auf einen ihr äußerlichen, voraufgehenden Umstand daherkommen kann.

        Ich kam auf zwei Gründen darauf zu sprechen: Erstens habe ich Hegel im Ohr („Der Verbrecher will die Strafe“) und zweitens hat neulich einer meiner Kollegen einen tiefsinnigen Satz gesagt, an dem ich seither knabbere: Die letzten Tage von Byzanz vor dem Untergang waren durchdrungen von dem besonders eifrig wiederaufgelegten Streit zwischen Ikonoklasten und Ikonodulen (der ja nicht, wie behauptet, im 11. Jahrhundert von den Komnenen entschieden, sondern nur offensiv aufgeschoben worden war und sich ganz, ganz am Ende dieses Imperiums wieder Bahn brach).

        Gefällt mir

      • Berengar schreibt:

        Eine weitere Klarstellung, bevor es zu vermeidbaren Mißverständnissen kommt:

        Meiner Meinung nach ist der Diagnose „Das Imperium ist im Abstieg begriffen“ nicht mehr zu entnehmen als … halt genau das. Ich teile in keiner Weise die sehnsüchtige Erlösungshoffnung, die manche Leute daran knüpfen wollen. Man kann mit guten Gründen argumentieren, daß Imperien immer Verfahren der Abstiegsregie seien, ohne Abstrich und Ausnahme.

        Gefällt mir

      • tgarner9 schreibt:

        Hallo Berengar,
        Ikonoklasten und Dulen liegen außerhalb meines Berittes, aber so weit ich sehen kann, liegen die Mißverständnisse woanders.

        „Ideologeme“ spielen epistemisch auf einer abstrakteren Ebene, als „Bewußtsein“, nämlich getrennt von den Subjekten, die Ideologeme hegen und pflegen. Schon in Deinem ersten Beispiel in diesem Thread erschien mir nicht ganz klar, ob Du von „Bewußtsein“ oder Gesinnung sprichst, bzw. sprechen willst. Gesinnungen sind selbstredend wiederum konkreter, als „Bewußtsein“, ohne daß ich mir jetzt gerade die Zeit nehme, die Differenz zureichend zu bestimmen, denn ihr „Witz“ liegt offenkundig auf der Ebene der praktischen Verläufe und Austragung gesellschaftlicher Gegensätze. Hat und teilt man den Ideologiebegriff, der im Begriff „Bewußtsein“ lediglich konkretisiert ist, ergibt sich, daß „Gesinnung“ kein theoretischer Gegenstand, i.e. kein Gegenstand der Kritik, vielmehr ein politischer Gegenstand bzw. einer des politischen oder auch militärischen Kampfes ist. Stellt ein Theoretiker / Analytiker sich außerhalb dieses Gegensatzes, ist Gesinnung allenfalls Anlaß ästhetischer Urteile – man mag die eine häßlicher oder schädlicher finden, als die andere, doch über das Ganze des Zusammenhanges gezogen sind solche Urteile palle, weil Häßlichkeit und Schaden das Resultat des Zusammenwirkens streitender Gesinnungen auf der jeweiligen politökonomischen Grundlage sind.

        Gefällt mir

      • Berengar schreibt:

        Danke Dir, Thomas! Übrigens meine ich das generell: Danke dafür, daß Du Dir immer wieder die Zeit nimmst, solche Fragen zu beantworten!

        Die Sache ist, wie ich eben lese, mittlerweile dahin gekommen, daß der AStA die Vorlesungen boykottiert und dienstrechtliche Schritte gegen Rauscher anstrengt.

        Ich habe damit übrigens ein handfestes Problem. Ich kenne solche Typen ebenfalls und ja, besonders aus meiner Studienzeit. Die liegt zwar schon ein paar Jahre zurück, aber noch nicht so lange, daß sie in ein anderes Zeitalter gehörte. Damals ist es uns allerdings nicht in den Sinn gekommen, die Staatsgewalt auf unsere Seite zu ziehen und sie den Schlag führen zu lassen. Wir haben uns damals im Gegenteil den Anlaß nicht nehmen lassen, den Typen mal „vorn am Gewand zu nehmen“ – herausgekommen sind dabei die möglicherweise lehrreichsten Vorlesungen überhaupt.

