Irankrieg im Irak – Imperium gibt Gas

Ich habe keine Zeit für einen sachgerecht ausführlichen Bericht zu den überstürzten Ereignissen, kann nur Stichworte und Links geben.

Vor vier Tagen hatte Tillerson, gleich seinem Präsidenten, „Entwarnung“ für europäische Iran-Geschäfte gegeben, zwei Tage darauf kam das Dementi, das viele Mrd. starke Investitionen praktisch auf Eis legen muß.

Den Grund für diesen scheinbar erratischen Kurs kann man schematisch Tillersons gestriger Verlautbarung in Bagdad entnehmen. Kurzfassung: Die USA stellen die Regierung in Bagdad mit kaum verhüllten militärishen Drohungen vor eine „Wahl“, es entweder mit Basra gegen Erbil zu halten, oder umgekehrt. Der Verlauf der Machtübernahme Bagdads in Kirkuk seit dem 14. Okt. (das ist ein zu Gunsten russischer und chinesischer Interessen geschönter Bericht, aber ich habe jetzt keinen bessren), vom WH ermutigt, hatte zunächst vermuten lassen, die Barzani-Kurden würden sich hüten, dem Angriff der Chaos-Fraktion auf Teheran über Bagdad Kanonenfutter bereit zu stellen. Diese Unsicherheit ist zwischen dem 20. und 22. entfallen. Das Resultat sahen wir gestern in einer tätlich untermauerten Kriegserklärung Erbils an Bagdad.

Schema, Absichten und Ziele dieses Krieges stellte Douglas A. Ollivant, ein Veteran der Blutfedern 1 für die Putschregierung Dick Cheneys, ausführlich am 18. Oktober in „War on the Rocks“ vor: AMERICA’S OPPORTUNITY IN IRAQ IS READY TO BE SEIZED 


  1. Apropos Blutfedern. Zu den neuen Opfern des Irankrieges haben wir Thomas Pany (Telepolis), zu zählen, einen der letzten, wenn nicht der letzte deutsche Journalist, der, gegen den Zeitgeist gestemmt, das alte republikanische Ethos der Ausrufer der Herrschenden zu beherzigen versuchte, das Audiatur et altera pars. In diesem Artikel trug er auftragsgemäß sein Scherflein zum Massaker-Marketing bei. Er zeigt darin ziemlich deutlich an, daß es gegen seinen Willen geschehe. So oder so ändert es nichts, er hat mein Beileid. 
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4 Antworten zu Irankrieg im Irak – Imperium gibt Gas

  1. tgarner9 schreibt:

    Ergänzung

    Einen offenen (!!) FP-Artikel, der umwegslos und unverklausuliert dafür wirbt, einen irakischen Bürgerkrieg gegen Trump zu erzwingen, hatte ich mir vor Tagen nur beiseitegepackt (ich weiß ja seit einem Jahr, daß es darauf hinaus laufen mußte) und im Eintrag nicht berücksichtigt:
    http://foreignpolicy.com/2017/10/16/if-trump-wants-to-confront-iran-he-should-start-in-kirkuk/

    PS.: Damit wissen wir auch, wo die in Deir Ezzor nicht einfach in „Syrian Arabic Army“ unter dem „Dach“ der SDF umgeflaggten Daeschianer verschwunden sind. Nicht in der Müllverbrennungsanlage, aber im nächsten Fleischwolf. Sie werden derzeit in die „sunnitischen Milizen“ umorganisiert, die lt. FP schon „seit langem“ darauf warten, den PMU zu „zeigen“ wo es lang gehe.

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  2. tgarner9 schreibt:

    Und noch ein PS.: Irgendwann Mitte der 80ger Jahre sagte Ariel Scharon, der ehrliche Massenmörder, einem Interviewer, der ihm zum x-ten Mal das Massaker von Sabra und Shatila zur Last legte – ohne auf den Vorwurf näher einzugehen – „Ich schwöre, wir werden die Araber terrorisieren, bis sie wie Zombies auf ihrem eigenen Land herum torkeln.“ Seit dem Jom Kippur-Krieg, mit dem Kissinger, Golda Meir, Begin und Anwar al Sadat gegen nicht unbeträchtliche Widerstände im WH und Kongress den Status Israels als heimlichem Imperiumszentrum in Vorderasien befestigten (Präsident Nixon zählte nicht zu den Zionisten, er fraß nur opportunistisch, was Kissinger ihm vorsetzte) ist die Levante ein nur zeitweise (und mühsam) von US-Patrioten gedeckeltes Kriegsgebiet. Rund ein Dutzend Millionen wurde massakriert, rund 100 Millionen traumatisiert. Der zionistische Krieg nährte sich im Verlauf „wie von selbst“, weil neben Saddam Hussein 10.Tausende unter den arabischen Eliten sich von ihm nährten und nähren konnten, weil die Volksmehrheiten obendrein in mittelalterlicher Dunkeltapsigkeit verharrten. Man kann Bashars Vater, Hafiz al Assad eine Menge vorwerfen. Die Militärdespotie, die er in Syrien errichtete, stand der irakischen, wenn überhaupt, wenig an Grauslichkeit nach. Aber mit ihr gelang es ihm nach 1973, den Krieg vom syrischen Boden weitgehend fern zu halten und im klaren Gegensatz zu allen zeitgenössischen mittelöstlichen Despoten errichtete er eines der modernsten Institute, das es in der Levante gab – Volksbildung. Hätte er das nicht getan, sein Sohn hätte spätestens im zweiten Kriegsjahr am Galgen gebaumeltt – und das, darauf wette ich, weiß Bashar sehr genau. Es zählt zu den Gründen, warum er sich, seiner Familie und „seinem Volk“ antut, was er tut. Ein irrsinniger Heroismus, gewiß, einer, der – wie so vieler anderer Irrsinn – die Pläne Scharons und seiner Mitstreiter aufgehen ließ und läßt.
    Ach Quatsch.

