„Es geht um Öl“, blöken die Schafe

Warum verbreitet Pepe Escobar solchen Schwachsinn? Er ist doch kein Dummer?

Nein, aber gleich Thomas Pany will er halbwegs anständig leben. Mehr noch, als Pany, mag er schreiben, mag er die Bühne journalistischen SchreibensSo hat er anläßlich der russischen Intervention in Syrien, endgültig aber mit Beginn des Ukrainekrieges, beschlossen, sich dem Narrativ russischer und chinesischer Strategen und Ideologen anzuschließen, die den Schafen – in erster Linie natürlich ihren Schafen – verklickern wollen, der Selbstvernichtungskrieg des Imperiums sei halb so wild, wie er erscheine, es gehe bloß um die unabwendbare Wachablösung in der Weltordnung, die mit dem Aufstieg Eurasiens einher gehe, welche die USA bestenfalls als gleichberechtigte Macht zurück lassen und eine gerechtere, prosperierende und friedlichere Welt zumindest in Aussicht stelle.  Doch das nur nebenbei.

Die schwachsinnige Deutung des Irakkrieges wird erneut Karriere machen, das ist abzusehen, nachdem sich die Zionisten ihm anzuschließen beginnen. Die lachen sich kringelig über die Dämlichkeit der Schafe, einschließlich ihrer „eigenen“, der jüdischen Schafe übrigens, denn die hat Jahwe seinen auserwählten Hirten zur Verfügung gestellt …

Einem der zwei Leser, die mich nicht für irre erklären, könnte an der Stelle der Einwand einfallen, es könne, angesichts der gegebenen Konstellation innerhalb des Irak und Iraks auf dem Weltmarkt,  unmöglich um Öl nicht gehen. Richtig. Aber dann hat er als Erstes fest zu halten, daß Bagdad, von Erbil zu schweigen, nur über einen einzigen Hafen die Masse seines Ölexportes halbwegs freizügig abwickeln kann, Umm Qasr. Der einzige Tiefwasserhafen liegt am Ende des Persischen Golfes, den im kommenden Irankrieg zu schließen abwechselnd die NATO und der Iran androhen. Obendrein taugt er nur zu Zeiten hoher Ölpreise für Ziele außerhalb Asiens und Afrikas, und selbst das nicht, so lange die USA sich mit südamerikanischem Öl autark halten. Deshalb werden seit Jahren Kontingente südirakischen Öls über die KRG und die Türkei nach Europa exportiert, ich habe jetzt nicht nachgeguckt, wie viel. Einen Neubau der Tapline  nebst Anschluß an den Irak und Verlegung einer parallelen Gasröhre, beschickt vom Qatar, lehnte das KSA stets ab, bis der Syrienkrieg die Route versperrte. Der setzte auch einem syrisch-irakischen Vertrag von 2010 zum Bau einer Gaspipeline ein Ende, die unter besten politischen Voraussetzungen aus technischen und kommerziellen Gründen eher im libanesischen Tripoli, statt Tartus, hätte enden können und müssen. Angeschlossen an den Vertrag war ein Memorandum of Understanding mit der iranischen Regierung zum Anschluß des Gasfeldes South Pars an die Pipeline, ohne den der Bau der Trasse sich kaum gelohnt hätte.

Einem qatarischen Ansinnen, das Gasfeld North Dome anzuschließen, gab Syrien einen Korb. Deshalb kam in er ersten Kriegsphase (etwa bis zum Sommer 2012) die Deutung in Mode, Qatar und die Türkei seien die maßgeblichen Triebkräfte des Syrienkrieges. Wahrscheinlich entsprach sie einem Narrativ der tatsächlichen Angreifer, der Ziocons und ihrer Frontfrau Killary Clinton, das Chalifa Al Thani, den Vater des jetzigen qatarischen Emirs bewogen hat, einen entscheidenden Beitrag zum Libyenkrieg zu leisten, der das größte Kontingent an Söldnern für die erste Phase des Syrienkrieges aushob. Auch Erdogan mag es bewogen haben, seinen anfänglichen Widerstand gegen beide Kriege aufzugeben und sich stattdessen neben dem Qatar und – erst später – dem KSA zum Hauptsponsor des Syrienkrieges aufzuschwingen.