        Wieso? Na: Wenn ich jemandem nicht erklären und auseinandersetzen kann, wieso er gerade Käse erzählt und was den erzählten Käse stinkert macht, sondern stattdessen alles dran setze, den Köse unter die Dunstglocke setzen zu lassen, dann erspare ich mir zwar die Notwendigkeit, die Kritik tatsächlich leisten zu müssen, dafür leiste ich sie dann aber auch nie.

        Wie siehst Du das?

        Gefällt mir

      • tgarner9 schreibt:

        Aber, aber mein Lieber, Du willst mich doch hier wohl nicht in eine Gewaltdebatte verwickeln?

        Vom kriminologischen Standpunkt sind kinetischen Auseinandersetzungen schwerlich Zweckmäßigkeit zu bestreiten – unabhängig von irgendwelchen Bewertungen oder gesetzlichen Urteilen – sofern sie um die Geltung von irgendwas in halboffenen Verbänden gehen. In offenen Verbänden oder Gesellschaften sind sie zwecklos, sofern nicht eine Seite einer oder allen anderen Krieg erklärt, worin es halt um Sieg oder Niederlage geht.

        Aktuell bin ich Kriegsgegner, weil das Resultat in nichts als … wie sagt man … Personenschäden bestünde.

        Gefällt mir

      • Berengar schreibt:

        Thomas, ich habe hier noch nie rumgelogen und sehe nicht ein, ausgerechnet hier und jetzt damit anzufangen. Daher lautet die Antwort: Jein. „Nein“, weil ich es mir nicht herausnehmen mag, Dich von den anderen Sachen abzuziehen, denen Du Dich widmest. „Ja“ zum anderen, weil mir diese Fragen in ganz praktischer Gestalt immer wieder vor die Birne kommen.

        Zum einen, weil ich in einer Gewerkschaft aktiv bin und abseits von den ganz praktischen Dingen, die die Genossen im Betriebsalltag so umtreiben, früher oder später sinngemäß gefragt wird: „Was sollen wir denn jetzt machen? Eine Munitionsdepot überfallen und ernst machen mit einem Streik?“

        Zum anderen, weil gerade ehemalige Kommilitonen von mir in Kurdistan unterwegs sind. Ursprünglich, weil sie auf eigene Faust in Deutschland nicht mehr benötigte Medikamente (die ansonsten im Ofen landen würden) da runterbringen wollten. Mittlerweile, weil sie das nicht mehr tun können, sofern sie den kleinen LKW, mit dem sie da unterwegs sind, nicht bewaffnen – und ich meine das genau so, wie es da steht …

        Gefällt mir

      • tgarner9 schreibt:

        Wenn ich recht orientiert bin, Berengar, besteht in Deutschland keine Anzeigepflicht für Mitwisser, wenn sich Leute den Kurdischen Freiheitskämpfern anschließen – anders, als im Falle der Hezbollah, auch wenn die Betreffenden denselben Feind bekämpfen, wird man da „Unterstützer einer terroristischen Vereinigung“. In Spanien und im UK sind die „kurdischen Freiheitskämpfer“ Terroristen.

        Wievieel Bataillone haben denn Deine Genossen zu bewaffnen?.

        Gefällt mir

      • wolfsmilchblog schreibt:

        magste das:
        Zum einen, weil ich in einer Gewerkschaft aktiv bin und abseits von den ganz praktischen Dingen, die die Genossen im Betriebsalltag so umtreiben, früher oder später sinngemäß gefragt wird: „Was sollen wir denn jetzt machen? Eine Munitionsdepot überfallen und ernst machen mit einem Streik?“
        etwas ausführen? wie kommen „sie“ aufs munitionsdepot beim „streikernstmachen“…?

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s