    Weitermachen!

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  3. tgarner9 schreibt:

    Wenn der Mossad will, daß amerikanische Beschlüsse als das Werk einer Erpressung durch die zionistische Militäraristokratie und ihre Atomwaffe erscheinen, dann geschieht sowas

    „Twice last week, mortar rounds or rockets launched from Syria hit areas of the Israeli-held Golan Heights, causing no casualties but drawing Israeli artillery fire against Syrian army posts.

    Addressing his parliamentary faction on Monday, Defence Minister Avigdor Lieberman, a far right politician, said the Golan shelling was carried out by a Syrian cell on Hezbollah’s orders without Damascus having been informed, to stoke Israeli-Syrian fighting.

    Lieberman did not detail the source of his information.

    “There was a personal instruction by (Hezbollah leader Hassan) Nasrallah to compartmentalise Assad and his regime from the execution of this shooting … with the goal of dragging us into the Syrian mire,” Lieberman said in the televised remarks.

    “Therefore I call here both on the Assad regime … and also on the Russian forces that are present there, to restrain Hezbollah.”

    Within hours, every major Israeli media outlet aired remarks attributed to unnamed military officers casting doubt on Lieberman’s account.

    “We have no information supporting Lieberman’s statement purporting that the (Syrian shelling) cell was run by Hezbollah personnel,” the top-rated Channel 2 television quoted “sources in the IDF (Israel Defence Forces)” as saying.

    Lieberman’s office did not immediately respond to the comments contradicting him. A Lieberman confidant who requested anonymity told Reuters: “The defence minister spoke based on his own judgment and assessment.”

    Zum Hintergrund muß man wissen, daß sich der russische Kriegsminister Shoigu letzte Woche zu mehrtägigen inoffiziellen Gesprächen mit „Kollegen“ – d.h. den leitenden Geheimdienst- und Armeeoffizieren – in Tel Aviv aufhielt. Debka verfertigt aus dem Ereignis einen „Exklusivbericht“ für Subscriber (ich bin keiner), für den das Portal „seltene“ und selbstverständlich „geheime“ „Einblicke in die russische und iranischen Vorhaben, Ziele und Strategien“ verspricht. Diese Ankündigung enthält schon den spechenden Hoax. Wenn der Kreml den regierenden Zionisten „Einblicke“ geben will, um sie zu irgend was zu bewegen oder zu warnen, dann geschieht sowas in Moskau. Es verhält sich genau umgekehrt. Shoigu wurde taktisch über verschiedene israelische Alternativpläne in der kommenden, neuen Kriegsphase „gebrieft“, um Grundlienien eines russisch-israelisches Deconflicting fest zu klopfen. Putin hatte den Iran 2007, als der Zug der (Atom-)Kriegsvorbereitungenn der Cheney-Clique gegen den Iran schon fast abgefahren schien, offiziell unter den russischen Atomschirm genommen. Als Cheney die Vorbereitungen dennoch fortsetzte und zuzüglich die IDF in Georgien eine Luftwaffenbasis einzurichten begann, die eine eigene atomare Enthauptungsdrohung gegen Teheran (die Stadt!) und Gom aufstellte, ließ Putin über eine Schweizer Presseleitung wissen, wenn Teheran bombardiert werde, würde Tel Aviv von der Landkarte getilgt. Das israelische Luftwaffenkontingent zog wenige Wochen vor dem Russlandkrieg Saakashwilis aus Georgien ab. (Einen Teil dieser Infos bezog ich seinerzeit aus Artikeln von C.K. Daly, Jamestown Foundation).
    In Israel schätzt man die Klarheit und Verläßlichkeit russischer Strategien und Grenzziehungen. Debka teilt also mit, daß Israel den angelaufenen Irankrieg im Irak und die daraus folgenden syrischen Verwicklungen maßgeblich zu steuern gedenkt und in Moskau so viel Vertrauen in dies Vermögen genießt, daß man sich dort zur Entsendung des erten Offiziers der Nation bereit fand.

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  4. tgarner9 schreibt:

    Der Kriegserklärung ließ die KRG ein „Angebot“ einer „Waffenruhe“ folgen.
    http://www.kurdistan24.net/en/news/925c791d-461c-4e25-be9c-5d595debde39
    Es kann und wird niemanden täuschen, der in den vergangenen etwa 12 Monaten mitbekommen hat, wie eine schiitenfeindliche Kampagne in allen Teilen Kurdistans stetig ausgeweitet und mit zunehmend blutigen und absurden Narrativen aufgefüttert wurde. .

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