Syrische Updates

Während WH und DoS mit konfligierenden Ankündigungen anläßlich der „Siegesfeiern“ in Raqqa klar stellen, daß in der „Neuen Phase“, von der sie sprechen,  mindestens auf Jahre ein Ende des Syrienkrieges unabsehbar bleiben wird und soll, und ein neuer Irakkrieg, der ein Irankrieg ist, bereits angelaufen ist und, wenn überhaupt, nur schwer zu begrenzen sein wird, hat Putin in aller Gemütsruhe die Al Qaida – Funktionäre der NATO zu imperialen Statthaltern in Idleb erhoben. 

Putin setzt Al Qaida als NATO-Statthalter in Idleb ein

Am 8. 10. schrieb ich:

Die taktische Schwierigkeit, welche die „Deeskalationszone Idleb“ der russisch-türkischen Entente bereiten wird, liegt in der künftigen Administration der Provinz, in der weder eine türkische noch russisches Hoheit auf militärischem Wege sicher zu verankern geht. Die „Lösung“ liegt auf der Hand: Der Status Quo der Provinz soll und muß unter neuen Labeln in erheblichem Umfang erhalten bleiben. In Idleb soll künfig eine russisch zertifizierte „Opposition“ residieren, die dafür Bedingungen zu akzeptieren hat, von denen wir einstweilen nichts weiter wissen, als daß die Einstellung der Angriffe auf SAA und die ihr verbündeten Milizen ihre Grundlage ist.

Das ist genau so eingetreten, wenngleich die Operation noch nicht abgeschlossen ist.
Der gewöhnlich gut informierte  daher rasch unterschriftsreif. Wenige Tage später rückte das erste türkische Panzerbattalion in die Provinz ein und bezog bezeichnenderweise Position auf der Anhöhe bei Shaykh  Barakat, an der Grenze zu Afrin. Parallel dazu gab es lt. Almasdarnews und diversen Twittermeldungen Ressourcenkämpfe zwischen und innerhalb düpierter „FSA“ und Ahrar-Verbände. Dagegen scheint das Scharmützel zwischen Al Qaida und Ahrar um die kriegswichtige Paßstraße bei Armanaz am 8. Oktober, im Westen der Provinz, das letzte derartige Vorkommnis zu sein. Der Paß wurde nicht beansprucht, die FSA-Verbände zogen ab oder rückten gar nicht erst ein, die türkischen Truppen nahmen die Nordroute entlang der Grenze zu Afrin.

Der zuletzt zitierte Artikel in der türkischen Regierungszeitung Yeni Safak spricht von acht vorgesehenen türkischen Basen in Idleb, andere Quellen, die sich auf den Astana-Prozess berufen, sprechen von zwölf. Im einen wie anderen Fall kann es sich nur um eine symbolische Aufsichtsmacht handeln, wie XinhuaNet unter Berufung auf im Zuge des Erdogan’schen Staatsstreichs geschaßte Militärs mitteilt. Der Artikel betont den Umstand, daß die bürgerliche Opposition gegen Erdogans Führerherrschaft, die CHP, deren Führung sich der Militäroperation offiziell nicht entgegen stellt, angekündigt hat, der Regierung jeden fallenden türkischen Soldaten zur Last zu legen. Dem Erdogan, der mittels des Verfassungsreferendums darauf gewettet hat, daß ihm die Wahlen 2019 die präsidiale Militärdiktatur bestätigen, werden die Handlungsspielräume eng. Umso wahrscheinlicher ist es, daß die Al Qaida – Funktionäre auf eine mit den nötigen Bestechungssummen ausgestattete Anweisung der NATO-Generäle handeln, wie sollte sich Erdogan sonst auf das Spiel einlassen? Er riskierte, im Falle eines Al Qaida-Aufstandes gegen die symbolische Besatzungsmacht von der NATO an Putin verwiesen zu werden, um die russischen Truppen planmäßig weiter in Syrien zu verwickeln und zu schädigen, worauf Putin keinen Grund hätte, den „seltsamen Feind“ in Ankara über den eigenen politischen Bedarf hinaus zu schützen.

