Puigdemont (noch) nicht angeklagt

Reuters stellte die flächendeckende Lügenpropaganda in den deutschen Nachrichten im „daily briefing“ richtig:

He is in theory due to testify in a Spanish court on Thursday after a state prosecutor recommended charges for rebellion and sedition against him; a no-show could prompt a an arrest warrant that in turn could prevent him from standing in the December vote.

sagte dort aber dennoch nicht die ganze Wahrheit. Die andere Hälfte berichten die europäischen Fälscher, nämlich die vom Obersten Gericht verlangte Entschädigungszahlung von ca. 6 Millionen für das verfassungswidrige Referendum. Die Forderung eröffnet einen „fürstlichen“ Weg nach Canossa. Zahlt irgend ein „Gönner“ für Puigdemont, wird der Untersuchungsrichter sein Erscheinen vor Gericht als die geforderte Unterwerfungsgeste werten können, ohne das der Beklagte sich ausdrücklich zu ihr bekennen muß. Dann ließen sich unter Gesichtswahrung für alle Seiten, besonders aber für Madrid, die schweren Anklagen an die Staatsanwaltschaft zu weiteren Ermittlungen zurück reichen.

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4 Antworten zu Puigdemont (noch) nicht angeklagt

  1. Berengar schreibt:

    Die Frage ist ja, weshalb und wozu deutsche Leitmedien einen anderslautenden Kladderadatsch zusammenlügen. Sofern man sich nicht auf den Standpunkt stellt, daß es in DE einer ernstzunehmenden Separatistenbewegung ihre Parteigänger abspenstig zu machen gelte (nach dem Motto: „Schaut her, sowas kommt von sowas!“), gibt es dazu keinen Grund, oder? Zumal, da deutsche Medien eben nach wie vor nur deutsche Medien sind.

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    • tgarner9 schreibt:

      Meine Antwort hatte ich in den letzten Presse zur katalanischen Krise – Ignoranz, Sensationsgeilheit, Boshaftigkeit oder Lenkung? codiert. Antwort:“Ja“. Es braucht ja doch nicht viel Bildung, zu wissen, daß in vielen Ländern die Unterschrift eines Richters unter eine staatsanwaltliche Anklage nicht bloß ein formaler Federstrich ist. Aber es ist viel geiler, das zu ignorieren. Wenn Leute unter denen, nach denen sich die Nach-Richten richten, die Paraole ausgebenm „Ich will eine geile Berichterstattung!“, läuft die Soap-Opera wie auf einer Seifenspur.

      Das ist aber nicht der wesentliche Punkt. Der liegt darin, daß das Publikums-Management in Imperiumsfragen in schwindendem Maße daran gebunden ist, wie drängend den Herrschenden die jeweils durch die Öffentlichkeit zu schleusenden Vorgänge und Entscheidungen sind. Unterstellt man die hypothetische Absicht des Theaters, die ich im o.a. Eintrag vorgestellt habe, käme ihre Durchsetzung sicher ohne europaweite Großbühne aus. Eine drängendere Absicht fällt mir umgekehrt zu Spanien gar nicht ein. Routine ist es auch eher nicht, denn den gleichen Zirkus gab’s in Spanien ja mehrfach – ohne große Presse, die Spanien eigentlich nur bei Imperiumsanliegen kriegt.
      Folglich haben wir ein publizistisches Ritual vor uns. Ein Liturgievers des Rituals lautet: „In Europas dürfen Grenzen nicht länger in Frage gestellt werden.“ Da sollen eine ganze Reihe von Kunden die Ohren spitzen und merken, die Liturgie erschafft ein Mobilisierungsreservoir. Europa macht mobil, lautet die Kernbotschaft des Verfahrens, des Rituals in seiner Gesamtheit. Das Publikum soll Europafragen unwillkürlich den gleichen Stellenwert einräumen lernen, wie sie das bei „nationalen Fragen“ gewohnt sind.

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      • Berengar schreibt:

        Okay, das ist schlüssig vorgestellt!

        Könnte man also die Botschaft direktemang so zusammenfassen? „Herr Putsch-Demont kann sich nicht einfach so von einem Eurostaat in den nächsten absetzen und um Asyl suchen schon gleich nicht, denn solche Gnadenerweise sind allenfalls für ‚Kanaken‘ vorgesehen, die die europäischen Außengrenzen passieren wollen, aber doch nicht für waschechte Europäer!“

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  2. tgarner9 schreibt:

    Siehe hier:
    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article170241974/Puigdemont-ist-ein-verantwortungsloser-Hasardeur.html
    Das ist eine volkstümliche Vorlage für ein flächendeckendes Bashing. Spätestens jetzt ist das Fazit fällig, daß Puigdemont nach Brüssel reiste, um sich unter NATO- Hoheit zu begeben.

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