Die neue „Vaterlandslosigkeit“ der Transatlantiker

Eine zureichende Analyse des DGAP – Papers „Beyond ‘pro’ and ‘anti’ Putin:
Debating Russia Policies in France“ hätte, abstrakt gesprochen, sicherlich einen Nutzen – aber für wen? Die Autorin, Barbara Kunz, hält gegen den Anschein einer Reihe von Debatten und Phänomenen des öffentlichen Diskurses in Deutschland zu Recht fest, Opposition gegen die Feindstellung der NATO und den transatlantisch gebotenen Paria – Status von „Putins Russland“ sei, anders, als in Frankreich, ein zu vernachlässigendes Randphänomen im politischen Stand. Sogenannte „Russlandversteher“ seien in D. im Wesentlichen Proponenten eines russisch deutschen, bzw. russisch europäischen Dialoges auf der Grundlage der transatlantischen Feindstellung, der Erpressungsmittel und -titel geopolitischer Gegebenheiten und ökonomischer Verflechtungen zur Geltung bringt (1).

In Frankreich dagegen sei der Sieg der Globalisten (im Original) über die Nationalisten (im Papier „Sovereignists“ getauft), nicht nachhaltig, indoktriniert Kunz ihre Leser, weil deren Motive und Gründe, welche die Autorin nach alter Manier im Antiamerikanismus, historisch Gaullismus, zu identifizieren und dingfest zu machen trachtet, quer durch das politische Spektrum verbreitet sei.

So weit, so hergebracht und langweilig. Neu ist, daß „Antiamerikanismus“ im Papier nicht länger als ein mehr oder minder freistehender und selbstredender Verurteilungstitel figuriert. Das Papier ruft dazu auf, die (ehemaligen) Transatlantiker Deutschlands mögen ihre in offiziellen und öffentlichen Diskursen unangefochtene, vom praktischen Standpunkt mithin unanfechtbare Position nutzen, die noch in einem Bildungs- und Neuformierunsprozess befindliche und befangene nationale Positionierung Frankreichs im Imperium maßgeblich mitzubestimmen.

So weit und so grob meine Kurzdarstellung. Mehr wäre für die Katz.

(1) Mit bezeichnender Unschuld verrät Frau Kunz auf diese Weise nicht wenig über den totalitären Charakter des transatlantischen Diskurs-Managements in D. Es ist ja unvermeidlich, daß eine „Dialog-Fraktion“ russische Interessen und Standpunkte, an denen sie anknüpfen will, bedingt auch legitimiert – im Minimum darin, daß sie den deutschen Interessen, die der Dialog fördern soll, formell gleich gestellt werden, also den diplomatischen Status behalten, der in der amerikanisch – russischen Kriegsdiplomatie seit 2014 zum Entfall gebracht ist. Frau Kunz lügt also in gewisser Weise, aber diese Lüge ist die Wahrheit über den Status der „Russlandversteher“ in D.

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