Andererseits droht Erdogan von der Fraktionsspaltung in der US-Armee – mehr dazu im nächsten Abschnitt – Ungemach. Laut Yeni Safak sind zwei der bislang fest vereinbarten vier türkischen Basen – über die anderen vier werde noch verhandelt – die ehemaligen syrischen Militärflugplätze Taftananz und Abu al Duhur. Sie liegen nahe der bislang blockierten Autobahn zwischen Aleppo und Hama, die, geleakten Karten zufolge, die Grenze zwischen einer türkisch und einer iranisch überwachten Zone im „Deeskalationsgebiet“ Idleb bilden und folglich irgendwann im Prozess für den zivilen Verkehr frei gegeben werden soll. Schwer vorstellbar, daß die „Chaos-Fraktion“ in der NATO das zulassen wird.

Programmatische Siegesfeiern um Raqqa

Vergleicht bitte die Verlautbarung des Weißen Hauses mit dem des State Department.

Der Unterschied ist fein, aber saftig. Wortgleich künden beide Erklärungen an, Waffenruhevereinbarungen zu unterstützen. Während das Weiße Haus zusätzlich allgemein und unbestimmt die Unterstützung „diplomatischen Bemühungen“ um eine „politische Übergangslösung“ ankündigt, weist das DoS die im Astana-Verfahren bedingt gelungene diplomatische Einbindung der Türkei und des Iran, die zu Waffenruhen auf dem ganzen syrischen Staatsgebiet geführt haben, insbesondere auch an der Südfront und am Golan – wenn auch nur strichweise und fragil – kategorisch zurück, indem  es auf einem „UN-geführten“ Verfahren besteht, dem kein Diplomat und Think-Tank-Pundit der Welt noch den Hauch einer Chance einräumt (schon gar nicht nach der Aufkündigung des „Iran-Deals“). Die in Tel Aviv regierenden und in Washington mitregierenden Zionisten lassen grüßen.
Eine bezeichnende Anekdote dazu ist auch der Haufen, den der europäische NATO-Ziocon Carl Bildt, einer der Aktivisten des Euro-Maidan und des folgenden Ukraine – Krieges, den Feiernden des Sieges über IS auf den Teppich schiss.

Das Thema ist zu sensibel, als daß Bildt hier einem persönlichen Pläsierchen frönt. Er wird sich der Unterstützung seiner Kumpel in Brüssel gewiß sein. Damit ist der Zustand der imperialen Militärpolitik im Grundsatz geblieben, wie ich es vor fast einem Jahr in einem wesentlich engagierteren Eintrag geschildert hab. Nur noch ein wenig verwickelter. Siehe hier:

Das Imperium hat mit der einen Hand die Barzani-Kurden und ihre aktuellen und potentiellen Verbündeten bewaffnet und ihnen Unterstützung für Eigenstaatlichkeit versprochen, mit der anderen Hand hat sie Bagdad den Rücken gegen die Sezession gesteift, nicht ohne seit vollen zwei Jahren ein propagandistisches Trommelfeuer gegen den iranischen Einfluß in Bagdad und dessen “ Proxymilizen“ unter dem Dach der irakischen Armee zu veranstalten. Nun verlangt das DoS praktisch eine direkte Kommandogewalt über die „umstrittenen Gebiete“ ein, ohne eigene Kräfte oder selbst Proxies vor Ort zu haben. Das ist eine Lage, die sicherstellt, daß die streitenden Parteien „auf die harte Tour“ ihre Spielräume wahr nehmen und austesten müssen. Wenn es keine gültige Autorität vor Ort gibt, bleibt ihnen nur das ebenso kindische wie blutige Austesten der „elterlichen Leine“. Während die Presse noch von „Gefahren“ redet, ist der neue Irakkrieg der eigentlich ein Irankrieg ist –  einschließlich eines innerkurdischen Nebenkrieges – den ich vor x-Monaten als ein kaum vermeidliches Resultat der Kämpfe im Imperium angekündigt habe, bereits im vollen Gange.

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