Doch die Durchschlagskraft im Imperium bezogen die zionistischen Pläne und Ziele aus dem übergeordneten Ziel einer Fraktion der Transatlantiker, den ökonomischen Aufstieg Europas und des Euro zu zähmen und die EU in Abhängigkeit von der US-Militärmacht zu halten. Und dies war wiederum eine Phase in dem abermals übergeordneten Ziel der US-geführten NATO, militärische Kontrolle über die ökonomische Entwicklung Zentralasiens zu erlangen, wozu die Unterbindung, mindestens Zähmung pakistanischer, afghanischer und iranischer Eigenwilligkeiten eine zwingende Voraussetzung ist. Dies übergeordnete Strategem bekam in der US-Politik nach dem Putsch von 9/11 den Rang eines unwidersprechlichen geopolitischen Schlagwortes, Greater Middle East. Tatsächlich war es ein Strategem, zu dem jüdische und amerikanische Faschisten ihre jeweiligen Ziele nach dem mörderischen Putsch gegen Yitzhak Rabin vereinigt hatten und es im PNAC zur Projektreife brachten. Mit dem amerikanischen Putsch begann die Umsetzung unter Federführung Richard Cheneys und Ehud Baraks.

Das alles ist nicht schwierig den allgemein bekannten, zuzüglich einiger weniger bekannter, aber leicht zu ermittelnder Informationen, zu erschließen, aber eine große Zahl „Linker“ und nicht wenig Bürgerliche und Konservative zogen es vor, sich der faschistischen Psyop anzuschließen, „It’s about the oil, stupid„. Sie ist so schlagkräftig, weil es das Bedürfnis und die Gewohnheiten aller, jeder einzelnen der kursierenden bürgerlichen Ideologien bedient bzw. bebildert. Ihr Alpha und Omega bildet die Botschaft:
Menschen sind halt so, Kindchen …

Zur Antwort auf den Einwand, wie der neue Irakkrieg denn nicht mit Öl zu tun haben könne, gehören weitere, wenig bekannte Einzelheiten darüber, wie er damit zu tun hat. Ich habe jetzt keinen Trieb mehr, sie meinen zwei Lesern aufzufalten und muß außerdem Laub harken. So kippe ich mal drei Links ab, hier, hier und hier, die Leser mit zusätzlichen kleinen Recherchen ergänzen müßten, in denen es nicht um Öl geht, sondern kurdischen Terrorismus im Iran.

Nur zwei Konsequenzen will ich kurz noch hinwerfen.

  1. Mehr noch, als auf Akzeptanz und Goodwill des Mutterlandes ist kurdische Autonomie im Irak – von Unabhängigkeit zu schweigen – auf die Kalküle der Nachbarn und imperiale Stakeholder angewiesen, die übrigens bis auf China und Israel alle direkte  Stakes in der Ölinfrastruktur der Region haben. Und die Ausgenommenen haben indirekte Anteile.
  2. Natürlich haben die iranische Regierung und iranische Verbände „großen Einfluß im Irak“, wie könnte das anders sein, bei diesen historischen Nachbarn? Zuzüglich der mehrheitlich schiitischen Religionszugehörigkeit der Iraker? Doch das nationale Interesse des Iran zielt unzweideutig und unwidersprechlich in erster Linie auf stabile Verhältnisse im Nachbarland, aus einer Plethora von Gründen und Motiven. Freilich schlagen in diesem Zusammenhang immer mal Kämpfe zwischen den sogenannten „Reformern“ und so genannten „Konservativen“ im Iran, die ihren zunehmend militanten Charakter überwiegend von den imperialen Interventionen der Vergangenheit (angefangen mit dem CIA-Putsch gegen die iranische Republik 1953), Gegenwart und Zukunft beziehen, auf die irakischen Schiiten durch, und ich will über relative Umfänge und Gewichte dieser Querelen hier gar nicht rechten. Denn die Ereignisse der letzten acht (!) Jahre beweisen eindeutig, daß unter der Bedingung des Obama’schen (vorbehaltlich des Atomdeals ausesprochenen) Gewaltverzichts, der Absage des zionistischen Krieges zur Zerstörung des Iran, die stabilisierenden auswärtigen Einflüsse im Irak vom Iran kamen, die destabilisierenden von allen anderen Nachbarn, mit Ausnahme der Regierung in Damaskus …

 

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